Bontkirchen
Bontkirchen
Stadt Brilon
Wappen der ehemaligen Gemeinde Alme (bis 1975)
Koordinaten: 51° 21′ N, 8° 39′ O51.3555555555568.6580555555556384Koordinaten: 51° 21′ 20″ N, 8° 39′ 29″ O
Höhe: 384–689 m ü. NN
Fläche: 5,44 km²
Einwohner: 542 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1. Jan. 1975
Postleitzahl: 59929
Vorwahl: 02963
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Lage der Ortschaft Bontkirchen innerhalb des Stadtgebiets von Brilon

Bontkirchen ist eine Ortschaft im östlichen Sauerland. Die bis Ende 1974 selbstständige Gemeinde ist heute ein Stadtteil der Stadt Brilon im Hochsauerlandkreis, Nordrhein-Westfalen und hatte laut Stadtverwaltung am 31. Dezember 2010 542 Einwohner.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das im Tal der Itter gelegene Bontkirchen liegt unmittelbar an der Grenze zu Hessen, die in diesem Bereich entlang der Itter verlief. Östlich der Grenze liegt die zur Gemeinde Diemelsee gehörende Ortschaft Stormbruch, im Süden die Gemeinde Willingen. Die zum nordöstlichen Ausläufer des Rothaargebirges gehörenden Berge Großer Butterberg 627,4 m und Örenstein 641 m trennen Bontkirchen von Hoppecke im Norden. Im Westen liegt der Hemberg 688,5 m und jenseits der Briloner Berge im Tal der Hoppecke Brilon-Wald.

Die Itter ist der größte Fluss in der Gemarkung. Sie durchfließt in überwiegend nordöstlicher Richtung die Ortschaft. Die Gemarkung verlässt sie auf einer Höhe von 384 m ü. NN und mündet wenig später in den Diemelsee. Durch den ehemaligen Grenzverlauf entlang der Itter lag lange Zeit ein Teil der Ortschaft auf hessischem Gebiet in der Gemarkung Stormbruch der Gemeinde Diemelsee.

Geschichte

Als Bobbenkercken (auch: Bowenkerken, Bunkerken, Buntkerken, Bundtkerken Buntkirchen, Bunnkirchen, Bonnkirchen) wird das Dorf 1276 erstmals urkundlich erwähnt. Bontkirchen hat eine wechselvolle Geschichte, die aus der Grenzlage des Dorfes zwischen weltlichen und kirchlichen Grenzbereichen des Dorfes beruht. Zu nennen sind hierzu Probleme zwischen dem Erzbistum Paderborn und dem Erzbistum Köln und den weltlichen Herren, den Grafschaft Waldeck, den Herren von Padberg, der Stadt Brilon und zuletzt zwischen den Bundesländern Hessen und Nordrhein-Westfalen.[2]

Simon I. von Lippe, veranlasste 1276 als Erzbischof von Paderborn die Wiederbelebung der Pfarrei in Bontkirchen und bestimmte St. Vitus als Stiftungspatron.[3] 1335 verzichtete Johan van deme Scharpenberge vor Graf Heinrich IV. von Waldeck auf sein Lehen zu Buwenkerken. In der Folgezeit erwarb das Kloster Bredelar nach und nach das Dorf. Die Mönche des Klosters erwarben 1347 und 1366 die Bontkirchener Güter der Herren von Scharfenberg. Die Herren von Padberg hatten 1373 dem Kloster ihre Rechte mit Kirchenlehen, Zehnten, Diensten und Burgericht überlassen. Am 1. April 1376 schenkten die Heydenrich und Steven von dem Scharpenberge unter anderem alle ihre Kotstätten, d. h. die Bauernhäuser, zu Bontkirchen dem Kloster Bredelar. Mach längerer Zeit als Wüstung erfolgte ab 1497 erneut eine Besiedlung.[4] Die Grenze zu Waldeck führte immer wieder zu Streitigkeiten und Zwischenfällen. So wird berichtet: „Das 1540 ein Cort Molner aus Buntkercken in Brilon inhaftiert wurde, weil er angetrunken behauptet hatte, dass der Bontkirchen Hüttenhammer Eigentum des Grafen von Waldeck sei“. 1507 verzichten die Herren von Padberg nach Spannungen am 4. Mai 1507 endgültig auf ihre Rechte in Bontkirchen. Die Mönche von Bredelar wurden endgültig Dorfherren, als der Zehnte 1521/27 von den Herren von Horhusen erlangt wurde. Auch der Dreißigjährige Krieg hatte Auswirkungen auf die Bevölkerung. Auf Veranlassung von Ferdinand von Bayern wurden von 1612 bis 1626 kirchliche „Visitationen“ durchgeführt. Für „Bonnkirchen“ wurde protokolliert: „Nun fanden sich Grenzdörfer die sich zu benachbarten protestantischen Pfarreien hielten. So war das Dorf Bonnkirchen zur Filiale des Waldeck'schen Kirchdorfs Heringhausen geworden; jetzt wurde aber Kloster Bredelar zur Wahrnehmung des Gottesdienstes in Bonnkirchen vermocht und die längst supprimierte Pfarrei daselbst wieder in's Leben gerufen.“[5] Der Briloner Richter Jacob Kannegießer berichtete am 15. Mai 1652, dass Bontkirchen zu diesem Zeitpunkt 3 Spannhöfe und 9 Kötter habe, früher waren es 7½ Spann und 15 Kötter gewesen.

Während der Regierungszeit des Clemens August von Bayern wurden 1732 die Diözesangrenzen geändert. Dadurch entfiel Bontkirchen dem Wirkungsbereich des Bistums Paderborn und wurde der Diözese Köln zugeordnet. [6] Während der Zeit Napoleons kam Bontkirchen 1802 an Hessen-Darmstadt. Nach dem Wiener Kongress 1816 gelangte das Herzogtum Westfalen und damit auch Bontkirchen an Preußen. 1819 Tödlicher Zwischenfall; nachdem am 25. Oktober zwei Aschhütten durch ein fürstlich waldeckischens Militair-Commando niedergerissen worden waren, wurde vier Tage später der mit dem Fällen von Kohlholz beschäftigte Christoph Köchling von einem waldeckschen Soldaten erschossen. 1830 erfolgte eine exakte Vermessung der Grenzen zur Beendigung der alten Grenzstreitigkeiten. 1844 wurde das Dorf dem Amt Thülen zugeordnet. 1864 sind 498 Einwohner im Ort registriert. [7]

Bereits seit Ende der 1950er-Jahre strebte die Stadt Brilon eine Grenzänderung zur Gemarkung Stormbruch, ab dem 1. Januar 1972 ein Ortsteil der Gemeinde Diemelsee, an. Dort befanden sich in der Willinger Straße sieben Wohnhäuser mit 22 Bewohnern, eine ehemalige Schreinerei, die Schützenhalle und der Rasensportplatz. Durch die Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen wurde Bontkirchen am 1. Januar 1975 ein Stadtteil von Brilon.[8] Im Jahr 2009 wurde ein Staatsvertrag zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen geschlossen über die Abgabe von 55 Flurstücken mit einer Fläche von zusammen 14 Hektar. Als Ausgleich für den Gebiets- und Steuerkraftverlust zahlte Brilon an Diemelsee einen Betrag von 390.000 Euro. Am 1. November 2009 trat der Staatsvertrag in Kraft. Der bisher hessische Teil der Willinger Straße gehört seitdem offiziell zu Nordrhein-Westfalen.[9] Für diese Lösung hatten sich die Bewohner jahrzehntelang eingesetzt. [2]

Bedeutende Persönlichkeiten

Gemeindevorsteher

  • 1803–1817 W. Birkenhauer (Schultheiß)
  • 1823–1857 Caspar Schulte
  • 1858–1864 Josef Lange
  • 1864–1877 Friedrich Hennecke
  • 1877–1883 Wilhelm Lange
  • 1883–1895 Wilhelm Schilling
  • 1895–1901 Wilhelm Hennecke
  • 1901–1922 Josef Pack
  • 1922–1925 Franz Schulte
  • Wilhelm Heckmann
  • Johann Bunse
  • (1946)–1952 Wilhelm Heckmann
  • 1952–1958 Lorenz Metten
  • 1958–1969 Wilhelm Schilling
  • 1969–1974 Franz Hahn
  • 1974–2009 Albert Brüne

Amtierender Ortsvorsteher: Dieter Marczyk [2]

Wappen

Wappen der ehemaligen Gemeinde
Blasonierung

In Gold eine naturfarbene blaubedachte Kirche über einem von Silber zu Grün im Wellenschnitt schräg geteilten Schildfuß.[10]

Beschreibung

Das am 1. Dezember 1954 genehmigte Wappen der Gemeinde Bontkirchen zeigt als Hauptmotiv die namengebende Dorfkirche. Der mit einer Wellenlinie geteilte Schildfuß weist auf die Itter hin, die hier die Grenze zu Waldeck bildet. Die Farben des Redenden Wappens sind frei gewählt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

  • Kirche St. Vitus:
  • Marienkapelle am Hemberg
  • Schützenhalle der St. Vitus Schützenbruderschaft Bontkirchen 1883 e. V.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Die Schützenbruderschaft St. Vitus 1883 e. V. Bontkirchen feiert alljahrlich über Fronleichnam ihr Schützenfest.
  • Der Skiclub Bontkirchen feiert alljährlich im Juli sein Sportfest.
  • Der Musikverein Bontkirchen feiert alljährlich im August sein „Steinbruch-Fest“
  • Der Männergesangsverein „Cäcilia“ Bontkirchen feiert alljährlich zum 1. Mai sein Maifest
  • Die Freiwillige Feuerwehr Bontkirchen feiert alle zwei Jahre ihr Herbstfest

Verkehr

Bontkirchen liegt an der L 800 (NRW, in Hessen L 3393), die von Willingen kommend zum Diemelsee führt. Die K 61 verbindet die Ortschaft mit Hoppecke.

Öffentlicher Personennahverkehr wird durch Buslinien Richtung Brilon und Marsberg abgewickelt. Der nächste Bahnhof liegt im etwa acht Kilometer entfernten Willingen an der Bahnstrecke Wabern–Brilon-Wald.

Literatur

  • Heinrich Kampschulte, Geschichte der Einführung des Protestantismus, Verlag F. Schöningh, Paderborn, 1866, Seite 379
  • Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Westfälische Zeitschrift, seit 1837

Einzelnachweise

  1. Stadt Brilon: Einwohnerstatistik 31.12.2010. (Abgerufen am 20. April 2011)
  2. a b c Katja Goebel, WDR, Hessen werden zu Westfalen 31. Oktober 2009, Bericht
  3. Karl Wilhelm Grote, Historisch-geographisch-statistisch-literarisches Jahrbuch, 1817, (Eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche)
  4. Alfred Bruns in 750 Jahre Stadt Brilon, Hrsg. Stadt Brilon 1970, Druck Hecker Brilon, Seite 40
  5. Heinrich Kampschulte, Geschichte der Einführung des Protestantismus, Seite 379 (Eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche)
  6. Michael Schmitt, Der Kölner Kurfürst Clemens August von Bayern (1700–1761) und das Herzogtum Westfalen in Säuerlander Heimatbund Ausgabe 2/2000, Seite 62 (Online verfügbar)
  7. Wilhelm Hoffmann, Encyklopädie der Erd-, Völker- und Staatenkunde, 1864, Seite 355
  8. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  9. 22 neue Bürger und 14 Hektar für NRW – Straße wechselt das Bundesland auf n-tv.de vom 31.Oktober 2009
  10. Eduard Belke, Alfred Bruns, Helmut Müller: Kommunale Wappen des Herzogtums Westfalen, Kurkölnisches Sauerland. Strobel, Arnsberg 1986, ISBN 3-87793-017-4

Weblinks


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