Boilstädt
Boilstädt
Stadt Gotha
Koordinaten: 50° 55′ N, 10° 41′ O50.92027777777810.685305Koordinaten: 50° 55′ 13″ N, 10° 41′ 6″ O
Höhe: 305–315 m ü. NN
Fläche: 4,02 km²
Einwohner: 990
Eingemeindung: 9. Apr. 1994
Postleitzahl: 99867
Vorwahl: 03621
Kirche Zur Himmelspforte

Boilstädt ist ein Ortsteil von Gotha in Thüringen und liegt etwa drei Kilometer südlich der Kernstadt Gotha zwischen dem Boxberg und dem Schlossberg.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung Boilstädts erfolgte im Jahre 1143 unter dem Namen Boldestete. Das ehemalige Rittergut der Herren von Boilstede wurde erstmals im Jahre 1236 erwähnt. Diese Besitzer wurden bis 1483 genannt. Das Gut ging 1538 an die Herren von Scharffenstein. Nach weiteren Besitzerwechseln wurde das Gut unter den Einwohnern aufgeteilt.

Boilstädt hat sich am Boilstädter Wasser, einem südlich der Ortslage entspringendem Bach und Zufluss der Nesse als unregelmäßiges Haufendorf entwickelt. Den historischen Ortskern bilden das ehemalige Rittergut (Kirchstraße 5), die Dorfkirche und das ehemalige Schulhaus (Kirchstraße 8). Das „Boilstädter Wasser“ wurde in der Ortschronik von 1905 noch unter der Bezeichnung „Windeborn“ (Waidborn) aufgeführt. Es diente bis Anfang des 19. Jahrhunderts zur Verarbeitung von Färberwaid. Diese Pflanze wurde seit dem Mittelalter in der Boilstädter Gemarkung angebaut.

1709 erfolgte ein Neubau der Kirche. 1846 erhielt Boilstädt mit dem Bau der „Langen Chaussee“ den neuen Stadtweg. Die bisherige Wegeverbindung zur Stadt Gotha über das Kreuzchen – Sühnemal – im Stadtfeld hatte ausgedient. Mit dem neuen Stadtweg – der Gothaer Straße – erfuhr die Gemeinde ihre erste Erweiterung im Wohnungsbau des Unterdorfes mit der damaligen Unterstraße. 1878 erfolgte der Verkauf von 40 ha Gemeindewald zur Vergrößerung des Rennplatzgeländes Boxberg.

Den nördlichen Ortsrand bildet die seit Mitte der 1990er Jahren entstandene Stadtrandsiedlung. Bei der Eingemeindung Boilstädts zur Stadt Gotha im Jahr 1994 betrug die Einwohnerzahl noch 471. Die Gesamtfläche der Gemarkung beträgt heute 401 Hektar, davon sind 14 ha Gebäude- und Freiflächen, 336 ha landwirtschaftliche Nutzfläche und 27 ha Erholungs- und Waldfläche.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kircheninneres
  • Evangelische Pfarrkirche „Zur Himmelspforte“ mit künstlerischer Ausstattung, dem Kirchhof und dessen Einfriedung[1]. Die Vorgängerkirche war dem Hl. Quirinus geweiht und stand unter dem Patronat von Kloster Reinhardsbrunn. Sie war 1484 baufällig und wurde 1709 komplett abgerissen. Die heutige Kirche wurde sofort danach errichtet, bereits 1748 erfolgten erste Umbauten. 1830 erfolgte eine weitere Restaurierung. Chor- und Langhaus sind zusammen 18,3 m lang und 8,4 m breit. Der Turm im Westen der heutigen Kirche steht auf mittelalterlichen Grundmauern eines hölzernen Vorgängerbaus, der 1748 durch einen steinernen Neubau ersetzt wurde, was durch Angabe der Jahreszahl unter dem oberen Rundbogen-Fenster der Turm-Südseite bezeugt wird. Im Inneren besitzt die Kirche nur eine umlaufende Empore, was der zahlenmäßigen Größe der Kirchgemeinde entsprach. Das hölzerne Deckengewölbe wurde als Spiegelgewölbe errichtet.
  • Rennbahngelände Boxberg mit der traditionsreichsten Pferderennbahn in Thüringen.

Verkehr

Man erreicht Boilstädt von Gotha kommend über die Landesstraße 2146 in Richtung Uelleben. Boilstädt besitzt keine Durchgangsstraße und ist trotz dieser „Abgeschiedenheit“ gut an das Verkehrsnetz angebunden. Die Stadtlinie F fährt den Ortsteil regelmäßig an.

Luftaufnahme von Boilstädt
Luftaufnahme von Boilstädt

Einzelnachweise

  1. Denkmalliste der Stadt Gotha
  • Paul Lehfeldt: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, 1891

Weblinks

 Commons: Boilstädt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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