ARD-Morgenmagazin
Das ARD-Morgenmagazin live von der IFA in Berlin 2005

Das ARD-Morgenmagazin ist eine im zweiwöchentlichen Rhythmus vom WDR für Das Erste produzierte morgendliche Nachrichten- und Informationssendung. Die Sendung existiert seit 1992 und wird im Wechsel mit dem ZDF-Morgenmagazin ausgestrahlt.

Inhaltsverzeichnis

Sendetermin

Die Sendung lief zunächst von 6.00 bis 9.00 Uhr. Seit 28. August 1995 startet das Frühstücksfernsehen bereits um 5.30 Uhr.

Die ARD strahlt 2009 das Morgenmagazin vorwiegend in den geraden Kalenderwochen aus, das ZDF in den ungeraden Wochen. Lediglich im Juli senden ARD und ZDF ausnahmsweise jeweils zwei Wochen „en bloc“. Wegen einer 53. Woche im Jahr 2009 gab es 2010 einen Rhythmuswechsel, da sendete das ARD-Morgenmagazin in den ungeraden Wochen. Die Sendungen laufen montags bis freitags von 5:30 bis 9:00 Uhr. Darüber hinaus produziert das ARD-Morgenmagazin bei sehr wichtigen Ereignissen auch außerplanmäßige Verlängerungen der Regelsendung oder Sonderausgaben am Wochenende, z. B. anlässlich des NATO-Gipfels in Straßburg im Frühjahr 2009 oder nach der Bundestagswahl am 27. September 2009. Beide Schwestersendungen laufen sowohl im Ersten, als auch auf dem ZDF. Das ARD-Morgenmagazin wird darüber hinaus im digitalen ARD-Angebot EinsExtra ausgestrahlt.

Programminhalte

Die Berichterstattung über tagesaktuelle Themen aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Sport steht im Vordergrund des Programms. Die Redaktion des ARD-Morgenmagazins greift auf das bundes- und weltweite Korrespondentennetz der ARD zurück und hat einen eigenen Hauptstadtkorrespondenten, Werner Sonne, der regelmäßig politische Interviews aus dem ARD-Hauptstadtstudio in Berlin führt. Ergänzt wird das Programm zu jeder vollen und halben Stunde durch kurze Ausgaben der Tagesschau, die von ARD-aktuell beim NDR in Hamburg produziert wird. Ein Sportblock befindet sich jeweils am Ende einer halben Morgenmagazin-Stunde vor der Tagesschau, die ebenfalls halbstündliche Wettervorhersage läuft jeweils nach den Nachrichten.

Das ARD-Morgenmagazin bietet darüber hinaus weitere regelmäßige Themenblöcke an:

  • live & unterwegs (Ausführliche tägliche Live-Berichterstattung zu den verschiedensten Themen aus Gesellschaft, Politik, Forschung und Wirtschaft, meist im Inland, ab und zu aus dem Ausland.)
  • Service (inkl. Chat) (tägliche Experten-Interviews über Ratgeber-Themen aus allen Bereichen zu verschiedenen Themen. Hier können die Zuschauer auch während der Sendung Fragen stellen und an einem Internet-Chat teilnehmen)
  • Kultur-Tipp (In wöchentlicher Folge eine Filmreihe, in der Prominente ihre Empfehlungen für Bücher, Theater, Film, Ausstellungen und für andere Kulturereignisse geben.)
  • Kinotipp (jeden Donnerstag, im Falle eines Feiertags am vorhergehenden Mittwoch)
  • Buchtipp (einmal pro Monat freitags, im Falle eines Feiertags am vorhergehenden Donnerstag)
  • Sportblock (aktuelle Sportberichterstattung, siehe oben)
  • Wettervorhersage (Wetterrückschau und -prognose, siehe oben)

Geschichte

Entstehung

Das ARD-Morgenmagazin ging erstmals am 13. Juli 1992 auf Sendung. Bis dahin gab es nur Frühprogramme von Sat.1 und RTL seit Ende der 1980er Jahre. Erste Frühinformationsprogramme der ARD gab es zuvor punktuell während der Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles für vier Wochen und während des Zweiten Golfkrieges für einige Monate. Ausschlaggebend für die Entscheidung von ARD und ZDF, regelmäßige Frühformate zu gründen, waren die guten Zuschauerresonanzen auf die Sondersendungen über den Golfkrieg. Damals startete ein provisorisches Frühstücksfernsehen im Ersten, das von der Redaktion ARD-aktuell Hamburg (Tagesschau, Tagesthemen) innerhalb weniger Tage ins Leben gerufen wurde und monothematisch über den Krieg berichtete. Nach vier Wochen löste der WDR mit einer Sonderredaktion das Team von ARD-aktuell ab und sendete noch weitere drei Monate eine Frühsendung, die neben den Informationen über den Golfkrieg auch schon andere Informationselemente enthielt.

ARD und ZDF vereinbarten aus wirtschaftlichen Gründen, sich ab Juli 1992 wöchentlich mit jeweils eigen produzierten Formaten am Morgen abzuwechseln, so wie es sich schon mit der Kooperation beim Mittagsmagazin bewährt hatte. Der WDR übernahm für die ARD die Gründung der Redaktion in Köln unter der Leitung von Johannes Kaul und Dieter Saldecki. Zeitgleich gründete das ZDF seine Redaktion in Berlin. Aus dem Stand heraus übernahmen ARD und ZDF die Marktführerschaft am Morgen; zur Zeit erreichen sie durchschnittlich rund 22 % Marktanteil.

Sendekonzept

Das ARD-Morgenmagazin pflegte von Beginn an speziell die Live-Berichterstattung und setzte hier Maßstäbe. Dies gilt sowohl für die Machart bei schnellen, tagesaktuellen Live-Auftritten, als auch für hintergründige Live-Reportagen aus Deutschland und aller Welt. So strahlte das ARD-Morgenmagazin im Spätherbst 1999 als erster mit einer transportablen Satelliteneinheit live Reportagen mitten aus dem Regenwald in Panama. Eine weitere Besonderheit war auch die weltweit erste Live-Sendung aus der Arktis, die im Juni 2001 unter Einsatz eines Hubschraubers und mehrerer Richtfunkstrecken zustande kam. Im Sommer 2007 gelang es dem ARD-Morgenmagazin (und damit der ARD als erster westlicher Sender überhaupt), eine ganze Woche live aus Peking und Umgebung zu senden.

Seit Oktober 2006 wird das ARD-Morgenmagazin im Breitbildformat 16:9 ausgestrahlt. Seit Frühjahr 2008 wird die Sendung auf einer servergestützten Redaktions- und Produktionsplattform komplett digital geplant, vorbereitet und produziert.

Hademar Bankhofer

Siehe: Hauptartikel Hademar Bankhofer

Bis 2008 trat in der Sendung regelmäßig Hademar Bankhofer als „Gesundheitsexperte“ auf. Am 24. Juli 2008 beendete der WDR die Zusammenarbeit mit Bankhofer, da Bankhofer einen bestehenden Beratervertrag mit dem Konzern Klosterfrau Healthcare Group verschwiegen und auf Nachfrage widersprüchlich geantwortet habe.[1][2]

Auf ARD-Webseiten empfahl der Nicht-Mediziner zuvor wiederholt die „Klostermelisse“ (eine Wortmarke der Klosterfrau-Gruppe) und das Klosterfrau Gesundheitsbuch, diese Seiten wurden inzwischen gelöscht (vgl. Zitronenmelisse).[3]
Die ARD war bereits im Jahr 2004 durch das Deutsche Cochrane-Zentrum in einer Mail darauf hingewiesen worden, dass massive Zweifel an der Seriosität der Empfehlungen Bankhofers bestehen. Auch ein ausführlicher Brief im Jahr 2006 hatte in Folge zu keinen Veränderungen geführt.[4]
Die generelle Methodik Bankhofers im Umgang mit wissenschaftlichen Studien wurde aus akademischen Kreisen wiederholt ebenso kritisiert wie sein journalistischer Verhaltensethos und seine Sorgfaltspflicht in Bezug auf Quellen.[5] Wissenschaftler wie z.B. Gerd Antes vertreten unter anderem die Auffassung, Bankhofer berichte über fragwürdige wissenschaftliche Erkenntnisse und verhelfe diesen hierdurch zu Popularität.[4]

In einem Interview eines österreichischen Rundfunksenders sprach Bankhofer 2009 von einer "hundsgemeinen Intrige" die über 3 Jahre vorbereitet worden sei.[6] Nach Aussage Bankhofers habe man drei Jahre lang "im Morgenmagazin daran gebastelt ihn wegzubekommen", der eigentliche Grund sei es, dass er in der Sendung zuviele Naturtips gegeben und die Leute zur Selbstmedikamention "verführt" habe. Bankhofer erklärte in dem Interview seine Verträge mit Klosterfrau seien in den deutschen Printmedien schon lange bekannt gewesen und beklagte sich, dass man sich "ohne jede Unschuldsvermutung sofort von ihm getrennt habe." Bezüglich der verantwortlichen Entscheidungsträger beim WDR, stellte er fest er habe in diesem Zusammenhang erstmals erkannt wie viele "rückratlose Feiglinge und Arschlöcher" es gäbe. Er zitierte in diesem Zusammenhang Hans Rudolf Beierlein mit der Aussage: "Die Fachleute, die Experten werden immer weniger, die Arschlöcher vermehren sich wie die Karnickel".[7] Zuvor war Bankhofer 12 Jahre lang unbeanstandet mit seinem Sendungskonzept im ARD-Morgenmagazin präsent. Bankhofer stellte in der Sendung weiterhin die Behauptung auf einige seiner Kritiker im Internet seien "sogar bezahlt" worden. Er reduzierte die Kritik auf die Tatsache er habe in einem Studio/Kräutergarten gestanden und den Begriff Klostermelisse verwendet. Diesen hätten bereits Theodor Fontane und Hildegard von Bingen verwendet. Zu seinen weiteren zahlreichen medialen Bezügen zu Produkten aus der Klosterfraugruppe oder anderen mit ihm vertraglich verbundenen Unternehmen äußerte er sich nicht.[7]

Die Süddeutsche Zeitung fasste den Vorgang wie folgt zusammen:

"Der ganze Vorgang [...] zeigt, wie die geschickte Ausnutzung eines Medien-Hypes sowie die regelmäßige Huldigung durch die Größen der Talkshow-Szene auch bei seriösen Redaktionen zu kollektiver Kritiklosigkeit und Schlafmützigkeit führen." [8]

Im Mai 2009 veröffentlicht Morgenmagazin Moderator Peter Großmann mit Hademar Bankhofer das Buch Naturdoping.

Redaktion

Die Redaktion des ARD-Morgenmagazins gehört zum WDR und ist, organisatorisch gesehen, wegen ihrer Größe eine eigene WDR-Programmgruppe. Leiter ist Martin Hövel, stellvertretender Leiter ist Hanno Frings. In der Redaktion arbeiten 40 festangestellte Mitarbeiter (zum Teil in Teilzeit), darunter 22 Redakteure. Hinzu kommt eine Anzahl freier Autoren. Außerdem liefern die ARD-Aktuell-Inlandsredaktionen sowie die ARD-Auslandsstudios dem ARD-Morgenmagazin Beiträge zu. Für die Produktion der täglichen dreieinhalb Stunden Sendung im Kölner Studio C sind weiterhin noch Techniker, Kameraleute, Cutter, Grafiker und andere Spezialisten des WDR tätig.

Moderatoren im Jahr 2011

Die Hauptmoderatoren sind Anna Planken (seit Anfang 2010), im Wechsel mit Anne Gesthuysen, sowie Sven Lorig (beide seit 2003), den Sport präsentiert Peter Großmann, die Wettervorhersagen sind von und mit dem Diplom-Meteorologen Donald Baecker.

Für den Fall, dass ein Hauptmoderator verhindert ist, springen Till Nassif (Planet Wissen vom WDR) für Sven Lorig, Golineh Atai für Anne Gesthuysen oder Anna Planken, Frank Meyer (Morgenmagazin-Redakteur) für Peter Großmann und Sven Plöger für Donald Baecker ein.

Ehemalige Moderatoren

Seit 1992 wurde das ARD-Morgenmagazin von Julitta Münch, Jürgen Drensek, Inka Schneider, Sven Kuntze, Judith Schulte-Loh, Elke Bröder, Peter Schreiber und Gert Scobel moderiert. Von 1997 bis 2001 moderierten Inka Schneider, Peter Großmann und Sven Kuntze. Kuntze begleitete seine Lebensgefährtin Schneider später nach Washington D. C. wo diese von 2001 bis 2004 als ARD-Korrespondentin tätig war.[9] Peter Schreiber moderierte das Magazin zwischen 1998 und 2001. Er ist zur Zeit ARD-Korrespondent für Zentralafrika mit Sitz Nairobi. [10] Am 18. Juni 2001 übernahmen Elke Bröder und Gert Scobel die Moderation von ihren Vorgängern Inka Schneider und Peter Schreiber.[10]

Ehemalige externe Mitwirkende

Studio

Das ARD-Morgenmagazin befand sich bis zum 28. Mai 2010 im "Studio C" in Köln. Seit dem 7. Juni 2010 wird es jedoch aus dem Kölner "WDR-Studio A" gesendet. Das neue Studio soll wie ein "Zuhause" aussehen und ist im Gegensatz zu anderen Studios moderner. Beispielsweise wird das Wetter über einen großen Bildschirm angezeigt auf dem der Moderator die Wetterkarten selber per Hand auswählen kann. Ebenfalls neu ist eine Glasscheibe, die so ähnlich wie ein Head-Up-Display funktioniert, dabei strahlt ein Beamer das aktuelle Thema an und lässt das Bild durch eine in der Scheibe eingesetzte Folie für die Kamera sichtbar werden. Das ARD-Morgenmagazin teilt sich das Studio mit der Sportschau. [11]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Handelsblatt.de, abgerufen am 24. Juli 2008 WDR beendet Zusammenarbeit
  2. Pressemitteilung des WDR
  3. Stand 1. August 2008
  4. a b Gerd Antes: "Stutenmilch und anderer Käse" - Der Fall Bankhofer, Süddeutsche Zeitung, 1. August 2008, online unter sueddeutsche.de
  5. vgl. insb. Marcus Anhäuser: "Aussagerfreier Quatsch" - Den Gesundheitstipps von Hademar Bankhofer fehtlt die wissenschaftliche Grundlage, in Süddeutsche Zeitung Nr.133, 13./14. Juni 2009, S.20
  6. Radiointerview 88.6 auf gesundheitswelten.com (MP3)
  7. a b vgl. das Radiointerview 88.6, online unter gesundheitswelten.com (MP3)
  8. Gerd Antes: „Stutenmilch und anderer Käse“ - Der Fall Bankhofer, Süddeutsche Zeitung, 1. August 2008, online unter sueddeutsche.de
  9. Anika Riegert: Inka Schneider - eine Frau für alle Fälle, Hamburger Abendblatt, 3. März 2004 online unter abendblatt.de.
  10. a b WDR: ARD Morgenmagazin mit Elke Bröder und Gert Scobel - Neue Moderatoren ab 18. Juni, Pressemitteilung, 14. Mai 2001, online unter presseportal.de.
  11. Das neue Studio vom ARD Morgenmagazin

Weblinks


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