Bodenversickerung
Regenwassersickerbecken

Der Begriff Versickerung wird für das Einbringen von Niederschlagswasser (Regenwasser, Schnee) über technische Versickerungsanlagen in den Untergrund verwendet. Hierbei kann es sich um unbelastetes aber auch belastetes Niederschlagswasser handeln. Man könnte die Einbringung von belastetem Niederschlagswasser auch als Verrieselung bezeichnen. Verrieselung ist die Einbringung belasteter, zu behandelnder Wässer (in diesem Zusammenhang meistens vorbehandeltes Schmutzwasser) in den Untergrund auf eine Art und Weise, dass dabei eine den Schutz des Grundwassers entsprechende Reinigung im Wege der Rieselstrecke (Sickerstrecke) erfolgt.

Die Versickerung von Regenwässern wird insbesondere zur Ableitung von Niederschlagswässern von Siedlungsräumen und Verkehrsflächen verwendet, wenn keine geeignete Kanalisation oder Vorfluter vorhanden sind. In der modernen Entsorgungstechnik wird dieses Verfahren auch aus Gründen der Wasserhaushaltes eingesetzt, um der Verminderung der Grundwasserneubildung durch die Versiegelung der Landschaft entgegenzuwirken und den Wasserrückhalt zu verbessern.

Dabei muss Beachtung finden, dass sowohl der Regen als auch die Abschwemmungen von Oberflächen zumeist belastet sind. Vor ihrer Versickerung sind diese daher unter Umständen vorzureinigen bzw. die Versickerung über eine bakterienreiche Humusschicht (belebte Bodenzone) zu führen. Dieses Verfahren nähert sich der Verrieselung an, da dabei vor dem Erreichen des Grundwassers eine Vorreinigung in der Sickerstrecke erfolgt.

In Deutschland sind die Anforderungen an Versickerungsanlagen (für Niederschlagswasser) im DWA-Arbeitsblatt 138 Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser der Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) festgelegt. (ISBN 3-937758-66-6 Stand April 2005).

Das Arbeitsblatt A 138 unterscheidet

  • Flächen-Versickerung
  • Becken-Versickerung
  • Mulden-Versickerung
  • Mulden-Rigolen-Versickerung
  • Rigolen-Versickerung
  • Rohr-Rigolen-Versickerung
  • Rohr-Versickerung
  • Schacht-Versickerung

Zur Auslegung der Anlagen ist zu beachten, dass der Anfall des Niederschlagswassers diskontinuierlich ist und daher oft Speichereinrichtungen sinnvoll sind, um mit kleinen Versickerungsflächen auszukommen.

Die Versickerung kann auch bei der künstlichen Anreicherung des Grundwassers zur Nutz- und Trinkwassergewinnung angewandt werden.

In NRW sowie einigen vor allem ländlichen Gegenden ist es gesetzlich vorgeschrieben, anfallendes Regenwasser im eigenen Garten versickern zu lassen. Einerseits soll dadurch der Grundwasserhaushalt erhalten werden, andererseits kann die Regenwasserkanalisation schwächer und damit billiger ausgeführt werden.

Vor dem Bau einer Versickerungsanlage sollte der anstehende Boden auf seine Versickerungsfähigkeit (Kf-Wert) untersucht werden. Sande gelten als sehr wasserdurchlässig, Tone als stauend bzw. abdichtend. Vor dem Bau einer Versickerungsanlage muss ferner die Höhe des vorhandenen Grundwasserspiegels untersucht werden.

Meistens sind Versickerungsanlagen auf privaten Wohngrundstücken genehmigungsfrei. Für Versickerungsanlagen auf gewerblich genutzten Grundstücke und im öffentlichen Raum ist eine Genehmigung der unteren Wasserbehörde erforderlich.

Siehe auch

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”