Bodeneinlauf
Straßenablauf mit Rahmen und Deckel
alter Straßenablauf in historischer Pflasterung in Kutná Hora

Ein Straßenablauf (umgangs- und fachsprachlich veraltet auch Gully bezeichnet, fachlich korrekt ist aber Tagewassereinlauf) ist ein Bauteil der Straßenentwässerung. Es dient der Aufnahme von Oberflächenwasser auf befestigten Flächen und führt dieses unterirdischen Entwässerungseinrichtungen (wie etwa dem Abwasserkanal) zu.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsabgrenzung

Der Straßenablauf besitzt eine Reihe von Bezeichnungen, die zudem regional unterschiedlich ausfallen können. Neben der fachsprachlich veralteten Benennung Gulli oder Gully wird auch der Name Regenwassereinlauf, Sink- oder Senkkasten gebraucht. In der Schweiz sind die Begriffe Dole oder Ole gebräuchlich.

Der Begriff Gully wird häufig fälschlicherweise auch als Sammelbegriff für Straßenablauf und Kanaldeckel (auch Schachtabdeckung genannt) verwendet.

Das Wort Gully entstammt eventuell dem französischen Wort „goulet“, ein Diminutiv von „goule“, das übersetzt Kehle heißt.

Aufbau

Schnitt durch einen Straßenablauf

Ein Gully besteht aus einem häufig gitterförmigen Oberteil, dem Gullydeckel oder Senkkastendeckel (nicht zu verwechseln mit dem Kanaldeckel) aus Gusseisen, der in einem ebenfalls gusseisernen Rahmen eingesetzt ist. Deckel und Rahmen bezeichnet man im Straßenbau als Aufsatz. Diese Bauteile gibt es in verschiedenen Größen und Formen (Mulden-, Pult-, Rinnen- und Sonderbauformen). Des Weiteren gibt es diese Aufsätze in unterschiedlichen Belastungsklassen, je nach Beanspruchung der angrenzenden befestigten Fläche. Anforderungen an diese Aufsätze werden in DIN EN 124/ DIN 1229 geregelt.
Unterhalb des Aufsatzes befindet sich der Ablaufschacht, der aus Betonfertigteilen aufgebaut sein kann. Der Betonschacht besteht aus einem Auflagering für den Gussrahmen, einem Schaft und einem Bodenstück mit einem Rohranschluss zur Kanalisation oder (seltener) zur Regenwasserversickerung. Optional kann ein Grobschmutzeinsatz (Schlammfangeimer) aus verzinktem Stahlblech und ein Betonfertigteil als Geruchsverschluss eingebaut werden. Alternativ kann der Regenwassereinlauf so gebaut sein, dass der Schacht um 30-120 cm tiefer ist als die Ebene des Rohranschlusses. Dieser Schacht übernimmt dann als Schmutzfänger die Aufgabe des Schlammfangeimers. Des Weiteren gibt es auch Straßenablaufkörper, welche komplett (exklusive Aufsatz) aus Kunststoff bestehen, was eine erleichterte Verlegung zur Folge hat.

Die punktförmige Entwässerung von Oberflächen steht dabei im Gegensatz zur Linienentwässerung mit Hilfe von Drainrinnen.

Reinigung

Schlammsaugwagen in Mönchengladbach

Der Schlammfangeimer muss in regelmäßigen Abständen von dem sich darin sammelnden Unrat gereinigt werden. Dieses ist eine körperlich sehr belastende Arbeit, da der Senkkastendeckel per Muskelkraft angehoben und der Schlammfangeimer, der je nach Größe und Füllung ebenfalls sehr schwer sein kann, per Hand auf die Ladefläche eines LKW oder in die Schaufel eines Radladers gekippt werden muss. Mittlerweile gibt es verschiedene Anbaugeräte für Unimogs, Multicars oder Bokimobile, bei denen der Senkkastendeckel mithilfe eines Hydraulikzylinders angehoben und zur Seite geschwenkt wird. Ein Haken an einem Stahlseil wird ebenfalls hydraulisch herabgelassen und in den Schlammfangeimer eingehängt. Der Schlammfangeimer wird nach oben gezogen und über der Ladefläche des Fahrzeugs ausgeleert.

Bei der alternativen Bauweise ohne Schlammfangeimer werden die Schächte mit einem Saugfahrzeug (in Hamburg Trummsauger genannt) gereinigt. Hierbei handelt es sich um einen LKW, der mit Sammeltank, Pumpanlage sowie mit einem Schwenkarm für Saugschlauch und -rohr ausgerüstet ist. Zur Reinigung wird der Rost abgehoben. Danach werden Schmutz, Sand und stehendes Wasser aus dem Schacht in den Sammeltank gesaugt und anschließend der Rost wieder verschlossen.

Fahrradfalle

Gullydeckel als Fahrradfalle

Sind Gullydeckel mit den Schlitzen parallel zu möglichen Fahrtrichtungen in Verkehrsflächen eingebaut und sind die Schlitze genügend breit, lang und geradlinig, so wirken sie als Fahrradfalle. Die Rahmen, in die diese Gullydeckel eingesetzt sind, lassen in solchen Fällen überwiegend kein um 90° gedrehtes ordnungsgemäßes Einsetzen des Deckels zu.

Siehe auch

Normen und Standards

Weblinks


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