Bombardierung Wiens im Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs wurden über fünfzig Bombenangriffe auf Wien durchgeführt. Der schwerste Angriff fand am 12. März 1945 statt, dabei wurden etliche Gebäude und Kulturdenkmäler zerstört oder schwer beschädigt und hunderte Menschen getötet.

Inhaltsverzeichnis

Beginn der Angriffe

Der Flakturm im Augarten gehörte zum Luftverteidigungsystem der Stadt

Da Wien bis 1944 außerhalb der Reichweite der britischen Langstreckenbomber lag, galt es oftmals als „Luftschutzkeller des Deutschen Reiches“. Erst mit dem Einmarsch der Alliierten in Italien geriet Wien in Reichweite der amerikanischen Bomberflotten, die in Foggia ihre größte Luftwaffenbasis errichteten.

Am 17. März 1944, ein halbes Jahr nach dem ersten Bombardement auf „österreichisches“ Gebiet, erfolgte ein Luftangriff auf Wien. Primäres Ziel war zunächst, die Treibstoffproduktion in der Raffinerie Floridsdorf in Floridsdorf zu unterbinden sowie den Versorgungsweg Donau durch Verminung stillzulegen.

Im Juni 1944 wurde aufgrund der Invasion in der Normandie ein Großteil der deutschen Luftwaffe nach Westen verlegt. Trotz der vergleichsweise geringeren Gefahr mussten die amerikanischen und britischen Luftstreitkräfte in dieser Zeit ihre größten Verluste hinnehmen. Etwa ein Zehntel eines Geschwaders mit 550 Bombern wurde zum Absturz gebracht. Die deutsche Luftwaffe war hier trotz ihrer numerischen Unterlegenheit sehr effektiv, da sie im Großraum Wien zwar nur über wenige, dafür aber sehr gut ausgebildete Piloten verfügte. Unterstützt wurde sie in Wien von dem Ring aus Flakgeschützen, der um die Stadt angelegt war, sowie den Flaktürmen, die in der Stadt errichtet worden waren. Flugzeuge, die im Anflug auf Wien waren, konnten somit von zwei Seiten unter Beschuss genommen werden.

Aufgrund des Mangels an Treibstoff lag die Aufgabe der Abwehr schon im Herbst 1944 alleine in den Händen der Flaktürme. Wurden im April des selben Jahres noch 175.000 Tonnen Treibstoff raffiniert, waren es im September nur noch 5.000 Tonnen.

Im Februar 1945 erlangten die Alliierten die absolute Luftherrschaft. Um die Abschüsse durch die Flak zu reduzieren, wurden die Geschwader geteilt und die Angriffe mit mehreren, kleineren Formationen geflogen.

Taktiken

Über die Ziele der Luftangriffe waren sich die Alliierten bereits 1943 einig, nicht aber über die Art der Bombardements.

Die britische Luftwaffe flog ihre Angriffe großteils in der Nacht, da die Abschussrate durch Flak und Jäger geringer war, jedoch wurde auch die eigene Treffgenauigkeit eingeschränkt, da in sämtlichen Städten und Ortschaften striktes Verdunkeln vorgeschrieben war. Personen, die ihre Fenster nicht lichtsicher machten, wurden bei der Gestapo als Vaterlandsverräter angezeigt und oft verurteilt, weshalb es kaum jemanden gab, der sich der Verdunklung widersetzte. Um das Ziel dennoch orten zu können, wurden am Anfang des Bombardements Leuchtbomben, sogenannte „Christbäume“, abgeworfen, um die Ziele für die nachfolgenden Bomber offen zu legen. Auch flogen die Briten nicht in fixen Formationen wie die Amerikaner, sondern jeder Bomber musste das Ziel selbstständig anvisieren und bombardieren.

Im Gegensatz dazu griff die amerikanische Luftwaffe fast gänzlich während des Tages an, um sogenannte Präzisionsangriffe machen zu können. Auch flogen die amerikanischen Flugzeuge in fixen Formationen, geschützt von Begleitjägern gegen Angriffe durch deutsche Jäger. Der Bombenabwurf geschah auf Befehl der Führungsmaschine.

Selbst gegen Ende des Krieges hatten die Alliierten keinen Konsens in der Taktik gefunden. Das Ergebnis davon war das sogenannte „Around-the-clock-bombing“, da Bomber bei jeder Tageszeit auftauchten.

Trotzdem wurden die österreichischen Städte von Flächenbombardements mit konventionellen Bomben und Brandbomben weitestgehend verschont, anders als deutsche Städte wie Dresden. Auch wenn es zu Fehlern kam, wurde auf dem österreichischen Gebiet mit wesentlich mehr Taktik agiert als im „Altreich“. Auch wurden über österreichischem Gebiet viel öfter Flugzettel mit dem Aufruf zu kapitulieren verteilt. Der Grund hierfür war, dass die Alliierten Österreich als Opfer Hitlerdeutschlands sahen, das es zu befreien galt.

Auswirkungen

Die Auswirkungen des strategischen Bombardierens wurden von den Alliierten teilweise stark überschätzt. Die Rüstungsindustrie konnte ihre Produktion trotz Bombardierung steigern. Die Fabriken wurden in bombensichere Gebiete verlagert (beispielsweise in die Seegrotte Hinterbrühl) oder versteckt. Der Einsatz von Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen in der Rüstungsindustrie bot den Nazis ein ungebrochenes Arbeitskräftepotenzial.

Anders war es allerdings bei der Treibstoffindustrie. Die großen Raffinerien konnten nicht so einfach und schnell versteckt oder verlagert werden. Auch war der Öltransport über die Donau (von Rumänien) gestoppt, so dass die Nachlieferung von Rohöl eingeschränkt war. Der Treibstoffmangel war der Hauptgrund für das Erliegen der deutschen Luftwaffe.

Die Verkehrsinfrastruktur, die gegen Ende des Krieges primäres Angriffsziel war, wurde zwar beeinträchtigt, doch kam sie nicht zum Erliegen. Es wurden schon vor Beginn des Bombenkriegs Umfahrungen und Umleitungen für die Verkehrsknotenpunkte errichtet, so dass sich die Versorgung zwar verlangsamte, nicht aber gestoppt wurde.

Schwerster Angriff am 12. März 1945

Das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus an der Stelle des zerstörten Philipphofs

Am Jahrestag des Anschlusses bestand zunächst die Hoffnung, dass Bombardements aufgrund des herannahenden schlechten Wetters ausbleiben würden. Dennoch bereitete sich die US-Luftwaffe in Foggia auf den größten Bombenangriff vor, der je gegen das österreichische Gebiet geflogen wurde.

Geplantes Ziel war die Ölraffinerie in Floridsdorf, die von Norden her angeflogen werden sollte. 747 Bomber, begleitet von 229 Jagdflugzeugen, bombardierten 1½ Stunden lang die Stadt. Die Ölraffinerie, das eigentliche Ziel, bekam aber keinen schwerwiegenden Treffer ab. Getroffen wurde aber zum Teil das Zentrum der Stadt: Die Staatsoper und das Burgtheater brannten aus, der Heinrichshof, die Albertina und der Messepalast trugen größere Gebäudeschäden davon und der Philipphof stürzte komplett in sich zusammen. Rund 200 Menschen, die in dem als besonders sicher geltenden Luftschutzkeller dieses Gebäudes Schutz gesucht hatten, kamen ums Leben. Bis heute liegen die meisten dieser Opfer unter dem Platz begraben, auf dem nun das 1988 von Alfred Hrdlicka errichtete Mahnmal gegen Krieg und Faschismus steht.[1]

Das Naziregime verurteilte dieses Bombardement als „Terror gegen Wien“ und beschuldigte die Alliierten außerdem, dass sie die Löschmannschaften mit Tieffliegern beschossen hätten.

Offiziell war die Sicht wetterbedingt zu schlecht, um das Ziel exakt anvisieren zu können. Doch Fotos des Angriffs, direkt nach dem Angriff, zeigen einen wolkenlosen Himmel. Militärexperten glauben heute, dass die Bomben noch abgeworfen wurden, als die Flieger schon nach Süden abdrehten. Da zwischen Floridsdorf und der Inneren Stadt nur 15 Flugsekunden liegen, gilt diese Theorie heute als bestätigt.

Statistik

Stadt Angriffe Bomben Tote Gebäudeschäden in % des Bestandes
Graz 56 1980 1200 33
Innsbruck 22 504 344 60
Klagenfurt 48 477 434 69
Linz 22 1679 691 33
Salzburg 16 531 423 32
St. Pölten 10 591 71 39
Villach 37 c.a. 42.500 266 478 85
Wien 53 über 100.000 8769 6214 28
Wr. Neustadt 29 c.a. 55.000 790 1707 88

Die Treffergenauigkeit hing sehr vom Wetter ab. Bei guter Sicht schlugen rund 40 % Prozent der Bomben innerhalb von 300 Metern ein, weitere 20 % innerhalb von 600 Metern und 40 % außerhalb von 600 Metern. Bei totaler Bewölkung trafen trotz Zielgerät nur 0,2 % der Bomben das Ziel in einem Radius von 300 Metern.

Um einen Bomber vom Boden aus abzuschießen, wurden etwa 5000 Schuss mit dem leichten und etwa 3400 Schuss mit dem schweren Kaliber abgeschossen. Bei Tag wurde nur eine von 125 Maschinen abgeschossen, bei Nacht eine von 145. Allerdings wurden rund ein Drittel der Maschinen stark beschädigt.

Einzelnachweise

  1. Der Philipphof am Albertinaplatz (Version aus dem Internet Archive vom 28. September 2007, da Original nicht mehr verfügbar)

Literatur

  • Marcello La Speranza: Bomben über Wien. Zeitzeugen berichten. Ibera, 2003.

Weblinks


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