Bonner Bogen

Der Bonner Bogen ist ein neu entwickeltes Areal am Rheinufer auf der Grenze der Bonner Stadtteile Ramersdorf und Oberkassel im Stadtbezirk Beuel. Es beheimatet ein Gebäudeensemble. Ursprünglich befand sich dort eine Fabrik zur Herstellung von Zement; das führte zur Bezeichnung des Areals als Zementfabrik. Heute befinden sich auf dem Gelände unter Beibehaltung einiger ursprünglicher Gebäude Büro- und Tourismusflächen. Die Stadt nannte das Gelände Innovationspark BonnVisio, der Investor Bonner Bogen. Ein privat vermieteter Teil wird als Rheinwerk bezeichnet. Die noch unbebauten Teile des Areals sind die letzten großen baulichen Reserveflächen innerhalb des Gebiets der ehemaligen Entwicklungsmaßnahme Bundesviertel.

Bonner Bogen (Oktober 2009)

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das Gelände liegt am rechten Rheinufer, zwischen Oberkassel im Süden und Ramersdorf im Norden. Beim Bonner Bogen vollzieht der Rhein eine markante Westbiegung, an der die südliche der Bonner Rheinbrücken beide Seiten des Bundesviertels verbindet. Die Grenze zwischen den Stadtteilen Oberkassel und Ramersdorf verläuft in den Straßen Dornheckenstraße – Heinrich-Konen-Straße – Rheinwerkallee. Im Süden schließt sich das Gelände der ehemaligen Sackfabrik Duwe auf Oberkasseler Seite an, im Nordwesten der Limpericher Teil der Rheinaue. In der Nähe liegen der Bahnhof Bonn-Oberkassel und das Ernst-Kalkuhl-Gymnasium, die Rechte Rheinstrecke verläuft östlich des Bonner Bogens und überquert die 2006 eröffnete Unterführung der Heinrich-Konen-Straße. Das Gelände ist seit der Umgestaltung über die Karl-Duwe-Straße, Joseph-Schumpeter-Allee, das Oberkasseler Ufer und das Hermann-Bleibtreu-Ufer erschlossen und wird auf der Flussseite von der Rheinuferpromenade durchquert. Die Rheinwerkallee verläuft mitten durch das Areal. Östlich des Bonner Bogens verläuft der in den Rhein mündende Ankerbach.

Geschichte

Aufnahme des Werks von 1892
Aufnahme von 1906

Anfänge

1853 war in der Region der Bonner Bergwerks- und Hütten-Verein entstanden. Dies geschah der unter Führung von Hermann Bleibtreu, der den Portlandzement in Deutschland einführte. Am 12. Juni 1856 erhielt er die Genehmigung zur Zementherstellung. Aufgrund der für den Transport günstigen Lage am Rhein und der Nähe zur Braunkohle- und Alaungewinnung auf der Ennert-Hardt wurde das Gelände zwischen Beuel und Oberkassel ausgewählt. 1858 begann dann – vorerst nur am südlichen Ende des heutigen Geländes – die Herstellung im „Bonner Portland-Zementwerk“. Anfangs waren sechs Schachtöfen in Betrieb. Nach Buxtehude (1850) und Züllchow bei Stettin (1855) war das Ramersdorfer Werk das dritte zur Herstellung von Portlandzement im damaligen Deutschen Bund.

Entwicklung

Aufnahme von 1927

Im Laufe der Zeit wurde das Areal um das ehemalige Zementwerk um weitere Fertigungs- und Verwaltungsgebäude nach Norden hin erweitert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine große Werft- und Verladeanlage, die während der Boomzeit der Zementbranche um die Jahrhundertwende um zwei Schleppkräne erweitert wurde. 1897/98 entstand der Wasserturm.

Nachdem der Wicking-Konzern eine Übernahme des Werkes versucht hatte, wurde ein Freundschaftsvertrag mit der Firma Dyckerhoff geschlossen, später kam es zur Fusion.

Während des Nationalsozialismus hieß das Werk „Bonner Portland-Zementwerk Aktien-Gesellschaft“ und gehörte zu einem reichsweiten Zusammenschluss der Zementindustrie. Die Produktion wurde für Autobahn-, Industrie- und Rüstungsbauten weiter erhöht, Bonner Zement kam etwa im Westwall zum Einsatz. Im Zweiten Weltkrieg gab es keine schweren Schäden.

1946 erhielt das Zementwerk von der alliierten Militärregierung wieder die Genehmigung zur Zementherstellung, nach der Währungsreform 1948 konnte der Betrieb wieder voll aufgenommen werden. 1964 hatte das Werk 430 Beschäftigte.

Niedergang und Umgestaltung

Die Dyckerhoff AG schloss das Zementwerk Ende 1987 aufgrund von wirtschaftlichen Problemen. Im Folgejahr begann der Abriss, erhalten blieben nur die unter Denkmalschutz stehenden Bauten: das Verwaltungsgebäude, die Direktorenvilla, die „Rohmühle“ und der Wasserturm. In den folgenden Jahren blieb das Gelände als Ruine sich selbst überlassen. Die südlich des Zementwerks liegende Papiersackfabrik Duwe schloss ab 1990 ihre Produktion.

„Direktorenvilla“

1989/90 wollte Klöckner-Moeller ihre Hauptverwaltung auf dem Gelände des heutigen Bonner Bogens errichten, verwarf diesen Plan jedoch wegen „Differenzen mit der Stadt“ über den Abriss der historischen Gebäude. In den 1990er Jahren war das Gelände unter anderem für die DARA, die Europäische Zentralbank, das Forschungszentrum caesar und ein Luxushotel im Gespräch. Nach dem Berlin/Bonn-Gesetz vom 26. April 1994 wurde das Zementwerksgelände vom Bund für die Stadt erworben und erschlossen. Dies geschah als Sofortmaßnahme im Rahmen der „Vereinbarung über die Ausgleichsmaßnahmen für die Region Bonn“ für den Umzug von Parlament und Teilen der Bundesregierung nach Berlin. Zunächst gab es eine Auseinandersetzung um die Nutzung des Geländes. Die Bonner CDU sprach sich 1999 dafür aus, große Teile des Geländes in einen Yachthafen umzuwandeln. Am Ende setzte sich Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD) durch und das Areal wurde als Sonderentwicklungsgebiet für innovative Industrien ausgewiesen, nachdem es zuvor noch in die Hauptstadtplanung einbezogen war. Ziel war es, eine der Lage des Gebietes nicht gerecht werdende Nutzung zu verhindern.

Im Jahr 2001 wurde die Rheinuferpromenade von der Rheinaue in Richtung Königswinter, die bisher vom Werksgelände unterbrochen wurde, durch dieses hindurch erweitert. Als erster Investor kaufte das Unternehmen GWI (Gesellschaft für Wirtschaftsberatung und Informatik) im selben Jahr einen Teil des Geländes. Gemeinsam mit der Stadt Bonn plante man eine Umgestaltung des Werks als Bürokomplex unter dem Namen BonnVisio – Innovationspark am Rhein. Um die Qualität der unmittelbar geplanten Neubebauung und der weiteren Entwicklung abzusichern, wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, als dessen Sieger am 10. Juni 2002 der Bonner Architekt Karl-Heinz Schommer bekanntgegeben wurde. Schommer plante eine Bebauung in drei Abschnitten. Für Bau und Vermietung der nicht direkt der GWI zugeordneten Flächen entstand die Firma Rheinwerk.

Die vier denkmalgeschützten Gebäude wurden saniert, daneben entstanden in den folgenden Jahren mehrere moderne, durch große Glasflächen auffallende Bürogebäude. Die Sanierung der Rohmühle wurde von 2004 bis 2006 durchgeführt, die Direktorenvilla und die zwei neuen Bürokomplexe wurden von 2002 bis 2004 errichtet. Der Großteil der Neubauten wurde erst mit den zwei weiteren Bauabschnitten geschaffen. Die Absichten aus dem Jahr 2007, auf dem südlichen, benachbarten Gelände der ehemaligen „Sackfabrik Duwe“ zusätzlich Luxuswohnungen zu errichten, wurden wegen der Baumaßnahmen der geplanten S-Bahnlinie 13 zunächst bis voraussichtlich 2015 verschoben. Bis zu einer endgültigen Planung befindet sich auf diesem Gelände in den Sommermonaten die Bonner Strandbar.

Bonner Bogen vom gegenüberliegenden Rheinufer (September 2010)
Bonner Bogen vom gegenüberliegenden Rheinufer (September 2010)

Heutige Gebäude und Nutzung

Die Rheinpromenade ist als breiter Rad- und Fußweg unterhalb der alten basaltverkleideten Werftmauer durch das Gelände geführt. Hier befinden sich diverse Sitzbänke mit guter Aussicht auf das Rheintal. Die direkt dahinter liegende Rohmühle wird im Erdgeschoss als hochklassiges Restaurant und Café genutzt. Der Rest des Gebäudes bildet mit den drei Neubauten U-Körper, Solitär Nord und Solitär Süd die Büroflächen des sogenannten Rheinwerks, die von der gleichnamigen Firma einzeln vermietet werden. Die meisten Mieterfirmen gehören zur IT-, Beratungs- und Technologiebranche, insgesamt stehen derzeit zirka 13.600 m² Bürofläche zur Verfügung. Einen weiteren großen Teil des Geländes, inklusive des Wasserturms und eines Teils der Direktorenvilla, nahm von 2004 bis 2009 die Zentrale der Agfa HealthCare GmbH (vormals GWI) ein. Heutige Nutzer sind die Universität Bonn und ein Licht- und Beleuchtungsunternehmen.[1]

Westlich des Rheinwerks entstand von 2007 bis 2009 das 5-Sterne-Hotel Kameha Grand Bonn, welches über 190 Zimmer, 63 Suiten und Platz für bis zu 2500 Veranstaltungsgäste verfügt. Das bis zu sieben Stockwerke hohe, elliptisch geformte Gebäude wurde ebenfalls von Karl-Heinz Schommer entworfen. Mit der Innengestaltung wurde der niederländische Designer Marcel Wanders beauftragt. Die Eröffnung fand am 15. November 2009 statt.

Westlich der Hotel-Baustelle wurde 2008 der Bürokomplex „Rheinwerk 2“ fertiggestellt. Ähnlich dem östlich gelegenen „Rheinwerk 1“ besteht es aus vier Einzelbauten, die sich um eine Grünanlage gruppieren. Rheinseitig erhebt sich ein viergeschossiger Gebäuderiegel mit Ziegelfassade, der sich gestalterisch an die historische Rohmühle anlehnt. Nach Norden schließen sich zwei ebenfalls viergeschossige Bauten mit Vollglas-Fassade an, die die zentrale Grünfläche begrenzen. Den nördlichen Abschluss des Ensembles bildet ein sechsgeschossiger U-förmiger Bau, der ebenfalls über eine Vollverglasung verfügt.

Weitere Planung

Westlich des „Rheinwerk 2“ sollten bis 2010 drei weitere Bürobauten mit dem Namen „Rheinwerk 3“ entstehen. Geplant sind langgestreckte schmale Riegel, die sich senkrecht zum Rhein auffächern. Die Baugrube für diese Bauten wurde bereits im Frühjahr 2008 ausgehoben. Der Komplex wird den Bogen voraussichtlich nach Westen hin abschließen. Es grenzt unmittelbar an das Landschaftsschutzgebiet der Beueler Rheinaue. Ursprünglich war der Baubeginn bereits für den Herbst 2008 und die Fertigstellung für das dritte Quartal 2009 geplant, mit Stand von Juli 2011 sind aber außer dem Aushub der Baugrube keine Bauarbeiten erfolgt. Der Baubeginn soll im günstigsten Fall noch im Verlaufe des Jahres 2011 erfolgen.[2][3]

Die Bonn Visio Immobilien Verwaltung GmbH baut gegenüber dem Wasserturm, entlang der Bahntrasse südlich der Heinrich-Konen-Straße zur Zeit ein Parkhaus und plant angrenzend ein weiteres Bürogebäude. In dem Parkhaus, das voraussichtlich Ende 2011 fertiggestellt wird, sollen rund 520 Stellplätze entstehen. Der Bau ist so geplant, dass es eine Option zur Vergrößerung gibt zur Schaffung von weiteren Parkflächen. Kleine Geschäfte mit einer maximalen Verkaufsfläche von 350 Quadratmetern sollen sich im Erdgeschoss des Bürogebäudes ansiedeln. Das Gebäude soll etwa 20 Meter hoch werden.

Des Weiteren sollen eine Kindertagesstätte und ein eigener Schiffsanleger (noch ohne Genehmigung für den Linienverkehr)[4] gebaut werden. Insgesamt sollen dann auf dem Gelände 250 Millionen Euro investiert und 4500 Arbeitsplätze entstanden sein. Weitere Expansionsmöglichkeiten bietet der Bereich zwischen Landgrabenweg und der Bahntrasse, auf dem bis Ende 2008 provisorische Bürobauten von T-Mobile standen.

Quellen

  1. BonnVisio: Full house: Bonner Bogen zu 100 % vermietet
  2. BonnVisio zum Rheinwerk 3
  3. Pressemeldung vom 4. Oktober 2007
  4. Aussage Ludwig Frede (Bonn Visio GmbH) nach: General-Anzeiger Bonn, 31. Juli 2009, Seite 18

Literatur

  • Christian Holl: BonnVisio & Rohmühle Bonn. Die Neuen Architekturführer Nr. 86. Stadtwandel Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-937123-75-X.

Weblinks

 Commons: Bonner Bogen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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