Boisjoly

Roger Boisjoly (* 25. April 1938 in Lowell (Massachusetts)) ist ein amerikanischer Ingenieur, der vor der Challenger-Katastrophe als vergeblicher Warner hervortrat.

Roger Boisjoly arbeitete um die Mitte der 1980er Jahre für die Firma Morton Thiokol, die Produzenten der Feststoffraketen der Raumfähre Challenger. Er wies bereits im Juli 1985 auf die fehleranfällige Konzeption der so genannten Dichtungsringe hin, deren Ausfall letztlich zum Unglück am 28. Januar 1986 führen sollte [1]. Die genannten Dichtungsringe, die die erste von der zweiten Stufe der Trägerraketen isolieren sollten, wurden bereits bei der Mission im Juli 1985 schwer beschädigt. Boisjoly stellte fest, dass besonders bei sehr niedrigen Außentemperaturen während des Starts die Elastizität der O-Ringe schwand und es in Folge zu einem Austritt heißer Gase mit katastrophalen Auswirkungen kommen könnte.

Boisjoly brachte das Problem in seiner Firma vor, wurde aber nicht sehr ernst genommen. Laut der entsprechenden TV-Dokumentation [2] befand sich Morton Thiokol damals in Verhandlungen mit der NASA zu einem neuen Vertrag über Lieferungen im Wert von bis zu 1 Milliarde US-Dollar. Da Boisjoly nicht locker ließ, wurde firmenintern eine "Taskforce" eingerichtet, die aber laut Boisjoly wenig Unterstützung durch das Management erhielt. Ende 1985 warnte Boisjoly explizit vor einer Katastrophe bei einer der nächsten Challenger-Missionen.

Der vorgesehene Start der Raumfähre am 28. Januar 1986 fand unter besonders ungünstigen Wetterbedingungen statt. Die Nachttemperaturen betrugen −14°C und Boisjoly vertrat mit seinen Kollegen die Ansicht, dass dies die Funktionsfähigkeit der Dichtungsringe gefährlich beeinträchtigen würde. Das Management von Morton Thiokol stimmte zu, dass diese Frage ernst genug wäre, um den schon mehrfach verschobenen Start nochmals zu verschieben. Auch die NASA stand allerdings unter dem Druck der Öffentlichkeit. Im Rahmen einer Telefonkonferenz mit dem NASA-Management zogen sich die Manager von Morton Thiokol letztlich auf die Position zurück, dass ihre Daten nicht eindeutig interpretierbar wären. Daraufhin wurde die fatale STS-51-L Challenger Mission gestartet. Boisjolys Warnungen erwiesen sich als berechtigt.

Nach der Explosion der Raumfähre, die sieben Astronauten das Leben kostete, ordnete Präsident Ronald Reagan eine Untersuchungskommission zur Erforschung der Unglücksursache an. Roger Boisjoly war einer der Zeugen. In der Folge verließ Boisjoly, als Whistleblower zum Außenseiter geworden, seine Firma. Er beschäftigt sich derzeit mit Ethik am Arbeitsplatz.

Mit diesem Thema wurde er zum beliebten Gastredner und hielt Vorträge an über 50 US-amerikanischen Universitäten. 1988 wurde er von der American Association for the Advancement of Science mit dem „Preis für wissenschaftliche Freiheit und Verantwortung“ ausgezeichnet.[3]

Einzelnachweise

  1. http://www.onlineethics.org/CMS/profpractice/exempindex/RB-intro/Erosion.aspx Memo from Roger Boisjoly on O-Ring Erosion
  2. Challenger – Countdown einer Katastrophe, zuletzt ausgestrahlt auf PHOENIX, 24. Januar 2009, abgerufen am 25. Januar 2009
  3. Kimberly A. Pace:The Legal Profession as a Standard for Improving Engineering Ethics: Should Engineers Behave like Lawyers? In: Berkely Technology Law Journal. Ausgabe 9, 1994

Literatur

  • Elizabeth Pennisi: Challenger's Whistle-Blower: Hero And Outcast The Scientist, 20. Januar 1990
  • Diane Vaughan, American Council of Learned Societies (Hg): The Challenger Launch Decision: Risky Technology, Culture, and Deviance at NASA, University of Chicago Press, 1997

Weblinks


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