Bonner Originale

Als Bonner Originale bezeichnet man in Bonn stadtbekannte Personen, die durch ihre besonderen Fähigkeiten, Angewohnheiten, Fehler oder Schwächen einen hohen Bekanntheitsgrad in der lokalen Bevölkerung erlangt haben und auch nach ihrem Ableben noch besitzen. Sie werden zum Teil als Originale in der Literatur beschrieben.

Obwohl einige von ihnen schon mehr als ein Jahrhundert tot sind, leben die Originale in Erzählungen und Legenden weiter.

Inhaltsverzeichnis

Jan Loh

Jan Loh als Stencil-Graffito an einer Hauswand in der Bonner Heerstraße
Jan Loh: 4 Wikipedianer (12. Stammtisch im Billa Bonn, Bonn, Juli 2008)

Jan Loh (* 24. Juni 1931) ist als „Alle-mal-malen-Mann“ bekannt. Er zieht Abend für Abend durch Bonner Kneipen und Cafés und bietet den Gästen dort seine Dienste an. Für wenig Geld skizziert er seine Kunden, deutet ihre Handschriften oder Träume und betreibt Gesichtsanalysen. In Bonns Kneipenszene ist Loh eine Berühmtheit. Meist spricht er die Leute mit dem gleichen Satz „Alle mal malen hier?“ an, der ihm auch seinen Spitznamen eingebracht hat. Zum Zeichnen kam er nach eigener Aussage bereits mit elf Jahren, eine künstlerische Ausbildung hatte er nicht. Nach dem Krieg arbeitete er über 30 Jahre für eine Bundesbehörde im Bereich Entwicklungshilfe. Mit den Porträtzeichnungen begann er 1995.

Bramson & Munkes

Nikolaus Josten alias Bramson war ein Hüne von Gestalt, Anton Goelden alias Munkes dagegen klein und schmächtig. Bramson hatte seinen Spitznamen von einem auf der Endenicher Allee wohnenden Engländer, bei dem er Teppiche ausklopfte und auch sonst tätig war. Wie Munkes zu seinem Spitznamen kam ist unbekannt. Als Vorgänger von Pat und Patachon trieben die beiden unzertrennlichen Dienstmänner gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Bonn ihre Scherze. In Landsknechtskostümen und mit Hellebarden bewaffnet bewachten sie die Karnevalssitzungen der Bonner Sternschnuppen.

Bernhard Schiefgen

Bernhard Schiefgen (1820 bis 25. Juni 1907), ein aus Danzig stammender Straßenmusikant. Jahrzehntelang hat er mit seiner Querflöte gemeinsam mit den Musikantenkollegen „Lutscher“ auf der Geige und „Bem“ auf der Gitarre in Bonner Gaststätten musiziert, bei Familienfesten und in den Bonner Studentenkneipen aufgespielt, Ständchen gebracht und sich so durchs Leben geschlagen. „De Schiefges Kapell“ war ein fester Bestandteil im kulturellen Bonner Leben zur Kaiserzeit. Er starb im Bonner Männerasyl.

Fränze Hännes

Fränze Hännes soll als „Rhingschürjer“ (Arbeiter am Bonner Rheinhafen) in jungen Jahren Kohlensäcke von drei Zentnern Gewicht getragen haben. Später war er als Moritatensänger eine feste Größe im Bonner Karneval. Im Jahre 1897 war er gar auf Bonner Ansichtskarten zu sehen.

Mutter Schüffelgen

Veronika Schüffelgen geb. Münch (1845 bis 22. Juli 1937), die Blumenfrau aus Villip bei Bonn. Viele Jahrzehnte zog sie Tag für Tag von Villip nach Bonn und bot auf Straßen und in Lokalen ihre „Strüßje“ an. Sie gehört zu den Bonner Originalen und wurde auch 1985 in einem Karnevalsorden verewigt. Sie hat ein Ehrengrab auf dem Villiper Friedhof. Selbst Kaiser Wilhelm II. gratulierte ihr zur goldenen Hochzeit im Jahre 1918.

Matthias Natius

Als „Rheinischer Götz“ war der Godesberger Schlosser Matthias Natius (1859–1922) weithin bekannt. Seine Kraft war legendär, trotz einer amputierten linken Hand konnte er 125 Pfund stemmen. Seinen Spitznamen brachte ihm die selbstgebaute eiserne Handprothese ein. Sogar die Universität interessierte sich für seine damals vielbeachtete Erfindung.

Mökmann

Der Mökmann, mit bürgerlichem Namen Christian Merker, lebte in den 1880er Jahren in Bonn in der Rheingasse und später in einem Haus Ecke Wilhelmstraße / Friedensplatz. Mökmann war in Bonn durch sein Aussehen, stets mit Gehrock und Vatermörder gekleidet, als auch durch seine Geldgeschäfte, dem Verleih von Geld gegen hohe Zinsen, sehr bekannt.

Mökmann gehörte zu dieser Zeit das Haus Rheingasse Nr. 7, früher „Zum Walfisch“ benannt, das irrtümlich als Geburtshaus Beethovens bezeichnet wurde. Selbst Mökmann setzte nichts daran, dem Irrglauben entgegenzuwirken, und zeigte Reisenden gerne das, nach seiner Aussage, wahre „Geburtshaus Beethovens“.

Als besondere Attraktion zeigte er bei diesen Führungen das Bett, in dem angeblich Beethoven geboren sein soll. Gegen eine entsprechende Summe war Mökmann bereit, ein Stück Furnier des Bettes abzuschneiden und den Besuchern als Souvenir mitzugeben. War von dem Furnier nichts mehr vorhanden, kaufte Mökmann ein neues gebrauchtes Bett und der Handel mit „echten“ Beethovenandenken ging weiter.

Manchmal, so die Erzählung, vermietete Mökmann das „Beethovenbett“ sogar als Nachtlager. Falls die Übernachtungsgäste ein Stück Furnier als Andenken mitnahmen, jammerte Mökmann solange, bis die Gäste das gesamte Bett kauften.

Dieses einträgliche Geschäft ging so lange gut, bis das echte Geburtshaus Beethovens in der Bonngasse durch die Stadt Bonn gekauft und somit bekannt wurde.

In dem Haus Rheingasse 7 wohnte die Familie Beethoven mit zwei Unterbrechungen ab 1776 bis 1785 bei dem Bäckermeister Gottfried Fischer zur Miete.

Aennchen Schumacher

Die „Lindenwirtin“ Aennchen Schumacher (1860–1935) war eine besonders bei Studenten berühmte Wirtin des „Gasthofs zum Godesberg“. Ihr rheinischer Frohsinn, ihre liebenswürdige Autorität und ungewöhnliche Musikalität machten den Gasthof zu einem der beliebtesten studentischen Treffpunkte Deutschlands.

Quellen

Weblinks


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