Bogenharz

Kolophonium ist ein gelbes bis braunschwarzes Baumharz mit muscheligem Bruch und Glasglanz. Der Name ist von der lydischen Stadt Kolophon abgeleitet, die als antikes Handelszentrum für Kolophonium gilt. In der Neuzeit erfolgte die Einfuhr überwiegend aus Nordamerika. Es ist ein natürliches Harz, das aus dem Balsam von Kiefern, Fichten und Tannen (Koniferen) gewonnen wird[1]. Als Kolophonium werden die festen Bestandteile dieser Baumharze bezeichnet, die nach der Abtrennung der flüchtigen Bestandteile (Terpentin) mittels Destillation zurückbleiben.

Inhaltsverzeichnis

Eigenschaften

Kolophonium aus der Apotheke

Kolophonium ist bräunlich-durchsichtig und splittert im kalten Zustand leicht. Hauptbestandteil sind leicht oxidierende Harzsäuren, wie Abietin- und Pimarsäure. Aufgrund seiner amorphen Struktur besitzt Kolophonium keinen definierten Schmelzpunkt. Die Erweichungstemperatur dieses qualitativ recht unterschiedlichen Naturharzes liegt im Allgemeinen zwischen 80 und 125 °C.

Der reine Harzanteil beträgt etwa 70 %, die restlichen Inhaltsstoffe setzen sich aus ca. 20 % Terpentin und 10 % Wasser zusammen. Es ist wasserempfindlich und gut löslich in Alkohol.

Kolophonium kann recht häufig allergische Reaktionen auslösen.

Verwendung

Elektronik/Löten

Kolophonium zum Löten

Kolophonium dient besonders in der Elektronik-Fertigung als Aktivator und Flussmittel beim Weichlöten. Die enthaltenen organischen Säuren wirken bei hohen Temperaturen reduzierend und beseitigen dünne Oxidschichten der metallischen Fügepartner. Weiterhin führt es zu einer glatten Oberfläche des erstarrenden Lotes, da es auch hier durch seine Anwesenheit Oxidation der Schmelze verhindert. Es kann als dünne Schicht auf der Lötstelle verbleiben, da es im Gegensatz zu Lötwasser oder Lötfett keine Korrosion verursacht - es schützt diese sogar vor Sauerstoffeinfluss und späterer elektrolytischer Korrosion. Oft wird es jedoch aus ästhetischen Gründen abgewaschen und durch einen Schutzlack ersetzt.
Es ist in der Flussmittelseele von Lötdraht und auch in Lötpasten für die Oberflächenmontage-Technik (SMD) enthalten. Es dient als Flussmittel beim Wellenlöten.
Löttinktur für Elektronik-Lötarbeiten besteht aus in Alkoholen gelöstem Kolophonium, die ihrerseits ebenfalls als Reduktionsmittel wirken.

Flussmitteldämpfe gelten als gesundheitsschädlich.

Haftvermittler

Kolophonium für Streichinstrumente

Geigenkolophonium ist ein mit diversen Substanzen veredeltes Kolophonium. Es wird auch als Bogenharz bezeichnet. Die Rosshaare der Bögen von Streichinstrumenten werden damit behandelt, um so Schwingungen der Saiten erregen zu können. Man reibt mit einem Harzstück regelmäßig die Bogenhaare ein. Der Bogen ist erst dadurch in der Lage, beim Streichen einen Wechsel zwischen Haftreibung und Bewegung im Rhythmus der Saitenfrequenz zu erzeugen.

Es gibt verschiedene Qualitäten, die von leichter Spielbarkeit für Anfänger bis zum Künstler-Kolophonium reichen, welches einen größeren Dynamik- und Klangumfang ermöglicht. In der Regel wird für Kontrabässe ein weicheres Harz verwendet, da für die dickeren Saiten eine größere Haftreibung benötigt wird.

Tänzer benutzen Kolophonium für ihre Spitzenschuhe, die dadurch weniger rutschig sind. Teilweise tragen Kletterer Kolophonium auf die Hände auf, um die Haftung auf den Felsen zu verbessern. Üblicherweise wird dazu Magnesia verwendet, dies ist aber in manchen Regionen verboten.

Farben/Lacke

Kolophonium wird auch als zerriebener Staub auf Radierplatten aufgestäubt und danach kurz erhitzt. So entsteht ein feines Raster von Kolophonium-Kügelchen, mit deren Hilfe im künstlerischen Tiefdruck flächige Einfärbungen möglich sind. Man nennt diese Technik Aquatinta.

Kolophonium wurde zusammen mit weiteren Naturharzen wie Mastix, Kopal, Dammar, Bernstein und Sandarak in Gemischen zur Lackherstellung verwendet. Als Geigenlack wurde es ersetzt, da das Material zu spröde ist und einen wenig widerstandsfähigen Lackfilm erzeugt. In Naturfarben und Holzölen wird es als Sikkativ verwendet.

Kolophonium ist in lötfähigen Schutzlackierungen für Leiterplatten enthalten.

Ferner kann Kolophonium Bestandteil bestimmter Siegellacke sein.

Weitere Anwendungen

Kolophonium ist auch als aromatisches Räucherwerk geeignet, es wirkt dabei antiseptisch und durchblutungsfördernd. Dazu sollte aber kein Kolophonium benutzt werden, das für technische Anwendungen wie etwa das Löten produziert wurde, denn dieses kann unerwünschte Zusatzstoffe enthalten.

Eine weitere Anwendung findet Kolophonium in der Herstellung pyrotechnischer Zündlichter. Ähnlich wie mit Schellack kann mit Hilfe von Kolophonium eine formbare Masse hergestellt werden.

Griechisches Feuer bestand zu einem je nach Überlieferungsquelle variierenden Anteil aus Kolophonium.

Kolophonium wird auch in einigen Klebstoffen verwendet und kann Bestandteil von Baumwachs sein.

Als Brühpech = Metzgerharz = Saupech wird es zum Enthaaren von Schweinen und Federvieh verwendet. Das geschlachtete Tier wird damit eingestäubt und mit 70°C heißem Wasser überbrüht. Durch das Harz können die Haare besser abgeschabt werden.

Kolophonium wird auch noch als Füllmittel beim Einrollen von Alu-Hohlprofilen verwendet, um die beim Einrollen entstehenden Materialstauchungsfalten am Innenradius und den Dehnungseindellungen am Außenradius gering bis vollständig (abhängig vom Rollradius) zu vermeiden. Das Kolophonium wird erwärmt, dadurch verflüssigt und in das einseitig geschlossene Hohlprofil gefüllt. Nach dem Erstarren kann es mit Hilfe einer Rollmaschine und den an das einzurollende Profil angepasster Profilrollen auf den gewünschten Radius eingerollt werden. Zur Entleerung muss das eingerollte Profil bis zur Verflüssigung des Kolophoniums wieder erwärmt werden.

Einzelnachweise

  1. Römpp CD 2006, Georg Thieme Verlag 2006

Weblinks


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