Bodensee (Region in Bayern)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Landkreises Lindau (Bodensee) Deutschlandkarte, Position des Landkreises Lindau (Bodensee) hervorgehoben
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Verwaltungssitz: Lindau (Bodensee)
Fläche: 323,37 km²
Einwohner: 79.780 (30. Sep. 2006)
Bevölkerungsdichte: 247 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: LI
Kreisschlüssel: 09 7 76
Kreisgliederung: 19 Gemeinden
Adresse der Kreisverwaltung: Stiftsplatz 4
88131 Lindau (Bodensee)
Webpräsenz:
Landrat: Elmar Stegmann (CSU)
Lage des Landkreises Lindau (Bodensee) in Bayern
Karte
Landkreis Lindau (Skizze)

Der Landkreis Lindau (Bodensee) liegt im Südwesten des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben. Nachbarkreise sind im Norden die baden-württembergischen Landkreise Bodenseekreis und Ravensburg, im Osten der Landkreis Oberallgäu und im Süden das österreichische Bundesland Vorarlberg. Ferner hat der Kreis im Südwesten eine natürliche Grenze am Ufer des Bodensees, an welchem die Kreisstadt Lindau auf einer Insel im See liegt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der Landkreis besteht im Südwesten aus den Ufern des Obersees, des östlichen und tiefsten Teils des Bodensees. Auf einer Insel im See befindet sich die Altstadt der Kreisstadt Lindau (Bodensee). Nach Westen folgen Bad Schachen (ein Stadtteil von Lindau), Bodolz, Wasserburg (Bodensee) und Nonnenhorn. Die Uferorte sind neben dem Fremdenverkehr auch von der Fischerei und dem Weinanbau geprägt, der vor allem in Nonnenhorn und am Hoyerberg bei Lindau betrieben wird. Nach Nordosten schließt sich ein Hügelland mit Endmoränen und Drumlins an. Der östliche Teil wird durch das Westallgäu geprägt. Der Bergrücken des Pfänders verläuft in nordnordöstlicher Richtung, die Höhen liegen meist über 700 - 800 m ü. NN. Nach Osten folgen weitere parallel zum Pfänderrücken verlaufende Bergkämme. Geologisch sind sie vor allem durch tertiäre Nagelfluh-Gesteine geprägt. Höchste Erhebung ist die Kalzhofener Höhe mit 1118 m. Durch die erheblichen Höhenunterschiede gibt es im Landkreis deutliche klimatische Unterschiede: Während am Bodensee bereits die Obstbäume blühen und Temperaturen über 25 °C erreicht werden, kann man im Westallgäu noch meterhohen Schnee vorfinden. Am Pfänderrücken kommt es zu Steigungsregen, daher sind dort die Jahresniederschläge am höchsten (deutlich über 1.000 mm/a), während es im Westen und Osten trockener ist (um 800 mm/a). Das Westallgäu ist durch eine überdurchschnittliche Sonnenscheindauer (bis 2.000 Stunden pro Jahr) gekennzeichnet. Außerdem grenzt dieser Landkreis an die Regionen Vorarlberg (Österreich) und, durch den Bodensee, an die Schweizer Kantone St. Gallen und Thurgau.

Geschichte

Der Landkreis war, wie das übrige Bodenseegebiet und Allgäu, in vorgeschichtlicher Zeit von den Kelten besiedelt. Aus dieser Zeit existieren noch keltische Fluchtburgen, die aber kaum noch erhalten sind. 15 v. Chr. eroberten die Römer das Gebiet und verleibten es der Provinz Rätien ein. In Lindau bestand eine römische Werft, archäologische Funde sind im Kreisgebiet jedoch selten. Ab dem 3. Jahrhundert kam es zu vermehrten Einfällen von Alemannen, die das Gebiet nach dem Ende des Römischen Reiches besiedelten. Die Christianisierung erfolgte insbesondere durch St. Gallus und St. Magnus. Die ersten urkundlichen Erwähnungen von frühmittelalterliche Siedlungen betreffen Haddinwilare das heutige Laiblachsberg (zwischen 769 und 773), Wasserburg (Bodensee) (784), Lindenberg im Allgäu (857), Opfenbach (872), Weiler im Allgäu (894). Das Gebiet war überwiegend unter der Herrschaft des Klosters St. Gallen, Teile gehörten dem Kloster Mehrerau bei Bregenz. Den größten Aufschwung nahm Lindau, urkundlich zuerst 882 erwähnt, das im 13. Jahrhundert zur Freien Reichsstadt und insbesondere durch den Handel wohlhabend wurde. Im späten Mittelalter gingen die ländlichen Gebiete in die Herrschaft des Hauses Montfort, der Fugger und der Habsburger über, die im 18. Jahrhundert mehr als die Hälfte des Kreisgebietes regierten.

Durch Napoleon Bonaparte erfolgte eine Neuordnung. 1802 verlor Lindau die Reichsfreiherrlichkeit (Status als Freie Reichsstadt), 1806 erhielt Bayern das Landkreisgebiet. Es wurden die beiden Landgerichte Lindau und Weiler errichtet, die zunächst zum Illerkreis, ab 1808 zum Oberdonaukreis (ab 1838 Schwaben und Neuburg, später nur noch Schwaben) gehörten. Die Stadt Lindau (Bodensee) war 1809 aus dem Landgerichtsbezirk ausgeschieden und eine kreisunmittelbare Stadt geworden.

1862 wurde aus den Landgerichten Lindau und Weiler der Bezirk Lindau gebildet. Dieser wurde 1938 in Landkreis Lindau, das Bezirksamt in Landratsamt Lindau umbenannt. 1940 wurde Lindau in den Landkreis Lindau eingegliedert, doch wurde dies 1948 wieder rückgängig gemacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet des Land- und Stadtkreises der französischen Besatzungszone zugeschlagen und gemeinsam mit Württemberg-Hohenzollern verwaltet, während der Rest Bayerns zur amerikanischen Besatzungszone gehörte. Der Landkreis hatte damit eine Sonderstellung, Verwaltungschef war der Kreispräsident. Der Landkreis Lindau war mit drei Delegierten in der Beratenden Landesversammlung des Landes Württemberg-Hohenzollern und bis 19. Dezember 1950 auch im Landtag des neu errichteten Landes Württemberg-Hohenzollern vertreten. Die vollständige Rückgliederung des Landkreises nach Bayern erfolgte am 1. September 1955. Allerdings spielen die Sportvereine des Landkreises Lindau noch heute in baden-württembergischen Ligen.

Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern im Jahr 1972 wurde die bislang kreisfreie Stadt Lindau (Bodensee) in den Landkreis Lindau eingegliedert. Die Stadt Lindau (Bodensee) erhielt für den Verlust der Kreisfreiheit den Status einer Großen Kreisstadt.

Politik

Wappen

Der Landkreis Lindau (Bodensee) führt das nachstehend beschriebene Wappen:

„Unter Schildhaupt mit den bayerischen Rauten in Silber über blauem Wellenbalken nebeneinander eine grüne Linde und eine dreilatzige rote Fahne mit goldenen Fransen und drei roten Ringen.“[1]

Siehe auch: Liste der Wappen im Landkreis Lindau (Bodensee)

Landräte

  • 1972-1996: Klaus Henninger (CSU)
  • 1996-2002: Manfred Bernhardt (CSU)
  • 2002-2008: Eduard Leifert (SPD)
  • seit 1. Mai 2008: Elmar Stegmann (CSU)

Kreistag

Der Kreistag besteht aus 60 Mitgliedern, die sich nach den Kommunalwahlen vom 2. März 2008 auf folgende Parteien und Wählergemeinschaften aufteilen:

Wirtschaft

Traditionell dominiert im westlichen Teil der Obst- und Weinbau, während die Landwirtschaft des Westallgäus vor allem durch Viehzucht geprägt ist. Der Tourismus hat in den letzten 100 Jahren stetig an Bedeutung gewonnen. Im Westen, speziell am Bodensee, überwiegen Sommergäste, im Osten der Skitourismus im Winter und Wander- und Kurtourismus im Sommer. Industriezentren sind Lindau (u.a. Obstsaftherstellung durch Lindauer Fruchtsäfte GmbH (vormals Lindavia), Maschinenbau) und Lindenberg (früher Textilindustrie, vor allem (Stroh-)Hüte, heute geprägt durch Liebherr Aerospace größter Luftfahrtzulieferer in Deutschland).

Verkehr

1824 wurde das erste Lindauer Dampfschiff, Max Joseph in Dienst gestellt, damit war Lindau an das Schiffahrtsnetz angeschlossen, 1835 wurde die Lindauer Dampfboot AG gegründet, die später von den Königlich Bayerischen Staatsbahnen übernommen wurde. Durch die Bodenseeschiffe ist der Landkreis mit Österreich, der Schweiz und Baden-Württemberg direkt verbunden.

Der Landkreis ist durch Autobahnen mit München und Norddeutschland sowie dem westlichen Bodenseegebiet und Österreich verbunden.

Die Eisenbahnstrecke Lindau-Augsburg, die lange Zeit das verkehrliche Rückgrat des Kreises bildete, wurde ab 1844 von der Bayerischen Staatsbahn projektiert. In ihrem Verlauf entstand bei Röthenbach der damals größte Eisenbahndamm der Welt. Die Eröffnung erfolgte 1853, damit war der Landkreis an das bayerische Schienennetz angeschlossen, Bayern erhielt den Anschluss an den Seeweg in die Schweiz. Mit der Bahnlinie Lindau-Bregenz (1872 war das Kreisgebiet auch per Bahn mit Österreich verbunden. 1874 wurde die Eisenbahn-Trajekt-Linie Lindau-Romanshorn eingerichtet. In den 1890er Jahren wurde in Hergatz gemeinsam mit der Württembergischen Staatsbahn eine Zweiglinie nach Wangen - Kißlegg hergestellt. Auch Weiler im Allgäu wurde durch eine Nebenbahn 1897 an die Hauptstrecke bei Röthenbach angeschlossen. Diese Strecke wurde von der Gemeinde Weiler selbst finanziert (1960 stillgelegt). Erst 1899 erfolgte dann der Lückenschluss Friedrichshafen-Wasserburg-Lindau (Bodenseegürtelbahn). 1901 folgte schließlich noch die Lokalbahn Röthenbach-Lindenberg-Scheidegg (Scheidegger Moosrutsche, 1966 stillgelegt).

Städte und Gemeinden

Der Landkreis Lindau gliedert sich in 19 Gemeinden, davon 2 Städte, 3 Märkte, 5 Einheitsgemeinden und 3 Verwaltungsgemeinschaften (mit insgesamt 9 Mitgliedsgemeinden).

(Einwohner am 31. Dezember 2007[2])

Städte

  1. Lindau (Bodensee), Große Kreisstadt (24.680)
  2. Lindenberg i.Allgäu (11.308)

Märkte

  1. Heimenkirch (3668)
  2. Scheidegg (4265)
  3. Weiler-Simmerberg (6632)

Verwaltungsgemeinschaften

  1. Argental
    (Gemeinden Gestratz, Grünenbach, Maierhöfen und Röthenbach (Allgäu))
  2. Sigmarszell
    (Gemeinden Hergensweiler, Sigmarszell und Weißensberg)
  3. Stiefenhofen
    (Gemeinden Oberreute und Stiefenhofen)

Gemeinden

  1. Bodolz (3170)
  2. Gestratz (1213)
  3. Grünenbach (1472)
  4. Hergatz (2332)
  5. Hergensweiler (1772)
  6. Maierhöfen (1616)
  7. Nonnenhorn (1650)
  8. Oberreute (1672)
  9. Opfenbach (2269)
  10. Röthenbach (Allgäu) (1717)
  11. Sigmarszell (2817)
  12. Stiefenhofen (1773)
  13. Wasserburg (Bodensee) (3427)
  14. Weißensberg (2686)

Lageplan

Gemeinden im Landkreis Lindau (Skizze)

Literatur

  • Anton Gruber: Der Landkreis Lindau, Verl. d. Heimatpflegers von Schwaben 1956; ISBN B0000BITRD
  • Heinrich Löffler: Landkreis Lindau, Bd 6, 1973; ISBN 3769698894
  • Günther U. Müller und Emil Kroher: Unser Landkreis. Lindau, Bodensee, 1969; ISBN B0000BTVK6
  • Hugo Schnell: Der Landkreis Lindau. Landschaft, Geschichte, Kunst., 1982; ISBN 3795405696
  • Daheim im Landkreis Lindau - 1994; ISBN 3797702817

Weblinks

Fußnoten

  1. Das Wappen des Landkreises Lindau (Bodensee)
  2. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung - Einwohnerzahlen

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