Bonhoeffer-Kreis
Dietrich Bonhoeffer im August 1939[1]

Dietrich Bonhoeffer (* 4. Februar 1906 in Breslau; † 9. April 1945 im KZ Flossenbürg) war ein lutherischer Theologe, profilierter Vertreter der Bekennenden Kirche und deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Mit 24 Jahren bereits habilitiert, wurde Bonhoeffer nach Auslandsaufenthalten in Spanien und New York Privatdozent für Evangelische Theologie in Berlin. Daneben war er Jugendreferent und Mitglied in der Vorgängerorganisation des Ökumenischen Rates. Schon kurz nach Adolf Hitlers Machtergreifung nahm er deutlich Stellung gegen die nationalsozialistische Judenverfolgung und engagierte sich früh im Kirchenkampf gegen die Deutschen Christen und den Arierparagraphen. Ab 1935 war er Leiter des Predigerseminars der Bekennenden Kirche in Finkenwalde, das bis 1940 auch illegal weitergeführt wurde. Etwa ab 1938 schloss er sich dem Widerstand um Wilhelm Franz Canaris an. 1940 erhielt er Redeverbot und 1941 Schreibverbot. Am 5. April 1943 wurde er verhaftet und nach zwei Jahren als einer der letzten mit dem 20. Juli 1944 in Verbindung gebrachten Gegner Hitlers hingerichtet.

Bonhoeffer war ein sehr eigenständiger Theologe, der die Bedeutung der Bergpredigt und Nachfolge Jesu besonders betonte und persönlich vorlebte. In seinen Gefängnisbriefen entwickelte er Visionen für eine künftige Ökumene an der Seite der Armen und Gedanken zu einer nichtreligiösen Interpretation von Bibel und Gottesdienst.

Inhaltsverzeichnis

Kindheit und Jugend (1906–1923)

Gedenktafel am Haus Bartel-Straße 7 in Breslau, in dem Bonhoeffer geboren wurde
Bonhoeffer-Denkmal in Wrocław/Breslau

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau als das sechste von acht Kindern – wenige Minuten vor seiner Zwillingsschwester Sabine – geboren. Sein Vater war Karl Bonhoeffer, einer der führenden Psychiater und Neurologen seiner Zeit. Seine Mutter Paula Bonhoeffer, geborene von Hase, war Lehrerin und stammte aus einer Familie evangelischer Theologen (Karl von Hase) und Künstler (Cauer, von Kalkreuth; Urgroßeltern waren Anna Eleonore geb. Cauer und Stanislaus von Kalckreuth). Die Brüder Arvid und Falk Harnack, beide ebenfalls NS-Widerstandskämpfer, waren seine Vettern. Während Arvid hingerichtet wurde, überlebte Falk die Nazi-Diktatur und wurde ein bekannter Regisseur. Bonhoeffer wuchs in einer großbürgerlichen Familie auf, die stets Hausbedienstete hatte. Die Mutter unterrichtete die Kinder in den ersten Jahren daheim. 1912 zog die Familie nach Berlin um, weil der Vater einen Ruf auf einen für ihn eingerichteten Lehrstuhl an der Universität Berlin erhalten hatte.

Schon als Kind hatte Bonhoeffer sich nach den Schilderungen seiner Zwillingsschwester während des Krieges intensiv mit Fragen über den Tod und die Ewigkeit auseinandergesetzt. Der Tod seines zweitältesten Bruders Walter im Ersten Weltkrieg, den er bewusst erlebte, machte ihn sehr betroffen. Während der Vater sich von Fragen der Religion fernhielt, sorgte seine Mutter für eine christliche Erziehung. Der Kirche stand die Familie eher fern und besuchte nur selten den Gottesdienst. Als Schüler las Bonhoeffer Schleiermachers Reden über die Religion und Naumanns Briefe über Religion und befasste sich mit Kirchengeschichte. In der Prima wählte er Hebräisch als Wahlfach und gab Theologie als Berufswunsch an.

1923 bestand Bonhoeffer mit 17 Jahren am Berliner Grunewald-Gymnasium das Abitur. Auch sein Bruder Klaus Bonhoeffer und sein späterer Schwager Hans von Dohnanyi legten dort ihre Prüfung ab.

Studium und Ausbildung (1923–1930)

Nach der bestandenen Prüfung nahm Bonhoeffer in Tübingen das Studium der Theologie auf. Seine Familie war von der Wahl seines Studienfachs erstaunt, unterstützte ihn aber in seinem Vorhaben. Zusätzlich hörte er Vorlesungen in Philosophie. In Tübingen schloss er sich der Akademischen Verbindung Igel an.

Nach einem Studienaufenthalt in Rom wechselte Bonhoeffer 1924 nach Berlin. Dort begegnete er der Theologie Karl Barths, den er neben Adolf von Harnack zu seinen prägendsten Lehrern zählte. Mit 21 Jahren promovierte er 1927 in Berlin summa cum laude mit der parallel zum Weiterstudium angefertigten Dissertation Sanctorum Communio („Gemeinschaft der Heiligen“). Im Januar 1928 legte er das Erste Theologische Examen vor dem Konsistorium der Berlin-Brandenburgischen Provinzialkirche der Kirche der Altpreußischen Union ab.

1928 wurde er Vikar in der deutschen evangelischen Kirchengemeinde von Barcelona, 1929 Assistent an der Berliner Universität, wo er 24-jährig mit der Schrift „Akt und Sein“ über Transzendentalphilosophie und Ontologie in der systematischen Theologie habilitiert wurde. 1930 legte er das Zweite Theologische Examen ab. Für die Ordination war er noch zu jung, da er das dafür vorgeschriebene Mindestalter von 25 Jahren noch nicht erreicht hatte.

Es folgte ein Jahr als Stipendiat am Union Theological Seminary in New York. Dort lernte er in den Kirchengemeinden Harlems praktische Pastoralarbeit kennen und erlebte die Folgen der Weltwirtschaftskrise, die besonders die Afroamerikaner und Farmer traf. Obwohl er der US-amerikanischen Theologie skeptisch gegenüberstand, beeinflusste ihn das Social Gospel stark. Veranlasst durch kritische Rückfragen der Amerikaner sowie den strikten Pazifismus seines französischen Mitstudenten Jean Lasserre begann der bis dahin in politischen Fragen zurückhaltende Bonhoeffer sich mit dem Thema Frieden auseinanderzusetzen.

Lehrauftrag, Pfarramt und Ökumene (1931–1933)

Dietrich Bonhoeffer mit Schülern 1932

Nach seiner Rückkehr lehrte Bonhoeffer als Assistent bei Wilhelm Lütgert an der Berliner Universität. Seine erste Vorlesung im Wintersemester 1931/32 befasste sich mit der Geschichte der systematischen Theologie des 20. Jahrhunderts. Zugleich hielt er ein Seminar über Die Idee der Philosophie und die protestantische Theologie. 1932 folgte eine Vorlesung über das Wesen der Kirche in betonter Abgrenzung von Harnacks Wesen des Christentums; 1933 las er über Christologie.

Seine Lehrveranstaltungen wurden gut besucht und – unüblich – mit Gebeten eingeleitet. Bonhoeffer überraschte seine vom aufstrebenden Nationalsozialismus bewegten Hörer auch durch unter seinen Dozentenkollegen singuläre Aussagen zum Zeitgeschehen. Der nächste Krieg sei entschlossen zu ächten,

„aus dem Gehorsam gegen das uns heute treffende Gebot Gottes, daß Krieg nicht mehr sein soll, weil er den Blick auf die Offenbarung raubt.“

Otto Dibelius ließ an der Technischen Hochschule in Charlottenburg 1931 erstmals eine Studentengemeinde einrichten, zu deren Leitung er Bonhoeffer beauftragte. Sie wurde jedoch von den Studenten überwiegend abgelehnt und 1933 beendet. Außerdem übernahm Bonhoeffer eine Konfirmandengruppe an der Zionskirche in einem Arbeiterviertel in Berlin-Mitte. Anfängliche Disziplinprobleme löste er mit Erzählen biblischer Geschichten, ohne die Jugendlichen zu deren Auswendiglernen zu nötigen. Er lehrte sie außerdem Schach und Englisch und beschenkte jeden zu Weihnachten, u. a. mit Stoff für einen Konfirmationsanzug. Schon im Sommer 1931 schrieb er für seine Konfirmanden mit Franz Hildebrandt einen neuen Katechismus mit dem Titel Glaubst du, so hast du. Darin sprachen sich beide ausdrücklich gegen einen heiligen Krieg und für das Gebet um Frieden aus. 1932 richtete Bonhoeffer zudem eine „Jugendstube“ für arbeitslose Jugendliche ein, die jedoch 1933 von den Nationalsozialisten als „kommunistisch“ aufgelöst wurde.

Plakette für Bonhoeffer an der St. Matthäuskirche in Berlin-Tiergarten

Am 15. November 1931 wurde Bonhoeffer in der Berliner St. Matthäuskirche zum Pfarrer der Kirche der Altpreußischen Union ordiniert. Aufgrund seiner Erfahrungen versuchte er zweimal vergeblich, eine Pfarrstelle im Berliner Osten zu erhalten. Zudem übernahm er die Aufgabe eines Jugendsekretärs des ökumenischen Weltbunds für die Freundschaftsarbeit der Kirchen (WFK).

Während eines dreiwöchigen Seminarbesuchs in Bonn traf Bonhoeffer erstmals Karl Barth persönlich. Beide trafen sich danach einige Male und standen im theologischen Gedankenaustausch. Bonhoeffer betonte damals schon stärker als Barth die Orientierung des Christen an der Bergpredigt und die praktische Nachfolge Jesu als Aufgabe der Kirche.

An den Wochenenden zog Bonhoeffer zum Meditieren und Diskutieren mit seinen Studenten häufig in eine märkische Jugendherberge und kaufte 1932 eigens dafür eine Hütte am Rand Berlins in Biesenthal. Aus diesem zwanglosen „Bonhoefferkreis“ junger Theologen gingen enge Freundschaften, ab 1933 Mitstreiter im Kirchenkampf und ökumenische Delegationen hervor. Auch seine Predigten zogen viele Hörer in den Bann. So sagte er 1932 nach dem Regierungswechsel zu Franz von Papen in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche:

„Nicht das ist Ungehorsam, daß wir so wenig religiös sind, sondern daß wir eigentlich ganz gern religiös wären …, sehr beruhigt darüber, wenn irgendeine Regierung die christliche Weltanschauung proklamiert … je frömmer wir sind, umso weniger [lassen] wir [es] uns sagen, daß Gott gefährlich ist, daß Gott seiner nicht spotten lässt …“

DBW 11,441

Kirchenkampf (1933–1939)

Das Jahr 1933

Entgegen der weit verbreiteten Euphorie unter den Protestanten nahm Bonhoeffers Familie die Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 sehr kritisch wahr. Sein Vater Karl sagte dazu sofort: „Das bedeutet Krieg.“

Am 1. Februar 1933 hielt Bonhoeffer den Radiovortrag Wandlungen des Führerbegriffes. Er sagte darin primär an die Adresse seiner von der „nationalen Revolution“ begeisterten Mitchristen:[2]

„Lässt der Führer sich vom Geführten dazu hinreißen, dessen Idol darstellen zu wollen – und der Geführte wird das immer von ihm erhoffen –, dann gleitet das Bild des Führers über in das des Verführers … Führer und Amt, die sich selbst vergotten, spotten Gottes.“

Die Rundfunkübertragung wurde aufgrund dieser unmissverständlichen Kritik am nationalsozialistischen „Führerprinzip“ und Hitlerkult abgebrochen.

Durch seinen engen Freund und Mitpfarrer Franz Hildebrandt und seinen Schwager Gerhard Leibholz, beide jüdischer Herkunft, erlebte Bonhoeffer die Folgen der nationalsozialistischen Judenverfolgung von Beginn an unmittelbar mit. Er wusste früh, dass diese Situation ihm Alles abverlangen würde. Das, was ihn im Studium, dann von Katheder und Kanzel herab beschäftigt hatte – Christi reale Gegenwart in der Kirche und die persönliche Nachfolgepraxis – wurde nun schneller als erwartet erschreckend konkret für ihn. Er hatte schon 1932 in einer Predigt hellsichtig gesagt:[3]

„… dann müssen wir uns nicht wundern, wenn auch für unsere Kirche wieder Zeiten kommen werden, wo Märtyrerblut gefordert werden wird. Aber dieses Blut, wenn wir denn wirklich noch den Mut und die Ehre und die Treue haben, es zu vergießen, wird nicht so unschuldig und leuchtend sein wie jenes der ersten Zeugen. Auf unserem Blute läge große eigene Schuld: Die Schuld des unnützen Knechtes, der hinausgeworfen wird in die Finsternis.“

Auf den Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 reagierte Bonhoeffer sofort, indem er versuchte, über seinen Freund Paul Lehmann aus den USA den Chief-Rabbi von New York über die deutschen Ereignisse zu informieren. Er begann den Aufsatz Die Kirche vor der Judenfrage, den er nach dem am 7. April 1933 erlassenen Arierparagraphen entscheidend ergänzte. Er schloss ihn am 15. April ab, trug ihn dann einem Pfarrerkreis vor, wobei einige den Raum unter Protest verließen, und ließ ihn im Juni drucken, noch bevor Zensurmaßnahmen des NS-Regimes dies unmöglich machten.

Bonhoeffer thematisierte damit als einer der ersten evangelischen Theologen neben Heinrich Vogel (Kreuz und Hakenkreuz 27. April) das Verhältnis der NS-Rassenideologie zum christlichen Glauben. Er folgte zunächst der lutherischen Zwei-Reiche-Lehre und gestand dem Staat das Recht zu, die „Judenfrage“ gesetzlich zu regeln, ohne dass die Kirche sich in seine Politik einmischen solle:[4]

„Ohne Zweifel ist eines der geschichtlichen Probleme, mit denen unser Staat fertig werden muss …, und ohne Zweifel ist der Staat berechtigt, hier neue Wege zu gehen.“

Er griff auch die traditionelle antijudaistische Fluchtheorie auf:[5]

„Niemals ist in der Kirche Christi der Gedanke verloren gegangen, daß das ‚auserwählte Volk‘, das den Erlöser der Welt ans Kreuz schlug, in langer Leidensgeschichte den Fluch seines Leidens tragen muss.“

Doch in den ergänzten Thesen nahm er zur gegenwärtigen Abschaffung des Rechtsstaates und ideologischen Gleichschaltung Stellung:[6]

„Der Staat, der die christliche Verkündigung gefährdet, verneint sich selbst.“

DBW 12,353

Daraus folgerte er drei kirchliche Aufgaben:

„1. Die Kirche hat den Staat zu fragen, ob sein Handeln von ihm als legitim staatliches Handeln verantwortet werden könne … 2. Die Kirche ist den Opfern jeder Gesellschaftsordnung in unbedingter Weise verpflichtet, auch wenn sie nicht der christlichen Gemeinde zugehören … 3. Wenn die Kirche den Staat ein Zuviel oder ein Zuwenig an Ordnung und Recht ausüben sieht, kommt sie in die Lage, nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen.“

Zu den ersten beiden Aufgaben sah er die Kirche im deutschen Staat aktuell gefordert, den direkten kirchlichen Widerstand gegen diesen Staat wollte er jedoch nicht den Einzelnen entscheiden lassen:[7]

„Die Notwendigkeit des unmittelbar politischen Handelns der Kirche hingegen ist jeweils von einem ‚evangelischen Konzil‘ zu entscheiden und kann mithin nie vorher kasuistisch konstruiert werden.“

Bonhoeffer grenzte sich damit bewusst von den meisten Mittheologen ab, die allenfalls die Kirchenmitgliedschaft der Judenchristen als Problem sahen, und erhob die Verteidigung der Menschenrechte überhaupt zur gesamtkirchlichen Pflicht. Dabei hoffte er damals noch auf ein gemeinsames, vom Glaubensbekenntnis bestimmtes Handeln der Ökumene. Doch dieser Konzilsgedanke war seinen lutherisch geprägten Hörern ebenso fremd wie die unter Umständen zu politischem Widerstand für die Juden nötige Christusnachfolge. Damit nahm Bonhoeffer das Hauptproblem der 1934 gegründeten Bekennenden Kirche schon vorweg: Ab wann ist die Kirche von ihrer eigenen Botschaft her genötigt, dem Staatshandeln nicht nur für den eigenen Bereich zu widersprechen, sondern insgesamt zu widerstehen? Während die meisten „Bekennenden Christen“ fast nur die getauften Juden in den eigenen Reihen gegen Staatsübergriffe verteidigten, trat Bonhoeffer von Beginn an für das gesamte verfolgte Judentum ein. Damit war er auch den Bekennern gedanklich und praktisch so weit voraus, dass ihm die wenigsten folgen konnten. Als er dies später erkannte, entschied er sich in voller individueller Verantwortung für den direkten Widerstand gegen das NS-Regime.

Ab Juni 1933 überstürzten sich die Ereignisse in der evangelischen Kirche: Eine Mehrheit der Deutschen Christen (DC) in der Preußischen Landeskirche setzte die Generalsuperintendenten dort ab und einen Staatskommissar, August Jäger, ein. Hitler ernannte Ludwig Müller zu seinem Vertrauensmann für Kirchenfragen, die DC versuchten ihn zum Reichsbischof zu machen. Bonhoeffer richtete nun alles Augenmerk auf die Bildung einer wirksamen evangelischen Opposition. Er schlug einen Beerdigungsstreik bis zum Rücktritt des Staatskommissars vor, den jedoch niemand für möglich hielt (doch in Norwegen führte dieses Mittel 1941 tatsächlich zur Rücknahme staatlicher Übergriffe der NS-Besatzer).

Nach dem erdrutschartigen Wahlsieg der DC (ca. 70 Prozent Stimmenanteile) gegen die Jungreformatorische Bewegung bei den vom Staat kurzfristig anberaumten Kirchenwahlen am 23. Juli 1933 versuchten verschiedene Gruppen, die neuen Amtsinhaber ihrer Kirchen mit „Bekenntnissen“ zur Stellungnahme über ihren Glauben zu zwingen. Dazu erhielt Bonhoeffer zusammen mit dem Erlanger Theologen Hermann Sasse den Auftrag, einen reichsweit einheitlichen Bekenntnisentwurf zu formulieren. Der damalige Betheler Dozent für Altes Testament, Wilhelm Vischer, formulierte den Erstentwurf des Artikels über die „Judenfrage“. Der gemeinsame Entwurf erschien Ende August 1933 und wurde von Pfarrer Bodelschwingh, dem anerkannten Leiter der Betheler Anstalten, an 20 Gutachter versandt. Diese entschärften den Text dann vor allem bezüglich des kirchlichen Eintretens für die Juden gegen den Staat aus Bonhoeffers Sicht so weit, dass er schließlich die Unterzeichnung ablehnte. Dennoch war das Betheler Bekenntnis ein wichtiger Schritt zur Gründung der Bekennenden Kirche im Mai 1934.

Nach der Einführung des Arierparagraphen in der evangelischen Kirche auf der altpreußischen Generalsynode am 6. September 1933 in Berlin schlug Bonhoeffer den oppositionellen Pfarrern den Austritt aus der zum Staatsanhängsel gewordenen Kirche vor, deren Verfassung er nun als Häresie ansah. Er fand jedoch damals noch kaum Zustimmung für eine Kirchenspaltung; selbst Karl Barth sah noch Möglichkeiten einer innerkirchlichen Opposition. Daraufhin gründete Bonhoeffer mit Martin Niemöller und anderen den Pfarrernotbund zum Schutz der bedrohten Amtsbrüder jüdischer Herkunft. Er verfasste für dessen Mitglieder die erste Version einer Selbstverpflichtung, die bereits die Bereitschaft zum Martyrium und den Alleinvertretungsanspruch auf die wahre Kirche einschloss. Der Notbund bildete das organisatorische Bindeglied zwischen der nach ihrer Wahlniederlage abbröckelnden jungreformatorischen Bewegung und der nun entstehenden Bekennenden Kirche.

Danach nahm Bonhoeffer an einem Treffen der Ökumene in Sofia teil, wo er die Auslandsvertreter umfassend über die deutschen Vorgänge und Hintergründe informierte. Vor der Wahl Ludwig Müllers zum Reichsbischof am 27. September 1933 entwarf er ein deutlich formuliertes Flugblatt Der Arierparagraph in der Kirche; nachts plakatierte er mit Freunden noch Protestplakate an Bäume und Laternen.

London (1933–1935)

Statue Bonhoeffers (ganz rechts) und anderer Märtyrer des 20. Jahrhunderts am Westportal von Westminster Abbey in London

Dann entschied Bonhoeffer sich zunächst, ein Angebot für eine Auslandspfarrstelle in London vom Juli 1933 anzunehmen. Am 17. Oktober 1933 zog er nach England, wo er im südlichen Londoner Vorort Forest Hill Pfarrer zweier deutschsprachiger Kirchengemeinden wurde. In einem langen Brief an Karl Barth vom 24. Oktober begründete er dies damit, dass er nicht mehr in der von den DC gelenkten Kirche Christ sein könne, mit dieser Auffassung immer stärker auch unter Freunden isoliert sei und Abstand zu den Vorgängen gewinnen wolle, um später umso konzentrierter eingreifen zu können. Barth antwortete:[8]

„Sie müßten jetzt alle noch so interessanten denkerischen Schnörkel und Sondererwägungen fallen lassen und nur das eine bedenken, daß Sie ein Deutscher sind, daß das Haus Ihrer Kirche brennt, daß Sie genug wissen und, was Sie wissen, gut genug zu sagen wissen, um zur Hilfe befähigt zu sein, und daß Sie im Grunde mit dem nächsten Schiff auf Ihren Posten zurückkehren müssten!“

Zwar tat Bonhoeffer dies nicht sofort, doch es bewegte Barth später sehr, dass er mit dieser Reaktion Bonhoeffers Entscheidung zur Rückkehr nach Deutschland, die seine Hinwendung zum Widerstand und seinen Märtyrertod zur Folge hatte, mitbeeinflusst hatte.

In London lernte er auch den anglikanischen Bischof von Chichester, George Kennedy Allen Bell kennen, der in der ökumenischen Bewegung hohe Ämter bekleidete und sich stark für soziale Belange einsetzte. Bell wurde einer seiner engsten Freunde und Partner im Kirchenkampf. Für einige Monate arbeitete auch Franz Hildebrandt, den er seit 1927 kannte, mit ihm in London. Er war wie Bonhoeffers Schwager Gerhard Leibholz, nach 1945 Verfassungsrechtler, jüdischer Abstammung und von der Judenverfolgung betroffen. Gefördert durch Bonhoeffers Engagement traten die englischen Auslandskirchengemeinden offen gegen die Deutschen Christen auf und forderten den Rücktritt von Ludwig Müller. Diesen verlangte Bell brieflich von Paul von Hindenburg.

1934 bildete sich infolge der Zuspitzung des innerevangelischen Konflikts um den Arierparagraphen die „Bekennende Kirche“. Auf der Gründungssynode in Wuppertal-Barmen wurde am 31. Mai die von Karl Barth verfasste Barmer Theologische Erklärung nach einem erklärenden Referat von Hans Asmussen einstimmig angenommen. Auch ein Reichsbruderrat wurde hier gewählt. In den folgenden Monaten zeigten sich besonders die lutherischen Landeskirchen von Thüringen, Schleswig-Holstein, Lübeck, Sachsen sowie den Kirchenprovinzen in Altpreußen aufgrund ihrer staatskirchlichen Tradition nicht dazu fähig und willens, dem Bekenntnis organisatorisch zu folgen und ihrer Gleichschaltung entschlossen zu widerstehen. Dort gewannen nach Synodalwahlen Bischöfe und Juristen Führungsämter, die den Deutschen Christen angehörten.

In dieser Lage setzte Bonhoeffer alle Hoffnung auf die junge Ökumene. Er versuchte in erheblichen Konflikten im Vorfeld zu erreichen, dass zur Jugendkonferenz des Weltbundes in Fanö im August 1934 nur Befürworter der Barmer Erklärung als deutsche Delegation eingeladen wurden. Er selbst trat dort sowohl als Vertreter der Bekennenden Kirche als auch als Jugendsekretär auf. Bei der Morgendandacht am 28. August hielt er vor der Vollversammlung ein Einleitungsreferat unter dem Titel Die Kirche und die Völkerwelt, das viele als Friedenspredigt empfanden. Es wurde gehalten, als Pazifisten in Deutschland bereits von SA-Truppen terrorisiert und in die Konzentrationslager gesteckt wurden. Bei den folgenden Debatten wurde jedoch deutlich, dass die Delegationen aus Ungarn und Polen, die sich von Deutschland bedroht sahen, den Krieg als nationalen Widerstand nicht völlig ausschließen wollten.

Finkenwalde (1935–1937)

Am 15. April 1935 kehrte Bonhoeffer nach Deutschland zurück, nachdem er kurzzeitig eine Indienreise zu Gandhi erwogen hatte. Er übernahm für die Bekennende Kirche nun die Ausbildung angehender Pastoren im Predigerseminar Zingsthof, das später nach Finkenwalde (in Pommern östlich Stettin) umzog. Einer seiner ersten Studenten dort war Eberhard Bethge, sein späterer Briefpartner und Biograf. Im Rahmen dieser Lehrtätigkeit entstand das Buch Nachfolge, das Karl Barth nach dem Kriege als das mit Abstand Beste, was dazu geschrieben ist, bezeichnete. Hier entwickelte Bonhoeffer seine Vorstellung davon, dass Kirche nicht nur Gemeinschaft von Seelen, nicht nur Verkündigung, sondern vor allem auch realer Leib Christi auf Erden ist. Glauben kann dazu führen, dass man das Kloster verlassen muss. Er kann aber auch fordern, ein neues Kloster zu begründen oder sich in die Politik einzumischen.

1937 wurde das Predigerseminar vom Staat geschlossen, illegal aber weitergeführt. Danach führte Bonhoeffer, offiziell als Hilfsprediger in Schlawe tätig, die Vikarsausbildung für die Bekennende Kirche, nun getarnt als „Sammelvikariat“ und gedeckt von mutigen Superintendenten und Pfarrern, in Köslin und Groß Schlönwitz, später im Sigurdshof bis März 1940 weiter, bis auch hier die Gestapo eingriff. Seine Finkenwalder Erfahrungen reflektierte Bonhoeffer in seinem Buch Gemeinsames Leben.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus (1938–1945)

Erste Kontakte (1938–1939)

1938 entschloss sich die Familie seiner Zwillingsschwester Sabine, deren Ehemann Gerhard Leibholz jüdischer Abstammung war, aufgrund der weiteren Verschärfung der Judengesetzgebung nach England zu emigrieren. Bonhoeffer nutzte seine Verbindungen nach England, wo Leibholz als Berater des Bischofs Bell, der mittlerweile dem englischen Oberhaus angehörte, tätig wurde.

Es ergaben sich über seinen Schwager Hans von Dohnanyi erste Kontakte zu Wilhelm Canaris, Hans Oster, Karl Sack und Ludwig August Theodor Beck (siehe auch Persönlichkeiten des 20. Juli 1944). In dieser Zeit war Bonhoeffer in der Ökumenischen Bewegung aktiv; sein Bestreben war, die christlichen Kirchen weltweit zum Einsatz gegen die laufenden Kriegsvorbereitungen zu bewegen. Aufgrund dieser Aktivitäten lernte er hohe kirchliche Würdenträger in ganz Europa kennen.

Am 10. März 1939 brach Bonhoeffer zu Gesprächen u. a. mit George Bell nach London auf, wo er erneut für eine Anerkennung der Bekennenden Kirche durch den Vorläufigen Weltrat der ökumenischen Kirche warb. Gegenüber dem neuen Generalsekretär, Willem Adolf Visser 't Hooft, sprach er offen von seinen Kriegserwartungen. Trotz Sympathien konnte er nichts Grundlegendes erreichen und kehrte Mitte April nach Deutschland zurück. Am 2. Juni folgte er einer zweiten Einladung in die USA, schlug aber bereits am 20. Juni die Bitte seines Gastgebers Smith-Leiper aus, einen Lehrstuhl in Harlem zu übernehmen, da er seine Rolle im heraufziehenden Krieg im Widerstand in der Heimat sah. Nur so sah er für sich das Recht, nach dem erwarteten Krieg an einer Erneuerung der Kirche in Deutschland mitzuwirken.

Auf der Rückreise nach Deutschland machte er in London bei seiner Schwester und ihrer Familie Station. Hier erfuhr Bonhoeffer von der Ermordung des Pfarrers der Bekennenden Kirche Paul Schneider in Buchenwald. Seinen Nichten Marianne und Christiane gegenüber betonte er, dass Schneider der erste Märtyrer der evangelischen Kirche im Dritten Reich sei. Darum sollten sie sich diesen Namen gut merken.

Bonhoeffer kam am 27. Juli wieder nach Berlin, nahm im Herbst seine Tätigkeit auf dem Sigurdshof wieder auf und suchte nun Kontakte zur Spionageabwehr.

Mitarbeit (ab 1940)

Nachdem die Gestapo am 17. März 1940 das letzte Sammelvikariat auf dem Sigurdshof schloss – die Arbeit in Köslin war schon im Herbst 1939 zu Ende gegangen –, und am 14. Juli eine von Bonhoeffer geleitete Freizeit polizeilich aufgelöst wurde, führte er Gespräche mit Hans Oster und seinem Schwager Hans von Dohnanyi über eine „Unabkömmlichstellung(UK-Stellung) für Abwehraufträge. Seine aus der ökumenischen Bewegung bestehenden Kontakte sollte Bonhoeffer für die Verschwörer nutzen, um mit den Alliierten Verhandlungen einzuleiten. Bonhoeffer war also nicht an der Planung der Attentate selbst beteiligt, sondern diente als Verbindungsmann, offiziell im Auftrag der Abwehr. Am 22. August 1940 erhielt Bonhoeffer „wegen seiner volkszersetzenden Tätigkeit“ Redeverbot „für das gesamte Reichsgebiet“. Ein Verbot schriftstellerischer Tätigkeit folgte im März 1941.

Die nun in Gang kommende systematische Judenverfolgung und andere Grausamkeiten der Regierung bewegten Bonhoeffer zu einer Neubewertung der Situation. In seinem Elternhaus trafen sich eine Reihe von Gegnern des nationalsozialistischen Regimes, die teilweise hohe Positionen innerhalb der Abwehr oder der Wehrmacht innehatten; diese Personen beabsichtigten, Hitler durch ein Attentat umzubringen. Bonhoeffer schloss sich diesem Widerstandskreis nach langem Bedenken an. Die Frage des Tyrannenmordes (Darf ein Christ gegen das Gebot „Du sollst nicht morden“ verstoßen?) beschäftigte ihn zutiefst; seine Gedanken zu dieser Fragestellung finden sich im Buch Ethik wieder, an dem er vor allem im September und Oktober 1940 in Klein-Krössin arbeitete.

Stellvertretendes Schuldbekenntnis

Zu den bis heute von den Kirchen so nicht nachgesprochenen Passagen der Ethik Bonhoeffers gehört ein an den Zehn Geboten orientiertes Schuldbekenntnis, das seine Erfahrungen mit dem Versagen der Bekennenden Kirche gegenüber der Judenverfolgung seit 1933 spiegelt und stellvertretend dafür Verantwortung übernimmt:

„Das Bekenntnis der Schuld geschieht ohne Seitenblick auf die Mitschuldigen. Es ist streng exklusiv, indem es alle Schuld auf sich nimmt. […] durch nichts anderes bezwingt uns Christus stärker als dadurch, daß er unsere Schuld bedingungslos und vollständig auf sich nahm, sich für schuldig erklärte an unserer Schuld und uns frei ausgehen ließ. Der Blick auf diese Gnade Christi befreit gänzlich vom Blick auf die Schuld der anderen […] Mit diesem Bekenntnis fällt die ganze Schuld der Welt auf die Kirche, auf die Christen, und indem sie hier nicht geleugnet, sondern bekannt wird, tut sich die Möglichkeit der Vergebung auf. […][9]

„Es ist zunächst die ganz persönliche Schuld des Einzelnen, die hier als vergiftende Quelle der Gemeinschaft erkannt wird. […] Ich bin schuldig des ungeordneten Begehrens, ich bin schuldig des feigen Verstummens, wo ich hätte reden sollen, ich bin schuldig der Heuchelei und der Unwahrhaftigkeit angesichts der Gewalt, ich bin schuldig der Unbarmherzigkeit und der Verleugnung der Ärmsten meiner Brüder, ich bin schuldig der Untreue und des Abfalls von Christus. […] Diese vielen Einzelnen schließen sich ja zusammen in dem Gesamt-Ich der Kirche. In ihnen und durch sie erkennt die Kirche ihre Schuld.[10]

„Die Kirche bekennt, ihre Verkündigung von dem einen Gott, der sich in Jesus Christus für alle Zeiten offenbart hat und der keine anderen Götter neben sich leidet, nicht offen und deutlich genug ausgerichtet zu haben. […] Sie hat dadurch den Ausgestoßenen und Verachteten die schuldige Barmherzigkeit oftmals verweigert. Sie war stumm, wo sie hätte schreien müssen, weil das Blut der Unschuldigen zum Himmel schrie. […] Die Kirche bekennt, die willkürliche Anwendung brutaler Gewalt, das leibliche und seelische Leiden unzähliger Unschuldiger, Unterdrückung, Haß und Mord gesehen zu haben, ohne ihre Stimme für sie zu erheben, ohne Wege gefunden zu haben, ihnen zu Hilfe zu eilen. Sie ist schuldig geworden am Leben der schwächsten und wehrlosesten Brüder Jesu Christi. […] Die Kirche bekennt, begehrt zu haben nach Sicherheit, Ruhe, Friede, Besitz, Ehre, auf die sie keinen Anspruch hatte, und so die Begierden der Menschen nicht gezügelt, sondern gefördert zu haben. Die Kirche bekennt sich schuldig des Bruchs aller zehn Gebote, sie bekennt darin ihren Abfall von Christus. […] Durch ihr eigenes Verstummen ist die Kirche schuldig geworden an dem Verlust an verantwortlichem Handeln, an Tapferkeit des Einstehens und der Bereitschaft, für das als recht Erkannte zu leiden. Sie ist schuldig geworden an dem Abfall der Obrigkeit von Christus.[11]

„Ist das zuviel gesagt? War denn nicht die Kirche nach allen Seiten gehindert und gebunden? Stand nicht die ganze weltliche Gewalt gegen sie? Durfte denn die Kirche ihr Letztes, ihre Gottesdienste, ihr Gemeindeleben gefährden, indem sie den Kampf mit den antichristlichen Gewalten aufnahm? So spricht der Unglaube … Das freie Schuldbekenntnis ist ja nicht etwas, daß man tun oder auch lassen könnte, sondern es ist der Durchbruch der Gestalt Jesu Christi in der Kirche, den die Kirche an sich geschehen läßt oder sie hört auf, Kirche Christi zu sein. […] Indem die Kirche ihre Schuld bekennt, entbindet sie die Menschen nicht von eigenem Schuldbekenntnis, sondern sie ruft sie in die Gemeinschaft des Schuldbekenntnisses hinein. Nur als von Christus gerichtete kann die abgefallene Menschheit vor Christus bestehen. Unter dieses Gericht ruft die Kirche alle, die sie erreicht.[12]

Konspiration (1941–1942)

Am 30. Oktober wurde Bonhoeffer der Abwehrstelle München zugeordnet, stand also im Dienst des NS-Staates – bei gleichzeitigem Redeverbot und ab März 1941 auch Schreib- und Veröffentlichungsverbot. Ab dem 17. November hielt er sich im Kloster Ettal auf.

1941/42 unternahm er – u. a. mit Helmuth von Moltke für die deutsche Spionageabwehr und zugleich den internen Widerstandskreis – Reisen nach Norwegen, Schweden und in die Schweiz. In Sigtuna und Stockholm traf er am 31. Mai/1. Juni 1942 mit George Bell zusammen und übergab ihm geheime Dokumente über den Kreis der Widerständler und ihre Ziele für die britische Regierung. Damit verbunden war die Bitte um eine öffentliche Erklärung der Alliierten, zwischen Deutschen und Nazis nach Kriegsende zu unterscheiden. Auf diese Weise hoffte der Kreisauer Kreis die Erfolgsaussicht des geplanten Hitlerattentats zu steigern. Der britische Außenminister Anthony Eden ließ Bell jedoch wissen, dass eine Unterstützung des Widerstands oder auch nur eine Antwort nicht im nationalen Interesse Großbritanniens liege.

Zur Jahreswende 1942/43 schrieb Bonhoeffer einen sehr persönlichen Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre, in denen sein Widerstand gegen den NS-Terror reifte und ihm zu bleibenden Erkenntnissen über christliche Lebenshaltung verhalf. Er thematisierte Zivilcourage, Ehrlichkeit und den „Blick von unten“ aus der Perspektive der Opfer einer gewalttätigen Gesellschaft. In seiner Betrachtung der im Widerstand erlernbaren Alltagstugenden hieß es:[13]

„Man muß damit rechnen, daß die meisten Menschen nur durch Erfahrungen am eigenen Leibe klug werden. […]
Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen. Den Christen rufen nicht erst die Erfahrungen am eigenen Leibe, sondern die Erfahrungen am Leibe der Brüder, um derentwillen Christus gelitten hat, zur Tat und zum Mitleiden.“

An hervorgehobener Stelle stand sein individuelles Glaubensbekenntnis: [14]

„Ich glaube, daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müßte alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, daß auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und daß es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, daß Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern daß er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.“

Die letzten Jahre

Heiratspläne und Festnahme (1943-1944)

Berliner Gedenktafel am Bonhoefferhaus in der Marienburger Allee; hier wurde er am 5. April 1943 verhaftet

Mitte Januar 1943 verlobte Bonhoeffer sich mit Maria von Wedemeyer (* 1924; † 1977).

Am 13. März und 21. März wurden aus der Gruppe um Canaris, Oster und Klaus Bonhoeffer Anschläge auf Adolf Hitler verübt, die fehlschlugen. Am 5. April wurde Dietrich Bonhoeffer auf Grund eines zufälligen Aktenfunds bei seinem Schwager Hans von Dohnanyi wegen „Wehrkraftzersetzung“ verhaftet und im Untersuchungsgefängnis der Wehrmacht in Tegel gefangen gehalten. Im September 1943 wurde Anklage erhoben (die Anklageschrift[15] wurde erst 1991 im Militärhistorischen Archiv Prag wieder aufgefunden). Das gegen Bonhoeffer eingeleitete Strafverfahren vor dem Reichskriegsgericht wurde jedoch zunächst von höheren Beamten, z.B. Karl Sack, die Verbindungen zu Widerstandskreisen hatten, nach Kräften aufgehalten.

Am 20. Juli 1944 unternahm Claus Graf Schenk von Stauffenberg ein weiteres Attentat auf Adolf Hitler. Es ging knapp fehl und Hitler kam nur wenig zu Schaden. Bei den nachfolgenden intensiven Verhören der Gestapo konnte Bonhoeffer und anderen Mitverschwörern keine Beteiligung daran nachgewiesen werden.

Ein interner Streit führte aber am 22. September 1944 zum Aktenfund in Zossen. – Zur Aufbewahrung von Akten gab es in Widerstandskreisen zwei Ansichten. Zum einen meinten manche, dass Akten, die die Widerstandstätigkeit belegten, aufbewahrt werden müssten, um den Alliierten nach für sie erfolgreichem Krieg nachzuweisen, dass es in Deutschland schon lange Opposition gegen Hitler gab und auf welche Personen die Sieger sich nun verlassen könnten; so etwa Hans von Dohnanyi. Demgegenüber meinten Bonhoeffer u. a., dass um der Sicherheit der Widerstandskämpfer willen keinerlei Dokumente aufbewahrt werden dürften.

Aus Sorge um seine Familie verzichtete Bonhoeffer am 5. Oktober auf eine mögliche Flucht; er befürchtete Sippenhaftung. Am 8. Oktober 1944 geriet er in die Hände der Gestapo und kam nun in den Gestapo-Keller in der Prinz-Albrecht-Straße 8, wo sich die Zentrale der damaligen Gestapo befand. (Heute: Niederkirchnerstraße in Berlin-Kreuzberg). Das Gelände gehört heute zur im Jahre 2004 entstandenen Gedenkstätte Topographie des Terrors.

„Stationen auf dem Weg zur Freiheit“

Als Reaktion auf das gescheiterte Attentat und im Wissen darum, dass seine Lage immer aussichtsloser wurde, verfasste Bonhoeffer im August dieses Gedicht[16]:

Stationen auf dem Wege zur Freiheit

Zucht.
Ziehst Du aus, die Freiheit zu suchen, so lerne vor allem
Zucht der Sinne und deiner Seele, daß die Begierden
und deine Glieder dich nicht bald hierhin, bald dorthin führen.
Keusch sei dein Geist und dein Leib, gänzlich dir selbst unterworfen,
und gehorsam, das Ziel zu suchen, das ihm gesetzt ist.
Niemand erfährt das Geheimnis der Freiheit, es sei denn durch Zucht.

Tat.
Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen,
nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer ergreifen,
nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit.
Tritt aus ängstlichem Zögern heraus in den Sturm des Geschehens,
nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen,
und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend empfangen.

Leiden.
Wunderbare Verwandlung. Die starken, tätigen Hände
sind dir gebunden. Ohnmächtig, einsam siehst du das Ende
deiner Tat. Doch atmest du auf und legst das Rechte
still und getrost in stärkere Hand und gibst dich zufrieden.
Nur einen Augenblick berührtest du selig die Freiheit,
dann übergabst du sie Gott, damit er sie herrlich vollende.

Tod.
Komm nun, höchstes Fest auf dem Wege zur ewigen Freiheit,
Tod, leg nieder beschwerliche Ketten und Mauern
unsres vergänglichen Leibes und unsrer verblendeten Seele,
daß wir endlich erblicken, was hier uns zu sehen missgönnt ist.
Freiheit, dich suchten wir lange in Zucht und in Tat und in Leiden.
Sterbend erkennen wir nun im Angesicht Gottes dich selbst.

Bonhoeffer hatte am eigenen Leib gelernt, dass das Geheimnis der Freiheit nur der entdecken kann, der Selbstbeherrschung, Wagnis des Eingreifens, Hingabe und Annahme von Leiden und Tod aus Gottes Hand in seinem Lebenslauf erfährt. Der Satz „Nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit“ wandte sich gegen alle lutherischen, pietistischen und liturgischen Rückzüge aus dem politischen Gottesdienst, wie sie damals etwa die Alpirsbacher und die Berneuchener Bewegung vertraten. In die gleiche Richtung zielt Bonhoeffers lediglich mündlich überlieferter Satz: „Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen.“[17]

„Von guten Mächten“

Einem Brief vom 19. Dezember 1944 an seine Verlobte legte Bonhoeffer einen Text als „Weihnachtsgruß für Dich und die Eltern und Geschwister“ bei:[18]

„Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr;

noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das Du uns geschaffen hast.

Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann woll’n wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört Dir unser Leben ganz.

Laß warm und hell die Kerzen heute flammen
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen!
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.“

Das Gedicht sprach den Angehörigen Trost in einer Situation zu, die von den Schrecken der NS-Herrschaft und des Krieges geprägt ist: Die zwei Söhne Klaus und Dietrich sowie die zwei Schwiegersöhne Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher waren inhaftiert, die Tochter Sabine, Dietrichs Zwillingsschwester, war wegen ihres jüdischen Mannes Gerhard Leibholz ins Ausland gegangen, der Sohn Walter war gefallen.

Der Text wurde nach 1945 besonders bekannt und etwa 50-mal vertont. In das Evangelische Gesangbuch wurde die Melodie von Otto Abel (1959) als Nr. 65 (Zur Jahreswende) aufgenommen; populär wurde auch die Melodie von Siegfried Fietz.

Hinrichtung

Die Hinrichtungsstelle Bonhoeffers: der Hof des Arrestblocks im KZ Flossenbürg
Büste Bonhoeffers in der Gedenkkapelle Flossenbürg

Am 17. Januar 1945 schrieb Bonhoeffer den letzten Brief an seine Eltern. Am 7. Februar wurde er in das KZ Buchenwald verlegt, wo er den britischen Mitgefangenen Payne Best kennen lernte. Am 5. April 1945 ordnete Adolf Hitler die Hinrichtung aller noch nicht exekutierten „Verschwörer“ des 20. Juli 1944 an und damit auch die Dietrich Bonhoeffers. Ein SS-Gericht, oft fälschlich als Standgericht bezeichnet, verurteilte daraufhin – neben Dietrich Bonhoeffer – Wilhelm Canaris, Hans Oster, Karl Sack und Ludwig Gehre am 8. April 1945 zum Tode durch den Strang. Der Prozess war ein reiner Scheinprozess, um dem Mord das Mäntelchen des Justizförmigen umzuhängen; die Prozessakten gegen Bonhoeffer, die bei einem Bombenangriff auf Berlin verbrannt waren, lagen nicht vor. Ankläger war Walter Huppenkothen, der zuvor bereits in einem flüchtigen Standgericht den halb besinnungslos auf einer Trage liegenden von Dohnanyi, den Schwager Dietrich Bonhoeffers, zum Tode verurteilen ließ. Richter über Bonhoeffer war Otto Thorbeck, Inhaber der Chefrichterstelle beim SS- und Polizeigericht in München (schon 1941 aus dem regulären Justizdienst ausgeschieden), der als Vorsitzender amtierte. Beisitzer waren der Kommandant des KZ Flossenbürg Max Koegel und eine weitere unbekannte Person. Verteidiger waren nicht anwesend, Zeugen wurden nicht vernommen. Die Verhandlung fand ohne Protokollführer statt; eine neue Akte wurde nicht angelegt. Huppenkothen und Thorbeck wurden 1956 wegen des Flossenbürgverfahrens vom BGH lediglich wegen Beihilfe zum Mord verurteilt (Text des Urteils unter Links).

Bevor Bonhoeffer zur Hinrichtung am 8. April in das KZ Flossenbürg gebracht wurde, trug er Payne besondere Grüße an Bischof Georg Bell auf, falls er seine Heimat erreichen sollte, und sagte zum Abschied nach Paynes Erinnerung:

„Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens. (tell him that this is for me the end, but also the beginning – with him I believe in the principle of our Universal Christian brotherhood which rises above all national hatreds and that our victory is certain – tell him, too, that I have never forgotten his words at our last meeting.[19]

Zur Erniedrigung der Angeklagten und Belustigung des SS-Personals mussten sich alle zur Hinrichtung Bestimmten zuvor völlig entkleiden und nackt zum Galgen gehen. Der Lagerarzt beobachtete die Szene und berichtete später, Bonhoeffer habe völlig ruhig und gesammelt gewirkt, sich von allen Mithäftlingen verabschiedet und ein kurzes Gebet gesprochen. Der Bericht des Lagerarztes wurde kurz vor dessen eigenem Tod 1955 schriftlich Wolf-Dieter Zimmermann mitgeteilt und ist in dessen Buch "Begegnungen mit Dietrich Bonhoeffer" veröffentlicht worden. Mittlerweile gilt als gesichert, dass dieser Bericht nicht authentisch ist. Es muss zudem davon ausgegangen werden, dass Dietrich Bonhoeffer und die übrigen Verurteilten einen langen und qualvollen Tod erdulden mussten.

Dietrich Bonhoeffer wurde in der Morgendämmerung des 9. April 1945 erhängt.

Vergangenheitsbewältigung

Justiz

Am 15. September 1945 erstattete Adolf Grimme, der zur Roten Kapelle gehört hatte, Anzeige gegen den NS-Richter Manfred Roeder wegen Beteiligung an den Urteilen gegen Dietrich Bonhoeffer, Hans von Dohnanyi und 49 Mitglieder der Roten Kapelle. Das Verfahren wurde jedoch – sehr umstritten – eingestellt.

Das Todesurteil gegen Bonhoeffer und andere Widerstandskämpfer galt bis in die 1990er Jahre offiziell als rechtsgültig, so dass seinen Verwandten z.B. keine Entschädigungen als Verfolgten des Naziregimes zugesprochen wurden. Erst durch einen Bundestagsbeschluss wurden NS-Unrechtsurteile für nichtig erklärt und damit auch Bonhoeffer formell für unschuldig erklärt.

Er nahm die Konsequenz seines Widerstands, den Tod als Rechtsbrecher im Sinne des Staatsgesetzes, bewusst an. Er sah sich nicht als „unschuldig“, sondern nahm seinen Tod als Folge seines Handelns aus Gottes Hand: „Wer das Schwert nimmt, kann (wird) durch das Schwert umkommen.“ (Mt 26,52). Seine „Ethik“ erklärt ausdrücklich, dass ein Christ im Gehorsam gegen Jesus Christus wagen muss, Sünde auf sich zu nehmen: ja dass er in die Lage kommen kann, um der Liebe und Wahrheit willen alle Gebote zu übertreten, lügen, betrügen, stehlen und sogar morden zu müssen.

Kirche

Bonhoefferskulptur vor der St.-Petri-Kirche in Hamburg

Wie wenig das in Bonhoeffers Kirche verstanden wurde, zeigt die Tatsache, dass die Berlin-Brandenburgische Landeskirche seinen Namen 1945 in der Kanzelabkündigung zum ersten Jahrestag des 20. Juli 1944 verschwieg. Zudem hieß es in der Empfehlung an die Pfarrer, Christen könnten den Anschlag „niemals gutheißen, in welcher Absicht er auch ausgeführt sein mag. Aber unter denen, die haben leiden müssen, waren Ungezählte, die einen solchen Anschlag niemals gewollt haben.“

Als echter christlicher Märtyrer galt nur Paul Schneider, der im KZ aus der Zelle heraus über den Appellplatz die SS als Mörder angeklagt und ein Bibelwort gerufen hatte, daraufhin an eine völlig überhitzte Heizung gefesselt und von einem SS-Arzt zu Tode gespritzt wurde, der aber – wie man meinte – keinen politischen Widerstand im engeren Sinn des Wortes geübt hatte. Diese Trennung in gute und böse Märtyrer wurde von denselben Amtsträgern vollzogen, die Hitler großenteils begeistert zugejubelt hatten, ihre Kirchenglocken zu seinem Geburtstag läuten ließen und diese dann als Material für die Waffenherstellung ohne Protest abgaben.

Einige Bielefelder Pastoren protestierten 1948 gegen Straßenbenennungen nach Bonhoeffer, „weil wir die Namen unserer Amtsbrüder, die um ihres Glaubens willen getötet sind, nicht in eine Reihe mit politischen Märtyrern gestellt wissen wollen.“ Darauf antwortete der Vater Karl Bonhoeffer:[20]

„Mein Sohn hätte an sich gewiß nicht den Wunsch gehabt, daß Straßen nach ihm benannt werden. Andererseits bin ich überzeugt, daß es nicht nach seinem Sinn wäre, sich von den aus politischen Gründen ums Leben Gebrachten, mit denen er jahrelang im Gefängnis und KZ zusammen gelebt hat, zu distanzieren.“

Er verzichtete darauf, Einspruch gegen die Straßenbenennung zu erheben.

Im ehemaligen Wohnhaus von Karl Bonhoeffer, in welchem auch Dietrich Bonhoeffer während seiner Aufenthalte in Berlin lebte, richtete die Evangelische Landeskirche Berlin 1987 die Erinnerungs- und Begegnungsstätte Bonhoeffer-Haus ein.

Einige Schulen, manche davon mit kirchlichen Trägern, wurden nach Bonhoeffer benannt (siehe Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium).

Ökumene

Dietrich Bonhoeffer hatte seine Wahl in voller individueller Verantwortung getroffen, weil die Kirche seiner Zeit nicht zu einem rechtzeitigen Widerstand bereit und fähig gewesen war. In seinen Gefängnisbriefen entwarf er die Vision einer zukünftigen Kirchengestalt ohne staatliche Privilegien an der Seite der Armen und Verfolgten. Während diese Vision in Deutschland und Mitteleuropa weithin unbeachtet blieb, ist sie in den Armuts- und Befreiungsbewegungen der Ökumene außerhalb Europas aufgegriffen und teilweise umgesetzt worden: etwa in Südafrika noch während des Apartheidregimes oder den Basisgemeinden Brasiliens und Mittelamerikas sowie der dort entstandenen Befreiungstheologie.

Bonhoeffers Pazifismus wirkte stark in jeweils aktuelle Diskussionen wie die um die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik, den 2. Golfkrieg oder den Kosovokrieg.[21] Sein Aufruf zu einem ökumenischen Friedenskonzil motivierte entscheidend den in der Friedensbewegung der 1980er Jahre entstandenen Konziliaren Prozess.

Bereits 1945 gab die Ökumenische Kommission für die Pastoration der Kriegsgefangenen in Genf ein 60-seitiges Heft mit dem Titel Das Zeugnis eines Boten, zum Gedächtnis von Dietrich Bonhoeffer heraus. Darin veröffentlichte der ÖRK die ihm im Mai bekanntgewordene Nachricht von Bonhoeffers Ermordung mit einem kurzen Lebenslauf. Zudem berichtete Willem Adolf Visser 't Hooft über seine Begegnungen mit Bonhoeffer in London (1939) und Genf (1941) und Fabian von Schlabrendorff über die Zeit 1941 bis 1945, die sie gemeinsam in GESTAPO-Haft verbrachten. Auf weiteren 40 Seiten werden Auszüge aus Bonhoeffers Schriften und Gedichten veröffentlicht, unter diesen mit dem Titel Neujahr 1945 auch das Gedicht Von guten Mächten.

Theologie

Bonhoeffers zentrales Thema sind Jesus Christus und die in ihm begründete Kirche als Leib Christi, die sich zusammensetzt als die Gemeinde der Nachfolger Christi; Kirche als eine von Gott zur Solidarität mit der Welt beauftragte Gemeinschaft. Bonhoeffers Theologie ist nach innen gerichtet, trägt mystische Züge, verliert aber nie den Bezug zur Praxis. Dieses weite Spektrum lädt zu sehr unterschiedlichen Interpretationen seines Werkes ein und macht Bonhoeffer zum Kronzeugen durchaus unterschiedlicher theologischer Schulen und Denkrichtungen.

Jesus Christus als Mitte

Der Mittelpunkt, um den sich Bonhoeffers Theologie entwickelt, ist Jesus Christus. Von diesem Mittelpunkt her ergänzen und bedingen sich theologisches Nachdenken, spirituelle Tiefe und ethisches Verantwortungsbewusstsein. Das geistliche wie geistige Wahrnehmen der Mitte ist die Grundlage christlicher Existenz. Ihr Verlassen – sei es im Dialog mit Religionen und Weltanschauungen, sei es im täglichen Leben – bedeutet die Aufgabe des Christ-Seins.

Die Religionskritik des 19. Jahrhunderts ist für Bonhoeffer in seinem Nachdenken über Christus als dem Grund der Kirche gegenwärtig: Die Fragen nach der Wahrheit theologischer Sätze und Fragen nach der Übereinstimmung mit dem Leben bestimmen seine Theologie. Bonhoeffer sehnt sich nach der Begegnung der Wahrheit und der Wirklichkeit in Christus. Bonhoeffers Werk sperrt sich von diesen Grundüberlegungen her in eine Einordnung in die klassischen Disziplinen evangelischer Universitätstheologie.

Christ-Sein besteht im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen, denn Menschwerdung und Kreuz begründen eine umfassende Liebe zur Welt. In einem Brief an Theodor Litt heißt es 1939:[22]

„Allein weil Gott ein armer, elender, unbekannter, erfolgloser Mensch wurde, und weil Gott sich von nun an allein in dieser Armut, im Kreuz, finden lassen will, darum kommen wir von dem Menschen und von der Welt nicht los, darum lieben wir die Brüder.“

Diesseitigkeit und Kirche

Auch wenn Bonhoeffer individuelle Frömmigkeit und ethisches Handeln des Einzelnen bedenkt, tut er das vor dem Hintergrund des Eingebettet-Seins des Einzelnen in die christliche Gemeinschaft. Einerseits ist deshalb für ihn Theologie betendes Denken, Denken auf Knien innerhalb der Kirche. Anderseits verwirft er im Fragment seiner „Ethik“ das jahrhundertelang vorherrschende Denkmodell der Zwei-Reiche-Lehre: Hier Kirche, da die Welt; hier Evangelium, da Gesetz. Er konstatiert dagegen:[23]

„Je ausschließlicher wir Christus als den Herrn bekennen, desto mehr enthüllt sich die Weite seines Herrschaftsbereiches. […] Die Welt gehört zu Christus und nur in Christus ist sie, was sie ist. Sie braucht darum nichts geringeres als Christus selbst. Alles wäre verdorben, wollte man Christus für die Kirche aufbewahren, während man der Welt nur irgendein, vielleicht christliches, Gesetz gönnt. […] Seit Gott in Christus Fleisch wurde und in die Welt einging, ist es uns verboten, zwei Räume, zwei Wirklichkeiten zu behaupten: Es gibt nur diese eine Welt.“

Bonhoeffer betonte jedoch seine Übereinstimmung mit Martin Luther: „Seine [sc. des Christen] Gehorsamspflicht bindet ihn solange, bis die Obrigkeit ihn direkt zum Verstoß gegen das göttliche Gebot zwingt.“[24] Diese Einschränkung hatte Luther mit Hinweis auf Apg 5,29 EU auch gemacht.[25] Bonhoeffer sah eine klare Trennung zwischen Welt und Gemeinde, betonte aber immer wieder den Auftrag der Gemeinde, der Welt Christus zu verkündigen, der nicht nur für die Gemeinde, sondern für die ganze Welt starb: „Sie [die Welt] steht mit der Gemeinde im Kampf auf Leben und Tod. Dennoch ist es der Auftrag und das Wesen der Gemeinde, gerade dieser Welt ihre Versöhnung mit Gott zuzusprechen und ihr die Wirklichkeit der Liebe Gottes zu enthüllen, gegen die sie blind wütet“,[26] so Bonhoeffer in seiner Ethik und genauso auch in seiner Nachfolge: „Es ist eine kleine Gemeinde, die er gefunden hat, und es ist eine große Gemeinde, die er sucht, wenn er das Volk ansieht. Jünger und Volk, sie gehören zusammen, die Jünger werden seine Boten sein, sie werden auch hier und dort Hörer und Gläubige finden. Und doch, es wird eine Feindschaft bis ans Ende zwischen ihnen sein.“[27]

Bonhoeffer hebt in seinem Denken nicht nur das Nebeneinander-Stehen der beiden Räume und Wirklichkeiten auf. Er befreit auch die jetzige Welt von ihrem herabgeminderten Status des Vorläufigen. Das „Vorletzte“ ist „Hülle des Letzten“, die letzten Dinge zeigen sich in der Geschichte, und diese ist offen für die Möglichkeiten des Reiches Gottes. Wenn dem so ist, kommt der gläubige Mensch nur durch die Welt zu Gott, nicht an der Welt vorbei. Auch hier bricht Bonhoeffer mit alten theologischen Mustern, die den Wert des Natürlichen und die Eigenständigkeit des Diesseitigen abqualifizieren. So kann Bonhoeffer auch den Kritikern wie Ludwig Feuerbach, Karl Marx oder Sigmund Freud etwas entgegensetzen, die den christlichen Glauben als illusionär und auf ein Jenseits vertröstend kritisierten.

Die vorfindliche Kirche beschäftigt Bonhoeffer in verschiedenen Veröffentlichungen. Er leidet an ihr und er ist mit ihr solidarisch. In Anlehnung an Hegels Wort „Gott als Gemeinde existierend“ spricht Bonhoeffer von „Christus als Gemeinde existierend“: Gott tritt in seiner Offenbarung aus sich heraus, er ist nicht frei vom Menschen, sondern frei für den Menschen. Kirche ist gleichwohl „Offenbarungsform“ wie auch „ein Stück Welt“ (Dissertation Sanctorum Communio). 1931 schreibt er in seiner Habilitation Akt und Sein:[28]

„Gott ist da; d.h. nicht in ewiger Nichtgegenständlichkeit, sondern – mit aller Vorläufigkeit ausgedrückt – ,habbar‘, fassbar in seinem Wort in der Kirche.“

So wie „Christus der Mensch für andere ist“, folgt für Bonhoeffer daraus: „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.“[29]. Seiner Kirche hält er dagegen 1944 vor, sie habe „in diesen Jahren nur um ihre Selbsterhaltung gekämpft [...], als wäre sie ein Selbstzweck“.[30]

Ethik

Da der einzelne Christ und die Gemeinschaft der Glaubenden in die Welt gestellt sind, können sie Entscheidungen in konkreten persönlichen und historischen Situationen nicht ausweichen. Bonhoeffer kritisiert eine Ableitung von Normen aus abstrakten Prinzipien:[31]

„Die Kirche darf also keine Prinzipien verkündigen, die immer wahr sind, sondern nur Gebote, die heute wahr sind. Denn, was ›immer‹ wahr ist, ist gerade heute nicht wahr. Gott ist uns ›immer‹ gerade ›heute‹ Gott.“

Nur so kann sich die Fülle des Lebens, die Jesu Botschaft verspricht, erschließen. Die Rechtfertigung des Sünders allein aus Glauben gibt Freiheit des Handelns. Das Wissen, sich durch Tun, aber auch durch Unterlassen schuldig machen zu können, führt nur dann nicht zur Verzweiflung, wenn sich der glaubende Mensch und auch die Gemeinde der „teuren Gnade“ Gottes gewiss sein können. Diese muss nicht durch Nachfolge verdient werden, vollzieht sich aber in der Nachfolge. Sie darf nicht zu einem billigen dogmatischen Satz gerinnen, der keine Konsequenzen hat oder unabhängig von den Kosten der Jüngerschaft ist.[32] In der 1937 fertiggestellten Nachfolge sieht Bonhoeffer den Zusammenbruch der organisierten Kirchen als eine Folge der zu billig erworbenen Gnade und zieht eine negative Bilanz des Volkskirchentums:[33]

„Man gab die Verkündigung und die Sakramente billig, man taufte, man konfirmierte, man absolvierte ein ganzes Volk, ungefragt und bedingungslos. [...] man spendete Gnadenströme ohne Ende, aber der Ruf in die strenge Nachfolge Christi wurde seltener gehört.“

Bonhoeffer akzeptierte als junger Theologe noch Krieg als notwendiges Übel, gelangte jedoch durch eine als Schlüsselerlebnis empfundene Beschäftigung mit der Bergpredigt zu einer radikal neuen Haltung.[34] Auf der internationalen Jugend-Friedenskonferenz in Ciernoborské Kúpele (Tschechoslowakei) 1932 erklärte er, der gegenwärtige Krieg könne nicht mehr gerechtfertigt werden, da er „die sichere Selbstvernichtung beider Kämpfenden“[35] beinhalte. Ihm ging es nicht um einen Pazifismus als allgemeines Prinzip, sondern in der konkreten historischen Situation solle die Kirche die „Idealisierung und Vergötzung“ verweigern, derer der Krieg „bedarf, um leben zu können“ [36]. In Vorwegnahme seines Widerstands grenzt er die Kategorie des Kampfes von der des Krieges ab:[37]

„Dort, wo eine Gemeinschaft des Friedens Wahrheit und Recht gefährdet oder erstickt, muß die Friedensgemeinschaft zerbrochen und der Kampf angesagt werden.“

Auf der Jugendkonferenz in Fanö 1934 rief er die Kirchen aller Länder zum kompromisslosen Einsatz für den Frieden auf:[38]

„Nur das eine große ökumenische Konzil der Heiligen Kirche Christi aus aller Welt kann es so sagen, daß die Welt zähneknirschend das Wort vom Frieden vernehmen muß und daß die Völker froh werden, weil diese Kirche Christi ihren Söhnen im Namen Christi die Waffen aus der Hand nimmt und ihnen den Krieg verbietet und den Frieden Christi ausruft über die rasende Welt … Die Stunde eilt, die Welt starrt in Waffen … die Kriegsfanfare kann morgen geblasen werden – worauf warten wir noch? Wollen wir selbst mitschuldig werden, wie nie zuvor?“

Er zitierte im Blick auf die Rüstungsanstrengungen der Nationalsozialisten und Abrüstungsappelle des Völkerbundes Mahatma Gandhi: „Es gibt keinen Weg zum Frieden – Frieden ist der Weg.“ Nur der rückhaltlose Gewaltverzicht aller Christen weltweit könne die Regierungen zum Einlenken bringen. Sie könnten ihre Waffen unmöglich gegeneinander richten, weil sie „damit die Waffen auf Christus selbst richteten“.

Religionsloses Christentum

Den Bezug der Theologie auf Diesseitigkeit und konkretes Handeln radikalisiert Bonhoeffer in der Haft in Tegel, zum ersten Mal dokumentiert in einem Brief an Eberhard Bethge vom 30. April 1944.[39] Darin und in weiteren erhaltenen Briefen skizziert er das Programm eines religionslosen Christentums und der weltlichen Rede von Gott.

Glauben an Gott gibt es, so Bonhoeffer, nur im Diesseits. Der pure „Jenseits-Gott“ ist das Wesenskonstitutive der „Religion“. Die Bedeutung einer solchen Religion sieht er in seiner Zeit dramatisch schwinden und analysiert, die Zeit der Innerlichkeit, des Gewissens und der klassischen Metaphysik sei vorbei. Er beobachtet auch bei seinen Mitgefangenen, dass der Krieg im Gegensatz zu früheren keine große religiöse Reaktion hervorgerufen hat, den autonomen Menschen lehrt selbst Not nicht mehr beten. Allgemein habe es die Geschichte der Wissenschaft und menschlicher Emanzipation unredlich werden lassen, Gott als Lückenbüßer an den Grenzen der Erkenntnis, in menschlicher (aufzudeckender) Schwäche oder Sünde zu sehen. Bonhoeffer kritisiert es, diese Grenzen auszunutzen, um ängstlich Raum für Gott auzusparen. Ein solcher Gottesbegriff ist für den mündigen Menschen sinnlos geworden, und selbst Tod und Sünde sind keine echten Grenzen mehr bzw. diese wird nicht verstanden.

Gegen eine solche defensive Haltung innerhalb der Kirchen setzt Bonhoeffer auf die zentrale Botschaft des Evangeliums und die Kraft des Glaubens, den er in der Tradition Karl Barths von Religion abgrenzt. „Gott ist mitten in unserem Leben jenseitig. Die Kirche steht nicht dort, wo das menschliche Vermögen versagt, an den Grenzen, sondern mitten im Dorf.“[40] Dies sieht er auch als eine Rückbesinnung auf das Alte Testament, auf den Glauben an einen Gott, der sich in der Geschichte und in einer Gemeinschaft zeigt.

Bonhoeffer greift auf seine frühere Unterscheidung zwischen „Vorletztem und Letztem“ zurück. Christus kam in die Welt und so lässt sich nur weltlich, verhüllt von den letzten Dingen reden. Daraus entwickelt er die Vorstellung eines an der Welt leidenden Gottes, der den Menschen zur Anteilnahme auffordere, die er in poetischer Form in seinem Gedicht Christen und Heiden[41] verdichtet. Zentral ist dabei der Gedanke, dass nur der „sympathische“ (d. h. mitleidende) Gott helfen kann. Nicht der allmächtige, sondern der ohnmächtige Gott. Bonhoeffer betont damit auch, dass es ohne Kreuz keine Auferstehung gibt und wendet sich damit gegen eine „billige Vertröstung auf ein Jenseits“.

Er sieht die Möglichkeit, religionslos und weltlich von Gott, Kirche, Gottesdienst oder Gebet zu sprechen, konnte jedoch nicht mehr ausarbeiten, wie eine solche neue Sprache und Praxis des Glaubens konkret werden könnte.

Einheit von Denken, Reden und Tun

Wird heute die Aufspaltung zwischen persönlicher Frömmigkeit, gemeindlichem Leben und universitärer Theologie beklagt, so kann der Ansatz Bonhoeffers hilfreich sein, diese Aufspaltung zu überwinden. Denn Bonhoeffer verbindet Lehre und Leben; Denken, Reden und Tun. Theologie verliert dann ihre scheinbare Objektivität der normativen Sätze und gewinnt eine lebendige Subjektivität, die sich durchaus kontroverser Diskussion aussetzt. Glauben gewinnt dann aber auch an Glaubwürdigkeit. Das Problem „erfahrungslosen Redens von fremden Erfahrungen“ (Eugen Drewermann), das Mitteilen und Reden über etwas statt des Redens von sich und des Sich-Einbringens kann so überwunden werden. Möglich ist es allerdings nur bei strenger Konzentration auf die Mitte Jesus Christus, die dann zur Auseinandersetzung mit der Peripherie ermutigt und befähigt.

Einzelnachweise

  1. Das Bild ist hier seitenverkehrt; Datierung nach Dietrich Bonhoeffer: Bilder aus seinem Leben, München: Kaiser 1986 ISBN 3-459-01613-2, S. 181
  2. DBW 12,257.259f.
  3. Predigt zu Kol. 3,1-4 am 19.6.1932 in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, DBW 11, S. 446
  4. DBW 12,351
  5. DBW 12,354
  6. DBW 12,353
  7. DBW 12,354
  8. DBW 13, S. 33
  9. DBW 6 (E), S. 126f.
  10. DBW 6 (E), S. 127f.
  11. DBW 6 (E), S. 129–131
  12. DBW 6 (E), S. 132
  13. DBW 8 (WE), S. 33.34
  14. DBW 8 (WE), S. 30f.
  15. DBW 16, S. 433ff
  16. DBW 8 (WE), S. 570f.
  17. Dazu siehe Holger Roggelin/Andreas Pangritz: Wer singt gregorianisch? These und Kommentar. In: Dietrich-Bonhoeffer-Jahrbuch 2 (2005/2006), ISBN 3-579-01892-2, S. 196-209
  18. DBW 8, 607f.
  19. DBW 16, S. 468. Der genaue Wortlaut lässt sich schwer rekonstruieren, besonders bezüglich „beginning“ oder „beginning of life“, vgl. Dramm, Sabine: Dietrich Bonhoeffer: Eine Einführung in sein Denken; Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2001, ISBN 3-579-05183-0, S. 264
  20. Zitiert nach Eberhard Bethge: Dietrich Bonhoeffer. Eine Biographie. 8. Auflage 1994, S. 1042
  21. Vgl. Sabine Dramm, a.a.O. S. 165, 169
  22. DBW 15, S. 113
  23. DBW 6 (E), S. 53
  24. DBW 16 (Konspiration und Haft 1940-45), S. 521 f.
  25. Vgl. das Gutachten der evangelischen Theologen Hans-Joachim Iwand und Ernst Wolf im Remer-Prozess von 1952. Kurze Darstellung in: Christian Gremmels, Heinrich W. Grosse: Dietrich Bonhoeffer. Der Weg in den Widerstand; 20042, S. 68–70 und Luther, Martin: Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei (1523); in: Kurt Aland (Hrsg.): Luther deutsch. Die Werke Martin Luthers in neuer Auswahl für die Gegenwart, Band 7; Göttingen 19914; S. 9–50 (hier S. 35); entspricht Kurt Aland (Hrsg.): Martin Luther. Gesammelte Werke; CD-Rom; S. 4349–4423 (hier S. 4390)
  26. DBW 6 (E), S. 52
  27. DBW 4 (Nachfolge), S. 100
  28. DBW 2 (AS), S. 85
  29. DBW 8 (WE), S. 560
  30. DBW 8 (WE), S. 435
  31. DBW 11, S. 332
  32. Vgl. Sabine Dramm, a.a.O., S. 104f. The Cost of Discipleship lautet der englische Titel der Nachfolge.
  33. DBW 4, S. 36
  34. Vgl. Sabine Dramm, a.a.O., S. 164ff.
  35. DBW 11, S. 341
  36. ebd. S. 341
  37. ebd. S. 339
  38. DBW13, S. 301
  39. Brief an Eberhard Bethge vom 30. April 1944; in: Widerstand und Ergebung; Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 197810, S. 135
  40. ebd.
  41. DBW 8, S. 515.

Werke

Ein Großteil der Werke Bonhoeffers wurde nach dem Tod aus Unterlagen zusammengestellt und veröffentlicht. Dies macht die Interpretation etwas schwierig, da bereits ordnende Bearbeitung und Auswahl immer schon eine Tendenz mit sich bringen. Die Quellen sind aber durch die neue Werkausgabe (DBW) hervorragend und umfassend zugänglich.

  • Sanctorum Communio (Dissertation), 1927, ISBN 3-579-01871-X
  • Akt und Sein. Transzendentalphilosophie und Ontologie in der systematischen Theologie (Habilitationsschrift), 1930, ISBN 3-579-01872-8
  • Nachfolge, 1937, ISBN 3-579-01874-4; TB, ISBN 3-579-00455-7
  • Ethik, 1949, ISBN 3-579-01876-0; TB, ISBN 3-579-05161-X
  • Beten und Tun des Gerechten. Glaube und Verantwortung im Widerstand, ISBN 3-7655-1107-2
  • Schöpfung und Fall. Theologische Auslegung von Genesis 1-3. München: Evangelischer Verlag A. Lempp, 1937.
  • Schöpfung und Fall. Versuchung; München: Kaiser, 1968, ISBN 3-579-01873-6
  • Die Weisheit Gottes – Jesus Christus; hg. von Manfred Weber; Gütersloh: Kiefel, 1998, ISBN 3-579-05606-9
  • Gemeinsames Leben, 1939, ISBN 3-579-01875-2; TB, ISBN 3-579-00452-2
  • Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft; hg. von Eberhard Bethge;
    Gesammelte Werke Bd. 8; Gütersloh: Kaiser, 1998, ISBN 3-579-01878-7;
    Auswahl als Taschenbuchausgabe: Gütersloher Taschenbücher 457; Gütersloh: Gütersloher Verlags-Haus, 172002, ISBN 3-579-00457-3
  • Brautbriefe Zelle 92. Dietrich Bonhoeffer – Maria von Wedemeyer 1943–1945; München: Beck, 2006, ISBN 3-406-54440-1
  • Das Gebetbuch der Bibel. Eine Einführung in die Psalmen; Neuhausen-Stuttgart: Hänssler, 101980, ISBN 3-7751-0343-0.- Zuerst als Nr. 8 der Reihe „Hinein in die Schrift“ beim MBK-Verlag, Bad Salzuflen, 1940.
  • Fragmente aus Tegel: Drama und Roman München: Chr. Kaiser Verlag, 1978, ISBN 3-459-01164-5
  • Schweizer Korrespondenz 1941/42. Im Gespräch mit Karl Barth; München: Kaiser, 1982, ISBN 3-459-01465-2
  • Christologie; München: Kaiser, 1981, ISBN 3-459-01351-6
  • Versuchung; bearbeitet und hg. von Eberhard Bethge; München: Kaiser 31956
  • Die Antwort auf unsere Fragen. Gedanken zur Bibel; 9. Auflage Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2005, ISBN 978-3-579-02272-7

Literatur

Biografien

  • Ackermann, Josef: Dietrich Bonhoeffer – Freiheit hat offene Augen: eine Biographie. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2005, ISBN 3579071092 (Kritische Rezension)
  • Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer. Theologe – Christ – Zeitgenosse. Eine Biographie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 8. Auflage, Darmstadt 2004, ISBN 3-579-02272-5
  • Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer. Rowohlt Bildmonographien, Reinbek 2006, ISBN 978-3-499-50684-0
  • Bethge, Renate: Dietrich Bonhoeffer: Eine Skizze seines Lebens. Gütersloher Verlaghaus, Gütersloh 2004, ISBN 3579071009
  • Kaltenborn, Carl-Jürgen: Dietrich Bonhoeffer. Union Verlag, 4. Auflage, Berlin (Ost) 1985
  • Kretschmar, Georg: Dietrich Bonhoeffer. In: Fries, Heinrich; Kretschmar, Georg (Hrsg.): Klassiker der Theologie 2. Von Richard Simon bis Dietrich Bonhoeffer; München 1983, S. 376–403
  • Landgrebe, Wilhelm: Dietrich Bonhoeffer. Wagnis der Nachfolge. Brunnen Verlag, 6. Auflage, Gießen und Basel 1986, ISBN 3-7655-3129-4
  • Schlingensiepen, Ferdinand: Dietrich Bonhoeffer 1906–1945. Eine Biographie. C.H.Beck, München 2005, ISBN 3-4065-3425-2

Biografische Einzelthemen

  • Böllmann, Wolfgang: „Wenn ich dir begegnet wäre…“ Dietrich Bonhoeffer und Jochen Klepper im Gespräch; Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2005, ISBN 3-374-02259-6
  • Endrass, Elke: Bonhoeffer und seine Richter. Ein Prozess und sein Nachspiel; Kreuz, Stuttgart 2006, ISBN 3-7831-2745-9
  • Gremmels, Christian; Pfeifer, Hans: Theologie und Biographie. Zum Beispiel Dietrich Bonhoeffer; Chr. Kaiser, München 1983, ISBN 3-459-01478-4
  • Leibholz-Bonhoeffer, Sabine: vergangen – erlebt – überwunden. Schicksale der Familie Bonhoeffer. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1983, ISBN 3-579-03961-X
  • Wind, Renate: Dem Rad in die Speichen fallen. Beltz & Gelberg, Weinheim 2001, ISBN 3-407-80733-3
  • Dramm, Sabine: V-Mann Gottes und der Abwehr? Dietrich Bonhoeffer und der Widerstand. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2005, ISBN 3-57-907117-3
  • Feldmann, Christian: Wir hätten schreien müssen. Das Leben des Dietrich Bonhoeffer; Herder, Freiburg 1998, ISBN 3-451-05165-6
  • Rieger, Julius: Bonhoeffer in England. Lettner-Verlag, Berlin 1966
  • Rohde-Liebenau, Wolfram: Was ist die Wahrheit? Bonhoeffer und Heckel im Kirchenkampf.
  • Fotoband: Dietrich Bonhoeffer. Bilder eines Lebens. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2005, ISBN 3579071130

Theologie

  • Altenähr, Albert: Dietrich Bonhoeffer, Lehrer des Gebets. Echter-Verlag, Würzburg 1976, ISBN 3-429-00443-8
  • Ebeling, Gerhard: Die nicht-religiöse Interpretation biblischer Begriffe. In: Ebeling, Gerhard: Wort und Glaube, Bd. 1; Mohr, Tübingen 1960, S. 90-160
  • Daub, Hans Friedrich, Die Stellvertretung Jesu Christi. Ein Aspekt des Gott-Mensch-Verhältnisses bei Dietrich Bonhoeffer, Mainz 2005, ISBN 3-8258-8463-5
  • Dramm, Sabine: Dietrich Bonhoeffer: Eine Einführung in sein Denken; Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2001, ISBN 3-579-05183-0
  • Feil, Ernst: Die Theologie Dietrich Bonhoeffers. Hermeneutik, Christologie, Weltverständnis. Kaiser, München 1991, ISBN 3-459-01891-7
  • Huntemann, Georg: Der andere Bonhoeffer. Die Herausforderung des Modernismus. Brockhaus, Wuppertal 1989, ISBN 3-417-12570-7
  • Kaltenborn, Carl-Jürgen: Adolf von Harnack als Lehrer Dietrich Bonhoeffers; Berlin: Evangelische Verlagsanstalt, 1973
  • Mayer, Rainer: Christuswirklichkeit. Grundlagen, Entwicklung und Konsequenzen der Theologie Dietrich Bonhoeffers. Calwer Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-7668-0144-9
  • Mayer, Rainer; Zimmerling, Peter (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Beten und tun des Gerechten. Glaube und Verantwortung im Widerstand. Brunnen, Gießen 1997, ISBN 3-7655-1107-2
  • Mayer, Rainer; Zimmerling, Peter (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Mensch hinter Mauern. Theologie und Spiritualität in den Gefängnisjahren. Brunnen, Gießen 1993, ISBN 3-7655-1021-1
  • Müller, Gerhard L.: Bonhoeffers Theologie der Sakramente. Knecht, Frankfurt/Main 1979, ISBN 3-7820-0439-6
  • Müller, Hanfried: Von der Kirche zur Welt. Ein Beitrag zur Beziehung des Wort Gottes auf die „societas“ in Dietrich Bonhoeffers theologischer Entwicklung. Reich, Hamburg-Bergstedt 1966
  • Peters, Tiemo R.: Die Präsenz des Politischen in der Theologie Dietrich Bonhoeffers. Christian Kaiser, München 1976, ISBN 3-459-01056-8
  • Schönherr, Albrecht; Krötke, Wolf (Hrsg.): Bonhoeffer-Studien. Beiträge zur Theologie une Wirkungsgeschichte Dietrich Bonhoeffers. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1985
  • Strohm, Christoph: Theologische Ethik im Kampf gegen den Nationalsozialismus: der Weg Dietrich Bonhoeffers mit den Juristen Hans von Dohnanyi und Gerhard Leibholz in den Widerstand. In: Heidelberger Untersuchungen zu Widerstand, Judenverfolgung und Kirchenkampf im Dritten Reich, Bd. 1; Chr. Kaiser, München 1989
  • Zimmerling, Peter: Bonhoeffer als Praktischer Theologe. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-55451-6

Filme

  • Liebe ist stark wie der Tod, Die Welt des Dietrich Bonhoeffer; Regie: Gerold Hofmann, 2006; Dokumentarfilm, 30 Minuten
  • Wer glaubt, der flieht nicht … Dietrich Bonhoeffer, 1906–1945; Regie: Hellmut Sitó Schlingensiepen und christian.bimm.coers, 2005; Dokumentarfilm, 23 Minuten; Informationen unter [1]
  • Bonhoeffer; Regie: Martin Doblmeier, 2003; Dokumentarfilm, Englisch, 93 Minuten
  • Bonhoeffer – Die letzte Stufe; Regie: Eric Till, 2000; VHS, ISBN 3-579-07112-2; DVD, ISBN 3-579-07111-4; Original: Bonhoeffer: Agent of Grace; Spielfilm; Informationen unter [2], 88 Minuten
  • Dietrich Bonhoeffer – Nachfolge und Kreuz, Widerstand und Galgen; 1982; Dokumentarfilm

Weblinks

Fotos

Gedenken

Theologie

Widerstand



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