Boccherini
Portrait von Luigi Boccherini, Cello spielend (unbekannter Maler ca. 1764-1767)

Rudolfo Luigi Boccherini (* 19. Februar 1743 in Lucca; † 28. Mai 1805 in Madrid) war ein italienischer Komponist und Cellist der klassischen Kammermusik.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft, Jugend und erste Schaffensjahre

Er war das dritte von fünf Kindern von Leopoldo di Antonio Boccherini und María Santa di Domenico Prosperi. Sein Vater, Kontrabassvirtuose und Cellist, lehrte ihn das Spiel auf dem Cello, dessen Beherrschung er durch Abbate Domenico Francesco Vannucci vervollkommnete. Im Jahre 1753 ging der zehnjährige Knabe zur Perfektionierung seiner musikalischen Kenntnisse nach Rom. Dort war er 1756 Schüler von Giovanni Battista Costanzi (ital. Opernkomponist, * 3. September 1704, † 5. März 1778, auch Giovannino da Roma und Giovannino del Violoncello genannt). 1757 begab er sich für vier Jahre nach Wien ans Hoftheater und kehrte 1761 in seine Geburtsstadt zurück. Dort bekleidete er das Amt eines Cellisten in der "Cappella Palatina". Weitere wichtige Stationen auf seinen nun folgenden Konzertreisen waren (ab 1765 in Begleitung seines Freundes, des Geigers Filippo Manfredi): Wien (1762-1764), Mailand (1764), wieder Lucca (1765-1766), dann Paris (1767-1768). Dort veröffentlichte er die ersten seiner Kompositionen. In diesen Zeiten gab er viele Konzerte und bekam von Verlegern lukrative Angebote. Nach anfänglicher Intention, England zu bereisen, folgte er 1768 einem Ruf des spanischen Botschafters in Frankreich nach Madrid.

Zeit in Spanien

Der spanische Infant Don Luís Antonio de Borbón y Farnesio (Ludwig Anton von Bourbon und Farnese), der Bruder des Königs Karl III., stellte Luís Boccherini, wie Luigi Boccherini in Spanien oft genannt wurde, mit königlicher Erlaubnis im November 1770 als compositore e virtuoso di camera (span. compositor y virtuoso de cámara; dt. Kammerkomponist und -virtuose) ein. So war er an verschiedenen Orten als Kapellmeister und Komponist für den Infanten tätig: Boadilla del Monte (1770-1776), Olias-Velada-Cadalso (1776-1778), Arenas de San Pedro (1778-1785) – dorthin zog sich Don Luís nach einer nicht standesgemäßen Heirat mit seinen Bediensteten zurück. Nach dem Tode des Infanten 1785 und seiner ersten Frau Clementina Pelicha, einer Sängerin, kehrte Boccherini nach Madrid zurück und wurde músico agregado a la Real Capilla (der Königlichen Kapelle angehöriger Musiker). Bis 1799 dirigierte er nahe Madrid in Alameda de Osuna (1785-1789) das Orchester der María Josefa de la Soledad, Condesa de Benavente y Duquesa de Osuna (Gräfin von Benavente und Herzogin von Osuna). 1786 ernannte Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen Boccherini zum compositeur de notre chambre ("Komponist unserer Kammer") und gewährte ihm ein Jahresgehalt von 1000 Talern. Bis 1797 komponierte er neben seiner Dirigententätigkeit in Spanien überwiegend für den preußischen Auftraggeber und sandte jährlich zwölf Kompositionen nach Berlin, blieb aber in Madrid wohnhaft. Es gibt keinerlei Hinweise, dass Boccherini je in Berlin oder Potsdam war. Der später als Friedrich Wilhelm II. zum König von Preußen gekrönte Prinz spielte ausgezeichnet Violoncello, weswegen zahlreiche Komponisten versuchten, dessen Gunst zu erwerben. So hatte Boccherini berühmte Konkurrenten wie Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven. Der frühe Tod des Preußenkönigs im Jahre 1797 brachte Boccherini in finanzielle Schwierigkeiten, da die Zuwendungen des Königs wegfielen. 1800 lernte er Lucien Bonaparte, den Bruder Napoléon Bonapartes, kennen. Dieser war französischer Botschafter am Madrider Hof und wurde Boccherinis neuer Mäzen bis 1802. Seine letzten Lebensjahre waren überschattet von familiären Verlusten: zunächst starb seine älteste Tochter María Joaquina (1796), später zwei weitere Töchter (1802) und seine zweite Frau Joaquina Porreti (1804). Trotz Unterstützung durch wohlhabende Gönner lebte Boccherini in mehr als bescheidenen Verhältnissen und starb am 28. Mai 1805 in Madrid an einer Bauchhöhlentuberkulose. Es ist nicht bewiesen, dass er in völliger Armut starb. Zwei seiner Söhne, Luís Marcos, ein Geistlicher, und José Mariano, ein Archivar, überlebten ihn.

Nachruf

Luigi Boccherinis sterbliche Überreste wurden 1927 auf Betreiben seiner Heimatstadt Lucca dorthin überführt und in der Basilika "San Francesco" beigesetzt. Sein Epitaph lautet (in Italienisch und Spanisch):

"Luigi Boccherini. Ebbe coscienza della sua dignità e
fu una pura anima d’artista.
Aprì una nuova era alla musica strumentale da camera.
Onorò l’Italia fuori d’Italia".

"Luis Boccherini tuvo conciencia de su dignidad y
fue pura alma de artista.
Abrió una nueva era a la música instrumental de cámara.
Honró a Italia fuera de Italia".

(Deutsche Übersetzung)

"Luigi Boccherini. Er besaß das Bewußtsein seiner Begnadung und
war eine reine Künstlerseele.
Er eröffnete eine neue Ära der instrumentellen Kammermusik.
Er ehrte Italien außerhalb Italiens."

J. B. Cartier, Pariser Opernmeister, schrieb in seinem 1798 erschienenen Buch L’Art du Violon ou Division des Ecoles choisies dans les Sonates Italiennes, Françaises et Allemandes ("Die Kunst der Geige oder die Unterscheidung der in den italienischen, französischen und deutschen Sonaten gewählten Schulen"): "Si Dieu voulait parler à l’homme en musique, il le ferait avec les œuvres de Haydn, mais s’Il desirait Lui-même écouter de la musique, Il choisirait Boccherini." ("Wollte Gott zu den Menschen in Musik sprechen, so täte Er es mit den Werken Haydns; doch wenn Er selbst Musik hören wollte, würde Er sich für Boccherini entscheiden.")

Werke

Luigi Boccherini, ein Komponist und Virtuose der vorklassischen und klassischen Epoche (1760-1820) der Kammermusik, gilt als der Erfinder des Streichquintetts mit zwei Celli und war der größte italienische Kammermusikkomponist seiner Generation. Zu seiner Zeit waren, wie bei den Streichquintetten Mozarts, zwei Bratschen und nur ein Cello üblich. Er besetzte die fünfte Stimme aber auch mit anderen Instrumenten, u.a. mit Klavier, Oboe, Flöte oder Gitarre. Er veröffentlichte 1767 in Paris seine ersten sechs Streichquartette, mit denen er großes Ansehen errang. Boccherinis Werk besteht vorwiegend aus Instrumentalmusik: 20 Sinfonien, 11 Cellokonzerte, 125 Streichquintette, 91 Quartette und mehr als 100 Kammermusikwerke unterschiedlicher Besetzungen. Weiterhin zählen zu seinem Gesamtwerk 6 Divertimenti, Oratorien (Gioas, Re di Giuda, Uraufführung 1999(!) in Saarbrücken im Rahmen der Musikfestspiele Saar) und zwei Bühnenwerke (die Oper La Clementina G 540 (Verzeichnis nach Yves Gérard), eine Zarzuela in zwei Akten (Uraufführung Madrid 1786 unter Boccherinis Leitung) und das Drama Dorval e Virginia (Uraufführung Turin 1799). Das bekannteste seiner geistlichen Werke ist das Stabat Mater. Zu den bekanntesten Werken von Boccherini zählt neben dem Fandango (aus dem Quintett D-Dur für zwei Violinen, Viola, Cello und Gitarre G 448) auch das Menuett aus dem Quintett E-Dur, op. 11, Nr. 5, G 275, vier Jahre später unter eigener Nummer als op. 13, Nr. 5. für zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli veröffentlicht.

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