Bonn-Mehlem
Mehlem
Stadt Bonn
Koordinaten: 50° 40′ N, 7° 12′ O50.6608333333337.19194444444447Koordinaten: 50° 39′ 39″ N, 7° 11′ 31″ O
Einwohner: 8617
Postleitzahl: 53179
Vorwahl: 0228
Karte
Lage von Mehlem in Bonn
Kirche St.Severin in Mehlem

Mehlem ist ein Ortsteil von Bonn im Stadtbezirk Bad Godesberg mit rund 8.600 Einwohnern. Mehlem ist am südlichsten Rand von Bonn im sich bereits deutlich verengenden Rheintal gelegen und grenzt an Rheinland-Pfalz. Durch die B 9 und die Bahnstrecke wird Mehlem in zwei Teile zerschnitten (das Ober- und Unterdorf). Ein kleiner Teil der Insel Nonnenwerth befindet sich dort auf Bonner Stadtgebiet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Frankenzeit / Mittelalter

Auf dem linken Rheinufer lassen fränkische Grabfunde und die der Landnahmezeit angehörenden Orte, deren Namen auf -heim enden, den Umfang der fränkischen Siedlung in der Frühzeit weitgehend erkennen. So ist auch Mehlem eine fränkische Siedlung, die im 4.–5. Jahrhundert nach Christus entstanden sein mag. Urkundlich wird Mehlem bereits im Jahre 812 als Molenheim genannt. Molenheim war eine Siedlung am Molenbach (Mühlenbach). Die spätere mittelalterliche Form Mielenheim erinnert an Miel, die alte Bezeichnung für Land- oder Heerstraße. Hier stieß eine Straße aus der Ahrgegend bis zu der wichtigen Rheinstraße vor. Mehlem war nie ein Fischerdorf, obwohl es direkt am Rhein lag, sondern ein Bauern- und weit größer noch ein Weinort. Wein und Nussbaumholz waren auch die Deputate an den kurfürstlichen Hof zu Köln. Im frühen Mittelalter war Lannesdorf an Mehlem angegliedert. Mehlem scheint im ganzen wohlhabend gewesen zu sein, vielleicht weil hier die Rheintalstraße mit der Straße zusammenstieß, die vom Drachenfelser Ländchen her auf den Verladeplatz am Rhein zielte. Mehlem galt als wohlhabender „Flecken“, bis der Dreißigjährige Krieg dem Ort besonders übel zusetzte. Aus dem Wohlstand der Einwohner erklärt es sich, dass die beiden etwas getrennten Ortsteile je eine Kirche unterhielten. Eine schon alte Kirche des Oberdorfes fiel 1633 dem Krieg zum Opfer und wurde durch die heute noch vorhandene malerische Kapelle der Schmerzhaften Mutter ersetzt, die eine wertvolle alte Holzskulptur enthält, welche die Heilige Anna selbdritt darstellt.

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Mehlem unterstand schon früh dem geistlichen Fürstentum Köln, es gab kein weltliches Hochgericht. Die Gerichtsbarkeit wurde im Namen des Kurfürsten von einem Vogt ausgeübt, später Amtmann genannt. Seine Aufgabe war neben dem Blutbann der Schutz der Bevölkerung, wofür diese eine Abgabe zu zahlen hatte. Um diese einzuziehen, wurde ein Schultheiß bestellt. Vertreter der bäuerlichen Bevölkerung waren die Schöffen, die alljährlich die Satzungen und Verpflichtungen erneut anzuerkennen hatten. Auch hatten sie das Recht der Zinsfestsetzung je nach dem Ausfall der Weinernte und verschiedene andere Rechte im Sinne einer Art Selbstverwaltung. Godesberg und Mehlem hatten zwar Schultheiße und Schöffen getrennt für sich, aber sie bildeten zusammen das Amt Godesberg/Mehlem. Dem kurfürstlichen Amtmann, dem dieses unterstand, lieferte Mehlem bedeutend größere Einkünfte als das damals kleine Godesberg. Der Dreißigjährige Krieg, Überschwemmungen und Verwüstungen trugen zur Verelendung der Bevölkerung bei. In Mehlem kam es wiederholt zu Hexenprozessen. Man machte für Unwetter und Misswuchs Hexen oder Hexenmeister verantwortlich und vollstreckte die Urteile auf dem Mehlemer Richtplatz, auf dem Rodderberg, später als der Amtmann eingegriffen hatte, im Galgenfeld in Lannesdorf.

Neuzeit

Das Jahr 1816 hatte eine schlimme Missernte und Teuerung gebracht, und eine Hungersnot trat auf. Der Weinbau wurde zwar durch den preußischen Zolltarif gefördert, doch dauerte es Jahre, bis sich die Bevölkerung von diesem Schrecken erholt hatte. Aufgrund der im ersten Drittel des Jahrhunderts auftretenden Notzeiten schritt das Wachstum von Mehlem nur sehr langsam voran. Erst die Industrialisierung um die Jahrhundertwende brachte wieder einen gewissen Wohlstand unter die Bevölkerung. Aber das alte Weindorf Mehlem verschwand. Anfang des 20. Jahrhundert hatte die Reblaus-Seuche die Weinberge befallen. Hiervon haben sich die ansässigen Winzer nicht mehr erholt. Die Weinberge verödeten, an ihre Stelle traten nun Wiesen und Obstkulturen.

Im Jahre 1935 musste die Gemeinde Mehlem ihre Selbständigkeit aufgrund einer Verwaltungsanordnung aufgeben und wurde mit der Stadt Godesberg vereinigt. Damit war auch ein Schlussstrich unter die Eigenständigkeit der Bürgermeisterei Mehlem gezogen. Im Zuge der Verwaltungsreform 1969 wurde Godesberg nach Bonn eingemeindet.

Kultur

Bekannt ist Mehlem vor allem wegen seiner Rheinpromenade mit dem Blick auf den direkt gegenüber liegenden Drachenfels. Dieser Blick war eines der bevorzugten Motive des Bonner Malers André Osterritter, der zwischen 1948 und 1957 in Mehlem wohnte und auf dem Mehlemer Friedhof begraben liegt.


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