Bodenseeraum

w1

Bodensee
Satellitenaufnahme. Im Osten der größere Obersee mit dem nordwestlichen „Finger“ des Überlinger Sees. Rechts unten das Delta des Alpenrheins. Im Westen der kleinere Untersee. Links am Bildrand der Hochrhein. Zwischen Obersee und Untersee der etwa vier Kilometer lange Seerhein.
Satellitenaufnahme. Im Osten der größere Obersee mit dem nordwestlichen „Finger“ des Überlinger Sees. Rechts unten das Delta des Alpenrheins. Im Westen der kleinere Untersee. Links am Bildrand der Hochrhein. Zwischen Obersee und Untersee der etwa vier Kilometer lange Seerhein.
Geographische Lage: Deutschland (Baden-Württemberg, Bayern)
Österreich (Vorarlberg)
Schweiz (St. Gallen, Thurgau)
Zuflüsse: Obersee: Alpenrhein (Hauptzufluss), Alter Rhein, Goldach, Steinach, Stockacher Aach, Seefelder Aach, Rotach, Schussen, Argen, Leiblach, Bregenzer Ach, Dornbirner Ach.
Untersee: Seerhein (Hauptzufluss), Radolfzeller Aach
Abflüsse: Obersee: Seerhein. Untersee: Hochrhein
Städte am Ufer: Obersee: Bregenz, Rorschach, Arbon, Romanshorn, Kreuzlingen, Konstanz, Überlingen, Meersburg, Friedrichshafen, Lindau.
Untersee: Steckborn, Stein am Rhein, Radolfzell
Größere Städte in der Nähe: Dornbirn, Singen, St. Gallen, Stockach
Daten
Koordinaten 47° 38′ 0″ N, 9° 22′ 0″ O47.6333333333339.36666666666677Koordinaten: 47° 38′ 0″ N, 9° 22′ 0″ O
Höhe über Meeresspiegel 395,23 m
Fläche Obersee: 473 km², Untersee: 63 km², zusammen 536 km² (ohne Seerhein) [1] dep1
Volumen 48 km³dep1
Maximale Tiefe 254 mdep1
Mittlere Tiefe 90 mdep1
Besonderheiten Im Obersee keine anerkannte Grenzziehung zwischen den Anrainerstaaten.
Seetiefen, Zuflüsse, Gebietsgliederung

Unter der Bezeichnung Bodensee fasst man die drei im nördlichen Alpenvorland liegenden Gewässereinheiten Obersee, Untersee und Seerhein zusammen. Es handelt sich also um zwei selbständige Seen (Stillgewässer) und einen sie verbindenden Fluss (Fließgewässer).

Inhaltsverzeichnis

Namensgeschichte

Seit der römischen Ära sind Bezeichnungen für den Obersee und für den Untersee überliefert. Bei antiken Autoren wird der Untersee Lacus Acronius genannt, der Obersee anfangs Lacus Brigantinus (nach den keltischen Brigantiern), Lacus Venetus (im 1. Jahrhundert bei Pomponius Mela) oder zuletzt Lacus Constantinus (nach dem spätantiken Kastell Constantia, aus dem sich die Stadt Konstanz entwickelte).

Im Mittelalter kam dann die Bezeichnung Lacus Bodamicus auf. Die meisten europäischen Sprachen blieben aber bei Lacus Constantinus (frz. Lac de Constance, engl. Lake Constance, ital. Lago di Costanza, port. Lago de Constança, span. Lago de Constanza). Lacus Bodamicus (Bodensee) setzte sich nur im deutschen Sprachraum durch - und ist daher auch im Niederländischen (Bodenmeer), das sich erst später als eigene Sprache vom Niederdeutschen abspaltete, üblich. Wann und warum sich die Bezeichnung „Bodensee“ auch auf den Untersee (und den Seerhein) übertragen hat, ist bislang offen.

Die Bezeichnung „Bodensee“ leitet sich vermutlich vom Ortsnamen Bodman ab. Dieser am Westende des Überlinger Sees gelegene Ort war im Mittelalter für eine gewisse Zeit als fränkische Königspfalz, alemannischer Herzogssitz und Münzstätte von überregionaler Bedeutung, weshalb der Name auf den See übertragen worden sein dürfte („See, an dem Bodman liegt“ = Bodman-See). Man vergleiche auch den Namen des Bodanrück, des Höhenzugs zwischen Überlinger See und Untersee, und die Geschichte der Familie Bodman.

Die Bezeichnung „Schwäbisches Meer“ haben Autoren der frühen Neuzeit und der Aufklärung von antiken Autoren, möglicherweise Tacitus, übernommen. Allerdings lag dieser Übernahme ein Irrtum zu Grunde (ähnlich wie etwa auch beim Teutoburger Wald und dem Taunus): Die Römer hatten nämlich nicht den Bodensee, sondern die Ostsee manchmal als Mare Suebicum bezeichnet. In einer Zeit, als die Römer die von ihnen so genannten „germanischen Sueben“ auch in der Nähe des Meeres verortet hatten, war dies verständlich. Die Autoren der Frühneuzeit übersahen dies und orientierten sich vermutlich am damals existierenden Schwäbischen Reichskreis, der auch Gebiete am Nordufer des Bodensees beinhaltete (vgl. Oberschwaben). Bei den Bewohnern des Bodenseeraums selbst ist dieser Ausdruck kaum geläufig und wird kaum verwendet. Der größere Teil der Region liegt außerdem nicht im schwäbischen, sondern im nieder- und hochalemannischen Dialektraum.

Geographie

Gliederung

Bodensee vom Pfänder
Blick vom Gebhardsberg (Bregenz) auf den Bodensee

Der Bodensee liegt im Alpenvorland. Die Uferlänge beider Seen beträgt 273 km. Davon liegen 173 km in Deutschland, 28 km in Österreich und 72 km in der Schweiz. Der Bodensee ist, wenn man Obersee und Untersee zusammenrechnet, mit 535 km² nach dem Plattensee (594 km²) und dem Genfersee (582 km²) flächenmäßig der drittgrößte, gemessen am Wasservolumen (48 km³ [1]) nach dem Genfersee (89 km³) der zweitgrößte See Mitteleuropas. Sein Einzugsgebiet beträgt 11.500 km².

Die Fläche des Obersees beträgt 473 km². Er erstreckt sich zwischen Bregenz und Bodman-Ludwigshafen über 63,3 km, die maximale Breite beträgt 14 km (zwischen Friedrichshafen und Romanshorn), an seiner tiefsten Stelle zwischen Fischbach und Uttwil misst er 254 m. Der nordwestliche, fingerförmige Arm des Obersees heißt Überlinger See. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Überlinger See als eigenständiger Seeteil betrachtet, die Grenze zwischen Obersee und Überlinger See verläuft in etwa entlang der Linie zwischen der „Hörnle“ genannten Spitze des Bodanrücks und Meersburg. Die drei kleinen Buchten des Vorarlberger Ufers haben Eigennamen: vor Bregenz liegt die Bregenzer Bucht, vor Hard und Fussach die Fussacher Bucht und westlich davon der Wetterwinkel. Westlich davon, bereits in der Schweiz, befindet sich die Rorschacher Bucht. Nördlich, auf bayerischer Seite, ist die Reutiner Bucht. Der Bahndamm vom Festland zur Insel Lindau und die Seebrücke für den Autoverkehr grenzen vom Bodensee den so genannten „Kleinen See“ ab, der zwischen dem Ortsteil Aeschach und der Insel liegt. Östlich von Konstanz liegt der Konstanzer Trichter.

Der Untersee, der vom Obersee bzw. von dessen nordwestlichem Arm Überlinger See durch die große Halbinsel Bodanrück abgetrennt ist, weist eine Fläche von 63 km² auf. Er ist durch die Endmoränen verschiedener Gletscherzungen und Mittelmoränen geprägt und stark gegliedert. Diese Seeteile haben eigene Namen. Nördlich der Insel Reichenau befindet sich der Gnadensee. Westlich der Insel Reichenau, zwischen Höri und der Halbinsel Mettnau befindet sich der Zellersee. Nördlich der Mettnau ist der Markelfinger Winkel. Die Drumlins des südlichen Bodanrücks setzten sich am Grund dieser nördlichen Seeteile fort. Südlich der Reichenau erstreckt sich von Gottlieben bis Eschenz der Rheinsee mit seiner zum Teil ausgeprägten Rheinströmung. Auf den meisten Karten ist der Name des Rheinsees auch deshalb nicht aufgeführt, weil sich dieser Platz am besten für die Beschriftung des Untersees eignet. [2]

Entstehung

Das Bodenseebecken wurde wesentlich während der Würm-Eiszeit durch den aus dem alpinen Rheintal austretenden Rheingletscher geformt, in dessen fluvioglazial erodiertem Zungenbecken der heutige Bodensee liegt. Dieser kann insofern als würmglazialer Zungenbeckensee oder Gletscherrandsee bezeichnet werden.

Zu- und Abflüsse

Hauptzufluss des Obersees ist der Alpenrhein, Abfluss des Obersees ist der Seerhein, der wiederum Hauptzufluss des Untersees ist. Abfluss des Untersees ist der Hochrhein. Der Alpenrhein und der Seerhein vermischen sich nur bedingt mit den Seewässern und durchströmen die Seen in meist gleichbleibenden Bahnen. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Zuflüsse (236). Die wichtigsten Nebenzuflüsse des Obersees sind Bregenzer Ach, Leiblach, Argen, Schussen, Rotach, Seefelder Aach, Stockacher Aach, Aach (bei Arbon), Steinach, Goldach und Alter Rhein. Wichtigster Nebenzufluss des Untersees ist die Radolfzeller Aach.

Die zehn wasserreichsten Zuflüsse des Obersees[3] mit ihren Einzugsgebieten[4]

Fluss Mittl. jährl. Zufluss
km³ (1978-1990)
Zuflussanteil in % Einzugsgebiet km² Anteil in %
Alpenrhein 7,36 61,1 6119 56,1
Bregenzer Ach 1,52 12,6 832 7,6
Argen 0,63 5,3 656 6,0
Alter Rhein
(Rheintal-Binnenkanal)
0,37 3,1 360 3,3
Schussen 0,36 2,9 822 7,5
Dornbirnerach 0,22 1,8 196 1,8
Leiblach 0,10 0,9    
Seefelder Aach 0,10 0,8 280 2,6
Rotach 0,06 0,5 130 1,2
Stockacher Aach 0,05 0,4    
Summe der
10 Hauptzuflüsse
10,78 89,6 9395  
Gesamtzufluss 12,03 100,0 10903 100,0

Bei leeren Feldern lagen in den Publikationen keine Daten vor.

Da der Alpenrhein Material aus den Bergen einbringt und dieses Material dort sedimentiert, wird die Bregenzer Bucht in einigen Jahrhunderten verlanden. Für die Verlandung des gesamten Bodensees werden zehn- bis zwanzigtausend Jahre geschätzt, vorausgesetzt, dass das Material im Mündungsgebiet nicht ausgebaggert wird, wie das gegenwärtig jedoch geschieht.

Inseln

Auf der Insel Mainau

Im Bodensee liegen elf Inseln sehr unterschiedlicher Größe. Die größten Inseln im Obersee sind Mainau und Lindau, die größte Insel im Untersee und beider Seen ist die Reichenau.

Auf der Insel Reichenau, die zur Gemeinde Reichenau gehört, liegt das ehemalige Kloster Reichenau. Dieses gehört auch aufgrund dreier früh- und hochmittelalterlichen Kirchen zum Welterbe der UNESCO. Die Insel ist auch durch intensiv betriebenen Gemüsebau bekannt.

Die Insel Mainau liegt im Südosten des Überlinger Sees. Ihre Besitzer, die Familie Bernadotte, haben die Insel als touristisches Ausflugsziel eingerichtet und hierfür botanische Anlagen und Tiergehege geschaffen.

Auf der Insel Lindau ganz im Osten des Obersees befindet sich sowohl die Altstadt als auch der Hauptbahnhof der gleichnamigen Stadt Lindau.

Kleinere Inseln im Obersee sind die Dominikanerinsel sechs Meter östlich der Altstadt von Konstanz mit dem Steigenberger-Hotel (2 Hektar) und die winzige Insel Hoy bei Lindau, im Untersee die Insel Werd im Übergang zum Hochrhein, zwei kleine Inseln vor dem Wollmatinger Ried (Triboldingerbohl mit 13 Hektar und Mittler oder Langbohl mit 3 Hektar) und die sogenannte „Liebesinsel“ südlich der Halbinsel Mettnau (300 m²). Alle Inseln im Überblick, von Ost nach West:

Nr. Insel Fläche (m²) Einwohner Gemeinde Seeteil Koordinaten
1 Galgeninsel seit etwa 18. Jh. Halbinsel (-) Lindau (Stadtteil Reutin) Obersee, Reutiner Bucht

!547.5500005509.703889547° 33′ 00″ N, 9° 42′ 14″ O47.559.70388888888897

2 Hoy 53 - Lindau (Stadtteil Reutin) Obersee, Reutiner Bucht

!547.5492645509.696667547° 32′ 57,35″ N, 9° 41′ 48″ O47.5492638888899.69666666666677

3 Lindau 680.000 3.000 Lindau (Stadtteil Lindau-Insel) Obersee

!547.5463895509.683333547° 32′ 47″ N, 9° 41′ 00″ O47.5463888888899.68333333333337

4 Wasserburg seit 1720 Halbinsel (27) Wasserburg Obersee

!547.5672225509.629444547° 34′ 02″ N, 9° 37′ 46″ O47.5672222222229.62944444444457

5 Mainau 447.584 185 Konstanz (Stadtteil Litzelstetten) Obersee, Überlinger See

!547.7050005509.196111547° 42′ 18″ N, 9° 11′ 46″ O47.7059.19611111111117

6 Dominikanerinsel 18.318 21 Konstanz (Stadtteil Altstadt) Obersee, Konstanzer Trichter

!547.6641675509.178333547° 39′ 51″ N, 9° 10′ 42″ O47.6641666666679.17833333333337

7 Mittler oder Langbohl 31.254 - Konstanz (Stadtteil Industriegebiet) Untersee, Rheinsee

!547.6716675509.125556547° 40′ 18″ N, 9° 07′ 32″ O47.6716666666679.12555555555567

8 Triboldingerbohl 135.570 - Konstanz (Stadtteil Industriegebiet) Untersee, Rheinsee

!547.6722225509.122778547° 40′ 20″ N, 9° 07′ 22″ O47.6722222222229.12277777777787

9 Reichenau 4.300.000 3.200 Reichenau (Unterzell/Mittelzell/Oberzell) Untersee !547.6944445509.063333547° 41′ 40″ N, 9° 03′ 48″ O47.6944444444449.06333333333337
10 Liebesinsel 300 - Radolfzell (Ortsteil Mettnau) Untersee, Zeller See

!547.7216675509.005278547° 43′ 18″ N, 9° 00′ 19″ O47.7216666666679.00527777777787

11 Insel Werd 15.854 9 Eschenz (Ortsteil Untereschenz) Untersee, Rheinsee/Hochrhein

!547.6552785508.866667547° 39′ 19″ N, 8° 52′ 00″ O47.6552777777788.86666666666677

12 Mittleres Werdli 4.000 - Stein am Rhein Untersee, Rheinsee/Hochrhein

!547.6566675508.865833547° 39′ 24″ N, 8° 51′ 57″ O47.6566666666678.86583333333337

13 Unteres Werdli 6.000 - Stein am Rhein Untersee, Rheinsee/Hochrhein

!547.6569445508.863889547° 39′ 25″ N, 8° 51′ 50″ O47.6569444444448.86388888888897

  Bodensee-Inseln 5.637.079 ca. 6.400 6 Gemeinden    

Die drei letztgenannten Inseln bilden die Gruppe der Werd-Inseln und liegen am Ausfluss des Rheins aus dem Untersee bei Stein am Rhein in den Hochrhein. Dies sind die einzigen Bodensee-Inseln, die zur Schweiz gehören.

Halbinseln

In den Bodensee ragen einige Halbinseln sehr unterschiedlicher Größe. Der Bodanrück, die größte Halbinsel, trennt den Obersee (Seeteil Überlinger See) vom Untersee. Er erstreckt sich über eine Fläche von 112 km².

Die Mettnau im Untersee, die sich der Insel Reichenau entgegenstreckt, trennt den Zeller See im Süden vom Markelfinger Winkel im Norden. Sie hat eine Flächenausdehnung von 1,7 km².

Die etwa 45 km² große Höri, die sich ebenfalls der Insel Reichenau entgegenstreckt, trennt den Zeller See im Norden vom Rheinsee im Süden.

Die Halbinsel Wasserburg mit dem Schloss Wasserburg und der Pfarrkirche St. Georg im nordöstlichen Obersee liegt zwischen der Nonnenhorner Bucht im Westen und der Wasserburger Bucht im Osten. Sie hat eine Flächenausdehnung von 2,3 Hektar und war eine Insel bis 1720, als die Fugger einen Damm aufschütteten. Im März 2009 lebten 27 Einwohner auf der Halbinsel.

Die Galgeninsel in der Reutiner Bucht ist ebenfalls eine Halbinsel, die früher eine Insel war. Sie ist nur 0,16 Hektar groß.

Klima

Sommersturm – Blick auf die Luitpoldkaserne in Lindau

Hauptartikel: Bodenseeklima

Das Bodenseeklima ist durch milde Temperaturen gekennzeichnet. Es gilt allerdings aufgrund des ganzjährigen Föhneinflusses, häufigem Nebel im Winterhalbjahr und Schwüle im Sommer als Belastungsklima.

Der Bodensee gilt bei Wassersportlern aufgrund der Gefahr starker Sturmböen bei plötzlichen Wetterwechseln als nicht ungefährliches und anspruchsvolleres Binnenrevier. Gefährlichster Wind ist der Föhn, ein warmer Fallwind aus den Alpen, der sich insbesondere durch das Rheintal auf das Wasser ausbreitet und bei teils orkanartigen Windstärken typische Wellenberge mit mehreren Metern Höhe vor sich hertreibt.

Ähnlich gefährlich sind die für Unkundige völlig überraschend auftretenden Sturmböen bei Sommergewittern, die immer wieder Opfer unter den Wassersportlern fordern. Beim letzten Sturm im Juli 2006 während eines Gewitters wurde eine Wellenhöhe von bis zu 3,50 Meter erreicht. Theoretisch sind auf dem Bodensee Wellenhöhen von 4,50 Meter möglich.

Aus diesen Gründen gibt es ein über alle drei Anrainerländer verknüpftes Sturmwarnsystem: Der Bodensee ist für Sturmwarnungen in drei Warnregionen (West, Mitte, Ost) aufgeteilt. Für jede Region kann eine Starkwind- oder Sturmwarnung ausgegeben werden. Eine Starkwindwarnung erfolgt bei erwarteten Windböen zwischen 25 und 33 Knoten beziehungsweise 6 bis 8 Windstärken nach der Beaufortskala. Eine Sturmwarnung kündet die Gefahr von Sturmwinden mit Geschwindigkeiten ab 34 Knoten beziehungsweise 8 Windstärken nach der Beaufortskala an. Um diese Warnungen bekannt zu machen, sind rund um den See orangefarbige Blinkscheinwerfer installiert, die bei Starkwindwarnung 40 mal pro Minute und bei Sturmwarnung 90 mal pro Minute blinken. Es kann wegen unterschiedlicher Zuständigkeiten und Einschätzungen durchaus vorkommen, dass am Schweizer Ufer des Obersees die Sturmwarnung einsetzt, am deutschen oder österreichischen Ufer aber noch nicht (und umgekehrt). Die Bodenseeschiffe und die Fähren signalisieren die Sturmwarnung durch einen am Masten hochgezogenen „Sturmballon“.

Der zugefrorene Bodensee bei Markelfingen

Seit dem Jahr 875 ist der Bodensee (Obersee) insgesamt 32-mal vollständig zugefroren, so dass man den See überall sicher zu Fuß überqueren konnte. Die letzte so genannte Seegfrörni war im Jahre 1963. Bestimmte Teile des Untersees frieren wesentlich häufiger zu, so der Markelfinger Winkel zwischen Markelfingen und der Halbinsel Mettnau.

Pegelstände

Bodensee bei Bottighofen im Winter 2005

Die Pegelstände werden in Konstanz, Romanshorn und Bregenz ermittelt. Sie sind starken jahreszeitlichen Schwankungen ausgesetzt. Die jahreszeitlich höchsten Wasserstände entstehen meist im Frühjahr/Sommer nach der Schneeschmelze über 3.000 m in den Alpen. Zusätzliche starke Regenfälle im Sommer können den Wasserzufluss noch erhöhen und zu Hochwasser führen. Die absolut höchsten Wasserstände am Pegel Konstanz wurden mit 6,36 m am 7. Juli 1817, 5,91 m am 18. August 1821 und 5,65 m am 24. Mai 1999 gemessen.[5] Das Nadelöhr beim Abfließen des Wassers bei solchen Höchstständen stellt der Rheinfall bei Schaffhausen dar.

Eine Nebenwirkung der starken Zuflüsse aus den Alpen nach Unwettern ist die Einführung von Baumstämmen und anderem Treibgut in den Bodensee, hauptsächlich durch die Flüsse Rhein und Bregenzer Ach. Dann bilden sich Treibgutteppiche und Anlandungen in der Gegend von Wasserburg und in der Bregenzer Bucht, die die Bodenseeschifffahrt ernsthaft behindern.

Die jahreszeitlich niedrigsten Wasserstände treten im Winter, in den Monaten Februar und März, auf, wenn in den Alpen Schnee statt Regen fällt. Die niedrigsten am Pegel Konstanz gemessenen Wasserstände waren 2,26 m am 17. Februar 1858[5] und 2,29 m im Februar 2006. Auf einer Fachtagung am 14. Juli 2006 wurden die möglichen Ursachen der deutlich sinkenden Wasserstände durch Wissenschaftler neu bewertet. So stellten die Forscher seit 1999 eine Absenkung des durchschnittlichen Pegels um 80 Zentimeter fest. Eine der Ursachen für den gesunkenen Bodenseepegel könnte der Klimawandel sein, aber auch Wasserkraft-Staubecken am Alpenrhein könnten den Seepegel beeinflusst haben, so die Forscher.[6] Allerdings muss hier in Betracht gezogen werden, dass 1999 ein Hochwasserjahr war, während im Winter 2005/06 der Wasserstand ungewöhnlich gering war. Somit sind diese 80 cm die Differenz der durchschnittlichen Pegelstände zweier Extremjahre und daher von eher geringer Aussagekraft. Langfristig gesehen lag der durchschnittliche Wasserstand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts um 10 cm höher als in der zweiten Hälfte.[7]

Die Tiefenangaben in den offiziellen Seekarten des Bodensees sind auf den Pegel Konstanz bezogen. Dessen Pegelnull ist 391,89 Meter über dem Meeresspiegel (Meter über Normalhöhennull Amsterdam). Das so genannte Karten-Null, auf das sich die in der Karte eingetragenen Tiefenangaben beziehen, liegt beim Pegelstand von 2,50 Metern. Das bedeutet, dass bei einem Pegelstand Konstanz von z. B. 3,75 Metern das Wasser tatsächlich noch 1,25 Meter tiefer ist als in der Karte eingetragen. Die offizielle Hochwassermarke, ab der von Hochwasser gesprochen wird, liegt bei einem Pegel von 4,80 Metern.

Tiefenbereiche

Die Tiefenbereiche des Bodensees sind von der Wasseroberfläche bis zum Seegrund in verschiedene Sektionen aufgeteilt. Vom Ufer aus gesehen sind dies der Hang, bis ca. 3-5 Meter Tiefe, gebildet von der Erosion durch Wellenschlag. Im Winter, bei Tiefwasserstand, liegt dieser Bereich mehrheitlich trocken. Bis ca. 20 Meter folgt anschließend die Wysse, von der Farbe Weiß. Durch Wellengang aufgewirbelter Ton und Mergel gibt dem See in diesem Bereich eine weißliche Tönung. Halde wird die steil abfallende Moränenflanke genannt, die bis ca. 100 Meter folgt. Ab ca. 150 Meter wird der Seegrund Schweb genannt, die abfallenden Grundsektionen um 200 Meter nennt man Tiefhalde und letztendlich heißt der unterste Seegrund bei rund 250 Meter Tiefer Schweb.

Erdkrümmung

Blick von Bregenz Richtung Konstanz

Auf Grund der Erdkrümmung verfügt der Bodensee in seiner Südost-Nordwest-Ausdehnung über eine Aufwölbung der Oberfläche von rund 80 m. Aus menschlicher Perspektive ist es daher in Ufernähe auch bei bester Fernsicht nicht möglich, vom Ostufer (z. B. Bregenz) zum Westufer (z. B. Konstanz) zu blicken.

Dazu befindet sich unter dem Bodensee eine stärkere Abweichung zur Tangentialebene, was den Krümmungseffekt verstärkt.

Territoriale Zugehörigkeit

Anrainerstaaten sind die Schweiz (Kantone Thurgau, St. Gallen und Schaffhausen), Österreich (Bundesland Vorarlberg) sowie Deutschland (Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern).

Der Seerhein zwischen Konstanz und Kreuzlingen sowie der Untersee sind durch Grenzverträge zwischen Baden und der Schweiz (20. und 31. Oktober 1854 [8] sowie 28. April 1878 [9]) und zwischen dem Deutschen Reich und der Schweiz (24. Juni 1879 [10]) klar aufgeteilt. Der Überlinger See zählt vollständig zum deutschen Hoheitsgebiet.

Im westlichen Abschnitt des Obersees zwischen Konstanz und dem heutigen Kreuzlingen, vom Strand bis zum Konstanzer Trichter, gibt es seit dem 16. Jahrhundert eine komplizierte Grenzziehung, die mit der Übereinkunft von 1878 fixiert wurde.

Der Rest des Obersees bleibt vorläufig die einzige Gegend in Europa, wo zwischen den Nachbarstaaten nie Grenzen festgelegt wurden. Hier gibt es unterschiedliche Rechtsauffassungen, die alle auf Gewohnheitsrecht zurückgeführt werden. Die auf Karten oft zu sehende Grenzziehung in Seemitte beruht auf der so genannten Realteilungstheorie, nach der 32 Prozent der Seefläche auf die Schweiz und 9,7 Prozent auf Österreich entfallen würden. Die andere gängige Auffassung ist die Haldentheorie, nach der das Gebiet des Obersees außerhalb des Uferstreifens als Kondominium gemeinschaftliches Hoheitsgebiet aller Anrainer ist.

Klar und unstrittig war und ist, dass auch in einem Bereich in unmittelbarer Ufernähe der entsprechende Staat Hoheitsrechte ausüben kann. Bei kleineren Gewässern ergibt sich daraus zwangsläufig die Realteilung mit einer Grenzziehung in Gewässermitte, was allgemein auch für größere Gewässer praktiziert wird.

Morgenstimmung am Bodensee (Arbon)
Herbststimmung vor Lindau (Blickrichtung Schweizer Ufer)
Der Bodensee bei Konstanz im Winter (Blick auf den Säntis)

Für den Bodensee werden die einzelstaatlichen Rechtsvorschriften der Anrainerstaaten faktisch bereits seit den 1890er-Jahren eng abgestimmt und in der Regel wortgleich erlassen.[11] Darüber hinaus wird durch internationale Bevollmächtigtenkonferenzen und internationale Kommissionen eine einheitliche Anwendung und ggf. auch Fortschreibung sichergestellt. Dies betrifft je nach Gegenstand der Regelungen zum Teil auch die Länder bzw. Kantone.

Nach der im Wesentlichen von der Schweiz getragenen Auffassung, der Realteilungstheorie, widerspricht eine solche Abstimmungspraxis nicht der allgemein üblichen gewohnheitsrechtlichen Realteilung. Andererseits lässt sich aus dieser Praxis auch die insbesondere von Österreich vertretene Auffassung gewohnheitsrechtlich ableiten, dass die Wasserfläche des Obersees mit Ausnahme des Bereiches von weniger als 25 m Tiefe, in diesem Zusammenhang als Hoher See bezeichnet, als Kondominium gemeinschaftlich verwaltetes Hoheitsgebiet aller drei Staaten ist. Diese Auffassung wird wegen ihrer Beschränkung auf die Seefläche innerhalb des als Halde bezeichneten Tiefenbereiches als Haldentheorie bezeichnet. Sie gilt insofern als Erweiterung der so genannten Kondominiumstheorie ohne die exakte Definition des Uferstreifens.[12]

Insgesamt scheint die Haldentheorie gegenüber der Realteilungstheorie langsam an Boden zu gewinnen. So hat das Land Vorarlberg 1984 bei einer Neufassung seiner Verfassung den Hohen See in Artikel 2 explizit als Bestandteil des Landesgebietes festgeschrieben, ergänzt durch die Einschränkung „im Gebiet des Hohen Sees ist die Ausübung von Hoheitsrechten des Landes durch ebensolche Rechte der anderen Uferstaaten beschränkt“. Dies wird von Vorarlberger Seite lediglich als „Klarstellung“ aufgefasst, und offenbar wurde dieser Verfassungsänderung von den anderen Beteiligten nicht widersprochen. Ebenfalls gehen die deutschen Länder von der hier ohne genauere Unterscheidung auch als Kondominiumstheorie bezeichneten Haldentheorie aus. Die Rechtsprechung ist allerdings uneinheitlich, auch deswegen, weil eine Entscheidung zwischen den Theorien in der Praxis wegen der engen Abstimmung der Anrainer nur sehr selten notwendig wird.[13]

Geschichte

Karte der Bodenseeregion von 1540

Die ersten menschlichen Siedlungen, die aus der Jungsteinzeit, zwischen 3000 und 1800 v. Chr., datieren, befanden sich am Überlinger See, an der Konstanzer Bucht und am Obersee. Diese waren Pfahlbauten, deren Überreste am deutschen und Schweizer Ufer gefunden wurden. Bei Unteruhldingen ist ein solches Pfahlbaudorf rekonstruiert worden und ist heute als Museum zugänglich. Etwa um 400 v. Chr. siedelten sich Kelten an den Ufern des Bodensees an. Aus dieser Zeit sind noch einige Überreste von Fluchtburgen erhalten. Bedeutendster keltischer Ort war Brigantion (lat. Brigantium), das heutige Bregenz.

Nach dem Sieg von Julius Caesar gegen den Stamm der Helvetier gliederten die Römer das Bodenseegebiet in ihr Reich ein. Damals ereignete sich auch die größte Seeschlacht auf dem Bodensee – Kelten aus Bregenz gegen Römer. Auf der Insel Mainau wurden vermeintliche Reste eines römischen Marinestützpunkts gefunden. Der Geograph Pomponius Mela erwähnt als Erster um das Jahr 43 v. Chr. den Bodensee als Lacus Venetus (Obersee) und Lacus Acronius (Untersee), die beide vom Rhein durchflossen würden. Plinius der Ältere bezeichnet den Bodensee erstmals als Lacus Brigantinus. Wichtigster römischer Ort wurde Bregenz, das bald römisches Stadtrecht bekam und später zum Sitz des Präfekten der Bodenseeflotte wurde. Die Römer waren auch in Lindau, besiedelten dort allerdings nur die Hügel rund um Lindau, da am Ufer Sumpfgebiet war. Weitere römische Städte waren Constantia (Konstanz) und Arbor Felix (Arbon).

Lage des Bodensees im Herzogtum Schwaben (gelb), 911-1268

Nach Ende der römischen Herrschaft besiedelten Alemannen den Bodenseeraum. Nach deren Christianisierung wuchs die kulturelle Bedeutung der Region durch die Gründung der Abtei Reichenau und des Bischofssitzes Konstanz. Unter der Herrschaft der Staufer wurden am Bodensee Reichstage abgehalten. Außerdem kam es in Konstanz zum Friedensschluss zwischen dem Staufischen Kaiser und dem Lombardenbund. Eine wichtige Rolle kam dem Bodensee auch als Umschlagplatz für Waren im deutsch-italienischen Handel zu.

Während des Dreißigjährigen Kriegs kam es zu einer weiteren Seeschlacht auf dem Bodensee, als die Österreicher versuchten, die eingedrungenen Schweden zurück zu drängen. Nach den Koalitionskriegen, von denen die Bodenseeregion ebenfalls betroffen war, kam es zur Neuordnung der staatlichen Verhältnisse.

Ökologie

Flora

Bis ins 19. Jahrhundert hinein galt der Bodensee als naturbelassenes Gewässer. Seitdem wurde die Natur stark durch Rodungen und die Bebauung zahlreicher Uferteile beeinflusst. Dennoch sind einige naturnahe Bereiche vor allem in den Naturschutzgebieten erhalten geblieben oder wurden renaturiert. Daher weist die Bodenseeregion einige Besonderheiten auf. Dazu zählen die große Waldlandschaft am Bodanrück, das Vorkommen des Lungen-Enzians und der Knabenkraut-Arten aus den Gattungen Dactylorhiza und Orchis im Wollmatinger Ried sowie das der Sibirischen Schwertlilie (Iris sibirica) im Eriskircher Ried, das daher seinen Namen erhalten hat. [14]

Vögel

Der Bodensee ist ein wichtiges Überwinterungsgebiet für rund 250.000 Vögel[15] jährlich. Vogelarten wie der Alpenstrandläufer, der Große Brachvogel und der Kiebitz überwintern am Bodensee[16]. Auf dem Zug im Spätherbst finden sich auf dem See auch zahlreiche Seetaucher ein (Pracht- und Sterntaucher, einzelne Eistaucher).

Die Halbinsel Mettnau

Dem Bodensee kommt auch als Rastgebiet während des Vogelzuges eine große Bedeutung zu. Der Vogelzug verläuft dabei oft unauffällig und ist am ehesten bei besonderen Wetterlagen als sichtbarer Tagzug erkennbar. Erst bei länger anhaltenden, großräumigen Tiefdrucklagen kommt es nicht selten zu einem Stau mit großen Ansammlungen von Zugvögeln. Dies lässt sich im Herbst oft gut am Eriskircher Ried am nördlichen Bodensee beobachten. Hier stößt der Breitfrontenzug direkt an den See und Vögel versuchen dann dem Ufer entlang Richtung Nordwest zu ziehen. Die Bedeutung des Bodensees als wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet wird unterstrichen durch das Max-Planck-Institut für Ornithologie – Vogelwarte Radolfzell, das als Beringungszentrale für die deutschen Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Rheinland-Pfalz und das Saarland sowie für Österreich zuständig ist und den Vogelzug erforscht [17].

Im Frühjahr ist der Bodensee ein bedeutendes Brutgebiet, vor allem für Blässhuhn und Haubentaucher. Aufgrund der stark schwankenden Wasserstände bevorzugen manche Arten jedoch andere Brutgebiete [16].

Weiterhin ist der Bodensee mit seinen Naturschutzgebieten, wie dem Wollmatinger Ried oder der Halbinsel Mettnau, auch die Heimat vieler Vogelarten. 412 Arten sind bislang nachgewiesen [18].

Fische

Im Bodensee existieren 35 Fischarten. Eine Besonderheit für die Lage des Sees ist das Vorkommen von Felchen und Saibling. Bedeutend für die Fischerei sind Aal, Brachsen, Groppe, Hecht, Schleie, Kretzer (Egli) und Zander. Der Bodenseefelchen, der aufgrund seines großen Vorkommens im Bodensee nach diesem benannt wurde, wird oft als Spezialität in den Fischlokalen rund um den Bodensee angeboten [19]. Die ehemals im Bodensee endemischen Fischarten Bodensee-Kilch (Coregonus gutturosus) und Bodensee-Tiefensaibling (Salvelinus profundus) gelten als verschollen.

Naturschutzgebiete

Der alte Rhein im Rheindelta

Das größte Naturschutzgebiet des Bodensees ist das Rheindelta, das sich entlang des Bodenseeufers zwischen der Mündung des alten Rheinlaufes bis zur Dornbirner Ach bei Hard erstreckt. Seit ihm ab 1982 internationale Bedeutung zukommt, wurden dort 340 Vogelarten beobachtet. Am Bodensee existieren weitere Naturschutzgebiete, die hier vom Rheindelta an gegen den Uhrzeigersinn aufgelistet werden.

Das Eriskircher Ried, das seit 1939 geschützt ist, liegt zwischen Friedrichshafen und Eriskirch. Hier münden die Rotach und die Schussen in den See. Eine besondere Bedeutung hat das Gebiet für den Haubentaucher, der dort bevorzugt nistet. Auch die vorgelagerte Flachwasserzone ist seit 1983 unter Schutz gestellt.

Das Gebiet um die Stockacher Aachmündung, das auch Naturschutzgebiet Bodenseeufer genannt wird, ist etwas kleiner und daher auch weniger beachtet. Bedeutung kommt ihm jedoch als Überwinterungsplatz für Regenpfeiferartige, besonders für die Samtente und den Ohrentaucher, zu.

Der Halbinsel Mettnau und dem Mündungsgebiet der Radolfzeller Aach am Zeller See kommt als Brutzone für Enten regionale Bedeutung zu. Der große Ententeich der Mettnau entstand zufällig bei Aufschüttungsarbeiten. An der Mündung befindet sich ein Schlafplatz für Bergpieper.

Das Wollmatinger Ried bei Konstanz ist seit 1973 Europareservat und seit 1976 Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung. Durch seine Lage am Seerhein ist es eine wichtige Brutzone und darf daher teilweise nur bei Führungen betreten werden [20].

Wasserqualität

Heute hat der Bodensee eine sehr gute Wasserqualität. Nach dem Zweiten Weltkrieg war eine zunehmende Verunreinigung des Bodensees festzustellen, die ab 1959 zu konkreten Maßnahmen führte. Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) stellte 1963 den Phosphateintrag als Hauptursache einer bereits erkennbaren Eutrophierung fest. Ursachen des Phosphateintrags waren Düngemittelausschwemmungen und kommunale Abwässer, die durch Fäkalien und in zunehmendem Maße durch Phosphate aus Waschmitteln belastet waren. Die dabei relevante Fläche ist das gesamte 11.000 km² große hydrologische Einzugsgebiet des Bodensees.

Besonders in den 1970er-Jahren wurden hier in großem Umfang Kläranlagen errichtet, die Phosphatreinigungsleistung der vorhandenen Anlagen wurde verbessert. 1980 wurden in Deutschland Höchstmengen für Phosphate in Waschmitteln verordnet, 1986 brachte die Waschmittelindustrie durch den Einsatz von Zeolithen vollständig phosphatfreie Waschmittel auf den Markt. Die Einträge aus der Landwirtschaft lassen sich nur durch eine Extensivierung im Einzugsgebiet langfristig verringern, entsprechende gesetzliche und Förder-Maßnahmen wurden umgesetzt. Trotz dieser Maßnahmen erreichte die Phosphatkonzentration im Bodensee um 1980 das Zehnfache des natürlichen Wertes. In den frühen 1980er-Jahren wurden in Grundnähe zeitweise gefährlich niedrige Sauerstoffkonzentrationen gemessen. Eine vollständige Sauerstofffreiheit des Seegrundes führt zum Umkippen eines Sees.

Seit 1979 ging die Phosphatkonzentration wieder zurück und hat mittlerweile fast wieder den natürlichen Wert erreicht. Die nicht ganz so bedeutsame Nitratkonzentration liegt nach einem kontinuierlichen Anstieg bis 1985 seither konstant bei ca. 4,4 g/m³[21]. Durch die bessere Wasserqualität wird der See wieder zu einem nährstoffarmen Voralpensee, der er ursprünglich einmal war. Dies hat allerdings auch negative Auswirkungen auf die Fischerei: Die Fische werden aufgrund der nun herrschenden Nährstoffarmut nicht mehr so groß wie früher, was geringere Erträge bedeutet. Dafür sind die bestehenden Fischpopulationen jedoch stabiler. Ein Indiz für die Gesundung des biologischen Gleichgewichts im See stellt das Wiedererstarken der Seeforelle dar, deren Bestände sich seit der Verbesserung der Wasserqualität merklich erhöht haben.

Wirtschaft

Von Bedeutung für das wirtschaftliche Gefüge der Anrainer sind heutzutage vor allem die Funktionen des Bodensees als Transportweg, als Erholungsgebiet und als Trinkwasserspeicher.

Im Bereich des Primärsektors spielt vor allem der Weinbau eine gewisse Rolle. Die Fischerei hingegen hat ihre führende Rolle verloren. Die größten Industriestandorte sind Friedrichshafen (Metallverarbeitung) und Bregenz (Textilindustrie). Wichtigste Dienstleistungsstandorte sind Konstanz, Bregenz, Friedrichshafen und Lindau.

Weinbau

Weinbau am Bodensee (Birnau)

Durch die riesigen Wassermassen des Bodensees wird auch das Klima beeinflusst. Rund um den See kann Wein angebaut werden, zumeist der Rebsorten Spätburgunder, Müller-Thurgau und Weißburgunder. Durch die politischen Grenzen innerhalb der Region werden die Weine in verschiedenen Weinbaugebieten angebaut, die Ähnlichkeiten innerhalb der Region sind jedoch größer als die mit den teils weit entfernten „Mutter“-Anbaugebieten. Die Region ist das höchstgelegene deutsche Weinbaugebiet mit Lagen zwischen 400 und 560 Metern ü. NN.

Weinbaugebiete um den Bodensee sind der Bereich Bodensee des Weinbaugebiets Baden, die Bereiche Württembergischer Bodensee und Bayerischer Bodensee des Weinbaugebiets Württemberg, die Regionen Rheintal (im Kanton St. Gallen) und Untersee (im Thurgau) im Weinbaugebiet Ostschweiz sowie einzelne Betriebe in Vorarlberg in der kleinsten österreichischen Weinbauregion Bergland Österreich.

Fischerei

Statue der Fischerin vom Bodensee auf der Insel Mainau

Die Bedeutung der Bodenseefischerei ist mittlerweile relativ gering, obwohl die Fangerträge sich seit Mitte der 1950er-Jahre im langjährigen Mittel nur wenig verändert haben. So wurden im Fünfjahreszeitraum 1996–2000 durchschnittlich 1130 t Fisch pro Jahr gefangen[22]. Dieser Fang deckt bei 1,5 kg Jahresverzehr pro Person den Süßwasserfischbedarf von 750.000 Menschen. Der Umsatz der ca. 150 Berufsfischer am Bodensee, davon ca. 100 in Baden-Württemberg und 16 in Vorarlberg, dürfte damit in der Größenordnung von 3 Mio. Euro liegen[19][23][24]. Hauptsorten sind der Blaufelchen mit 57 %, andere Felchen (Gangfische und Sandfelchen) mit 19 % und der Flussbarsch (regional Kretzer oder Egli) mit 17 %. Dazu kommen 4 % Weißfische wie Brachse und 3 % sonstige wie Seeforelle, Aal, Hecht und Seesaibling[22].

Besatzfische u.a. für den Bodensee und seine Zuflüsse werden von den Anliegerländern und -kantonen in den Fischbrutanstalten Langenargen und Nonnenhorn, im Landesfischereizentrum Hard und der Fischzuchtanlage Rorschach gezüchtet. Zu diesem Zweck wird Laichfischfang betrieben.

Die Fischerei im Bodensee ist seit 1893 einheitlich geregelt durch ein Abkommen[11] zwischen den Anliegerstaaten (auf deutscher Seite die Länder). Die entsprechenden Verordnungen[25] schreiben Schonzeiten und Mindestgrößen für die gefangenen Fische vor und spezifizieren zugelassene Fanggeräte z. B. durch Maschenweiten, Netzgrößen und -anzahl usw. Darüber hinaus existiert eine Internationale Bevollmächtigtenkonferenz, die für eine einheitliche Anwendung sowie die Fortschreibung der Regelungen sorgt.

Die Eutrophierung des Bodensees in den 1960er- bis 1990er-Jahren hatte Einfluss auf das Vorkommen der einzelnen Arten sowie auf die Größe der Fische. So wurden bei unveränderter Mindestgröße nun Blaufelchen gefischt, die sich noch nicht hatten fortpflanzen können, was zu erheblichen Ertragsschwankungen führte. Durch Heraufsetzung der Mindestgröße konnte das Problem zunächst behoben werden. Die Fangerträge bei Barschen stiegen aufgrund deren Vermehrung an, was andererseits möglicherweise das Vorkommen des Hechtbandwurms in Barschen und Hechten gefördert hat. Mittlerweile normalisiert sich die Situation insgesamt wieder. Für die Barschpopulation wird noch mit einem weiteren Rückgang gerechnet.

Ähnliche Probleme gab es bei den Seeforellen, deren Bestand zwischenzeitlich durch Baumaßnahmen an den Zuflüssen dezimiert war. Insbesondere die Einrichtung von Fischtreppen und der Besatz der Zuflüsse brachte hier wieder Verbesserungen.

Die Berufsfischer fürchten jedoch bei einem weiteren Rückgang des Phosphatgehaltes im Bodensee auf unter 8 mg/m³ Gesamtphosphor deutliche Einbußen, da dann auch ein Ertragsrückgang bei Felchen zu erwarten ist. Der am Bodensee wieder häufiger werdende Kormoran wird von den Fischern ebenfalls als „Plage“ gesehen.

Verkehr

Überblick

Autofähre Konstanz - Meersburg

Die Gesamtheit aller Anbieter im öffentlichen Schiffsverkehr auf dem Bodensee wird auch als Weiße Flotte bezeichnet. Die Kursschifffahrt wird geprägt von den beiden Autofähren (Konstanz-Meersburg und Friedrichshafen-Romanshorn), der Katamaranverbindung Konstanz-Friedrichshafen und den überwiegend saisonal verkehrenden Personenschiffen. Daneben gibt es ein dichtes Angebot an Sonderfahrten (Brunch- und Dinnerfahrten, Tanz- und Partyfahrten, Fahrten zu bestimmten Ereignissen, themenbezogene Fahrten u. a.).

Die private Schifffahrt wird zum Einen geprägt von den Fischern, zum Anderen von den in der warmen Jahreszeit verkehrenden Privatbooten (Segelschiffe, Yachten u. ä.). In manchen Häfen kann man Tret- und Ruderboote ausleihen.

Fast überall am Bodenseeufer existieren Verkehrswege aller Art. Neben zahlreichen Fuß- und Radwegen sind nahezu alle Uferbereiche gut an das öffentliche Straßen- und Schienennetz angeschlossen. Mit der Bahn nicht direkt zu erreichen sind vor allem die Uferorte der Höri, das Südufer des Überlinger Sees, das Ufer zwischen Uhldingen und Friedrichshafen (mit Meersburg) sowie die Gegend zwischen den Rheinmündungen. Die Ufer von Obersee und Untersee werden fast überall von überregionalen Straßen begleitet. Ausnahmen bilden vor allem die Höri und das unzugängliche Südufer des Überlinger Sees. Die überregionalen Straßen führen vielerorts durch die Ufergemeinden, da Umgehungsstraßen oft nicht vorhanden sind. Von größeren Straßenbauten ist das Bodenseeufer bisher wenig tangiert worden. Vierspurige Straßentrassen gibt es bisher nur bei Radolfzell (B 33 / A 81), Konstanz/Kreuzlingen (A 7), Rorschach (A 1), Bregenz (A 14) und Lindau (A 96). Sie verlaufen alle nicht direkt entlang des Ufers, genauso wie die größeren Bauten für zweispurige Umgehungsstraßen (A 1.1 bei Arbon, B 31 bei Lindau und zwischen Meersburg und Überlingen).

Kursschifffahrt

Hauptartikel: Weiße Flotte (Bodensee)

In der nach Fahrplänen verkehrenden Kursschifffahrt ist zu unterscheiden zwischen ganzjährigen Linien, die eher auf die Bedürfnisse der Anwohner und Pendler ausgerichtet sind, und saisonalen Kursen (in der Regel Frühjahr bis Herbst), deren Zielgruppe eher die Touristen des Sommerhalbjahrs darstellen.

Vorläufer der heutigen Autofähren waren Eisenbahnfähren (Bodensee-Trajekte), die 1869 zwischen Romanshorn und Friedrichshafen – später auch Lindau, sowie Bregenz – eingerichtet wurden. Der Trajektverkehr wurde – von kriegsbedingten Unterbrechungen abgesehen – bis 1976 zwischen Romanshorn und Friedrichshafen aufrechterhalten, bis er schließlich aus Kostengründen eingestellt wurde. Aus diesem Grund gehörten die Bodenseeflotten der Anrainerstaaten bis vor kurzem den jeweiligen Staatsbahnen, welche auch gemeinsam die unzähligen Kursschiffe betrieben, die ein gutes und funktionierendes Netz bilden.

Für Deutschland verkehren die Bodensee-Schiffsbetriebe (ehemals Deutsche Bahn, heute Stadtwerke Konstanz), für die Schweiz die Schweizerische Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft (SBS) und für Österreich bis 2005 die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) die Bodenseeschifffahrt. Seit der Saison 2006 wird die rot-weiß-rote Flotte von den „Vorarlberg Lines“ betrieben.

Nach dem Willen der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), welchen die SBS gehört, sollten diese wie bereits die deutschen Schiffe an die Stadtwerke Konstanz gehen. Allerdings regte sich gegen diesen Plan Widerstand in der Schweiz, was die SBB zu einem öffentlichen Bieterwettbewerb zwang, bei dem Ende 2006 eine Investorengruppe aus der Schweiz und Österreich den Zuschlag erhielt – darunter auch der österreichische Tourismusunternehmer Walter Klaus, der 2005 schon die Bodenseeschifffahrt der ÖBB übernommen hatte.

Zusätzlich sind seit Juli 2005 zwei Katamarane zwischen Konstanz und Friedrichshafen ganzjährig unterwegs. Ein dritter ist seit Februar 2007 im Einsatz und steht als Reserve bei Werftaufenthalten oder für Charterzwecke zur Verfügung. Die Katamaran-Reederei Bodensee gehört zu gleichen Teilen den Technischen Werken Friedrichshafen (TWF) und den Stadtwerken Konstanz.

Ein schwimmendes Technikdenkmal ist das Dampfschiff Hohentwiel, das zwar nicht mehr Kurs fährt, aber viele Gesellschaftsfahrten macht und zur Festspielzeit den Zubringerverkehr nach Bregenz mit viel Nostalgie bereichert. Die Hohentwiel lief 1913 in Friedrichshafen als Yacht der württembergischen Könige vom Stapel, wurde 1962 von der Bundesbahn ausgemustert und 1988 erfolgreich restauriert. Sie ist heute einer der letzten Raddampfer mit Originalmaschine in Europa; Heimathafen ist das österreichische Hard.

Siehe auch: Liste der Passagierschiffe auf dem Bodensee

Freizeit, Tourismus, Sport

Blick vom Pfänder auf den Obersee
Bodensee mit Schiff
Segelschiffe bei Lindau
Segelboot bei Radolfzell

Im Osten, wo die Voralpen dem Obersee sehr nahe kommen, gibt es einige wenige Seilbahnen, deren Talstation recht nahe am Ufer liegt. Bei der Bergfahrt hat man sehr gute Aussichten auf den See. Die bekannteste Seilbahn ist die Pfänderbahn, die in Bregenz ihre Talstation hat.

Rund um den Bodensee verläuft der Bodensee-Rundwanderweg und der Bodensee-Radweg.

Über dem See kreisen seit 2001 wieder Zeppeline neuer Technologie bei ihren Rundfahrten ab ihrem Heimatflughafen Friedrichshafen.

Bootsport, Freizeitschifffahrt

Rechtliche Grundlage für die gesamte Schifffahrt auf dem See ist die Verordnung über die Schifffahrt auf dem Bodensee, kurz Bodensee-Schifffahrtsordnung. Für den Bodensee gibt es ein eigenes Bodenseeschifferpatent. Es wird in Deutschland von den Schifffahrtsämtern des Kreises Konstanz, des Bodenseekreises und des Kreises Lindau vergeben, in der Schweiz von den kantonalen Behörden. Für Sportschiffer sind die Kategorien A für Motorboote über 4,4 kW Leistung und D für Segelboote über 12 m² Segelfläche sowie kurzzeitige Gast-Lizenzierungen von Interesse.

Die Bedeutung der Freizeitschifffahrt ist enorm. Anfang 2005 waren 57.000 so genannte Vergnügungsfahrzeuge für den Bodensee zugelassen.[26] Weil die Zulassung aber generell für drei Jahre erteilt wird, entsprechen diese Zahlen nicht der Menge der tatsächlich am Bodensee befindlichen Boote. Die große wirtschaftliche Bedeutung des Wassersports zeigt eine Studie der Internationalen Wassersportgemeinschaft Bodensee, die die vom Wassersport herrührende Beschäftigung auf 1600 Beschäftigte und die wirtschaftlichen Umsätze auf 270 Millionen Euro schätzt.[27] Im Freizeitbereich bietet der Bodensee eine Fülle von Möglichkeiten im Bereich Wassersport. Über 100 Vereine sind dem Segelsport verbunden und veranstalten Regatten, bei denen dem sportlichen Wettkampf auf dem Wasser gefrönt wird. Der Betrieb von Wassermotorrädern wurde mit der seit Januar 2006 geltenden revidierten Bodensee-Schifffahrts-Ordnung zum Schutz von Flora, Fauna und Badegästen verboten.

Unabhängig davon, ob für das Boot ein Bodenseeschifferpatent erforderlich ist, müssen alle Boote mit Maschinenantrieb (einschließlich Elektromotoren) oder mit Wohn-, Koch- oder sanitärer Einrichtung, bei der zuständigen Schifffahrtsbehörde zur Fahrt auf dem Bodensee zugelassen werden.

Die Schifffahrt wird auf dem gesamten Bodensee sowie auf dem Hochrhein durch die deutsche Wasserschutzpolizei, die schweizerische und die österreichische Seepolizei überwacht.

Surfen und Kitesurfen

Aufgrund fehlender stetiger Winde können diese Sportarten nur zeitweise bei besonderen Windsituationen wie Föhn oder starkem Westwind und / oder nur in gewissen Seeabschnitten z. B. der Bregenzerbucht betrieben werden. Das Kitesurfen ist nur in bestimmten Zonen erlaubt, am deutschen Ufer außerdem nur mit zusätzlicher Sondergenehmigung durch die Schifffahrtsämter, am österreichischen Ufer derzeit gar nicht [28]. In den letzten Jahren hat sich das Westufer der Insel Reichenau im Untersee wegen hier meist aus West oder Südwest kommender Winde als ganzjährig genutztes Surfrevier etabliert [29]. Die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten schwanken zwischen vier und sieben Knoten bzw. zwei und drei Bft (in Bregenz bzw. in Friedrichshafen) [30][31].

Tauchen

Das Tauchen im Bodensee gilt zugleich als attraktiv und anspruchsvoll. Die meisten Tauchgebiete befinden sich im nördlichen Teil des Sees (Überlingen, Ludwigshafen, Marienschlucht und andere), einige wenige auch im Süden. Die Gebiete sollten ausschließlich von erfahrenen Tauchern unter Führung einer der örtlichen Tauchschulen oder eines gebietserfahrenen Tauchers betaucht werden, an der Teufelstisch genannten Felsnadel im See vor der Marienschlucht ist Tauchen sogar nur nach Genehmigung durch das Landratsamt Konstanz erlaubt.

Interessante Wracks und größere Fische befinden sich meist in Tiefen, die von Sporttauchern üblicherweise nicht erreicht werden (45 Meter und mehr). Derartige Tauchgänge zählen zum Tec-Diving und sind nur mit Spezialausbildung und -ausrüstung durchzuführen. Doch auch bei weniger großen Tiefen ist zu beachten, dass das Wasser im Bodensee – auch im Sommer – bereits ab 10 Metern Tiefe nur wenige Grad Celsius über Null kalt ist, was entsprechend professionelles Atemgerät erfordert, das bei derartigen Temperaturen nicht vereist. Um die Sicherheit des Tauchens im Bodensee zu erhöhen und sicherzustellen, dass der Bodensee als Tauchgewässer erhalten bleibt, hat sich eine Gruppe von Tauchern verschiedener Organisationen zum Arbeitskreis Sicheres Tauchen im Bodensee (AST e.V.) zusammengefunden.

Seit 2006 ist das Tauchen innerhalb des für die Schifffahrt gekennzeichneten Fahrwassers, z. B. im Hochrhein oder Seerhein, verboten.

Schwimmen

Schwimmen im See ist am besten in der Periode Ende Juni bis Ende August möglich. Die Wassertemperaturen erreichen dann je nach Wetterlage ungefähr 19 °C bis 23 °C. Die für den See typischen Stürme mengen die wärmeren Oberflächenwasser- und die kälteren tieferen Wasserschichten durcheinander. Dadurch sinkt dann wieder die Wassertemperatur während der Badesaison. Für ortsfremde Badegäste ist es wichtig zu wissen, dass die Flachwasserzone jäh aufhört und am sogenannten „Felsen“ der Uferbereich steil abfällt. Dieser Abfall des Felsens ist z. B. von der Seepromenade in Meersburg aus gut zu sehen, und an der Trennungslinie mit der dunkleren Farbe des Wassers zu erkennen.

Trinkwassergewinnung

Jährlich werden dem Bodensee rund 180 Millionen Kubikmeter durch 17 Wasserwerke zur Trinkwasserversorgung von insgesamt ca. 4,5 Millionen Menschen in den Anrainerstaaten Deutschland und Schweiz entnommen. Bemerkenswert ist, dass dabei insgesamt immer noch mehr Wasser natürlich verdunstet, als für die Trinkwassergewinnung entnommen wird.

Größter Wasserversorger ist der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung (BWV) mit Sitz in Stuttgart, dessen Wasserentnahme sich im offenen Wasser bei Sipplingen befindet. Von der BWV werden etwa 4 Millionen Bürger in großen Teilen von Baden-Württemberg (bis Bad Mergentheim ganz im Nordosten des Bundeslandes) versorgt. Ihr Anteil mit einer Entnahme von etwa 135 Millionen Kubikmeter pro Jahr beträgt ungefähr 75 Prozent der Gesamt-Trinkwasserentnahme. Andere Wasserwerke versorgen z. B. die Bewohner von Friedrichshafen (D), Konstanz (D) und St. Gallen (CH/ seit 1895 und damit ältestes Wasserwerk am Bodensee).

Kulturraum Bodensee

Vorgeschichtliche Ufersiedlungen

Pfahlbauten-Museum in Unteruhldingen, im Hintergrund die Wallfahrtskirche Birnau

Die ältesten vorgeschichtlichen Ufersiedlungen am Bodensee stammen aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. Am deutschen Bodenseeufer sind über 70 Siedlungsplätze bekannt, die unter anderem vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg durch seine ständige Arbeitsstelle in Hemmenhofen erfasst und betreut werden.[32]

Die bekannteste vorgeschichtliche Siedlungsform am Bodensee sind die Pfahlbausiedlungen. Eine Rekonstruktion einer derartigen Siedlung findet man im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen. Dieses 23 Pfahlbauhäuser umfassende Freilichtmuseum zeigt anschaulich den Alltag in Jungsteinzeit und Bronzezeit. In vier nachgebauten Dörfern können Besucher erleben, wie es bei den ersten Bauern, Händlern und Fischern am Bodensee ausgesehen hat.

Christianisierung

Das Bistum Konstanz entstand Ende des 6. Jahrhunderts durch die Verlegung des Bischofssitzes von Windisch nach Konstanz. In dessen Einflussgebiet bemühte sich das Kloster St. Gallen um Theologie und Sprachwissenschaften, um Heilkunde[33] und Geschichte, um Dichtung und Musik. Was hier geschah, gewann großen Einfluss auf die ganze abendländische Geisteswelt. Viele kulturelle Strömungen jener Zeit lassen sich auf das Kloster St. Gallen zurückführen.

Auch das Kloster Reichenau auf der gleichnamigen Insel im Bodensee hatte bis zum 13. Jahrhundert eine wichtige Bedeutung als Zentrum deutscher Gelehrsamkeit.

Schließlich ist das Kloster Mehrerau zu erwähnen: Das von Benediktinermönchen geführte Kloster am Bodensee galt in der Reformationszeit als Hochburg des Katholizismus.

Bodenseemaler

Einige bekannte Maler hatten ihren Wohnsitz am Bodensee und bildeten diesen in zahlreichen Werken ab. Es existieren auch einige Bilder zu Dokumentationszwecken, wie beispielsweise das Buch „Der Bodensee in alten Reisebildern“ (Gütersloh 1977), das rund 20 Abbildungen aus dem 19. Jahrhundert enthält. Im 20. Jahrhundert sind vor allem Otto Dix und Adolf Dietrich, beide Künstler der Neuen Sachlichkeit, zu nennen. Eine Reihe weiterer Künstler ließen sich am Bodensee nieder, so z. B. Max Ackermann; Erich Heckel und Rudolf Schmidt-Dethloff. Aber auch zahlreiche namhafte, einheimische Künstler wie Heinrich Hauber, Fritz Mühlenweg oder Carl Roesch prägten das Kunstschaffen in der Region. Die Bilder der Bodenseemaler sowie andere Gemälde, die den Bodensee abbilden, sind in zahlreichen Museen wie z. B. dem Zeppelin Museum in Friedrichshafen und dem Neuen Schloss in Meersburg ausgestellt.

Schriftsteller

Eine Reihe bekannter Schriftsteller lebten und arbeiteten zumindest zeitweise am Bodensee, darunter Annette von Droste-Hülshoff in Meersburg, Joseph Victor von Scheffel in Radolfzell und Hermann Hesse in Gaienhofen.

Martin Walser ist der bekannteste derzeit am Bodensee lebende Schriftsteller. Seine Bücher spielen teilweise am Bodensee, wie z. B. seine Novellen Ein fliehendes Pferd (2007 in Überlingen und Umgebung verfilmt) oder Ein springender Brunnen (über seine Jugendzeit in Wasserburg). Das Museum im Malhaus in Wasserburg bietet eine Dauerausstellung zum Leben und Werk Martin Walsers. Im Besonderen sind dies Erinnerungen an seine Kinder- und Jugendzeit in Wasserburg.

Siehe auch

Portal
 Portal: Bodensee – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bodensee

Literatur

  • Andreas Balze, Gerhard Fischer: Bodensee (= DuMont Reise-Taschenbücher). DuMont, Köln 1995, ISBN 3-7701-3213-0.
  • Annette Bernauer, Harald Jacoby: Bodensee. Naturreichtum am Alpenrand. Naturerbe Verlag Jürgen Resch, Überlingen 1994, ISBN 3-9803350-1-1.
  • Bodensee-Schiffsbetriebe Konstanz (Hrsg.): Bodensee-Uferbeschreibung mit Übersichtskarte. Verlag Paula Büsing, Konstanz 1984.
  • Patrick Brauns: Das Bodensee-ABC. Von Aach bis Zeppelin. Thorbecke, Ostfildern 2007, ISBN 978-3-7995-0181-1.
  • Otto Feger: Geschichte des Bodenseeraumes. 3 Bände. Thorbecke, Lindau 1956–1963.
  • Gertraud Gaßner, Rainald Schwarz-Gaßner: RadReisebuch. Rund um den Bodensee. Von Lindau nach Konstanz. Droemer-Knaur, München 1990, ISBN 3-426-04635-0 (Hintergrundberichte; mehr als in gängigen Reiseführern).
  • Claudius Graf-Schelling: Die Hoheitsverhältnisse am Bodensee unter besonderer Berücksichtigung der Schiffahrt. Schulthess Polygraphischer Verlag, Zürich 1978, ISBN 3-7255-1914-5.
  • Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (Hrsg.): Der Bodensee. Zustand – Fakten – Perspektiven. IGKB, Bregenz 2004, ISBN 3-902290-04-8 (Online-Ausgabe).
  • Friedrich Kiefer: Naturkunde des Bodensees. 2. Auflage. Thorbecke, Sigmaringen 1972, ISBN 3-7995-5001-1.
  • Willy Küsters, Karlheinz Bischof (Bearb.): Bodensee-Fibel. Vademecum der Landschaft im Herzen Europas für Seehasen und Gäste. 6. Auflage. Rosgarten Verlag, Konstanz 1984, ISBN 3-87685-059-2.
  • Museen und Schlösser Euregio Bodensee e. V. (Hrsg.): Museen entdecken. Friedrichshafen, ca. 2004 (siehe auch Website).
  • Maria Schlandt (Hrsg.): Der Bodensee in alten Reisebildern. Reiseberichte und Reisebilder aus vergangenen Zeiten. Prisma Verlag, Gütersloh 1977, ISBN 3-570-09423-5 – (Reiseberichte vom 4. Jh. n. Chr. bis 1826).
  • Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, Zeitschrift, seit 1869, ISSN 0342-2070 (Inhalt: 1869–1961, 1962–2001).
  • Wander- und Radtourenkarte. Bodensee-Gesamtgebiet 1:75000 mit Kompass Lexikon. Kompass Karten GmbH, Rum/Innsbruck, ISBN 3-85491-002-9.
  • Achim Walder: „Sehenswertes rund um den Bodensee“; Kultur, Historik, Landschaft rund um den Bodensee, Walder Verlag 2008, ISBN 978-3-936575-35-4
  • Bernhard Tschofen (Hrsg.): GrenzRaumSee - Eine ethnographische Reise durch die Bodenseeregion. TVV-Verlag, Tübingen 2008, ISBN-10 3932512499, ISBN-13 978-3932512490.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Internationale Bodenseekonferenz Bodensee-Daten
  2. Seespiegel, Ausgabe 20: Der Bodensee: drei Teile, ein See
  3. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz in Baden-Württemberg: Informationen zum Jahrhunderthochwasser 1999
  4. Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (Hrsg.): Der Bodensee. Zustand – Fakten – Perspektiven. IGKB, Bregenz 2004, ISBN 3-902290-04-8, Kapitel 1.2
  5. a b Hochwasser-Vorhersage-Zentrale Baden-Württemberg: Pegel Konstanz / Bodensee
  6. Rhein-Zeitung: Bodenseepegelstand seit 1999 um 80 Zentimeter gesunken
  7. Einfluss des Wasserstandsganges auf die Entwicklung der Uferröhrichte an ausgewählten Uferabschnitten des westlichen Bodensees in den vergangenen 40 Jahren (Uni Konstanz)
  8. Vertrag vom 20./31. Oktober 1854 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Grossherzogtum Baden betreffend Grenzbereinigung
  9. Übereinkunft vom 28. April 1878 zwischen der Schweiz und dem Grossherzogtum Baden wegen Regulierung der Grenze bei Konstanz
  10. Übereinkunft vom 24. Juni 1879 zwischen der Schweiz und dem Deutschen Reiche wegen Regulierung der Grenze bei Konstanz
  11. a b Übereinkunft vom 5. Juli 1893 betreffend die Anwendung gleichartiger Bestimmungen für die Fischerei im Bodensee (Bregenzer Übereinkunft)
  12. Artikel über die zwischenstaatliche Aufteilung
  13. Für Weiteres zu den territorialen Verhältnissen siehe Graf-Schelling 1978.
  14. Planet Wissen – Bodensee
  15. Bundesamt für Veterinärwesen: Artikel über das Forschungsprojekt „Constanze“
  16. a b Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee: Ornithologische Bedeutung des Bodensees
  17. Beringungszentrale Vogelwarte Radolfzell
  18. Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee: Beobachtungsgebiete
  19. a b Themenpark Umwelt des Umweltministeriums Baden-Württemberg - BodenseeWeb: Fische
  20. Naturschutzgebiete des Bodensees
  21. Bodenseekonferenz: Landwirtschaft und Gewässerschutz im Bodenseeraum
  22. a b Institut für Seenforschung der LUBW: Grafik Bodenseefangerträge
  23. Verband für Fischerei und Gewässerschutz in Baden-Württemberg e.V.: Zahlen zur Fischerei in Baden-Württemberg
  24. Vorarlberg Magazin Nr. 105 / 2002
  25. Bodenseefischereiverordnung Baden-Württemberg
  26. Bodensee-Schiffsstatistik per 1.1.2005
  27. Internationale Wassersportgemeinschaft Bodensee: Der Wassersport am Bodensee als wirtschaftlicher Faktor 2006
  28. bodenseekreis.de: Kitesurfen
  29. Informationen zum Surfen im Wiki von spotnetz.de
  30. Windstatistiken für Bregenz
  31. Windstatistiken für Friedrichshafen
  32. Helmut Schlichtherle, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg: Archäologische Kulturdenkmale und Denkmalschutz am Bodensee
  33. Karl Baas: Zur Geschichte der mittelalterlichen Heilkunst im Bodenseegebiet, Archiv für Kulturgeschichte 4 (1906), 129-158

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