Boleszewo

Boleszewo (deutscher Name Rötzenhagen) ist ein Dorf in der Woiwodschaft Westpommern in Polen. Es gehört zur Landgemeinde Sławno (Schlawe) im Powiat Sławieński.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Die Ortschaft Boleszewo, ein altes Hagenhufendorf, liegt sieben Kilometer nordwestlich von Sławno und 18 Kilometer von der Ostseeküste entfernt. Sie liegt an einer Nebenstraße, die von der Woiwodschaftsstraße 205 (Sławno–Darłowo (Rügenwalde)) abzweigt und nach Słowino (Schlawin) an der Landesstraße 37 (Karwice (Karwitz)–Darłowo) führt. Seit 1878 ist der Ort Bahnstation an der heutigen PKP-Linie Nr. 418 Darłowo–Sławno–Korzybie (Zollbrück).

Das ehemalige Gutsdorf ist in die ebene Landschaft nördlich des Grabowa(Grabow)-Tals eingebettet und wird im Norden von der Moszczenia (Motze) begrenzt.

Nachbarorte von Boleszewo sind: im Norden Stary Jarosław (Alt Järshagen), im Osten Sławno, im Süden Rzyszczewo (Ristow) und Rzyszczewko (Neu Ristow) sowie im Westen Karwice (Karwitz) und Słowino (Schlawin).

Ortsname

Die Herkunft des deutschen Ortsnamens Rötzenhagen ist unklar. Vielleicht leitet er sich von einem – heute nicht belegbaren – Personennamen ab wie Rutz (=Rudolf) und bedeutet dann Hecke bzw. Rodungsplatz des Rudolf.

Geschichte

Der Name Rötzenhagen findet sich zum ersten Male urkundlich im Jahre 1575, als Herzog Johann Friedrich von Pommern-Stettin Einzelpersonen ihre Besitzungen bestätigte. Dabei bezog er sich auf einen Lehnsbrief von 1512, in dem den gleichen Personen und auch anderen Besitz und Rechte in Rötzenhagen bescheinigt wurden.

In den Folgejahren war Rötzenhagen von einem Bauerndorf zu einem Gutsdorf geworden. Herr der drei Rötzenhagener Gutshöfe war die Familie von Natzmer. 1622 wurde ein Gut an Philipp von Steinkeller verkauft. Während des 18. und 19. Jahrhunderts befanden sich alle drei Güter in raschem Besitzwechsel der Familien von Steinkeller, von Bandemer, von Schmeling, von Petersdorff, von Massow, Krüger, Wetzel und Wally. Durch Verkäufe schrumpfte der Umfang zweier Güter bis zum Ende des Ersten Weltkrieges auf die Größe von zwei Bauernhöfen. 1935 geriet das letzte Gut in Schwierigkeiten und wurde verkauft.

Im Jahre 1818 hatte Rötzenhagen 242 Einwohner. Ihre Zahl stieg bis 1864 auf 568, stand 1895 bei 526 und betrug 1939 noch 483.

Bis 1945 gehörte Rötzenhagen mit Ristow und Schmarsow zum Amtsbezirk Ristow, zum Standesamt Ristow und zum Amtsgerichtsbezirk Schlawe im Landkreis Schlawe i. Pom. im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern.

Am 7. März 1945 wurde die Ortschaft nach einigen Kämpfen von Truppen der Roten Armee besetzt. Es kam zu leidvollen Geschehnissen mit Verschleppung, Evakuierung und Drangsalierungen der einheimischen Bevölkerung. Im Dezember 1946 wurden alle noch verbliebenen Deutschen vertrieben. Rötzenhagen wurde polnisch und erhielt den Ortsnamen Boleszewo. Der Ort ist heute ein Teil der Gmina Sławno im Powiat Sławieński der Woiwodschaft Westpommern. Bis 1998 gehörte er zu der damaligen Woiwodschaft Stolp.

Ortsgliederung

Eine ältere und eine neuere Siedlung gehören zu der Ortschaft:

  1. Grünheide (polnisch: Łany), südlich gelegen, gegründet 1820, vor 1945 insgesamt 19 Häuser mit einer Dorfschmiede
  2. Boleszewo-Kolonia (Kolonie Rötzenhagen), nach 1945 entstanden.

Kirche

Evangelische Kirche

In Rötzenhagen waren die Einwohner vor 1945 überwiegend evangelisch. Das Dorf bildete eine selbständige Kirchengemeinde, die jedoch seit ihren Anfängen eine Filialgemeinde im Kirchspiel Altristow (Rzyszczewo) war. Es lag im Kirchenkreis Schlawe der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union. Letzter deutscher Geistlicher war Pfarrer Paul Meyer.

Heute gehört die Ortschaft zum Kirchspiel Koszalin (Köslin) in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Römisch-katholische Kirche

Heute leben in Boleszewo überwiegend katholische Einwohner. Das Dorf ist jetzt (wie auch der Nachbarort Karwice (Karwitz) - eine Filialgemeinde in der Parochie Słowino (Schlawin). Sie liegt im Dekanat Darłowo (Rügenwalde) im Bistum Köslin-Kolberg der Katholischen Kirche in Polen.

Kirchengebäude

Das aus der Zeit um 1500 stammende Kirchengebäude war bis 1915 ein einfacher Fachwerkbau mit polygonalem Chor. Der Turm mit rundbogig geschlossenen Schallöffnungen und seitlichen Rautenmustern sowie die Westwand des Schiffes waren in Ziegeln gemauert und könnten aus einem Vorgängerbau entnommen worden sein.

Im Jahre 1915 wurde das spätmittelalterliche Kirchenschiff auf gleichem Grund aus Ziegeln erneuert. Der Innenraum erhielt vom Maler und Bildhauer Groß aus Stolp eine neue Gestaltung. Zur Wiedereröffnung der Kirche 1916 wurde erstmals eine Orgel angeschafft.

Von der Reformation bis 1945 war die Rötzenhagener Kirche ausschließlich evangelischen Gottesdiensten vorbehalten. Nach 1945 wurde sie zugunsten der katholischen Kirche entschädigungslos enteignet und am 8. Mai 1947 als Marienkirche neu geweiht.

Schule

Schulgeschichte

Das Rötzenhagener Schulgebäude wurde 1926/1927 errichtet. Es besaß zwei Klassenzimmer und zwei Lehrerwohnungen mit dazugehörigen Wirtschaftsgebäuden. Das alte einklassige Schulhaus war in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts erbaut worden. Zuletzt wurden hier mehr als 70 Kinder unterrichtet.

Als Lehrer amtierten:

  1. Peter Boldt, bis 1884
  2. Paul Belter, 1884-1924
  3. Erwin Beilfuß, 1924-1945
  4. Bruno Neubüser, 1924-1934
  5. Alfred Dettmann, 1934-1937
  6. Emil Kleinschmidt, 1937-1939

Literatur

  • Martin Krause: Rötzenhägener Heimatbuch. Bonn 1986. Nachtrag 1988. (2 Bände)
  • Manfred Vollack (Hrsg.): Der Kreis Schlawe. Ein pommersches Heimatbuch. 2 Bände. Husum, 1988/1989.

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