Bokassa
Bokassa bei seiner Krönuung

Jean-Bédel Bokassa (* 22. Februar 1921 in Bobangi, Kongo; † 3. November 1996 in Bangui, Zentralafrikanische Republik) war Präsident der Zentralafrikanischen Republik und später Kaiser des Zentralafrikanischen Kaiserreichs bis zu seinem Sturz am 20. September 1979.

Inhaltsverzeichnis

Schulbildung

Bokassa wurde 1921 in Bobangi, einem kleinen Ort im damaligen Belgisch-Kongo, geboren. 1927 bis 1928 besuchte er die Jeanne-d'Arc-Grundschule in Mbaïki, danach für zwei Jahre die Saint-Louis-Missionsschule in Bangui. Von 1929 bis 1939 war er Schüler der Père-Compte-Schule in Brazzaville (Französisch-Kongo).

Soldat

Im Mai 1939 trat er freiwillig in die französische Armee ein und wurde 1940 einem Schützenbataillon aus Senegal zugeteilt. 1941 wurde er zum Unteroffizier bei den freifranzösischen Truppen befördert. Als Stabsfeldwebel nahm er bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs an Kämpfen in Frankreich und im Elsaß teil. Bei Kriegsende 1945 heiratete Bokassa die Belgierin Annette van Helst.

Bis 1948 besuchte er Militärschulen in Saint-Louis (Senegal) und Châlons-sur-Marne (Frankreich). 1949 heiratete Bokassa die Britin Margret Green. 1950 wurde er im Rang eines Feldwebels zum Einsatz in den Indochinakrieg geschickt. 1951 wurde er mit dem Croix de Guerre ausgezeichnet und zum Mitglied der Ehrenlegion ernannt. 1954 erfolgte die Beförderung zum Oberfeldwebel und Bokassa heiratete seine dritte Frau, die Vietnamesin Martine Nguyen und lebte in Frankreich. 1956 erfolgte im Rang eines Leutnants die Versetzung in den Algerienkrieg. 1957 heiratete er die Vietnamesin Jacqueline Nguyen. Bis 1961 war er zum Hauptmann aufgestiegen. Er verließ 1962 die französische Armee und machte Karriere als Major in der Armee der 1960 unabhängig gewordenen Zentralafrikanischen Republik, was ihm durch seine Verwandtschaft mit dem Präsidenten David Dacko (er war dessen Cousin und der Neffe von dessen Vorgänger Barthélemy Boganda) erleichtert wurde. Er stieg rasch zum Oberst auf und wurde 1963 Stabschef der Streitkräfte Zentralafrikas, die damals in etwa eine Regimentstärke aufwies. 1962 heiratete er die Belgierin Astrid van Erpe, 1964 Catherine Denguiadé aus Zentralafrika.

Präsident

In der Nacht zum 1. Januar 1966 nutzte Oberst Bokassa einen Aufruhr im Land zu einem Putsch gegen den autokratisch herrschenden Präsidenten Dacko und übernahm die Macht als Staatspräsident und Vorsitzender der einzigen Partei des Landes, des Mouvement pour l'évolution sociale de l'Afrique noire (MESAN). Bereits drei Tage später schaffte Bokassa die Verfassung von 1959 ab, löste das Parlament auf, verbot politische Parteien und regierte als Vorsitzender eines Revolutionsrates fortan durch Erlasse. Am 6. Januar 1966 brach Bokassa die Beziehungen zur Volksrepublik China ab. Bis zum Herbst 1967 übernahm er auch die Ämter des Innenministers und Verteidigungsministers und gab sich den Rang eines Brigadegenerals. 1970 trug er den Rang eines Generals, 1971 eines Generaloberst.

Frankreich stellte sich auf die Seite des Putschisten; zur Sicherung seiner Herrschaft rief Bokassa im November 1967 französische Truppen, darunter auch Fremdenlegionäre, ins Land und ließ seine Gegner durch Haft und Mord beseitigen. Ein gescheiterter Putschversuch gegen ihn am 12. April 1969 durch Gesundheitsminister Oberst Alexandre Banza gab Bokassa Gelegenheit, seine Macht durch Reformen zu festigen. Banza wurde nach Verurteilung durch ein Militärgericht am 13. April hingerichtet. Im März 1972 ließ sich Bokassa als Präsident auf Lebenszeit ausrufen. Im Mai 1974 nahm er den Rang eines Feldmarschalls an. Im Dezember 1974 überlebte er einen neuerlichen Putschversuch. 1975 heiratete Bokasse in 12. Ehe die Rumänin Gabriella Drimbound. Im Februar 1976 überlebte er erneut ein Attentat.

Mitte der 1970er Jahre suchte Bokassa die finanzielle Hilfe Libyens; nach einem Besuch beim libyschen Revolutionsführer Oberst Gaddafi trat er zum Islam über und nannte sich nun Salah Eddine Ahmed Bokassa.

Kaiser

Im September 1976 entließ Bokassa die Regierung und ersetzte sie durch den Conseil de la Révolution Centrafricaine. Am 4. Dezember 1976, auf dem Parteitag der MESAN, erklärte er die Republik zur Monarchie, dem Zentralafrikanischen Kaiserreich. Sich selbst ließ er zum Kaiser Bokassa I. ausrufen. Er erließ eine kaiserliche Verfassung und konvertierte zum Katholizismus. Am 4. Dezember 1977 krönte er sich in einer verschwenderischen Zeremonie, die angeblich mehr als 30 Millionen Dollar kostete, selber zum Kaiser, nachdem Papst Paul VI. es abgelehnt hatte, die Krönung vorzunehmen. Ferner hielt er sich für den 13. Apostel Jesu.

Obschon formell eine konstitutionelle Monarchie, blieb Bokassas Herrschaft autokratisch. Die brutale Unterdrückung oppositioneller Kräfte hielt an, zügellose Folterungen und Prügelstrafen, an denen Bokassa mitunter selbst beteiligt gewesen sein soll, waren an der Tagesordnung.

Frankreich blieb eine wichtige Stütze des Regimes und lieferte Waffen gegen Uran für das französische nukleare Waffenprogramm. Besonders enge Kontakte pflegte Bokassa mit dem französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing, den er verschiedentlich zu Jagdausflügen einlud.

Im Januar und April 1979 entluden sich heftige Schüler- und Studentenunruhen, die mit Hilfe von Truppen aus Zaire niedergeschlagen wurden. Es fanden Massaker an Zivilisten statt; vom 17. bis 19. April 1979 wurden zahlreiche Jugendliche inhaftiert, weil sie gegen das Tragen der staatlichen verordneten, teuren Schuluniformen protestiert hatten. In den Gefängnissen wurden über 100 Kinder gefoltert und ermordet. Bokassa soll bei verschiedentlichen Aktionen dieser Art persönlich Hand angelegt haben.

Frankreich hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits von seinem ehemaligen Schützling distanziert. Eine Reise Bokassas nach Libyen nutzt der ehemalige Präsident David Dacko am 21. September 1979 zu einem erfolgreichen Putsch. Das Kaiserreich wurde abgeschafft und die Republik wieder hergestellt. Bokassa flüchtete über die Elfenbeinküste nach Frankreich.

Exil und Haft

Am 26. Dezember 1980 wurde Bokassa in Abwesenheit wegen Mordes, Folter, Korruption und Kannibalismus zum Tode verurteilt. Im Exil in Frankreich wurde er im Schloss Hardricourt westlich von Paris mit 10 seiner Dutzenden Kinder und einer Freundin statt der 18 Ehefrauen untergebracht. Er selbst forderte die französische Staatsbürgerschaft, die ihm ein französisches Gericht aberkannt hat. Vom französischen Staat erhielt er im Exil als ehemaliger französischer Hauptmann nach 23 Dienstjahren eine Pension von 5.998 Francs (ca. 1.000 Euro, damals ca. 2.000 DM) netto. Im Exil plante er außerdem ein Buch mit dem Titel "Meine Wahrheit" zu veröffentlichen, dessen Vertrieb aber von einem Pariser Gericht 1985 wegen schwerwiegender Angriffe auf die Person des ehemaligen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing verboten wurde.

Am 23. Oktober 1986 kehrte Bokassa wieder in seine Heimat zurück, kam in Haft und wurde am 12. Juni 1987 erneut zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 29. Februar 1988 in lebenslange Zwangsarbeit umgewandelt und schließlich auf zwanzig Jahre Haft reduziert. Am 1. September 1993 kam Bokassa in den Genuss einer Generalamnestie, die Präsident André Kolingba anlässlich der Rückkehr zur Demokratie verkündet hatte.

Bokassa starb im Alter von 75 Jahren am 3. November 1996 in Bangui an einem Herzinfarkt. Er hinterließ 17 Frauen.

Über die Frage, wieviel Kinder der Diktator hinterließ, streiten sich die Fachleute. Konservativ betrachtet geht man von 37 aus. Allerdings gibt es Meinungen, die von 54 Nachkommen ausgehen.

Literatur

  • Riccardo Orizio: Allein mit dem Teufel. Begegnungen mit sieben Diktatoren, Kreuzlingen, München 2004. Erschienen bei: Diederichs Verlag im Heinrich Hugendubel Verlag - ISBN 3-7205-2485-X

Film

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