Bombardier Talent
Bombardier Talent
Talent der DB Baureihe 644 vor dem Bonner Hauptbahnhof
Anzahl: Talent: 780 (Stand März 09)
Hersteller: Bombardier Transportation
Baujahr(e): 1996 ff.
Ausmusterung: -
Achsformel: B'2'B' (Zweiteiler)
B'2'2'B' (Dreiteiler)
Bo'2'2'2'Bo' (Vierteiler)
Länge: 34.610–38.210 mm (Zweiteiler)
48.360–52.120 mm (Dreiteiler)
66.870 mm (Vierteiler)
Leermasse: 57,0–62,0 t (Zweiteiler)
72,0–96,5 t (Dreiteiler)
116,0 t (Vierteiler)
Radsatzfahrmasse: 12,8 t (643)
14,1 t (644)
Höchstgeschwindigkeit: 100–140 km/h (je nach Variante)
Stundenleistung: 630 kW (dieselmech. Variante)
1.100 kW (dieselelekt. Variante)
1.440 kW (elekt. Dreiteiler)
1.520 kW (elekt. Vierteiler)
Beschleunigung: 0,7 m/s² (643)
1,0 m/s² (644)
Leistungskennziffer: 8,75–14,9 kW/t (je nach Variante)
Stromsystem: 15 kV 16,7 Hz AC
25 kV 50 Hz AC
(elekt. Variante, Zweisystem möglich)
Anzahl der Fahrmotoren: 2 Dieselmotoren und/oder 4 Elektromotoren
Antrieb: dieselmechanisch, dieselelektrisch oder elektrisch
Bremse: KBGM C-pn-P-A-H Mg (D),
KBGM C-pn-P-A-H (D),
KB C-pn-R-A-H Mg (D) (dieselmech. Varianten je nach Ausführung)
KBGM C-pn-P-A-E Mg (D) (alle anderen)
Zugsicherung: länderspezifisch
Sitzplätze: 80–98 (Zweiteiler)
137–161 (Dreiteiler)
199 (Vierteiler)
Stehplätze: 160 (Dreiteiler)
252 (Vierteiler)
Besonderheiten: Bremsverzögerung: 1,2 m/s²

Talent heißt eine Triebwagenfamilie des Herstellers Bombardier Transportation (ursprünglich Waggonfabrik Talbot). Das Akronym TALENT steht dabei für Talbot leichter Nahverkehrs-Triebwagen.

Der Talent wird entweder als Dieseltriebzug – mit mechanischer oder elektrischer Kraftübertragung – oder als Elektrotriebzug hergestellt. Es gibt Versionen mit und ohne Neigetechnik. Die Inneneinrichtung (Sitzteiler) ist frei wählbar.

Der Prototyp wurde 1996 vorgestellt; bis Anfang 2003 waren mehr als 300 Einheiten ausgeliefert oder bestellt.[1]

Der Hersteller Bombardier hat unter der Bezeichnung Talent 2 ein Nachfolgemodell entwickelt, das seit 2008 produziert wird.

Inhaltsverzeichnis

Technische Daten

Der Talent ist ein normalspuriges Vollbahn-Fahrzeug nach UIC-Norm. Er ist optional mit Straßenbahnausstattung wie Blinker, Außenspiegel und anderem lieferbar.

Typisch für das Fahrzeug ist seine windschnittige Form (Design von Alexander Neumeister): Die Köpfe laufen spitz zu, an der jüngsten Stelle bildet eine Scharfenbergkupplung den Abschluss. Die Seitenwände sind nicht wie bei den meisten Schienenfahrzeugen senkrecht; stattdessen ist der Querschnitt, um mit der – allerdings bisher nur in Norwegen eingebauten – Neigetechnik im Lichtraumprofil zu bleiben, annähernd oval.

Den Original-Talent gibt es als zwei-, drei- oder vierteiliges Gelenkfahrzeug, der Nachfolger Talent 2 wird bis zu sechsteilig angeboten. Die Gelenke sind als Wagenübergang über einem Jakobs-Drehgestell ausgeführt. Angetrieben sind nur die Drehgestelle an den Enden der Wagen. Außer über den beiden (voneinander unabhängigen) Antriebseinheiten ist der Triebwagen durchgängig niederflurig. Die Fußbodenhöhe ist wählbar zwischen 590 mm, 800 mm oder 960 mm über Schienenoberkante im Niederflurteil und somit am Einstieg. Im Hochflurteil beträgt sie dann beispielsweise 1130 mm. Die für moderne Nahverkehrstriebwagen üblichen Ausstattungsmerkmale wie Klimaanlage, Fahrgastinformationssystem, barrierefreie Vakuumtoilette oder Mehrzweckraum sind vorhanden.

Einsatz

Fahrzeuge der Talent-Familie werden in Deutschland, Österreich, Ungarn, Norwegen (Neigetechnikversion), den Niederlanden und Kanada eingesetzt.

Deutsche Bahn

Baureihen 644 und 944
Als Baureihe 644 (Endwagen) und 944 (Mittelwagen) bezeichnet die DB dreiteilige Talent mit diesel-elektrischem Antrieb, die für S-Bahn-artigen Verkehr auf nicht elektrifizierten Strecken beschafft wurden. Die DBAG erhielt 63 Triebzüge (644 001/501 bis 644 063/563). Beim 644 wurde jedes Fahrzeugteil um die Breite einer zusätzlichen Tür erweitert. Durch Klappsitze in den Türräumen bietet diese Variante eine hohe Sitzplatzkapazität. Die Fußbodenhöhe liegt bei 80 cm. Die Fahrzeuge werden hauptsächlich im Raum Köln auf der Aggertalbahn (Kursbuchstrecke (KBS) 459), der Eifelbahn (KBS 474) und der Voreifelbahn (KBS 475) eingesetzt, teilweise in Dreifachtraktion. Die Fahrzeuge 644 061–063 kamen ab der EXPO 2000 bis Dezember 2003 auf der Strecke Bielefeld – Dissen – Bad Rothenfelde (Haller Willem) zum Einsatz. Anschließend gelangten die Fahrzeuge in das o.g. Haupteinsatzgebiet, kehrten aber mehrfach nach Westfalen zurück, zunächst für die RB Bielefeld – Oelde, später mehrmals als kurzfristiger 425-Ersatz auf der RB 61 Bielefeld – Bad Bentheim, ab Dezember 2004 zudem fest als Porta-Express RE 78 Bielefeld – Minden, der dann im Dezember 2007 nach Nienburg (Weser) verlängert wurde. Die werkstattmäßige Unterhaltung dieser Exil-644 erfolgte stets durch das Werk Osnabrück bzw. zuletzt Münster; seit Dezember 2008 sind nun alle vorhandenen 644 wieder im Werk Köln-Deutzerfeld zu Hause. 644 061 - 063 wurden für den Einsatz auf dem Haller Willem mit Fahrkartenautomaten und Entwertern sowie außen aufgeklebten Haller-Willem-Logos ausgestattet, mit Ausnahme des 644 062 auch mit den Einrichtungen für den Funkfahrbetrieb, die beim 644 061 bis heute vorhanden sind.
Baureihen 643 und 943
Als Baureihe 643 (Endwagen) und 943 (Mittelwagen) bezeichnet die DB dreiteilige Talent mit diesel-mechanischem Antrieb. Die Fußbodenhöhe liegt bei 59 cm. Eingesetzt wird die Baureihe 643 von den Betriebshöfen Kaiserslautern, Trier, Duisburg und Münster (Westfalen) und seit Dezember 2010 auf dem Betriebshof Karlsruhe. Diese Fahrzeuge weisen im Gegensatz zur Baureihe 644 einen höheren Komfort auf. Dickere Polster sowie Armlehnen in der 2. Wagenklasse sind im Gegensatz zum 644 vorzufinden. Außerdem ist der Innenraum anders aufgebaut, unter anderem besitzt der 643 ein kleineres Mehrzweckabteil. Der Antrieb ist dieselmechanisch, der des 644 dieselelektrisch. Die Motorleistung ist zudem geringer als beim 644.
34 Fahrzeuge der Baureihe 643 sollen ab Dezember 2011 bei der neu gegründeten Tochterfirma DB Regio Westfalen auf drei Strecken im westlichen Münsterland zum Einsatz kommen und für diesen Zweck optisch und technisch überholt werden.
Baureihe 643.2
Die Baureihe 643.2 bezeichnet zweiteilige diesel-mechanische Talent, die die DB für den Betrieb auf der euregiobahn beschaffte. Diese Fahrzeuge verfügen über Zugsicherungseinrichtungen für den Betrieb in den Niederlanden und sind für den Betrieb nach BOStrab in Aachen vorgerüstet. Die Fußbodenhöhe liegt bei 80 cm.

Außerdem sind die zweiteiligen Talent-Triebwagen bei der RegioBahn, Prignitzer Eisenbahn (Ruhrort-Bahn) und der NordWestBahn im Einsatz.

Talent der norwegischen Staatsbahn

Norwegische Staatsbahn

Typ 93
Die Norwegischen Staatsbahnen (NSB) haben seit 2001 15 zweiteilige, dieselbetriebene Talent auf den nicht elektrifizierten Strecken Mittel- und Nordnorwegens (u.a. Nordlandsbanen) im Einsatz. Die modernen Züge haben die Reisezeit verringert, sind aber wegen des für Langstrecken geringen Komforts umstritten. Für Rollstuhlfahrer wurde in der norwegischen Ausführung ein Hebelift eingebaut. [2]

Österreichische Bundesbahnen

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) setzen drei Varianten des Triebzuges „Talent“ ein. Nach massiven Protesten wurden die österreichische Ausführung mit einer fahrzeuggebundenen Rampe für Rollstuhlfahrer nachgerüstet. [3]

Reihe 4023
Als Reihe 4023 bezeichnen die ÖBB einen dreiteiligen Talent mit elektrischem Antrieb. Elf Stück sind davon geliefert, wovon momentan sieben Stück für die S-Bahn Salzburg im Einsatz sind. Der 4023 besitzt seit 15. Dezember 2005 eine EBA-Genehmigung und ist daher ebenso für den Einsatz in Deutschland zugelassen. ÖBB und DB machen davon seit Juni 2006 mit der gemeinsamen Salzburger S-Bahnlinie 3 (Golling–Salzburg–Berchtesgaden) Gebrauch. Ein Zug wird bis zum Eintreffen eigener Neubautriebwagen der Type Stadler GTW zu Jahresende 2010 von den Steiermärkischen Landesbahnen gemietet, die sie auf der Bahnstrecke (Graz –) Peggau –Übelbach einsetzen. Der Grund sind die für die Reihe 4024 zu kurzen Bahnsteige auf der Strecke Peggau–Übelbach. Drei Stück sind seit Mitte Dezember 2009 im Raum Kärnten-Osttirol in Verwendung.
ÖBB Baureihe 4024 im Ennstal
Reihe 4024
Die Reihe 4024 ist die vierteilige Version des elektrischen Talents für die ÖBB. Mit den 140 bestellten Garnituren (Stand August 2006) stellen diese Fahrzeuge das Rückgrat des Nahverkehrs der ÖBB in ganz Österreich dar. Sie sind in allen Gebieten mit größerem Nahverkehrsaufkommen (S-Bahn Wien, S-Bahn Tirol, S-Bahn Graz, Bludenz – Lindau, Zentralraum Kärnten bis einschließlich Lienz, Salzburg – Saalfelden, Pyhrnbahn, Linz) im Einsatz. Daneben verkehren diese ebenfalls auf der Strecke Kufstein – Rosenheim auf deutschem Gebiet. Diese Elektrotriebzüge sind mit den Gattungszeichen BDET klassifiziert und mit der UIC-Kennzeichnung der Triebfahrzeuge 93 81 4024 xxx-x beschriftet, wobei xxx die Ordnungsnummer und x die Prüfziffer sind. Damit sind folgende Informationen codiert: Österreichischer Triebzug mit mehr als 190 km/h (eigentlich nur 140 km/h), elektrisch getriebener Schnellbahntriebwagen für den innerstädtischen und Umlandverkehr mit Plätzen der 2. Klasse.
Reihe 4124
Die Reihe 4124 (anfänglich als Rh 4824 beschriftet) ist ein elektrischer Zweisystemtriebzug für den Verkehr in 15-kV- sowie 25-kV-Netzen. Geliefert werden 37 Stück. Die 25-kV-Einrichtung wird beim Einsatz von Wien in Richtung Ungarn über die Strecken der Raab-Ödenburg-Ebenfurter Eisenbahn genutzt.
Talent der ungarischen Staatsbahn MÁV in Budapest

Ungarische Staatsbahn

Baureihe 5342
Die Ungarische Staatsbahn MÁV besitzt zehn vierteilige elektrisch angetriebene Zweisystem-Talent, die sie als Baureihe 5342 bezeichnet. Das Modell ist unmittelbar aus der Reihe 4124 der ÖBB abgeleitet, die ersten Fahrzeuge wurden unmittelbar durch Umbau der Lieferserie 4124 für die ÖBB gewonnen. In Ungarn wird mit 25 kV gefahren, im grenzüberschreitender Betrieb nach Österreich mit 15 kV. Am 10. Juli 2009 nahm die MÁV die zehn Talent auf Anraten von Bombardier vorübergehend aus dem Verkehr. Grund hierfür ist eine zu starke Abnutzung der Bremsscheiben, da das ungarische Zugsicherungssystem EVM nur an die Luftdruckbremse, nicht aber an die E-Bremse gekoppelt ist. [4]

Weitere Einsatzgebiete

Bildergalerie

Weblinks

 Commons: Bombardier Talent – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Über 300 Talent-Triebwagen verkauft. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2003, ISSN 1421-2811, S. 156.
  2. Norwegen-Talent mit Hebelift. In: bizeps.or.at. Abgerufen am 11. Sept. 2011.
  3. Österreich Premiere: ÖBB-Talent nur mehr mit neuer Rampe. In: BIZEPS.or.at. Abgerufen am 11. Sept. 2011.
  4. Ungarn - Talent-Züge der MAV stillgelegt. In: eurailpress.de. Abgerufen am 3. Sept. 2009.

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