Bocksberger
„Illias Traum“ - Zeichnung mit Kreide, Tinte und Stift von Hans Bocksberger dem Älteren

Hans Bocksberger der Ältere (* um 1510 in Mondsee; † 1561 in Salzburg; auch Bocksperger) war ein bekannter Salzburger Maler der Zeit der Hochrenaissance.

Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf des Vaters Ulrich Bocksberger

Hans Bocksberger ist (höchstwahrscheinlich) der Sohn von Ulrich Bocksberger († vor 1546) und dessen Frau Anna. Das Werk dieses Vaters Ulrich Bocksberger ist weitgehend unbekannt. Wohl als einziges Werk erhalten sind die 1518 geschaffenen Bilder der Rückseite des Altares für die Kirche St. Blasius in Abtenau, welche die Geschichte des Heiligen Blasius, Bischof in Sebaste in Armenien bildhaft darstellen (Bild von Blasius, von Engeln über das Wasser geführt, Bild der Enthauptung des Hl. Blasius u.a.) Sie zeigen hohes Liebe zur Darstellung landschaftlicher Details. Die Inschrift auf diesem in Teilen erhaltenen Hochaltar (heute nicht mehr sichtbar) lautet Hoc opus pinxit Utalricus Pocksberger Lunelacensis („dieses Werk schuf U(ta)lrich Bocksberger aus Mondsee“).

Lebenslauf von Hans Bocksberger dem Älteren

Über die Lehrzeit des älteren Hans Bocksberger (früher häufig Johann B. genannt) ist wenig bekannt. Er dürfte bei seinem Vater die Grundlagen der Malerei gelernt haben und hat weitere Lehr- und Wanderjahre allem nach in Italien verbracht, jedenfalls hatte er genaue Kenntnisse über damalige italienische Stilelemente. 1542 heiratet Hans Bocksberger seine Ehefrau Margarethe, die vor 1579 verstarb. Hans Bocksberger hinterließ mit seinem Tod 1561 ein bereits mündiges Kind, nämlich Anna sowie acht unmündige Kinder (also unter 24 Jahre alt): Hans Bocksberger d. J. Heinrich (beide anerkannte Maler), Georg, Sabine, Catharina, Elisabeth, Margarethe, Lucia (letztere war beim Tod des Vaters noch Kleinkind oder Säugling). Sein Stil weist sowohl deutsche Elemente, wie sie Albrecht Dürer verwendet, als auch italienische Elemente der Renaissance und des Manierismus auf.

Der hochbegabte Hans Bocksberger der Jüngere (* 1539 in Salzburg, †1587 in Maastricht) setzte gemeinsam mit seinem Vetter Melchior Bocksberger die Maltradition des Bocksberger-Geschlechtes fort. Beide lernten bei Hans Bocksberger d. Ä. ihr Malhandwerk, der in Augsburg, München, Ingolstadt, Passau, Landshut und Regensburg arbeitete. Erhalten sind Vorzeichnungen von Bibelillustrationen in Holzschnitten von Jost Amann (1564), jedoch kaum originale Arbeiten des jüngeren Hans Bocksberger. Vorzeichnungen zu erhaltenen Holzschnitten hat Hans Bocksberger für „Ein neuw Thierbuch“ (1569) geschaffen, in dem der Zeit gemäß auch verschiedene Fabeltiere abgebildet sind. Einige seiner Federzeichnungen sind im Schlossmuseum von Weimar erhalten. In der Landshuter Burg Trausnitz schuf er 1579 Wand- und Deckenmalereien. Hans Bocksberger d. J. verunglückte 1587 in Maastricht tödlich, als er bei Malerarbeiten vom Gerüst stürzte; er wurde in Regensburg beerdigt.

Auch vom Werk Melchior Bocksbergers (* um 1537, † 1585/87, Vetter des vorgenannten) ist wenig erhalten. Melchior war von 1558 bis 1573 vermutlich Hofmaler Albrechts V. Dabei malte er im Dachauer Schloss (1563), in der Kirche von Schloss Isareck/ Moosburg (1570) und im Barfüßerkloster in München (1571). Schlecht erhalten oder überrestauriert sind seine Regensburger Arbeiten: Das Fresko am Goliath-Haus „David und Goliath“ (verändert und überrestauriert). Ähnlich schlecht erhalten sind die Bilder im Ostflügel des Kreuzganges von St. Emmeram, im Bischofshof und in der „Neue Waag“. Auch entwarf er 1573 für das Rathaus großformatige Entwürfe für die malerische Außengestaltung (Regensburg, Historisches Museum), die in ihrer freien Gestaltung originell und witzig wirken. An erhaltenen Gemälden scheint die Autorenschaft Melchior Bocksbergers nur beim Gemälde „Elias fährt gen Himmel“ (München, Alte Pinakothek) gesichert.

Die Werke Hans Bocksbergers des Älteren

  • Die Fresken Bocksbergers in der evangelischen Schlosskapelle zu Neuburg: Die Schlosskapelle in Neuburg an der Donau (erbaut 1537-1545) ist seit 1542 der weltweit älteste nur im evangelischen Ritus genutzte Sakralraum, der 1543 vom erklärten Protestanten Bocksberger bemalt wurde. Die Wandmalereien wurden in den Jahrzehnten nach 1600 übertüncht und erst 1933 bis 1950 wieder freigelegt. (Die erwies sich im Nachhinein als Glücksfall, da die Bilder so von fragwürdigen Restaurationen verschont blieben.) Der Zyklus der Bilder ist einmalig in der Geschichte des protestantischen Kirchenbaues. Er zeigt vor allem jene Szenen des alten Testamentes, die in einem engen Bezug zur Reformation stehen, und beginnt im Bild der Erschaffung Evas und dem Sündenfall (Erbsünde). Es folgen die 10 Plagen des Pharaos und Bildern menschlicher Verstöße gegen die Gebote Mose. Die weiteren Bilder stellen als Gesamtkomposition dar, dass nur durch Christus Tod am Kreuz der Mensch Erlösung finden kann, bestärkt durch die Sakramente der Taufe und des Abendmahls. Gekrönt wird das Deckenbild der Kapelle, eingebettet in scheinbar illusionistisch gemalte Architekturelemente vom großen Deckenfresko mit Christi Himmelfahrt.
  • Fresken in mehreren Sälen der Stadtresidenz Landshut (1542/1543) (Erdgeschoss, italienischer Saal, Apollozimmer, Kapellengang. In der Septemberlunette (Jagdszene mit Reiherbeize) findet sich hier die zweitälteste Stadtansicht der Stadt Salzburg

Werke mit nicht völlig gesicherter Autorenschaft

  • Castello del Buonconsiglio in Trient - wieder mit alter Ansicht der Stadt Salzburg
  • Rittersaal im Schloss Goldegg (1536), gemeinsam mit anderen Malern
  • Malarbeiten im Hradschin in Prag (1548)
  • Mitarbeit die den Malarbeiten für die Altartafeln des Veitsdomes in Prag
  • Fresken im Schloss Freisaal (1558), die u.a. den Einzug des Fürsterzbischofs Michael von Kuenburg in die Stadt des Jahres 1554 darstellen,
  • Grotesken in zwei Fenstergewänden im "Hohen Stock" der Festung Hohensalzburg
  • Weiters schuf er vermutlich Ölgemälde (König Ferdinand I. - Museum SMCA) und Zeichnungen (Tierkampf - Graphische Sammlung der Albertina)

Literatur

Weblinks

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