Boccia-Spiel
Konrad Adenauer 1958 beim Bocciaspiel in seinem Urlaubsort Cadenabbia

Boccia ist die italienische Variante des Boule-Spiels, bei dem es darum geht, seine eigenen Kugeln möglichst nah an eine kleinere Zielkugel (Pallino) zu setzen (platzieren) bzw. die gegnerischen Kugeln vom Pallino wegzuschießen (Raffa oder Volo). Boccia wird auch als Präzisionssport bezeichnet.

In Kroatien wird Boccia als „boćanje“ oder auch „balote“ bezeichnet (balota, kroat. „Bocciakugel“).

Inhaltsverzeichnis

Boccia in Deutschland

In Deutschland ist Boccia nicht so weit verbreitet wie in Italien, der Schweiz oder in Österreich. Aber es gibt genügend Boccia-Spieler, die vor allem aus Süddeutschland kommen. Es gibt ca. 10 Vereine, die Turniere austragen [1] Der Boccia Bund Deutschland e.V. gehört dem Deutschen Boccia-, Boule- und Pétanque-Verband an.

Boccia-Bahn

Anders als in der Freizeitvariante (siehe Boule-Spiel) wird Boccia nicht auf Rasen, sondern „auf ebenem und perfekt nivellierten Boden gespielt, eingeteilt in vorschriftsmäßigen Bahnen, abgegrenzt durch Umfassungsbretter aus Holz oder andere nicht metallische Materialien. Die Höhe beträgt 25 cm, mit einer Toleranzgrenze von +/- 2 cm.“ Die Bahn ist 26,50 m x 4,50 m breit. Sie ist in Abschnitte unterteilt (siehe auch Boulodrome) [2].

Regeln

In Deutschland wird nach den internationalen Regeln gespielt. Die Spieler haben je nach Formation (Anzahl der Spieler pro Mannschaft) unterschiedlich viele Kugeln:

  • beim Einzel (INDIVIDUALE) hat jeder 4 Kugeln;
  • beim Doppel (COPPIA) hat jedes Team insgesamt 4 Kugeln;
  • beim Dreier (TERNA) hat jedes Team insgesamt 6 Kugeln.

Nach den internationalen Regeln geht ein Spiel bis 15 Punkte, in Deutschland entweder bis 9, 11 oder 12 Punkte.

Das Pallino und die Kugeln haben vorgeschriebene Maße (siehe Wettkampfkugeln). Für das Auswerfen des Palino und der Kugeln gibt es genaue Regeln und Abspielpunkte, die Lage der Kugeln muss auf dem Feld markiert werden.

Es gibt zwei verschiedene Würfe:

  • Den Raffa-Wurf (Schuss). Dort muss die Kugel mindestens über die D-Linie geworfen werden. Der Spieler muss ansagen, welche Kugeln (Pallino oder Punktkugel) er treffen will.
  • Den Volo-Wurf (Schuss), der nur eine begrenzten Teil des Bodens berühren darf (darf maximal 40 cm vor der Kugel aufkommen), bei dem ebenfalls das Ziel angesagt werden muss.

Sollten Pallino und Kugel(n) mehr als 13 cm beieinander liegen, darf unter Ansage „Pallino“ die Kugel(n) und der Pallino getroffen werden. Diese Situation muss der Schiedsrichter mit „bersaglio“ ansagen.

Sollten Kugel(n) und Pallino knapp mehr als 13 cm auseinander liegen, heißt dies „sola“.

Der Pallino darf immer durch den Raffa-Wurf getroffen werden.

Nicht regelgerecht getroffene Kugeln werden zurückgelegt. Die Kugeln müssen daher markiert (angezeichnet) werden.

Am Ende eines Spielsatzes (in den deutschen Regeln wird Kehre verwendet, in den italienischen giocata) zählen die Kugeln, die näher am Pallino liegen als die des Gegners als Punkte, dann wird in die entgegengesetzte Richtung gespielt.

Sonstiges

Ein prominenter Anhänger von Boccia war Bundeskanzler Konrad Adenauer.

Einzelnachweise

  1. die aktuelle Vereinsliste findet sich auf der Website des Boccia Bunds Deutschtland
  2. vgl. Boccia-Regeln auf der Website des Boccia Bunds Deutschland

Weblinks


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