Bochumer Mineralölgesellschaft
Bochumer Mineralöl-Gesellschaft
Logo der BOMIN von 1972
Rechtsform GmbH & Co.
Gründung 18.05.1962
Auflösung 04.05.1983
Sitz Bochum, Deutschland
Leitung Dr. Herbert Schnapka
Mitarbeiter 1500
Umsatz 2,3 Mrd. DM
Branche Mineralöl

Die Bochumer Mineralöl-Gesellschaft (BOMIN) war eine Bochumer Firmengruppe, die sich ursprünglich nur mit dem Ölhandel beschäftigte, aber nach der Lockerung der Wirtschaftssanktionen gegenüber der Sowjetunion und den mit der monopolartigen Stellung im Osthandel verbundenen Gewinnen auch weiter reichende Aktivitäten aufnahm. Diese Aktivitäten reichten von der Ölsuche über Ölhandel, Raffinerie bis zum eigenen Tankstellennetz mit einem umfangreichen Fuhrpark von Tanklastzügen. Weiterhin wurden auch Vorstöße zur Erschließung anderer Geschäftsfelder wie Sonnenenergie und Stahlverarbeitung unternommen.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Der 1951 von Karl-Heinz Imhausen gegründeten Bochumer Chemie Imhausen Company,[1] die sich auf Chemie- und Kunststoff-Kompensationsgeschäfte mit dem damaligen Ostblock spezialisiert hatte, wurde auch Erdöl als Kompensationsleistung für die aus Westdeutschland gelieferten Waren angeboten. Da sich die Bochumer Chemie aber auf den Chemiekalienhandel konzentrieren wollte, wurde im Mai 1962 die BOMIN Bochumer Mineralölgesellschaft zur Abwicklung der Erdölgeschäfte gegründet, die einer der Teilhaber – Dr. Herbert Schnapka, der bereits vor dem Krieg bei der Rhenania-Ossag Erfahrung im Ölhandel gesammelt hatte – im Dezember 1964 vollständig übernahm.[2] Aufgrund des 1963 verhängten Röhren-Embargos wurden die Großkonzerne Ihres eigenen Kompensationsgeschäftes „Röhren gegen Öl“ beraubt, so daß die Bomin die entstandene Lücke auffüllen konnte und das russische Rohöl direkt mit Devisen statt Waren bezahlte.

Aufstieg

Die gemieteten Büros in dem Gebäude der Dresdner Bank und später in der Brückstraße in der Bochumer Innenstadt wurden 1975 mit dem Neubau eines eigenen repräsentativen Verwaltungsgebäudes an der Königsallee – dem Bomin-Haus – verlassen. Der Jahresumsatz der schließlich aus 32 Einzelunternehmen mit insgesamt rund 1500 Mitarbeitern[3] bestehenden Firmengruppe betrug bis zu 2,3 Mrd. DM. Hauptabnehmer des aus Russland über Lettland nach Emden und Wilhelmshaven verschifften Öls war der damals in Staatsbesitz befindliche VEBA-Konzern, der Abnahmemengen über drei bis vier Millionen Tonnen jährlich garantierte. Der Transport wurde ab 1965 zum Teil mit einer eigenen, aus relativ kleinen 20.000t Tankern bestehenden Flotte organisiert. Über einen eigenen Heizöl-Vertrieb und eine Tankstellenkette belieferte die BOMIN aber auch Endverbraucher. Mitte der 1970er Jahre erfolgte mit dem Einstieg bei der Firmengruppe Mönninghoff, einem Gesenkschmiede- und Bauunternehmen, dem Kauf der Schrauben- und Flanschenfabrik Emil Helfferich Nachfolger in Kirchheim/Teck Ende der 1970er, sowie Mitte 1981 der Übernahme des Hattinger Betriebes der Leo Gottwald KG (umbenannt in Mönninghoff GmbH Werk Gotttwald Hattingen) eine Diversifizierung über das Mineralölgeschäft hinaus. Über ein Bonner Verbindungsbüro unter der Leitung des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Ernst Majonica wurde sogar Lobbyarbeit betrieben.[4]

Niedergang

Der Niedergang der BOMIN begann mit der Übernahme der defizitären Erdölwerke Frisia von der Veba in Emden 1977/78,[5] die monatliche Verluste in Höhe von 1,5 Mio. DM erwirtschaftete. 1981 brach die monopolartigen Stellung im Ölhandel mit der Sowjetunion zusammen, als der Hauptkunde Veba infolge der verzweifelten wirtschaftlichen Lage der Sowjetunion und dem dadurch entstandenen Wunsch nach massiver Erweiterung der exportierten Ölmengen zur Devisenbeschaffung direkte Ostkontakte aufbaute, wodurch die Bomin als Zwischenhändler überflüssig wurde. Die ausbleibende Erweiterung von Kreditlinien im Mai 1983 durch die Hausbank WestLB führte dann dazu, daß der Großteil der Bomin-Gesellschaften am 4. Mai 1983 Vergleich anmelden musste,[6] der für die Muttergesellschaft und einige Töchter im Anschlusskonkurs endete.

Heute

Das Verwaltungsgebäude an der Königsallee in Bochum – bekannt als Bomin-Haus – wird heute von der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See genutzt. Der Sonnenenergie-Zweig Bomin-Solar sowie das 1976 gegründete, ehemals deutsch-russische Joint-Venture Bominflot Bunkergesellschaft[7] und die Firma Bomin-Heizöl in Berlin führen „Bomin“ noch heute im Firmennamen. Auf dem Gelände des abgerissenen Mönninghoff-Werkes an der Wiemelhauserstraße/Wasserstraße in Bochum steht heute der Büropark Trimonte,[8] die Gebäude des Hattinger Betriebes werden heute noch von mehreren metallverarbeitenden Betrieben – unter anderem einer Flanschenfabrik – genutzt,[9] in den denkmalgeschützten Fabrikanlagen in Kirchheim/Teck befindet sich heute ein Baumarkt für historische Baustoffe.[10]

Firmen und Beteiligungen der BOMIN

Die wichtigsten Mitglieder der ehemaligen Bomin-Gruppe mit Ortsangabe und Beschäftigungfeldern:

  • Allgemeine Tanklager AG, Offenbach am Main: Tanklager im Mainhafen[11]
  • Bomin North Sea Ltd., London: Ölfeld-Exploration in der Nordsee
  • Bomin Shipping & Agency GmbH, Hamburg: Schiffverwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft
  • Bomin Heizöl, Bochum/Berlin: Vertrieb von Heizöl
  • Bomin Solar GmbH, Lörrach: Herstellung und Vertrieb solartechnischer Anlagen
  • Bominflot Bunkergesellschaft, Hamburg: Tanklager, Bunkeröl
  • Erdölwerke Frisia, Emden: Raffinerie und Tanklager
  • Mönninghoff GmbH, Bochum: Stahlgießerei, Gesenkschiede und Flanschenfabrik mit Werken in Hattingen und Bochum, Baufirma
  • Trans-Oel, Gesellschaft für Öltransport und Handel, Bochum[12]

Tankerflotte

  • Bomin (Stapellauf 1957, Kauf 1965, Verkauf 1978, Schiffsnummer 5365168, 13.449 BRT)
  • Bomin II (Stapellauf 1958, Kauf 1974, 1981 umbenannt in Bomin Wilhelmshaven, Schiffsnummer 5011638, 12202 BRT)
  • Bomin (Stapellauf 1972, Kauf 1981, Schiffsnummer 7225582, 5950 BRT)
  • Bomin Emden (Stapellauf 1980, Schiffsnummer 8007080, 3999 BRT)

Literatur

Einzelnachweise

  1. Handelsregister des Amtsgerichtes Bochum HRB221
  2. Daten aus dem Handelsregister HRA 384, Amtsgericht Bochum
  3. Artikel Die große Unbekannte ist das Nordsee-Öl. In: Hamburger Abendblatt, 11. Juni 1983, Seite 11
  4. Personalien. In: Der Spiegel. Nr. 6, 1974, S. 130 (online).
  5. Veba-Öl Konzernchronik 1970–1980
  6. Werner Erdmann: Der Ölprinz, der auf das falsche Pferd setzte. In: Hamburger Abendblatt, 5. Mai 1983, Seite 27
  7. Webseite der Firma Bominflot Bunkergesellschaft für Mineralöle mbH & Co. KG
  8. Im Trimonte-Park geht es in den Endspurt. In: Ruhr Nachrichten (Bochum), 30. März 2002
  9. Webseite der Firma Albert Greifenberg & Co. KG
  10. Webseite der Firma Kreislauf Kirchheim
  11. Sammlerkatalogdaten zur Aktie Allgemeine Tanklager AG
  12. Artikel Von der Küste. In: Hamburger Abendblatt, 19. Januar 1981, Seite 18
51.4577055555567.2254833333333

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Bomin — Bochumer Mineralöl Gesellschaft Unternehmensform GmbH Co. Gründung 60er Jahre …   Deutsch Wikipedia

  • Schnapka — Dr. Herbert Schnapka Herbert Schnapka (* 16. Juli 1911 in Hindenburg/Oberschlesien; † 18. April 2003 in Bochum) war ein deutscher Industrieller und Mäzen des Reitsports. Er studierte Volkswirtschaft in Breslau und Berlin, bevor er bei …   Deutsch Wikipedia

  • Leo Gottwald KG — Die Leo Gottwald KG, vormals Maschinenindustrie Ernst Halbach, war ein Unternehmen, das Hebezeug herstellte. Inhaltsverzeichnis 1 Firmengeschichte 2 Geschäftsbereiche 3 Literatur 4 Quellen // …   Deutsch Wikipedia

  • Bomin-Haus — Das Bomin Haus in Bochum Das Bomin Haus ist ein Hochhaus in Bochum und Sitz der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft Bahn See. Es hat 20 Etagen und wurde 1975 eröffnet. Entworfen vom Architekturbüro Roman Reiser, besticht es bis heute durch… …   Deutsch Wikipedia

  • Herbert Schnapka — Dr. Herbert Schnapka Herbert Schnapka (* 16. Juli 1911 in Hindenburg/Oberschlesien; † 18. April 2003 in Bochum) war ein deutscher Industrieller und Mäzen des Reitsports. Leben Er studierte Volkswirtschaf …   Deutsch Wikipedia

  • Erdölwerke Frisia — Markenzeichen der Erdölwerke Frisia AG Die Erdölwerke Frisia AG waren eine Raffinerie mit zugehörigem Tanklager im Emder Hafen, deren Benzin auch an einer eigenen Tankstellenkette unter dem Markennamen FRISIA (Slogan FRISIA Das große Markenbenzin …   Deutsch Wikipedia

  • Leo Gottwald — Die Leo Gottwald KG, vormals Maschinenindustrie Ernst Halbach, war ein Unternehmen, das Hebezeug herstellte. Inhaltsverzeichnis 1 Firmengeschichte 2 Geschäftsbereiche 3 Literatur 4 Quellen …   Deutsch Wikipedia

  • Schrauben- und Flanschenfabrik Emil Helfferich Nachfolger — Rechtsform {{{Unternehmensform}}} Gründung 1883 Auflösung 1981 …   Deutsch Wikipedia

  • ARAL — AG Unternehmensform Aktiengesellschaft Gründung 1898 Unternehm …   Deutsch Wikipedia

  • Aral — AG Rechtsform Aktiengesellschaft Gründung 1898 Sitz B …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”