Bodypainting
Körperbemalung im Rahmen der Fußball-WM 2006

Körperbemalung (englisch body painting [ˈbɒdiˌpeɪntɪŋ]) ist eine Form von Körpergestaltung. Dabei wird Farbe direkt auf die Haut aufgetragen. Die Körperbemalung hält sich ein paar Stunden bis zu mehreren Wochen (bei Henna-Tattoos) ist jedoch, im Gegensatz zum Tattoo nicht permanent.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Körperbemalung

Ursprünge

Das Bemalen des Körpers mit farbigen Materialien gibt es in der Menschheitsgeschichte schon seit Urzeiten. Die Steinzeitmenschen malten mit Erdfarben: mit Ocker, dem schwarzen Manganoxid oder mit der Holzkohle. Sie malten mit Tierhaaren, die sie an Stöcke banden oder sie trugen die Farben gleich mit der Hand auf.

Gewonnen wurden diese natürlichen Pigmente aus farbigen Erden. Diese Pulver vermischte man mit einem Bindemittel wie z.B. Wasser und pflanzlichen Ölen oder tierischen Fetten. Die Verwendung der Farben ist aus Funden in Höhlen wie der „Grotte Chauvet“ in Südfrankreich, die zu den bedeutendsten „Bilderhöhlen“ der Welt zählt, belegt.

Eine große Bedeutung besaß die Körperbemalung bei den Indianern. Die Bemalung galt als Maßstab für die Wertschätzung innerhalb der Gruppe. Sie gab Auskunft über die Verdienste eines Mannes bei der Jagd und im Krieg. Die Farbe Rot galt als Farbe des Krieges und symbolisierte den Erfolg, während die Farbe Blau (z.B. bei den Cherokee) Niederlage und Schwierigkeiten verkörperte.

Bei den Ureinwohnern in Papua-Neuguinea wurden das Gesicht und der Körper zu besonderen festlichen Anlässen wie Initiationsfeiern, Totenfeste, Jagdzüge oder Heilungszeremonien bemalt. Die Bemalung wurde zum einen als ästhetisch empfunden und signalisierte zum anderen auch die soziale Stellung eines Stammesmitgliedes.

Der Farbe Rot schrieb man bei den Stämmen Afrikas Heilwirkung zu. Die jungen Männer und Frauen trugen bei den Initiationsfeiern die Farbe Weiß, welche sie aus Lehm, Mehl, Kaolin oder zerkleinerten Muscheln herstellten, als Symbol für Reinheit.

Die möglichen Bedeutungen dieser Zeichen waren oder sind immer noch:

  • Schmuck des Körpers
  • Schutz vor äußeren Einflüssen, Dämonen und Magie
  • Schutz des Körpers vor Insekten
  • medizinisch-hygienischen Zwecke
  • Tarnung
  • Trauer
  • Kriegsbemalung
  • Kennzeichnung

Kriegsbemalung

Assiniboin mit Kriegsbemalung

Die Tradition der Kriegsbemalung ist sehr alt und existierte in fast allen Kulturen der Erde. Schon die Pikten, Britannier, Gallier und Germanen färbten sich das Gesicht mit blauer Farbe. Der Sinn der Kriegsbemalung besteht darin, sich ein furchterregendes Äußeres zu geben und so den Gegner zu verunsichern und ihm Angst einzuflößen. Die Kriegsbemalung ist somit eine sehr alte Form der psychologischen Kriegführung. In Europa wurde oftmals Waid, für blaue Farbe verwendet. Viele germanische Stämme zogen vollständig schwarz bemalt in den Kampf. Die Indianer benutzten oft rote Erdfarben, was ihnen die abfällige Bezeichnung „Rothäute“ eintrug. Noch heute verwenden die steinzeitlich lebenden Papua in Papua-Neuguinea eine Kriegsbemalung.

Anonymität ist bei der Kriegsbemalung ein nicht zu unterschätzender Faktor. Wenn ein Stamm seine Nachbarn überfällt, ist davon aus zu gehen, dass den Opfern die Gesichter der Aggressoren oftmals bekannt sind. Schließlich ist man sich an den Wasserstellen, beim Handel, bei Festen und Feiern, oder bei anderen Gelegenheiten begegnet. Doch unter einer Kriegsbemalung ist der Einzelne nicht mehr zu erkennen. Er verwandelt sich in einen Fremden und kann so auch viel brutaler vorgehen, als er es ohne die unkenntlich machende Kriegsbemalung tun würde. Selbst in modernen Armeen wird sie immer noch genutzt, wenn auch nur zur Tarnung.

Gegenwart

Gleichmäßige Körperbemalung mit Metallic-Farbe

In der westlichen Welt entwickelte sich bei Zirkuskünstlern eine besondere Form der Körperbemalung, die bekannteste Form dürfte dabei der Clown sein.

In den 1960ern kam es in der modernen westlichen Welt zu einem Wiederaufleben der Körperbemalung (Bodyart: Der Körper wird als Medium oder Kunstobjekt angesehen), unterstützt von der Liberalisierung und der Freizügigkeit der damaligen Bewegung (siehe Hippie). Es gibt jedoch bis heute eine gesellschaftliche Diskussion, ob es sich bei der Körperbemalung um eine Kunstform handelt.

Körperbemalung bei Radfahrerinnen

Heute werden Körperbemalungen besonders bei Fußballspielen oder Rave-Veranstaltungen getragen, daneben ist es auch weit verbreitet, dass sich Kinder auf Festen und Geburtstagen das Gesicht bemalen. Seit den 1990ern ist, besonders bei Jugendlichen der westlichen Welt, das Henna-Tattoo in Mode.

Am 12. Oktober 2001 gründete Alex Barendregt in Österreich die Europäische Bodypaintervereinigung ebpa (European Body Painting Association). Aufgrund der inzwischen internationalen Beteiligung von Körperbemalern benannte sich die ebpa 2004 in World Body Painting Association (wbpa) um. Diese veranstaltet auch die Weltmeisterschaft der Körper- und Gesichtsbemalung in Österreich. Es gibt unter dem Patronat der wbpa auch weltweit immer mehr ähnliche Veranstaltungen zum Thema. Die größte und wichtigste Veranstaltung zur Körperbemalung ist das World Bodypainting Festival, die Weltmeisterschaft der Körperkünstler.

In Deutschland erfreut sich diese Kunst wachsender Beliebtheit. Körperbemaler aus mittlerweile dem ganzen Land und über die Grenzen hinaus besuchen das jährlich stattfindende „German Bodypainting Festival“. Spezialisiert auf den Bereich des Gesichtsschminkens derweil hat sich das „Festival der Farben“. Hier wird zusätzlich auch interessierter Nachwuchs durch die Ausrichtung von reinen Schüler-Wettbewerben gefördert.

Islam

Hauptartikel: Mehndi

Marokko: mit Henna traditionell bemalte Hand, zutraulicher Kamelmund

Die Form des halbpermanenten Bemalens des Körpers mit Henna hat ihren Ursprung in Nordafrika und dem Nahen Osten. Sie verbreitete sich mit den islamischen Eroberungen über Indien und Südostasien bis nach Indonesien. Neben der Körperbemalung mit Henna gibt es auch die Bemalung mit wasserfesten Galltinten, Harkus (Nordafrika) [1] oder Khidab (Jemen) [2] genannt, die auch oft zusammen angewendet werden. Wegen des schwarzen Aussehens der Bemalung wurde es von Berichterstattern, meist sehr ungenau, als schwarzes Henna beschrieben oder damit verwechselt.

Neuseeland

Hauptartikel: Tā moko

Māori mit Moko

Bei den Māori in Neuseeland zeigen die "Moko" Ornamente in den Gesichtern, zu welchem Stamm sie gehören. Eingeweihte können darin lesen, welches Ansehen der Träger genießt und wer seine Ahnen waren.

Die Ornamente wurden früher mit geschärften Tierknochen und kleinen Hämmerchen unter die Haut gebracht. Als Farbe wurde eine Mischung aus Kokosöl, gestampften Pflanzenteilen, fein gemahlenem Stein und Ruß verwendet. Heute werden westliche Tätowierungstechniken angewandt oder, für touristische Vorführungen, Farbe auf das Gesicht gemalt, die einer echten Tätowierung sehr ähnlich ist.

Japan

Japanische Geisha

Körperbemalung spielt auch in Japan bei den Kabuki-Schauspielern ein Rolle. Hier wird die Schminke sehr dick und grell aufgetragen. Sie verdeckt das ursprüngliche Gesicht und zeichnet den darzustellenden Charakter auf dem Gesicht des Schauspielers. Männer spielten früher im Kabuki Theater alle Frauenrollen. Das war natürlich nur mit guter Schminke möglich.

Japanische Geishas können selbst in fortgeschrittenem Alter noch arbeiten, da es bei ihnen nicht um Sex geht, sondern um die große Kunst der Unterhaltung, um Tanz und Gesang. Die dicke weiße Gesichtsfarbe verdeckt alle Falten. Der rote Mund täuscht Jugendlichkeit vor.

Indien

Sadhus in Kathmandu

In Indien und anderen hinduistisch geprägten Ländern Südasiens leben Sadhu genannte asketische Mönche. Diese gehören verschiedenen hinduistischen Orden an und pflegen ein einfaches und bescheidenes Leben.

Sudhus leben nackt oder bekleiden sich nur mit einem Lendenschurz. Der Körper wird in der Regel jedoch bemalt.

Techniken

Es existieren mehrere Arten von Körperbemalungstechniken. Neuerdings findet die Airbrush in der Szene immer mehr Anhänger, denn auf dem Untergrund des menschlichen Körpers setzt Airbrush neue Akzente und ist leicht aufzutragen. Mit Fett- oder Cremeschminken - „Supracolor“ - behält die Haut ihre Geschmeidigkeit und glänzt. Außerdem haften sie gut, was Probleme beim Abschminken bringt. Abgepudert wird sie wischfest und erscheint matt. Die Nassschminke oder Aquacolor ist die unter Laien gängige Art für erste Versuche mit Körperbemalung. Außerdem ist sie für die Models einfach durch Duschen wieder zu entfernen. Der Nachteil dabei ist, dass die Farbe beim Trocknen leicht rissig wird und nicht so gut deckt.

Der Sorge, dass die Farben der Haut schaden, wird entgegen gehalten, dass beispielsweise selbst Lidschatten hautschädigender sein kann.

Der Farbauftrag erfolgt mit Hilfe von speziellen Schwämmchen und (Luft-)Pinseln. Außerdem existieren noch zahlreiche Special Effects, wie zum Beispiel Glitter, UV-leuchtende Schminke, Mastix (zur plastischen Veränderung), „Dermatographen“, das sind Kajalähnliche Stifte zum Vorzeichnen und der „Stoppelschwamm“ - ein Schwamm zur Illusionsschaffung von Fell oder Struktur.

Quellen

  1. Harkus., henna-und-mehr
  2. Khidab., henna-und-mehr

Weblinks

Literatur

  • W. A. Cummins: The Age of the Picts. Sutton Publishing, 1995. ISBN 0-750-909-242
  • Julius Caesar: Der Gallische Krieg. Reclam, Stuttgart 2004. ISBN 3-15-009960-9

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