Bonifatius IX.
Monument für Bonifaz IX. in San Paolo fuori le Mura
Wappen Papst Bonifatius’ IX., moderne Nachzeichnung

Bonifatius IX. (eigentlich Pietro Tomacelli; * 1350 in Neapel; † 1. Oktober 1404 in Rom) war Papst vom 2. November 1389 bis 1404.

Vor seinem Pontifikat war Kardinal Tomacelli in (Titelkirche: Santa Susanna) San Giorgio in Velabro als Bischof tätig. Er regierte während des Abendländischen Schismas in Rom, während in Avignon Clemens VII. amtierte. Der ungebildete, doch äußerst gewandte Neapolitaner nutzte sein Amt aus, um sich und seine Verwandten zu bereichern. Für die Beseitigung des Schismas fand er keine Zeit und hatte wohl auch nicht den ernsten Willen. Bei der Beschaffung von Geldmitteln kannte Bonifatius fast keine Scham. Er betrieb vor allem einen schwunghaften Ablasshandel und fügte der Kirche und ihrem Ansehen dadurch großen Schaden zu, seine Handlungsweisen zeigen oft nicht die geringste Spur von christlichem Denken, religiöser Substanz und geistiger Kraft. Als weitere Finanzquelle teilte der Papst den Kirchenstaat in sogenannete Vikariate auf. Diese verpachtete er an zahlungskräftige Familien, die sich dann ihren Vikariaten finanziell bereicherten. Einer dieser Vikare war auch Baldassare Cossa in Bologna; der spätere Gegenpapst Johannes XXIII. Erst durch Cesare Borgia wurde dieses System der familiären Erbherrschaften im Kirchenstaat wieder beseitigt. In Rom brach der Papst die letzten Reste der republikanischen Regierungsform und brachte die Stadt wieder völlig unter seine Herrschaft. Dabei machte sich Papst Bonifatius allerdings auch um daniederliegende Rechtsprechung und Volkswirtschaft verdient.

Papst Bonifatius beendete die wahnsinnige „Politik“ seines Vorgängers Urban VI. Bonifatius schloss Frieden mit dem Königreich Neapel und erkannte Ladislaus, Sohn des ermordeten Karl III., von Neapel, als Herrscher von Neapel an.

Nach dem Tod von Gegenpapst Clemens folgte Pedro de Luna als Benedikt XIII. Trotz aller Gegensätze herrschte zwischen Papst Bonifatius und Gegenpapst Benedikt in einem einzigen Punkte Einigkeit: im Kreuzzugswahn. Der osmanische Sultan Bayezid I. hatte mit der Eroberung Bulgariens die ungarische Grenze erreicht. Das letzte und größte Kreuzzugsheer sollte nun unter der Führung von König Sigismund von Ungarn, dem späteren deutsche Kaiser, diesen schlagen und dann bis nach Jerusalem vordringen. Doch wurde das Kreuzzugsheer bereits in der Schlacht von Nikopolis vernichtend geschlagen.

Papst Bonifatius scheiterte bei dem Versuch, den deutschen König Wenzel zur Kaiserkrönung nach Rom zu holen. 1400 wurde Wenzel abgesetzt und Ruprecht von der Pfalz zu seinem Nachfolger gewählt. Bonifatius wartete zunächst die Entwicklung ab. Als klar war, wer in Deutschland der Sieger war, behauptete er unwahr in einer Bulle, Absetzung und Neuwahl des deutschen Königs seien nur seinem mächtigen Einfluss zuzuschreiben. Dabei konnte er sich nicht einmal der verfallenden Stadt Rom ganz sicher sein. Auch sein Plan, nun König Ruprecht in Rom zum Kaiser zu krönen, war nicht erfolgreich.

Er starb am 1. Oktober 1404 in Rom.

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 Commons: Bonifatius IX. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Urban VI. Papst
1389–1404
Innozenz VII.

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