Bohnenberger Schlössle

Bohnenberger Schlössle nannte man in Pforzheim das Gelände an der Westlichen Karl-Friedrich-Straße zwischen Museum-, Kiehnle- und Goethestraße, früher im Westen bis zur heutigen Berliner Straße und im Norden bis zur später erbauten Bahnlinie reichend.

Geschichte

1826 lässt Theodor Bohnenberger auf dem Gelände in der früheren Brötzinger Vorstadt eine Villa im Weinbrennerschen Stil mit Nebengebäuden im weitläufigen Park errichten.

1864 verlässt die Familie Bohnenberger Pforzheim, „jahrzehntelang lag nun das schöne Schlösschen inmitten des nach und nach verwildernden Parks wie ein verwunschenes Märchenschloss“[1].

1897 gehen das Hauptgebäude und die Nebengebäude im Park bis zur Kiehnlestraße im Norden und zur Goethestraße im Westen in städtischen Besitz über. Von 1909 bis 1945 ist hier die Volksbücherei ansässig.

Bis 1928 befinden sich im Hauptgebäude das Arbeitsamt, anschließend eine Gemäldegalerie, im westlichen Hintergebäude sind bis 1936 eine Kinderkrippe, danach das Stadtarchiv untergebracht.

Der in der Ursprungszeit als Weinkeller konzipierte Gewölbekeller dient im zweiten Weltkrieg als Luftschutzkeller. Beim Luftangriff am 23. Februar 1945 werden die Gebäude zerstört; der Keller bleibt intakt, doch der Druck einer vor dem Eingang explodierenden Luftmine tötet alle Insassen[2].

Nach dem Krieg wurde der südliche Teil des Geländes zum Parkplatz, der nördliche an der Kiehnlestraße zum Kinderspielplatz und Pausenhof für die Schülerinnen und Schüler des benachbarten Hilda-Gymnasiums.

2000/2001 beginnt eine Diskussion um die Nutzung des Geländes „Bohnenberger Schlössle“, einer der letzten größeren freien Flächen in der Innenstadt. Die Stadt plant, das Gelände an einen privaten Investor zu verkaufen, der dort ein Einkaufszentrum errichten will. Aus der Bürgerschaft, aus der Gruppe „Lokale Agenda“, von den Anwohnern und aus dem Hilda-Gymnasium gibt es Kritik an diesen Plänen und Alternativ-Vorschläge: Erhaltung einer „grünen Lunge“ eines Parks mit Café-Restaurant, Markthalle, Spielplätzen und kleineren Geschäften. Ungeklärt bleiben Fragen nach dem Inhalt der Stiftungsurkunde der Familie Bohnenberger, deren Inhalt in den 1952 festgelegten Bebauungsplan eingegangen ist: „für öffentliche Zwecke vorbehalten“[3].

2005 öffnet die Schlössle Galerie die Pforten ihres Konsumtempels, einen Steinwurf entfernt von der Investitionsruine City Einkaufspark.

Herkunft des Namens

Die Geschichte des Bohnenberger Schlössles ist verknüpft mit der Entwicklung der Pforzheimer Traditionsindustrie und der Industriellenfamilie Bohnenberger:

1767 schließt der badische Markgraf Karl Friedrich mit Unternehmern aus der Schweiz und Frankreich einen Vertrag zur Gründung einer Manufaktur zur Erzeugung von Uhren und feinen Stahlwaren. Nach der Verkündung der Gewerbefreiheit 1776 treten neben Franzosen, Schweizern und Engländern auch Pforzheimer Bürger als Unternehmer auf. Friedrich Bohnenberger tritt 1792 als Teilhaber in das Geschäft seines Schwagers Kiehnle ein, 1799 trennt er sich wieder von ihm und gründet sein eigenes Unternehmen in der Lammgasse.

1820 kauft Bohnenberger, „der in seiner Pforzheimer Bijouteriefabrik anscheinend sehr viel Geld verdient hatte“[4] die Papiermühle in Niefern. Er importiert in den 1830er Jahren einen Lumpenkochapparat und eine Papiermaschine neuester Art aus England und wird so mittels ausländischer Technik zum Begründer der badischen Papierindustrie[5]. Sein Sohn Theodor lässt die Villa an der Westlichen Karl–Friedrichstraße erbauen, nach seinem Tod verlässt die Familie Pforzheim, in einem der Hintergebäude befindet sich bis fast zur Jahrhundertwende das Büro der Nieferner Papierfabrik.

Literatur

  1. Trost, Oskar: Wohnsitze der führenden Pforzheimer Industriellen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in: Pforzheimer Geschichtsblätter, Band 3, Herausgeber: Stadtverwaltung Pforzheim: Pforzheim, 1971, S. 179 ff.
  2. Schmalacker/Wyrich, Esther: Pforzheim 23.2.1945, Der Untergang einer Stadt, Pforzheim, 1980
  3. Lacroix, Emil: Die Kunstdenkmäler der Stadt Pforzheim, Karlsruhe, 1939
  4. Zier, Georg: Geschichte der Stadt Pforzheim, Stuttgart, 1984
  5. Brändle, Gerhard: „... die Vermischung mit dem fremden Element“ – Neunzehn Jahrhunderte Zuwanderung nach Pforzheim, Pforzheim, 1995

48.89248.69657Koordinaten: 48° 53′ 33″ N, 8° 41′ 47″ O


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