Bodrizen
Stammesgebiet der Abodriten Abodriti um das Jahr 1000

Die Abodriten (auch Abotriten, Obotriten/Obodriten, Bodrizen) waren ein mittelalterlicher elbslawischer Stammesverband (einer Untergruppe der Westslawen) auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg und Holstein. Zeitweise ist Liubice (siehe auch: Lübeck), die an der Einmündung der Schwartau in die Trave gelegene Burgsiedlung (Alt-)Lübeck, der Sitz der meist aus dem Geschlecht der Nakoniden stammenden Herrscher der Abodriten. Der Name der Obodriten bedeutet Nachkommen des Obodr, des sehr Wachsamen.[1]

Sie waren traditionell mit dem ebenfalls slawischen Stammesverband der Wilzen verfeindet. Der Zwist geht vermutlich auf Gebietsstreitigkeiten zurück. Aus dem Volk der Abodriten ging das bis 1918 herrschende mecklenburgische Fürstengeschlecht der Obodriten (Adel) hervor.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Abodritenfürst Niklot (1090-1160), Statue am Schweriner Schloss

Im späten 7./8. Jahrhundert wanderten slawische Gruppen in das Gebiet zwischen Ostsee, Elbe und Warnow ein.

Schon 794-799 kämpfen die Abodriten im Bündnis mit den Franken unter Karl dem Großen gegen die mit den Wilzen verbündeten Sachsen. Im Jahr 798 fand die entscheidende Schlacht auf dem Sventanafeld statt, die für das Volk siegreich endete. Als Belohnung erhielten die Abodriten Teile des ehemals sächsischen Siedlungsgebietes.

Gegen Ende des 8. Jahrhunderts waren erste Fürsten über den Stammesverband nachweisbar. Im Jahr 808 wird der Hauptort Reric durch den Dänenkönig Gudfred zerstört. Ab 810 sichern sich die Sachsen mit dem Limes Saxoniae, einer siedlungsleeren und schwer passierbaren Urwaldgrenze gegen abodritische Überfälle. Ab 819 gibt es mit Liubice die erste Befestigung an der Mündung der Schwartau in die Trave.

Kaiser Otto I. führt im Jahr 955 Krieg gegen die Abodriten und gewinnt am 16. Oktober 955 in der Schlacht an der Raxa. Die Abodriten werden unterworfen und es wird auf ihrem Gebiet die Mark der Billunger gebildet. Knapp dreißig Jahre später im Jahr 983 beginnt der erste große Slawenaufstand. Es gelingt den Abodriten das Gebiet von der deutschen Herrschaft zu befreien.

Im Jahr 1043 wird der Nakonide Gottschalk zum Herzog (König, Knes) der Abodriten. In Anlehnung an Adalbert von Bremen bemüht er sich um die Errichtung eines elbslawischen christlichen Staats nach polnischem Vorbild. Nach dem Sturz Adalberts im Jahr 1066 wird Gottschalk ermordet und Kruto übernimmt die Herrschaft. Er überfällt u. a. die Hammaburg und zerstört sie.

Im Jahr 1090 ermordet Gottschalks Sohn Heinrich seinen Gegenspieler Kruto mit Hilfe der Dänen und übernimmt nach der Schlacht von Schmilau 1093 die Herrschaft im Abodritenland. Als er im Jahr 1127 stirbt, zerfällt sein Reich, nachdem Heinrichs Schwager Kanut 1131 ermordet worden war. Wenig später unternimmt der Sachsenherzog Heinrich der Löwe 1147 mit dem Wendenkreuzzug erfolgreich den Versuch, große Teile des Abodritenreiches zu unterwerfen. Es folgt 1160 ein Krieg der Dänen und der Sachsen gegen das Restreich der Abodriten, in welchem der abodritische Stammesfürst Niklot (Regentschaft 1131-1160) umkommt. Der Sohn des Fürsten Niklot Pribislav erhält 1167 nach seiner Unterwerfung das Erbe seines Vaters als Lehen Heinrichs des Löwen zurück. Er gründet damit das Geschlecht der späteren Herzöge von Mecklenburg

Siehe auch

Literatur

  • Peter Donat: Die Mecklenburg vor 1000 Jahren. Zur historischen Situation in der Mecklenburg und bei den Obodriten während der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts. in: Wolf Karge u.a. (Hg.), Ein Jahrtausend Mecklenburg und Vorpommern. Biographie einer norddeutschen Region in Einzeldarstellungen, Rostock 1995, 10-15
  • Peter Donat: Archäologische Beiträge zur obodritischen Geschichte und Kultur im 12. Jahrhundert. in: Mecklenburgische Jahrbücher 113 (1998), 125-138
  • Michael Müller-Wille: Slawische Besiedlung im obodritischen Herrschaftsbereich. Neuere Beiträge der Archäologie, Onomastik, Dendrochronologie und Paläobotanik. in: P. Ettel u.a. (Hrsg.), Interdisziplinäre Beiträge zur Siedlungsarchäologie. Gedenkschrift für Walter Janssen, (=Studia honoraria 17), Rahden i.Westf. 2002, 243–253
  • Michael Müller-Wille: Zwischen Kieler Förde und Wismarbucht. Archäologie der Obodriten vom späten 7. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts; in: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission 83 (2002), 243-264
  • Robert Bohn: Geschichte Schleswig-Holsteins, München 2006 (Verlag C.H. Beck), ISBN 978-3-406-50891-2

Quellen

  1. Paul Kühnel:Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg in Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. - Band 46 (1881), S. 3-168

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Synonyme:

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