Bollock Brothers
The Bollock Brothers
Gründung 1979
Genre Rockmusik, New Wave
Website www.bollock-brothers.com
Aktuelle Besetzung
Gesang Jock McDonald
Gitarre Chris McKelvey
Bass, Gitarre, Gesang Richard Collins
Keyboards, Akkordeon HeJoe Schenkelberg
Schlagzeug Patrick Pattyn

The Bollock Brothers sind eine britische Rockband, die 1979 von dem Londoner Promoter, DJ und Manager Jock McDonald (bürgerlich Patrick O'Donnell, * 25. März 1956 in Clydebank) gegründet wurde und bis heute aktiv ist.

Inhaltsverzeichnis

Bandgeschichte

Die Anfänge (1979-81)

Der Promoter Jock McDonald organisierte im Dezember 1978 die ersten Konzerte von Johnny Rottens neuer Band PIL in London. Rottens jüngerer Bruder Jimmy Lydon hatte Lust, sich ebenfalls als Musiker zu versuchen, und McDonald half ihm im Sommer 1979, eine Single ("One Of The Lads") aufzunehmen. Rotten produzierte die Single, Youth von Killing Joke spielte Bass, ein zufällig anwesender Sessionmusiker steuerte ein irisch klingendes Banjo bei und McDonald Hintergrundgesang. Die Single wurde im November 1979 unter dem Namen 4" Be 2" ("two by four", englisches Synonym für einen Holzknüppel) veröffentlicht. Am 25. Dezember 1979 organisierte McDonald zugunsten von Waisenkindern ein Punk-Wohltätigkeitsfußballmatch mit anschließender Party und Jamsession im Londoner Club Studio 21. Teilnehmer waren Musiker von Thin Lizzy, den Sex Pistols, Killing Joke, Generation X und natürlich 4" Be 2", die an diesem Abend ebenfalls live improvisierten. Dieser Abend wird von Jock McDonald als eigentliche Geburtsstunde von 4" Be 2" und folgerichtig der Bollock Brothers angesehen, da man beschloss, das Bandprojekt weiterzuverfolgen.

Anfang 1980 wurde von Jock McDonald und Jimmy Lydon eine neue Band zusammengestellt (Graham Wheelan - Gitarre / Philipp Pickering - Bass / Mick Dabrovski - Keyboards / Kenneth Topley - Schlagzeug) und eine neue Single ("Frustration") aufgenommen, die wieder von Johnny Rotten produziert wurde. Weitere Songs, die im Frühjahr im Londoner Basing Street Studio entstanden, wurden in überarbeiteter und teilweise neu aufgenommener Form 1986 unter dem irreführenden Titel "'77-'78-'79" veröffentlicht. Die angeblichen Gastauftritte von Musikern von Killing Joke und den Sex Pistols auf diesen Aufnahmen dürfen aber getrost ins Reich der verkaufsfördernden Legendenbildung verwiesen werden, die Betroffenen selbst haben es jedenfalls immer bestritten. In der neuen Besetzung fanden im Sommer und Herbst 1980 die ersten richtigen Auftritte statt, unter anderem auf dem Futurama-Festival in Leeds (14. September 1980).

Parallel dazu wurde in der Musikpresse im August 1980 die Gründung eines Seitenprojektes zu 4" Be 2" angekündigt: The Bollock Brothers, bei denen Jock McDonald nunmehr den Gesang übernahm. Ein Bassist namens Noel "Wally" Waldron ersetzte zu diesem Zeitpunkt Phil Pickering, und die erste Single der Bollock Brothers ("The Bunker") erschien im Oktober 1980, die sich musikalisch eher an PIL orientierte und eine Adaption des Songs "No GDM" von Gina X Performance war. Auf dem Cover der Single wurde behauptet "from the forthcoming film" (Der Bunker), was natürlich nicht der Wahrheit entsprach und ein Vorgeschmack auf die Publicity-Methoden der Bollock Brothers in den folgenden Jahren war. Am 16. Oktober 1980 lauerte die Band während der TV-Sendung Top Of The Pops Adam And The Ants auf und begann im BBC-Gebäude eine Schlägerei mit ihnen, was einige Schlagzeilen hervorrief [1].

Anfang 1981 erschienen noch die letzte Single von 4" Be 2" ("All Of The Lads"), die wieder von Johnny Rotten produziert worden war, und zwei Singles der Bollock Brothers, eine davon unter dem Pseudonym Rabbie Burns and The Ticket Touts. 4" Be 2" gaben am 17. März 1981 in London ihr Abschiedskonzert und lösten sich auf, die Bollock Brothers versuchten im Sommer 1981 erfolglos ein paar Konzerte in Deutschland zu organisieren [2].

Eurodisco (1982-84)

Anfang 1982 tat sich Jock McDonald mit Keith Bradshaw zusammen, Bassist und günstigerweise Manager der Alaska Studios in London. Eine neue Band wurde zusammengestellt (Keith Lewis - Gitarre / Richard Collins - Gitarre / Keith Bradshaw - Bass / Paul Shurley - Keyboards / David Regan - Schlagzeug), die in den nächsten zwei Jahren Musik produzierte, die in England damals "Eurodisco" genannt wurde. Mit Rücksicht auf Radio-Airplay benannte man sich aber zunächst in Red Lipstique um. Vor allem die Single "Drac's Back" war recht erfolgreich und wurde 1986 unter dem Namen The Bollock Brothers wiederveröffentlicht, zwei weitere Singles unter dem neuen Namen folgten 1982 und 1983.

Das einzige Lebenszeichen der Bollock Brothers 1982 war eine eher unkommerzielle Single ("The Return Of Vincent van Gogh's Left Ear"), auf der alte Aufnahmen aus den Basing Street Studios von Anfang 1980 verwendet und teilweise neu eingespielt wurden.

Das erste Studioalbum der Bollock Brothers ("The Last Supper") erschien 1983 und orientierte sich soundmäßig eher am Eurodisco-Material der Red Lipstique-Singles. Auch Songtexte mit den für Jock McDonald typischen Inhalten (Monsterfilme und Katholizismus) tauchten hier erstmals auf. Die Band begann zu dieser Zeit, in Belgien und Deutschland aufzutreten, und wurde dort schnell wesentlich populärer als in ihrer Heimat, wo man die Aktivitäten Jock McDonalds in Musikkreisen eher als schlechten Scherz auffasste.

Das Ende 1983 erschienene zweite Studioalbum der Bollock Brothers ("Never Mind The Bollocks 1983") war eine musikalisch misslungene Neueinspielung des kompletten Sex Pistols-Albums. Auf ihm hatte der gerade aus der Psychiatrie entlassene Michael Fagan (ein Kleinkrimineller, der 1982 nachts in das Schlafzimmer der Queen eingestiegen war und einen Skandal über die Sicherheitsvorkehrungen im Buckingham Palace ausgelöst hatte) einen Gastauftritt, ein für Jock McDonald typischer PR-Gag. Fagan sang passenderweise die beiden Sex Pistols-Titel "God Save The Queen" und "Pretty Vacant" und trat auch live mit der Band auf.

1984 folgten ein Livealbum und die Single "The Prince And The Showgirl", auf der man versuchte, einen damaligen Skandal im britischen Königshaus auszuschlachten.

Faith Healer (1985-89)

Ende 1985 erschien das dritte Studioalbum der Bollock Brothers ("The 4 Horsemen Of The Apocalypse"), das durch eine Mischung aus eingängigem Synthesizer-Pop, spärlich aber effektiv eingesetzten Rockgitarren und Jock McDonalds unverwechselbarem Sprechgesang in Europa schnell populär wurde[3]. Vor allem das Stück "Faith Healer", eine Version des Alex Harvey-Klassikers von 1973, wurde so beliebt, dass man es als Single veröffentlichte. Die Bandbesetzung hatte sich mittlerweile etwas geändert (Robert Dogg - Gitarre / Keith Bradshaw - Bass / Paul Shurley - Keyboards / John Mortimer - Schlagzeug).

Jock McDonald konzentrierte sich nunmehr auf den kontinental-europäischen Markt, da man in England mehr oder weniger ignoriert wurde. Die Bollock Brothers tourten 1986 zweimal durch Europa und veröffentlichten zwei Videos, zwei Singles, ein Livealbum und mehrere Compilations mit Archivmaterial. In Paris kam es außerdem zu einer Begegnung mit Serge Gainsbourg, der McDonald die Erlaubnis gab, seinen 1984 erschienenen Hit "Harley David Son of a Bitch" zu covern. Die Single "Harley David" erschien im Januar 1987, ein Fernsehauftritt bei Formel Eins am 10. März 1987 sorgte dafür, dass sie auch in Deutschland in die Charts kam. McDonald behauptet, Gainsbourg sei mit der Bollock Brothers-Interpretation sehr zufrieden gewesen.

1987 stellte Jock McDonald mit belgischen und deutschen Musikern eine völlig neue Besetzung der Bollock Brothers auf die Beine (Boris Dommenget - Gitarre / Sean Pettit - Bass / Serge Feys - Keyboards / Patrick Pattyn - Schlagzeug) und nahm das vierte Studioalbum auf, das im Dezember erschien ("The Prophecies Of Nostradamus"). Die Synthiepop-Elemente waren nunmehr vollständig einem klaren Rocksound gewichen, und mit "Brigitte Bardot" enthielt auch dieses Album wieder eine kommerziell recht erfolgreiche Single.

1988 und 1989 tourten die Bollock Brothers wieder durch Europa. Nur ein Compilation-Album ("Mythology") erschien 1989, das älteres Material aus den Jahren 1983-85 enthielt sowie ein einziges neues Stück ("Beats Of Love", eine vom Schlagzeuger Patrick Pattyn gesungene Coverversion des 1983er Hits der belgischen Gruppe Nacht Und Nebel). Danach legte die Band eine Pause ein, Gitarrist Boris Dommenget ging zurück nach Hamburg und eröffnete dort ein Tonstudio.

1991 bis heute

Im Herbst 1991 meldeten sich die Bollock Brothers mit ihrem fünften Studioalbum zurück ("The Dead Sea Scrolls"), einem eingängigen Rockalbum, in dem Jock McDonald textlich die Bibel verarbeitete. In der Bandbesetzung hatte es wieder einige Veränderungen gegeben (Boris Dommenget - Gitarre / Richard Collins - Bass / Mark Humphrey - Keyboards / Patrick Pattyn - Schlagzeug). 1992 folgte dann eine neue Single "Don't Call Us, We Call You", eine Coverversion des Sugarloaf-Hits von 1974.

1995 veröffentlichten die Bollock Brothers eine Punkrockversion des Frank Sinatra- und Sid Vicious-Klassikers "My Way". Die Band behauptete, dass die näselnde Telefonstimme, die im Anfangsteil des Liedes zu hören war, Nick Leeson gehörte, der sich bereit erklärt habe, aus der Haft heraus an dem Stück mitzuwirken. Ob dies der Wahrheit entsprach, sei dahingestellt; Leesons Name wurde jedenfalls bald vom Singlecover entfernt und sein Gesicht durch ein Fragezeichen ersetzt.

1996 veröffentlichten die Bollock Brothers ihr bislang letztes Studioalbum ("Blood, Sweat And Beers"), das komplett aus Coverversionen bestand, und die Single "Where Is My Girl", eine Neufassung des Eartha Kitt-Hits von 1983. Boris Dommenget verließ daraufhin die Band, die eine mehrjährige Pause einlegte.

2001 wurde die Band mit einem neuen Gitarristen Henning Janssen wiederbelebt und auch eine neue Single "Jesus Lived Six Years Longer Than Kurt Cobain" angekündigt, das Stück erschien aber stattdessen auf einem neuen Compilation-Album "Jesus Lives". 2005 folgte die erste neue Bollock-Brothers-Single seit 10 Jahren ("Cyber Polaroid", eine Coverversion der französischen Single "Polaroïd/Roman/Photo" (1985) von Ruth), die 2004 mit Luc van Acker (Revolting Cocks) eingespielt wurde und nur über die Band-Homepage erhältlich ist.

Nach dem Ausstieg von Henning Janssen half 2007 zunächst Fré Landuyt von der belgischen Surfband Speedball Jr. bei den Bollock Brothers aus, 2008 stieg dann Chris McKelvey aus Glasgow als neuer Gitarrist ein. Am 31. März 2008 starb Mark Humphrey in einem Krankenhaus in Eastbourne, er wurde durch den Keyboard- und Akkordeonspieler HeJoe Schenkelberg ersetzt, der seit 2001 bereits öfters bei Livekonzerten mit der Band gespielt hatte.

Ein neues Studioalbum "Last Will And Testament" wurde 2008 in Belgien (Closed Session Recording Studio in Beveren) aufgenommen und ist seit dem 2. März 2009 über die Band-Homepage erhältlich. Das Album enthält zusätzlich drei Livestücke mit dem verstorbenen Mark Humphrey am Gesang.

Diskografie

Studioalben

  • The Last Supper (Charly Records) 1983
  • Never Mind The Bollocks 1983 (Charly Records) 1983
  • The 4 Horsemen Of The Apocalypse (Charly Records) 1985
  • The Prophecies Of Nostradamus (Blue Turtle Records, Deutschland) Dezember 1987
  • The Dead Sea Scrolls (SPV Records,Deutschland) September 1991 (als The Famous B. Brothers)
  • Blood, Sweat And Beers (GUN Records,Deutschland) Juli 1996
  • Last Will And Testament (MBC Records, nur Mail-Order) März 2009

Livealben

  • Live Performances (Charly Records) Januar 1984
  • In Private In Public (Charly Records) Dezember 1986 (als The Famous Bollock Brothers)

Singles/Maxisingles

  • One Of The Lads (Island Records) November 1979 (als 4" Be 2")
  • Frustration (WEA Records) Juli 1980 (als 4" Be 2")
  • The Bunker (McDonald Lydon Records, wiederveröffentlicht 1983 auf Charly Records) Oktober 1980
  • The Act Became Real (McDonald And Lydon Records) Februar 1981
  • All Of The Lads (McDonald And Lydon Records) März 1981 (als 4" Be 2")
  • We'll be there (McDonald And Lydon Records) Mai 1981 (als Rabbie Burns + The Ticket Touts)
  • Drac's Back (Magnet Records) 1982 (als Red Lipstique)
  • Shame, Shame, Shame (Charly Disco International,Frankreich) 1982 (als Red Lipstique)
  • The Slow Removal Of Vincent van Gogh's Left Ear (Charly Records) Oktober 1982
  • Oscar Wilde (Charly Records) 1983 (als Red Lipstique)
  • Are You Durty (Charly Records) 1983 (als Jock McDonald's Indecent Exposure Show)
  • God Save The Queen (Charly Records) 1983 (als Michael Fagan and The Bollock Brothers)
  • Horror Movies (Charly Records) 1983 (als The B.B.s)
  • The Prince And The Showgirl (InDisc,Belgien) Oktober 1984
  • Legend Of The Snake (Charly/Green Line Records,Italien) 1985 (als The Famous B. Brothers)
  • Drac's Back (Charly Records) 1986 (als The Famous Bollock Brothers)
  • Faith Healer (Charly Records) 1986 (als Bollock Brothers)
  • Return Of The Vampyre (McDonald Bros Corp) 1986 (Split-Single mit Sex Pistols)
  • Harley David (Play It Again Sam,Belgien) Januar 1987
  • God Created Woman (Blue Turtle Records,Deutschland) Januar 1988
  • Brigitte Bardot (Blue Turtle Records,Deutschland) Januar 1988
  • Don't Call Us, We Call You (SPV Records,Deutschland) Mai 1992
  • My Way (GUN Records,Deutschland) 1995
  • Where Is My Girl (GUN Records,Deutschland) 1996
  • Cyber Polaroid (MBC Records,nur Mail-Order) Oktober 2005 (als The Bollock Brothers feat. Lolita)

Compilations

  • D Wing (UD, japanisches Bootleg) 1981 (als 4" Be 2")
  • Bollock Brothers, Bollock Sisters (Konexion Records,Belgien) 1986
  • '77-'78-'79 (Konexion Records,Belgien) 1986
  • Family Album (Konexion Records,Belgien) November 1986 (als The Lydons and The O'Donnells)
  • Mythology (Blue Turtle Records,Deutschland) Februar 1989
  • 14 Carat Gold - The Best Of The Bollock Brothers (SPV Records,Deutschland) Mai 1993
  • The Best Of The Bollocks (Charly Schallplatten,Deutschland) 1994
  • Dancin' Masters (Past & Present) (MBC Records) 1994
  • The Sex Pistols Vs. The Bollock Brothers (MBC Records) 1996 (Split-CD mit Sex Pistols)
  • What A Load Of Bollocks! (MBC Records) Januar 2000
  • 25th Anniversary (MBC Records) August 2001
  • Jesus Lives (MBC Records) Oktober 2001
  • Twice The Balls (Recall Records) August 2002
  • Ladykillers (MBC Records) März 2007

Videos

  • Home Video (MBC Films) 1986
  • Live In Europe (MBC Films) 1987

Fußnoten

  1. Adam Ant: "Stand And Deliver - The Autobiography" (engl. Taschenbuchausgabe, S.158)
  2. Sounds-Magazin (9/1981, S.9)
  3. der Sample aus "Mistress Of The Macabre" stammt von Mae West: "They Call Me Sister Honky Tonk", aus dem Film "I'm No Angel"

Weblinks


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