Bodenseewasserversorgung
Bodensee-Wasserversorgung
Unternehmensform Zweckverband
Gründung 25. Oktober 1954
Unternehmenssitz Stuttgart
Unternehmensleitung

Michael Stäbler
Hans Mehlhorn

Mitarbeiter 340
Branche Wasserversorgung
Website

www.zvbwv.de

Gebäude der BWV in Ringgenbach
Gebäude der BWV in Sentenhart

Die Bodensee-Wasserversorgung (BWV) ist ein Zweckverband mit Sitz in Stuttgart, der am 25. Oktober 1954 von 13 Gemeinden zur Deckung des Wasserbedarfs in vielen Gemeinden der wasserarmen Schwäbischen Alb und im Großraum Stuttgart gegründet wurde. Heute versorgt sie als größte deutsche Fernwasserversorgung etwa vier Millionen Menschen in rund 320 Städten und Gemeinden mit Trinkwasser aus dem Bodensee.

Inhaltsverzeichnis

Versorgung

Der Zweckverband hat heute 180 Mitglieder, davon 146 Städte und Gemeinden sowie 34 Wasserversorgungs-Zweckverbände. Insgesamt beziehen rund 320 Städte und Gemeinden in weiten Teilen Baden-Württembergs ihr Wasser direkt oder indirekt von der Bodensee-Wasserversorgung. Das Versorgungsgebiet erstreckt sich vom Bodenseegebiet im Süden bis nach Bad Mergentheim und Tauberbischofsheim im Norden des Landes. Es umfasst den Mittleren Neckarraum, die Schwäbische Alb, den Schwarzwald und den Odenwald. [1]

Seit 1958 wird das Wasser dem Bodensee bei Sipplingen in 60 m Tiefe durch zwei (seit 1978 drei) Rohre entnommen, auf den 310 m höher liegenden Sipplinger Berg gepumpt, dort aufbereitet (Mikrosiebe, Ozon- und Sandfilteranlagen) und dann durch zwei Haupt- und zahlreiche Neben- und Anschlussleitungen mit Innendurchmessern von bis zu 2,25 m zu den angeschlossenen Städten und Gemeinden geleitet. Das Rohrnetz hat eine Länge von etwa 1.700 km. In das Rohrnetz sind 29 Wasserbehälter mit zusammen 470.600 m³ Inhalt integriert. Der größte unter diesen ist der Hochbehälter Stuttgart-Rohr mit einem Inhalt von 100.000 m³.

Dem Bodensee werden jährlich zwischen 130 und 135 Mio. m³ Wasser durch die BWV entnommen. Das ist weniger als die Wasserverdunstung des Sees und ca. 1,3 % des Gesamtdurchsatzes. Der höchste Wasserverbrauch betrug am 8. August 2003 531.000 m³. Die BWV hat ein Entnahmerecht von 670.000 m³ Rohwasser pro Tag.

Geschichte

Allgemein

1958 wurde die Trinkwasserversorgung aufgenommen. Das Netz wird ständig erweitert und ausgebaut, um den Wasserbedarf auch anderer Regionen zu decken. Eine Besonderheit des Rohrnetzes ist die rund 24 Kilometer lange unterirdische Durchquerung der Schwäbischen Alb, der so genannte „Albstollen“. Der Bau der Pipeline (1968–1970) war seinerzeit eine herausragende technische Leistung unter der Leitung von Fritz Schmidt.

1981 fusionierte die Bodensee-Wasserversorgung mit der Fernwasserversorgung Rheintal (FWR).

Cross-Border-Leasing-Vertrag

Mit einem Cross-Border-Leasing-Vertrag hat der Zweckverband 2002 seine gesamten Betriebsanlagen und die Infrastruktur für 841 Millionen US-Dollar an eine US-Treuhandgesellschaft vermietet und von dieser zugleich zurückgemietet. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 30 Jahren. Das Geld wurde nach Aussage der BWV bei verschiedenen Finanzinstituten „zins- und währungssicher“ hinterlegt, mit der Verpflichtung, den Mietpreis der BWV in 30 Jahresraten zurückzuzahlen. Eines der beteiligten Finanzinstitute (AIG) musste im Herbst 2008 ausgewechselt werden, weil es eine im Vertrag festgehaltene Bonitätsschwelle unterschritten hatte. Mittlerweile wurde eine Umstrukturierung beschlossen, die den Verband rund 28 Millionen Euro kosten wird. Im Zuge dessen werden voraussichtlich auch die Wasserpreise für die Verbraucher steigen.[2] Die Vertragsbeziehungen wurden Ende März 2009 beendet. Der Verlust aus dem Geschäft beläuft sich auf 4,7 Mio. Euro.[3]

Giftanschlag

Am 7. November 2005 wurde ein Giftanschlag auf den Bodensee mit Pflanzenschutzmitteln entdeckt, nachdem nach Eingang eines entsprechenden Drohbriefes am 18. Oktober bei der BWV danach gesucht wurde. Zwei geöffnete Kanister mit je 5 Liter Inhalt, von denen einer mit Atrazin (einem Pflanzenschutzmittel, das für den Menschen nur eine geringe Giftigkeit besitzt), der andere mit einem Gemisch anderer Pflanzenschutzmittel befüllt war, wurden dann am 9. November unweit der Trinkwasser-Entnahmestelle in ca. 75 m Tiefe, rund 300 m vom Ufer entfernt geborgen. Aufgrund der fortgeführten Suchaktionen am Seegrund wurden am 10. Dezember zwei weitere Gegenstände lokalisiert, die am 12. Dezember geborgen wurden. Es handelte sich dabei um einen weiteren 5-Liter-Kanister mit flüssigem Pflanzenschutzmittel und eine geöffnete Plastiktüte mit Granulat – laut LKA-Analyse ebenfalls ein Pflanzenschutzmittel. Die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung wurden aber zu keinem Zeitpunkt überschritten, was entsprechende Kontrolluntersuchungen ergaben. Mitte Januar 2006 wurden die Suchaktionen am Seegrund ohne weitere Funde eingestellt.[4]

Sonstiges

Der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) und in der 1993 gegründeten Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke im Donaueinzugsgebiet (IAWD).

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Aktuelle Informationen vom Bodensee, Ausgabe Nordwestliche Uferregion, Juli/August 2008. Verlag Maurer Marketing GmbH, Radolfzell, S. D 10-D 11
  2. Wasserpreis soll steigen, Südkurier vom 29. November 2008
  3. BWV: Cross-Border-Leasing ist Geschichte. Meldung vom 9. April 2009
  4. Bei Bodensee-Giftanschlag keine Hinweise auf Täter. In: Salzburger Nachrichten vom 15. November 2005

Weblinks

47.8072222222229.10333333333337Koordinaten: 47° 48′ 26″ N, 9° 6′ 12″ O


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