Bolgary
Stadt
Bolgar
Болгар
Wappen
Wappen
Föderationskreis Wolga
Republik Tatarstan
Rajon Spassk
Bürgermeister Kamil Nugajew
Gegründet 8. Jahrhundert
Frühere Namen Spassk; Kuibyschew
Stadt seit 1781
Fläche 116 km²
Höhe des Zentrums 80 m
Bevölkerung 8391 Einw. (Stand: 2008)
Bevölkerungsdichte 72 Ew./km²
Zeitzone UTC+3 (Sommerzeit: UTC+4)
Telefonvorwahl (+7)84347
Postleitzahl 422840
Kfz-Kennzeichen 16, 116
OKATO 92 232 501
Webseite http://spasskiy.tatar.ru/
Geographische Lage
Koordinaten: 54° 58′ N, 49° 2′ O54.96666666666749.03333333333380Koordinaten: 54° 58′ 0″ N, 49° 2′ 0″ O
Bolgar (Russland)
DEC
Bolgar (Tatarstan)
DEC
Republik Tatarstan
Liste der Städte in Russland

Bolgar (russisch Болгар; tatarisch Bolğar) oder Weliki Bolğar, inoffiziell auch Bulgar, Bolgari oder Bolgary genannt, ist eine Stadt in Russland, am Ufer der Wolga in der Teilrepublik Tatarstan. Im 8. bis 15. Jahrhundert war es die Hauptstadt und Zentrum der Wolgabulgaren (Protobulgaren). Heute ist sie eine Kleinstadt mit 8391 Einwohnern (Berechnung 2008) und Verwaltungszentrum des Rajons Spassk.

Geschichte

Die Stadt wurde im 8. Jahrhundert von den Wolgabulgaren unter Khan Kotrag als deren Hauptstadt gegründet. Ihnen schlossen sich finnische und slawische Bevölkerungsgruppen an. Der arabische Reisende Ibn Fadlan, der an einer Gesandtschaft 922 nach Bolgar zu den Wolgabulgaren teilnahm, bezeichnet deren Herrscher Almysch als „Slawen-König“.

Während russischer Einfälle im 14. Jahrhundert war die Hauptstadt nach Bilar versetzt worden; nach dessen Plünderung und Zerstörung wurde sie wieder bis zum 15. Jahrhundert nach Bolgar zurückverlegt. 1361 wurde die Stadt von der Goldenen Horde der Mongolen unter Khan Timur zerstört. Als sich das Khanat Kasan gründete, wurde als neue Hauptstadt Kasan gewählt. Zu diesem Zeitpunkt wurde Bolgar zu einem religiösen Zentrum des Islams.

Im 15. Jahrhundert wurde die Stadt durch den russischen Fürst Wassili erneut zerstört. 1552 wurde die Stadt wie das Khanat Kasan vom russischen Zarentum unter Iwan dem Schrecklichen annektiert.

Russische Kirche und Moschee in Bolgar

Nach der Übernahme durch Russland wurden in der Gegend um Bolgar verarmte russische Bauern angesiedelt, welche als Baumaterial die Überreste der einst mächtigen Stadt benutzten. Aus diesen Grund erließ Zar Peter der Große einen speziellen Erlass zur Erhaltung der Bolgarer Ruinen, welcher historisch betrachtet das erste russische Gesetz zum Schutz einer Stadt mit historischem Hintergrund darstellt.

1781 wurde die Stadt nach dem in der Nähe wohnenden russischen Bauern Spassk (russisch Спасск) benannt. Zwischen 1926 und 1935 hieß die Stadt Spassk-Tatarski (Спасск-Татарский). Von 1935 bis 1991 trug die Stadt den Namen des Revolutionärs Kuibyschew (Куйбышев) – wie auch Kuibyschew in Sibirien sowie das heutige Samara. 1991 gab man der Stadt wieder ihren alten Namen Bolgar zurück.

Das alte Bolgar heute

Das heutige Bolgar steht innerhalb der noch großenteils erhaltenen Walllinien der berühmten alten Wolgabulgaren-Residenz Bolgar, von welcher noch Türme (am besten der sogenannte Misgir-Turm) und Mauertrümmer übrig sind.

Die archäologische Hinterlassenschaft auf dem Burgwall in Bolgar lässt für das 10–12. Jahrhundert eine Burgstadt mit weitreichenden Fernhandelsverbindungen nach Ost und West sowie Niederlassungen von fremden Kaufleuten (aus Armenien, der Rus und Donaubulgarien) erkennen. Die hier gefundenen silbernen und kupfernen Münzen tragen teilweise arabische, teilweise kufische Schrift und sind zum Teil schön geprägt. Des Weiteren sind noch viele Grabsteine mit tatarischen, arabischen und armenischen Inschriften und Bildwerken, sowie alte Waffen, Münzen und Gerätschaften aller Art erhalten.

Bereits auf Befehl Peters des Großen wurden 49 der Grabinschriften aufgezeichnet und zu erklären versucht. Die arabischen stammen aus der Zeit von 619 bis 742 der Hedschra; unter den armenischen befindet sich eine von 557 und zwei von 984 und 986 n. Chr.

Wann Bolgar, dessen Ruinen verschiedentlich von Gelehrten, wie Peter Simon Pallas, Alexander von Humboldt, Ehrenberg und Rose, Beresie u. a., besucht und beschrieben wurden, aus der Reihe der Städte verschwand, ist unbekannt. Jedenfalls trat es schon zu Ende des Mittelalters hinter dem aufblühenden Kasan mehr und mehr zurück.

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