Bolide (Leuchterscheinung)

Als Bolid oder Feuerkugel wird ein besonders helles Meteor bezeichnet. Der Begriff wird meist für Meteore verwendet, deren scheinbare Helligkeit größer ist als die des hellsten Planeten, der Venus, also größer als −4 mag. Leuchtschwächere Ereignisse werden als Sternschnuppen bezeichnet.

Meteore werden durch das Eindringen von Meteoroiden in die Erdatmosphäre verursacht.

Inhaltsverzeichnis

Ereignis

Während die leuchtende Spur (Ionisation der Luft) der meisten Meteore bereits oberhalb von 60 Kilometer Höhe endet, können größere Meteoroide bei langsamerem Eintritt (unter etwa 25 km/s) und festerem Material geringere Endhöhen erreichen (etwa 20 km). Dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Material als Meteorit auf die Erdoberfläche fällt. Ein Meteoritenfall ist aber auch bei sehr hellen Feuerkugeln nicht die Regel.

Helligkeitsentwicklung

Die Helligkeit eines Meteors von seiner Masse, aber noch stärker von seiner Eintrittsgeschwindigkeit in die Erdatmosphäre bestimmt. Die Ionisation der Atmosphäre sowie die Ablation des eindringenden Materials pro Zeiteinheit bestimmen die Helligkeit des Meteors. Wird plötzlich sehr viel Material pro Sekunde vom Meteoroid abgetragen, wird der Meteor zwar bedeutend heller, aber der Eindringling verliert nun auch viel schneller Masse. Aus diesem Grund kommt es oft vor, dass Meteoroiden aus weichem, eher lockerem Material (z. B. kometare Objekte) in sehr kurzer Zeit (etwa 2 s) in einer spektakulären Feuerkugel aufgehen und andere, festere Materialien (z. B. steinige Objekte) in einer viel längeren Sturzphase (etwa 6 s) in Form einer weniger spektakulären Feuerkugel verbraucht werden, obwohl beide Meteoroide ansonsten gleiche Anfangsbedingungen hatten. Je weniger Ablation das eindringende Geschoss zeigt, desto höher ist die Chance für eine Restmasse, die den Boden erreichen kann.

Fragmentierung

Abb. a) zeigt ein Meteor-Ereignis, das als Feuerkugel oder Bolid bezeichnet wird. Man erkennt die beiden Plasmaphasen – das Stoßfrontplasma ist türkis und der Plasmaschweif orange. Abb. b) zeigt den schon zerfallenen Meteoroiden in der letzten sichtbaren Sturzphase als Bolid oder Feuerkugel

Objekte mit großer Anfangsmasse werden tief in die Erdatmosphäre eindringen (z. B. 20 km). Da die Luftdichte in Richtung Erdoberfläche stark zunimmt, wird auch die Einwirkung auf das Objekt immer intensiver. Der Meteoroid wird zugleich immer kleiner und schwächer. Es kommt zu einer Situation, wo die Kräfte der Atmosphäre für das eindringende Material zu groß werden. Ein Bruch an Inhomogenitäten im Material wird wahrscheinlich und der Körper fragmentiert. Es kommt dabei in der Regel zu einem Helligkeitsausbruch. Selbst ein normales Meteor kann in diesem Moment zu einer Feuerkugel beziehungsweise zum Boliden werden. Es sieht so aus wie eine Explosion, es ist aber keine, denn lediglich Plasma oder komprimierte Gase können in diesem Moment expandieren.

Mit der Fragmentation und der plötzlich vergrößerten Oberfläche kommt es natürlich auch zu einer viel größeren Ablationsrate, die die Lichtproduktion bestimmt und somit jenen Lichtausbruch erst entstehen lässt. Dabei fließen die hochkomprimierten Gase (bzw. das Plasma) nun auch zwischen den neu entstanden Fragmenten ab und erfahren dabei viel weniger Widerstand als noch kurz zuvor, als das Objekt noch als Ganzes existierte. Das komprimierte Gas kann sich schlagartig weiter ausdehnen und treibt die entstandenen Meteoritenstücke auseinander. Wenn diese Fragmente den weiteren Sturz überstehen, kommt es zu einem Meteoritenschauer.

Meteoritenfall (Wahrnehmung)

Die Wahrnehmung eines Meteoritenfalls beginnt bei geeigneten Wetterbedingungen mit einer spektakulären Lichterscheinung. Tagsüber oder bei Bewölkung sieht man in der Regel nichts. Nach solch einem Feuerkugel- oder Bolidenereignis kann es kurze Zeit später zur Wahrnehmung einer Geräuscherscheinung (Überschallknall) kommen, da der Meteorit mit vielfacher Schallgeschwindigkeit durch die immer dichter werdende Atmosphäre stürzt. Je nach Position des Beobachters zur Flugbahn und je nach dessen Verlauf kann es einen kurzen Knall geben, aber es kann auch zu einer an- und wieder abschwellenden Schallintensität kommen. Je nach Abstand des Beobachters zur Flugbahn, Größe und Geschwindigkeit des Meteoriten kann der Donner rasch folgen und sehr laut sein oder erst mehrere Minuten später als dumpfes Donnergrollen am Beobachtungsort ankommen. Bei zu großem Abstand zur Flugbahn oder ungeeigneten akustischen Bedingungen (Nebengeräusche, Schallschutz) kann die Wahrnehmung des Schallereignisses auch ausbleiben.

Bekannte Ereignisse

Name/Ort Datum Meteoritenfall Magnitude
Peekskill-Meteor 9. Oktober 1992 Peekskill −12,8 mag[1]
„Meteor von Bayern“ (Neuschwanstein) 6. April 2002 Neuschwanstein −17 mag
Tagesbolide von León 4. Januar 2004 Villalbeto de la Pena −18 mag[2]
Ostsee-Bolide“ [3] 17. Januar 2009 noch ungeklärt −19 mag
Tagish-Lake-Feuerkugel 18. Januar 2000 Tagish Lake −22 mag[4]
Lugo-Bolide 19. Januar 1993   −23 mag[5]

Siehe auch

Literatur

  • Alfred Wegener: Das detonierende Meteor vom 3. April 1916 in Kurhessen, N.G.Elwert Verlag Marburg 2001. ISBN 3-7708-1160-7
  • Dieter Heinlein: Die Feuerkugel vom 6. April 2002 und der sensationelle Meteoritenfall "Neuschwanstein", 1. Auflage, Herausgeber: Dieter Heinlein. Augsburg, 2004
  • Joachim Herrmann: Wörterbuch zur Astronomie, Deutscher Taschenbuch-Verlag München, 1996. ISBN 3-423-03362-2
  • Lexikon der Astronomie, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 1995. ISBN 3-86150-145-7

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Peekskill-Meteor
  2. Meteoritenfall in Palencia
  3. Detonierender Bolide über der Ostsee
  4. P. Brown, D. O. ReVelle, A. R. Hildebrand: The Tagish Lake Meteorite Fall: Interpretation of fireball physical characteristics.
  5. Lugo-Bolide

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