Bomber der Nation
Gerd Müller
Spielerinformationen
Voller Name Gerhard Müller
Geburtstag 3. November 1945
Geburtsort NördlingenDeutschland
Größe 176 cm
Position Stürmer
Vereine in der Jugend
1960–1963 TSV 1861 Nördlingen
Vereine als Aktiver1
Jahre Verein Spiele (Tore)
1963–1964
1964–1979
1979–1981
1981-1982
TSV Nördlingen
FC Bayern München
Fort Lauderdale Strikers
Smiths Brothers Lounge
33 0(46)
427 (365)
80 0(40)
 ? (?)
Nationalmannschaft
1966–1974 Deutschland 62 0(68)

1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Gerhard „Gerd“ Müller (* 3. November 1945 in Nördlingen), genannt Der Bomber der Nation, Der Bomber oder Kleines dickes Müller, ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler. Mit 68 Toren in 62 Länderspielen für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft weist er bis heute die mit Abstand beste Torquote aller deutschen Nationalspieler auf.

Sein Markenzeichen war die blitzschnelle Drehung auf engstem Raum mit überraschendem Torschuss selbst aus ungünstigsten Positionen. Das geschickte Ausnutzen von Unaufmerksamkeiten der gegnerischen Abwehr („Abstaubertore“) machte ihn ebenso bekannt. Berühmt ist sein Zusammenspiel mit Franz Beckenbauer, der ihn mit vielen Traumpässen bediente, seine Auftritte im sogenannten Jahrhundertspiel gegen Italien während der WM 1970 sowie im WM-Finale von 1974 sind legendär. Wegen seiner Torgefährlichkeit stellten viele Mannschaften gleich zwei Gegenspieler zu seiner Manndeckung ab.

Inhaltsverzeichnis

Vereinslaufbahn

Müller begann seine Fußballkarriere beim TSV 1861 Nördlingen, wo er in der Saison 1962/1963 18 Treffer erzielte. Nachdem er sich beim TSV 1860 München beworben hatte, kam zur Vertragsunterzeichnung ein Vertreter Bayern Münchens dem der 60er um wenige Stunden zuvor. Müller glaubte bis zur Unterschrift, die Herren aus München seien vom TSV 1860. Doch die Bayern waren ihm genau so recht. Und so wechselte er 1964 zum FC Bayern München in die Regionalliga Süd (damals die zweithöchste Spielklasse). 1965 stieg der Verein in die Bundesliga auf. In der Aufstiegssaison erzielte Gerd Müller in seinem ersten Jahr beim FC Bayern gleich 33 Tore bei 26 Einsätzen.

Mit dem FC Bayern gewann der Stürmer viermal die Deutsche Meisterschaft, viermal den DFB-Pokal, dreimal den Europapokal der Landesmeister, einmal den Europapokal der Pokalsieger sowie den Weltpokal. Er wurde siebenmal Torschützenkönig der Bundesliga, zweimal Europas Torschützenkönig, zweimal Deutschlands Fußballer des Jahres und einmal Europas Fußballer des Jahres. Gerd Müller erzielte in fünf Spielzeiten je 30 oder mehr Tore, in der Saison 1971/72 erzielte er 40 Tore, eine seither nicht mehr erreichte Anzahl.

In den europäischen Vereinswettbewerben erzielte er 66 Tore in 74 Spielen und führt damit die Rangliste deutlich an. 35 gelangen ihm im Europapokal der Landesmeister, wo er mit einer Quote von 1,0 die beste Quote der Top-12-Torschützen aufweist, 20 im Europapokal der Pokalsieger, 7 im Messepokal und 4 im UEFA-Pokal.[1]

Im Jahr 1979 wechselte er in die US-amerikanische Profiliga zu den Fort Lauderdale Strikers, wo er bis zum Jahr 1981 spielte, anschließend folgte noch ein Jahr bei dem Klub Smiths Brothers Lounge, wo er 1982 seine Karriere beendete.

Deutsche Nationalmannschaft

Gerd Müller gibt 1967 Autogramme auf Fußbälle, im Hintergrund: Franz Beckenbauer und Sepp Maier

Seine Karriere in der Nationalmannschaft begann am 12. Oktober 1966 in Ankara gegen die Türkei. In seinem zweiten Länderspiel am 8. April 1967 in Dortmund gegen Albanien erzielte er die ersten vier seiner 68 Tore in der Nationalelf - eine Zahl, die ihm noch drei weitere Male gelang. Zudem gelangen ihm in vier Spielen jeweils drei Tore. Damit ist er der Spieler, dem es am häufigsten gelang mindestens drei Tore in einem Spiel zu erzielen. Nur in 24 seiner 62 Länderspiele schoss er kein Tor. Er ist bis heute der erfolgreichste Torschütze der deutschen Nationalmannschaft, gefolgt von Jürgen Klinsmann und Rudi Völler mit jeweils 47 Treffern.

Der erste Höhepunkt seiner Länderspielkarriere war das Halbfinale der WM 1970 in Mexiko gegen Italien, in dem er zwei Tore in der Verlängerung schoss (Endstand 3:4). Als Müller bei diesem Spiel zwei Verteidigern auf der Torlinie den schon geklärten Ball noch vom Fuß ins Tor spitzelte, kommentierte dies Fernsehreporter Ernst Huberty mit den Worten: Wenn Sie jemals ein echtes Müller-Tor gesehen haben, dann dieses. Wegen seiner Klasse und Spannung wurde das Spiel selbst als Jahrhundertspiel bekannt, Müller wurde bei dem Turnier mit 10 Treffern Torschützenkönig.

1972 wurde Gerd Müller mit der DFB-Auswahl Europameister; bei diesem Turnier wurde er wieder mit vier Treffern Torschützenkönig.

Die Länderspielkarriere endete am 7. Juli 1974 mit dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft in seinem Heimatstadion in München, wo er im Finale gegen die Niederlande das Siegtor zum 2:1 schoss. Sein Rekord von insgesamt 14 erzielten Treffern bei Weltmeisterschaften hielt 32 Jahre, bis er bei der Fußball-WM 2006 vom brasilianischen Spieler Ronaldo übertroffen wurde, der vier Weltmeisterschaften benötigte, um 15 Tore zu schießen. Müller hingegen erzielte bei nur zwei WM-Teilnahmen 14 Tore. Noch besser war Just Fontaine bei der WM 1958 mit 13 Toren.

Nach der Weltmeisterschaft 1974 erklärte Gerd Müller (gemeinsam mit Paul Breitner) seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Er begründete dies damals mit Verärgerung über den Umgang des DFB mit den Spielerfrauen (Platzierung in den Stadien, Nichteinladung zum Festbankett). Inzwischen ist er davon abgerückt und sagt, der Entschluss zum Rücktritt sei bereits vor der WM gefallen und habe persönliche Gründe gehabt.

Statistik als Spieler

Gerd Müller erzielte 68 Tore in 62 Länderspielen (eine Quote von 1,097, die bei einer vergleichbaren Anzahl von Spielen nur knapp von Sándor Kocsis übertroffen wird), 365 Tore in 427 Bundesligaspielen und wurde am häufigsten Torschützenkönig der Bundesliga (7 mal). Er hält nicht nur den Rekord innerhalb einer Bundesliga-Saison mit 40 Treffern (1971/72), sondern auch die zweitbeste (38 Tore 1969/70) und drittbeste (36 Tore 1972/73) Marke. Von 1966/67 bis 1977/78 befand sich Gerd Müller 12 Saisons in Folge unter den Top 3 der Bundesliga-Torschützenliste und erzielte dabei jedes Mal mindestens 20 Tore. Gerd Müller erzielte in fünf Spielzeiten mindestens 30 Tore; dies gelang, allerdings nur jeweils einmal, noch den Spielern Uwe Seeler, Lothar Emmerich, Jupp Heynckes und Dieter Müller. Gerd Müller ist der einzige Bundesliga-Spieler, der es innerhalb einer Saison schaffte – bei mindestens 20 geschossenen Toren – mehr Tore zu erzielen als Spiele zu absolvieren (1969/70, 1971/72, 1972/73, 1975/76, 1976/77). Dazu hält Müller den Vorsprung-Rekord (18 Tore) zwischen dem Ersten und Zweiten der Bundesliga-Torschützenliste (40:22 in der Saison 1971/72 und 38:20 1969/70). Er ist der erfolgreichste Stürmer der deutschen Fußballgeschichte (Stand Juni 2008).

Er hat bei zwei WM-Teilnahmen, Mexiko (1970) und Deutschland (1974), 14 Tore erzielt und belegte in der ewigen WM-Torschützenliste 32 Jahre lang Platz 1. Bei der WM 2006 in Deutschland wurde er vom Brasilianer Ronaldo abgelöst, der bei vier Weltmeisterschaften (drei gespielten) insgesamt 15 Tore erzielte. Bei Europameisterschaften erzielte Müller 16 Tore (in 12 Spielen, einschließlich Qualifikationsrunden). Zählt man nur die Tore bei Endrunden, ist Müller nicht bei den Besten zu finden, da die EM-Endrunden bis einschließlich 1976 nur aus Halbfinale und Finale bestanden. Insgesamt erzielte Gerd Müller in Pflicht- und Freundschaftsspielen 1.455 dokumentierte Tore in 1.204 Spielen (1,21 Tore/Spiel).

Gerd Müller wurde 1970 (mit 38 Toren) und 1972 (mit 40 Toren) jeweils zum besten Torschützen aller europäischen Ligen gekürt. Im Gegensatz zur Phase von 1996/97 bis heute, in der die Torschützenkönige aus stärkeren Ligen durch Multiplikation mit dem Faktor 2 oder 1,5 bevorzugt werden, schoss Müller damals tatsächlich die meisten Tore aller Spieler in Europa.[2] Außerdem ist Müller neben Edmund Conen der einzige Deutsche, der in einem Weltmeisterschaftsspiel einen klassischen Hattrick erzielen konnte. In zwei weiteren Länderspielen gelangen ihm Hattricks, darunter sogar vier Tore hintereinander zwischen der 49. und 65. Minute beim Spiel Deutschland gegen die Sowjetunion am 26. Mai 1972. In acht seiner 62 Länderspiele schoss Gerd Müller drei oder mehr Tore.

Nach der Profilaufbahn

Nachdem er in Fort Lauderdale, Florida (USA), erfolglos ein Restaurant betrieben hatte, kehrte er nach Europa zurück. Er verfiel der Alkoholkrankheit, die er jedoch überwinden konnte. Anfang der 1990er Jahre erhielt er – vermittelt durch Franz Beckenbauer – eine Stelle als Trainer im Amateur- und Jugendbereich des FC Bayern München. Zur Zeit ist er Co-Trainer der zweiten Mannschaft des Vereins. Sein Vertrag läuft noch bis 2010.

Erfolge

Vereinstitel mit Bayern München

Titel mit der Deutschen Nationalmannschaft

Persönliche Ehrungen

Sonstiges

  • Müller erhielt 1972 und 1976 den Bronzenen, 1975 den Silbernen und 1973 und 1974 den Goldenen Bravo Otto der Jugendzeitschrift BRAVO.
  • Der brasilianische Fußballspieler Luis Antonio Correa da Costa gab sich in Anlehnung an Gerd Müller den Künstlernamen „Müller“.
  • Gerd Müller engagierte sich für das Team der Augsburger Benefiz-Fußballelf Datschiburger Kickers, die sich dem Fundraising für wohltätige Zwecke verschrieben hat.
  • Mit dem Lied „Dann macht es bumm“ betätigte er sich als Sänger.
  • Müller ist verheiratet und hat eine Tochter.
  • Seit Juli 2008 gibt es in seinem Heimatort Nördlingen (im Rieser Sportpark) ein Gerd-Müller-Stadion.

Quellen

  1. Players' Records of Goals and Matches in European Cups
  2. Golden Boot ("Soulier d'Or") Awards

Weblinks


Vorgänger Amt Nachfolger

Gianni Rivera
Europas Fußballer des Jahres
1970

Johan Cruyff

Franz Beckenbauer
Franz Beckenbauer
Deutschlands Fußballer des Jahres
1967
1969

Franz Beckenbauer
Uwe Seeler

Eusébio (Portugal)
WM-Toptorschütze
1970

Grzegorz Lato (Polen)



Lothar Emmerich
Hannes Löhr
Lothar Kobluhn
Dieter Müller
Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga
1966/67 (mit Lothar Emmerich)
1968/69, 1969/70
1971/72, 1972/73, 1973/74 (mit Jupp Heynckes)
1977/78 (mit Dieter Müller)



Hannes Löhr
Lothar Kobluhn
Jupp Heynckes
Klaus Allofs

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