Boiginae
Mangroven-Nachtbaumnatter (Boiga dendrophila)

Als Trugnattern werden Schlangen aus der Familie der Nattern (Colubridae) bezeichnet, die über ein einzelnes Paar oder ein Doppelpaar von Giftzähne im hinteren Bereich ihres Oberkiefers und einen funktionierenden Giftapparat verfügen. Von manchen Autoren werden sie als Unterfamilie „Boiginae“ beschrieben, neuere molekulare Untersuchungen weisen allerdings darauf hin, dass die Trugnattern nicht monophyletisch sind, also nicht von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen und deshalb nicht als Taxon geführt werden sollten[1][2].

Mit Hilfe der Zähne werden Bisswunden erzeugt, durch die giftige Sekrete aus dem Speichel der Schlange in den Körper der Beute gelangen können. Bei dieser Art der Bezahnung spricht man von opistoglyphen Giftzähnen (von gr. opisto - hinten und gluphe - Furche). Diese Gifte sind meistens eher schwach und nur sehr wenige Arten verfügen über ein hinreichend potentes Gift, um größere Säugetiere wie den Menschen ernsthaft zu schädigen. Zudem treten die Giftzähne aufgrund ihrer Lage weit hinten im Maul meist nur dann in Aktion wenn ein Beutetier relativ tief in den Rachen der Schlange gerät. Manche Arten kauen dabei das Gift regelrecht in die im Maul gehaltene Beute hinein.

Zu den bekanntesten und als gefährlichsten eingeschätzten Trugnattern gehören die Boomslang, die Lianennatter und die Vogelnatter. Bei einer Vergiftung durch diese Arten treten vor allem starke innere Blutungen auf. Für Vogel- und Lianennatter existieren keine Antiseren.

Auf Grund der wegen des kurzen Kopfes weit vorne stehenden Zähne und des wirksamen Giftes zählt die weitverbreitete Boomslang zu den gefürchteten Schlangen Afrikas. Weitere bekannte Trugnattern sind die Erdspitznatter, die Mangroven-Nachtbaumnatter und die Braune Nachtbaumnatter. Obwohl auch die Ringelnatter (Natrix natrix) über ein sehr schwaches Gift verfügt, ist sie auf Grund der fehlenden Giftzähne keine Trugnatter.

Quellen

  • Trutnau, L. Giftschlangen Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (1998) ISBN 3-8001-7371-9
  • Mattison, C. Die Schlangen Enzyklopädie, BLV Verlagsgesellschaft, München, 1999 ISBN 3-405-15497-9

Einzelnachweise

  1. R. Lawson, J.B. Slowinski, B.I. Crother, F.T. Burbrink: Phylogeny of the Colubroidea (Serpentes): New evidence from mitochondrial and nuclear genes. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. 37, 2005, S. 581 – 601 (http://naherpetology.org/pdf_files/400.pdf). 
  2. P. Gravlund: Radiation within the advanced snakes (Caenophidia) with special emphasis on African opistoglyph colubrids, based on mitochondrial sequence data. In: Biological Journal of the Linnean Society. 72 (1), 2001, S. 99 - 114. 

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