Bodensee-Wasserversorgung
Bodensee-Wasserversorgung
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Rechtsform Zweckverband
Gründung 25. Oktober 1954
Sitz Stuttgart, Deutschland
Leitung Michael Stäbler
Hans Mehlhorn
Mitarbeiter 340
Branche Wasserversorgung
Website www.zvbwv.de

Die Bodensee-Wasserversorgung (BWV) ist ein Zweckverband mit Sitz in Stuttgart, der am 25. Oktober 1954 von 13 Gemeinden zur Deckung des Wasserbedarfs in vielen Gemeinden der wasserarmen Schwäbischen Alb und im Großraum Stuttgart gegründet wurde. Heute versorgt sie als eine der größten deutschen Fernwasserversorgungen etwa vier Millionen Menschen in rund 320 Städten und Gemeinden mit Trinkwasser aus dem Bodensee.

Inhaltsverzeichnis

Versorgung

Luftbild der Aufbereitungsanlagen der Bodensee-Wasserversorgung auf dem Sipplinger Berg

Wasserentnahme

Dem Bodensee werden jährlich zwischen 125 und 130 Millionen Kubikmeter Wasser durch die Bodensee-Wasserversorgung entnommen. Das ist etwas mehr als ein Prozent des Gesamtdurchflusses und weniger als der Bodensee durch Verdunstung verliert. Die Wasserabgabe im Jahr 2009 lag bei 123,1 Millionen Kubikmeter. Die höchste Jahresabgabe wurde im Jahr 2003 mit 139,8 Millionen Kubikmetern erreicht. Am 8. August 2003 wurde mit 531.000 Kubikmetern die höchste Tagesabgabe gemessen. Die Bodensee-Wasserversorgung hat ein Entnahmerecht von 670.000 Kubikmetern Rohwasser pro Tag; das sind im Mittel 7.750 Liter in der Sekunde. Dies wurde bereits 1966 in einem internationalen Übereinkommen zwischen den Anrainerstatten Österreich, der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland geregelt. Das von der Bodensee-Wasserversorgung gelieferte Trinkwasser hat einen Härtegrad von 1,6 Millimol Calciumcarbonat (ehemals 9,0 Grad deutsche Härte), der pH-Wert liegt bei 7,9 und der Nitratgehalt bei 4,5 mg/l.

Der Bodensee wird zu zwei Dritteln mit Wasser aus den Alpen gespeist. Insgesamt sorgen die Zuflüsse für circa 11,5 Milliarden Kubikmeter frisches Wasser pro Jahr. Die jährliche Wasserentnahme der Bodensee-Wasserversorgung von etwa 125 Millionen Kubikmetern Wasser ist, verglichen mit dem Zufluss, also eine vernachlässigbare Menge. Das Wasser aus den Alpen fließt zum überwiegenden Teil aus mehr als 1.500 Meter Höhe in den See und ist in seiner Qualität praktisch nicht durch Besiedlung, Industrie und Landwirtschaft beeinträchtigt. Es reicht daher für die Verwendung zu Trinkwasser eine einfache, naturnahe Aufbereitung. Dank des ständigen Zuflusses aus den Alpen steht immer genügend Wasser zur Verfügung.

Durch das große Wasservolumen von fast 50 Kubikkilometern (50 Milliarden Kubikmeter = 50 Billionen Liter) ist das Wasser bei einem Unfall mit wassergefährdenden Stoffen gut geschützt, da Schadstoffe so stark verdünnt werden, dass sie die Trinkwasserversorgung nicht beeinträchtigen könnten. Die niedrigen Konzentrationen würden das Wasser nicht nennenswert belasten und blieben selbst im Rohwasser weit unterhalb der strengen Grenzwerte der Trinkwasserverordnung. Zudem würde die Aufbereitung verhindern, dass solche Stoffe ins Trinkwasser gelangen.

Da der Bodensee mit 254 Metern sehr tief ist, sind die unteren Wasserschichten durch die natürliche Schichtung zusätzlich geschützt. Auf dem vier bis fünf Grad Celsius kühlen Tiefenwasser schwimmt eine wärmere Schicht. Dieses Wasser vermischt sich wegen seiner geringeren Dichte kaum mit dem kälteren, schwereren Tiefenwasser. Gelangen Schadstoffe in die obere Schicht, können sie deshalb nicht in die Tiefe absinken, aus der die Bodensee-Wasserversorgung ihr Wasser entnimmt. Dort ist das Wasser besonders kühl, was zum einen erfrischend ist, zum anderen einen zusätzlichen Schutz vor bakterieller Verkeimung bedeutet. Lediglich am Ende des Winters haben beide Schichten die gleiche Temperatur. Für eine kurze Zeitspanne ist die Trennung aufgehoben, und das Wasser wird umgewälzt. Dies ist für den See sehr wichtig, weil dabei der Tiefenbereich mit Sauerstoff versorgt wird.

Versorgung

Der Zweckverband hat 180 Mitglieder, davon 146 Städte und Gemeinden sowie 34 Wasserversorgungs-Zweckverbände. Das Versorgungsgebiet erstreckt sich vom Bodenseegebiet im Süden bis nach Bad Mergentheim im Norden des Landes. Es umfasst den Mittleren Neckarraum sowie Gebiete der Baar, der Schwäbischen Alb, des Schwarzwalds, des Strombergs, des Heilbronner Unterlandes und des Odenwalds bis nahe der hessischen und bayerischen Landesgrenze im Norden.

Das Wasser wird dem Bodensee bei Sipplingen in 60 Metern Tiefe durch drei Rohre entnommen. Bis zu 9.000 Liter in der Sekunde kann die Bodensee-Wasserversorgung mit sechs großen Pumpen auf den 310 Meter höher liegenden Sipplinger Berg pumpen, wo das Wasser aufbereitet wird. Dabei durchströmt das Bodensee-Rohwasser die Mikrosiebung, wo kleinste Schwebstoffe zurückgehalten werden. Die dann noch vorhandenen Keime und Bakterien werden in der nächsten Reinigungsstufe – der Ozonierung – unschädlich gemacht. Im letzten Aufbereitungsschritt in den aus Quarz, Sand und Bims aufgebauten Schnellfilteranlagen werden die letzten Trübstoffe zurückgehalten.

Die beiden von Süd nach Nord verlaufenden großkalibrigen Rohrleitungen (1. und 2. Hauptleitung) mit einem Durchmesser von bis zu 1.600 Millimetern (im Bereich des Albstollens 2.250 Millimeter) versorgen die wasserarmen Gebiete kontinuierlich mit Trinkwasser. Durch die Inbetriebnahme der Fernleitung West von Schönaich bis nach Sternenfels im Jahr 2003 konnten die letzten Engpässe beseitigt werden. Das Rohrnetz hat eine Länge von etwa 1.700 Kilometern. 29 Wasserbehälter mit zusammen 470.600 Kubikmeter Fassungsvermögen speichern das Wasser, bevor es an die Städte und Gemeinden weitergegeben wird. Der größte Behälter steht in Stuttgart-Rohr und kann 100.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen.

Das Wasser fließt größtenteils im freien Gefälle bis in den Raum Heilbronn; zusätzlich sorgen 17 Pumpwerke für ausreichend Druck im Netz und befördern das Wasser zu höher gelegenen Gemeinden. Unterstützend können 20 Drucksteigerungsanlagen den in Spitzenzeiten höheren Wasserbedarf abdecken.

Technik

Seit 1958 wird das Wasser dem Bodensee bei Sipplingen in 60 m Tiefe durch zwei (seit 1978 drei) Rohre entnommen, und im Seepumpwerk Süßenmühle auf den 310 m höher liegenden Sipplinger Berg gepumpt, dort aufbereitet (Mikrosiebe, Ozon- und Sandfilteranlagen) und dann durch zwei Haupt- und zahlreiche Neben- und Anschlussleitungen mit Innendurchmessern von bis zu 2,25 m zu den angeschlossenen Städten und Gemeinden geleitet.

Die 1. Hauptleitung von 1958 führt das Wasser bis auf eine Höhe von 753 Meter bei Liptingen. Von dort fließt es bis in den Neckarraum und Ludwigsburg.

Die 2. Hauptleitung von 1971 durchquert die Schwäbischen Alb durch den rund 24 Kilometer langen unterirdischen „Albstollen“. Mit ihr wird Stuttgart und der nördliche Teil Baden-Württembergs versorgt.[1] Die damals für den Stollenvortrieb eingesetzte Maschine ist heute im Deutschen Bergbau-Museum Bochum ausgestellt. Der Bau der Pipeline (1968–1970) war seinerzeit eine herausragende technische Leistung.

Das Rohrnetz hat eine Länge von etwa 1.700 km. In das Rohrnetz sind 29 Wasserbehälter mit zusammen 470.600 m³ Inhalt integriert. Der größte unter diesen ist der Hochbehälter im Stuttgarter Stadtteil Rohr (48° 43′ 4,4″ N, 9° 5′ 4,6″ O48.7178833333339.0846166666667524) mit einem Inhalt von 100.000 m³.

Wasserpreis

Die Bodensee-Wasserversorgung ist ein Zweckverband. Sie darf keinen Gewinn erzielen. Die Verbandsmitglieder, die gleichermaßen Eigentümer und Kunde der Bodensee-Wasserversorgung sind, gleichen die tatsächlich anfallenden Kosten über eine so genannte Umlage (Festkosten und Betriebskosten) aus. Die Kosten werden berechnet für die Lieferung bis zum Hochbehälter der Gemeinde. Sie bestehen aus Festkosten für die bestellte Wassermenge und aus Kosten für die tatsächlich bezogene Wassermenge.[2] Die durchschnittliche Umlage im Jahr 2008 lag bei 39 Cent je 1000 Liter. In dieser Umlage sind auch 5,3 Cent Wasserentnahmeentgelt enthalten. Das Anlagevermögen der Bodensee-Wasserversorgung beträgt 729,8 Millionen Euro, der Jahresumsatz liegt bei 52 Millionen Euro (2008).

Geschichte

Gebäude der BWV in Sentenhart
Gebäude der BWV in Ringgenbach

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in vielen Gemeinden Baden-Württembergs Wassernot. Besonders schlimm waren die Jahre 1947 und 1949, in denen es nur wenig regnete. Hinzu kam das in den 50er Jahren beginnende Wirtschaftswunder, das den Wasserbedarf sehr schnell anwachsen ließen. Bereits 1950 wurde eine Studienkommission für Wasserversorgung des Württembergisch-Badischen Städteverbands ins Leben gerufen. Im Februar 1953 schlug sie vor, den Bodensee zur Trinkwasserversorgung zu nutzen; im Juli 1953 wurde der Planungs-Zweckverband gegründet. Neben Stuttgart gehörten ihm noch zwölf weitere Städte und Gemeinden (Böblingen, Ebingen, Hechingen, Kornwestheim, Leonberg, Reutlingen, Rottweil, Schwenningen, Sindelfingen, Tailfingen, Tübingen und Villingen) an. Nachdem die Baukosten und deren Bezahlung durch die Städte und Gemeinden geklärt war, wurde am 25. Oktober 1954 der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung gegründet.

Am 11. Februar 1956 begannen die Bauarbeiten für die Förder- und Aufbereitungsanlagen am Bodensee sowie die erste Hauptleitung vom Bodensee nach Bietigheim. Auf der damals größten Baustelle Europas waren insgesamt 3000 Arbeiter beschäftigt. Nach nur zwei Jahren und acht Monaten konnte der Betrieb am 16. Oktober 1958 aufgenommen werden. Damit begann eine rasante Entwicklung. Das Netz wurde ständig erweitert und ausgebaut, um den Wasserbedarf auch anderer Regionen zu decken.

Eine Besonderheit des Rohrnetzes ist die rund 24 Kilometer lange unterirdische Durchquerung der Schwäbischen Alb, der so genannte „Albstollen“. Die für den Stollenvortrieb eingesetzte Maschine ist heute im Deutschen Bergbau-Museum Bochum ausgestellt. Der Bau der Pipeline (1968–1970) war seinerzeit eine herausragende technische Leistung unter der Leitung von Fritz Schmidt. 1981 fusionierte die Bodensee-Wasserversorgung mit der Fernwasserversorgung Rheintal (FWR), die die Räume nördlich von Heilbronn sowie viele Städte und Gemeinden bei Mosbach, Buchen, Walldürn und Bad Mergentheim versorgte. Die Bodensee-Wasserversorgung gewann dadurch 54 Städte und Gemeinden sowie zehn Wasserversorgungsverbände neu hinzu. Insgesamt stieg die Zahl der Mitglieder auf 150. Heute beliefert die Bodensee-Wasserversorgung etwa vier Millionen Menschen in rund 320 Städten und Gemeinden Baden-Württembergs mit Trinkwasser aus dem Bodensee.

Cross-Border-Leasing-Vertrag

Mit einem Cross-Border-Leasing-Vertrag hatte der Zweckverband 2002 seine gesamten Betriebsanlagen und die Infrastruktur für 841 Millionen US-Dollar an eine US-Treuhandgesellschaft vermietet und von dieser zugleich zurück gemietet. Der Vertrag hatte eine Laufzeit von 30 Jahren. Das Geld wurde bei verschiedenen Finanzinstituten hinterlegt, mit der Verpflichtung, den Mietpreis der Bodensee-Wasserversorgung in mehreren Raten zurückzuzahlen. Eines der beteiligten Finanzinstitute, die AIG, musste im Herbst 2008 ausgewechselt werden, weil es eine im Vertrag festgehaltene Bonitätsschwelle unterschritten hatte. Ende März 2009 wurden die Vertragsbeziehungen vorzeitig beendet. Der Verlust aus dem Geschäft beläuft sich auf 4,7 Millionen Euro[3].

Giftanschlag

Am 18. Oktober 2005 wurde in einem Brief an die Bodensee-Wasserversorgung mit einem Giftanschlag auf den Bodensee gedroht. Bei der Suche nach möglichen Schadstoffen wurden am 7. November zwei Fünf-Liter-Kanister gefunden, einer gefüllt mit Atrazin (einem Pflanzenschutzmittel, das für den Menschen nur eine geringe Giftigkeit besitzt), der andere mit einem Gemisch anderer Pflanzenschutzmittel. Am 9. November konnten die Kanister unweit der Trinkwasser-Entnahmestelle in circa 75 Meter Tiefe und rund 300 Meter vom Ufer entfernt geborgen werden. Nach weiteren Suchaktionen am Seegrund wurden am 10. Dezember zwei weitere Behältnisse lokalisiert, die am 12. Dezember geborgen wurden. Es handelte sich dabei um einen weiteren Fünf-Liter-Kanister mit flüssigem Pflanzenschutzmittel und eine geöffnete Plastiktüte mit Granulat – laut Analyse des Landeskriminalamtes ebenfalls ein Pflanzenschutzmittel. Die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung wurden im Trinkwasser aber zu keinem Zeitpunkt überschritten, was entsprechende Kontrolluntersuchungen ergaben. Mitte Januar 2006 wurden die Suchaktionen am Seegrund ohne weitere Funde eingestellt.[4] Da allein durch die Größe des Bodensees die Schadstoffe sehr stark verdünnt würden, besteht keine ernsthafte Gefahr für die Trinkwassergewinnung. Dennoch wurden die Sicherheitsmaßnahmen bei der Bodensee-Wasserversorgung durch eine noch bessere Überwachung der Trinkwasserfassung und der eigenen Anlagen erhöht.[4]

Sonstiges

Der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) und arbeitet in der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) mit.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung (Hrsg.): Trinkwasser für Baden-Württemberg. Prospekt vom September 2008. Abschnitt Wasserverteilung
  2. Gemeinsam stark. In: Kristallklar. Das Magazin der Bodensee-Wasserversorgung, Juni 2009, S. 6.
  3. BWV: Cross-Border-Leasing ist Geschichte. Meldung vom 9. April 2009
  4. Bei Bodensee-Giftanschlag keine Hinweise auf Täter. In: Salzburger Nachrichten vom 15. November 2005

Literatur

  • Gemeinsam stark. In: Kristallklar. Das Magazin der Bodensee-Wasserversorgung, Juni 2009, S. 4 - 7.
  • Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung (Hrsg.): Trinkwasser für Baden-Württemberg. Prospekt vom September 2008.

Weblinks

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