Bohrplattform
Ölbohrinsel vor der brasilianischen Küste
1 – Plattform,
2 – Deckschicht,
3 – unterschiedliche Bohrungen,
4 – ölhaltige Schicht
200-Pf-Briefmarke der Dauermarkenserie Industrie und Technik der Deutschen Bundespost (14. November 1975)

Eine Bohrplattform (auch Bohrinsel) ist eine künstliche Standfläche im Meer, die zum Niederbringen von Bohrungen dient, meistens auf der Suche nach Erdöl oder Erdgas.

Inhaltsverzeichnis

Bauarten

Es können insgesamt fünf Bauarten unterschieden werden:

  • Die Plattform steht mit einem festen Sockel aus Stahl oder Beton auf dem Meeresboden. Sie wird von Schleppern zum Zielgebiet gezogen und dort abgesenkt, wo sie bis zum Abwracken verbleibt.
  • Die Plattform einer Hubbohrinsel (engl.: Jack-up rig) steht auf Gerüstbeinen und ist vertikal beweglich. Sie wird von Schleppern bewegt oder von speziellen Lastschiffen über große Entfernungen transportiert. Sie sind bis zu einer Wassertiefe von 130 m einsetzbar.
  • Die Halbtaucherbohrinsel (engl.: Semi-submersible rig) schwimmt auf Pontons. Gefüllte Ballasttanks erlauben es diesem Bohrinseltyp selbst unter widrigen Wetterverhältnissen relativ ruhig zu liegen. Manche dieser Bohrinseln werden durch Anker über dem Bohrloch auf Position gehalten, andere durch einen eigenen Antrieb. Der Antrieb besteht aus mehreren, um 360° schwenkbaren Strahlrudern (engl.: Thruster); so befindet sich beispielsweise in jeder Ecke ein Thruster. Diese Art von Bohrinseln wird in großen Wassertiefen bis zu 3500 m eingesetzt. Da die Halbtaucherbohrinsel schwimmt, ist sie eine der mobilsten Bohrinselarten.
  • Die sog. TLP (die Abkürzung der englischen Bezeichnung Tension leg platform) ist mit der Halbtaucherinsel verwandt. Jedoch wird in diesem Fall die Bohrinsel mit Stahltrossen, welche sich unter starker Spannung befinden und vertikal verlaufen, über dem Bohrloch gehalten. Eine TLP wird oft auch als Produktionsplattform verwendet.
  • Das Bohrschiff stellt eine weitere Form dar. Diese Schiffe werden in sehr großen Wassertiefen eingesetzt (über 3000 m sind üblich) und durch den Schiffsantrieb auf Position gehalten. Der Antrieb besteht ähnlich wie der Halbtaucherbohrinsel oft aus schwenkbaren Strahlrudern oder Propellergondeln, die je nach Bauart des Schiffes positioniert sind.

Die Bohrplattform wird nach Fertigstellung einer oder mehrerer Bohrungen zum nächsten Einsatzort geschleppt oder gefahren. Danach wird eine Förderplattform über den Bohrlöchern platziert, die dann die Förderung, Aufbereitung und den Weitertransport des Erdöls bzw. Erdgases übernimmt.

Die größte jemals gebaute Förderplattform ist die norwegische Sea Troll der Erdölgesellschaft Statoil mit einer Million Tonnen Wasserverdrängung. Sie misst vom Sockelboden bis zur Spitze des Gasfackelmastes 472 m Höhe und steht auf dem Meeresboden in 303 m Meerestiefe. Stünde sie neben dem Eiffelturm, würde die Sea Troll diesen um 148 Meter überragen.

Einsatzmöglichkeiten

Von Bohrplattformen aus wird, entgegen der einfachen Vorstellung, meist nicht nur senkrecht in die Tiefe gebohrt. Die heute bestimmende Einsatzmöglichkeit in der Offshore-Förderung besteht darin, von einem Punkt aus in mehrere Richtungen zu bohren. Durch dieses Richtbohren ist es möglich, eine Lagerstätte auch von der Seite zu erschließen. So können von wenigen (teuren) Bohrinseln aus die oft weitläufigen Lagerstätten erreicht werden.

Eine besondere Form von Bohrinseln sind die am Rand der Antarktis in geringer Zahl verwendeten Forschungsbohrinseln, die sowohl untermeerisch als auch „untereisisch“ Bohrungen niederbringen, meistens um geologische Forschung zu betreiben, zum Beispiel geologische Klimaforschung und paläontologische Geologie oder um Seismographen zur Erdbebenvorsorge und -erforschung anzubringen.

Auch dienen Bohrinseln meistens als Wetterstationen und unterstützen mit ihren Messwerten die über den Ozeanen meistens nur spärlich vorhandenen Daten für die Wetterberechnungen.

Entsorgung

Nachdem zum Beispiel die Ölfelder ausgeschöpft sind, besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit, die Förderplattform zu versenken (vgl. z. B. Brent Spar) und auf diese Weise ein künstliches Korallenriff zu schaffen. Aufgrund der starken Verschmutzung einer solchen Industrieanlage ist dieser Weg der Entsorgung aber kaum umsetzbar, ohne die meistens schon belastete Umwelt weiter zu schädigen. Deswegen beschlossen die 15 Teilnehmerstaaten der OSPAR-Konferenz 1998 ein Versenkungsverbot für Ölplattformen im Nordatlantik.

Sonstiges

Bohrplattformen können für die Dauer ihrer Existenz neue Habitate für Meerestiere bilden. An Inseln in der Nordsee siedeln seit langem schnell wachsende tropische Muschelarten an den dauerhaft warmen Förderrohren und bereiten dort bei stärkerem Bewuchs Probleme. Sie sterben bei Förderstop ab und hinterlassen eine Kruste, die bei Wiederaufnahme der Förderung erneut besiedelt wird.

Die Ölpest im Golf von Mexiko 2010 wurde durch die Explosion einer Bohrplattform ausgelöst.

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Bohrinsel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Bohrplattformen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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