Bordeaux (Stadt)
Bordeaux
Wappen von Bordeaux
Bordeaux (Frankreich)
DEC
Bordeaux
Wahlspruch
Lilia sola regunt lunam undas castra leonem.
(Latein: Nur die Lilien beherrschen den Mond, die Wellen, die Festung und den Löwen)
Region Aquitaine
Département Gironde
Arrondissement Bordeaux
Kanton Hauptort von 8 Kantonen
Koordinaten 44° 50′ N, 0° 35′ W44.838611111111-0.578333333333356Koordinaten: 44° 50′ N, 0° 35′ W
Höhe 1 bis 42 m
Fläche 49,36 km²
Einwohner
– mit Hauptwohnsitz
– Bevölkerungsdichte
(2006)
232.260 Einwohner
4.705 Einw./km²
Postleitzahl 33000-33300, 33800
INSEE-Code 33063
Website www.bordeaux.fr
Die Garonne, die Brücke Pont de Pierre und der Turm von Saint-Michel.
Die Garonne, die Brücke Pont de Pierre und der Turm von Saint-Michel.

Die Universitätsstadt Bordeaux [bɔʀˈdo] ist politisches, wirtschaftliches und geistiges Zentrum des französischen Südwestens. Ihre etwa 230.000 Einwohner nennen sich Bordelais. Berühmtheit hat die Stadt insbesondere durch den Bordeauxwein und ihre Küche erlangt, aber auch durch ihr bauliches und kulturelles Erbe. Bordeaux ist Sitz der Präfektur des Départements Gironde und Hauptstadt der Region Aquitaine, ferner Sitz eines Erzbischofs und eines deutschen Konsulats.

Die Präfektur verwaltet auch das Arrondissement Bordeaux, das aus 33 Kantonen besteht. Gemeinsam mit 26 umliegenden Kommunen bildet Bordeaux die Communauté Urbaine de Bordeaux (CUB), einen Kommunalverband mit etwa 660.000 Einwohnern. Dieser Verband ist wiederum Teil der Agglomeration, die den weiteren Einzugsbereich mit insgesamt 51 Kommunen umfasst und so auf 754.000 Einwohner kommt. Die aire urbaine, vergleichbar mit einer Metropolregion, zählt sogar 925.000 Einwohner (alle Angaben basieren auf der letzten Zählung 1999). Bordeaux ist die größte Stadt im Département Gironde und der Region Aquitanien und die neuntgrößte Stadt Frankreichs. Die Agglomeration rangiert in Frankreich an sechster Stelle.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Bordeaux liegt im südwestlichen Teil Frankreichs, etwa 45 Kilometer vom Meer entfernt, an der Garonne, die sich in einem weiten Bogen durch die Stadt zieht. Diese Form einer Mondsichel verhalf der Stadt zum Namen „Port de la lune“ (Hafen des Mondes). Einige Kilometer flussabwärts vereinigt sich die Garonne mit der Dordogne zum über 70 Kilometer langen Mündungstrichter der Gironde. Bis in das Stadtgebiet hinein sind daher die Gezeitenkräfte zu beobachten: Bei Flut drückt das einströmende Meerwasser den Fluss zurück und hebt den Pegel um etwa einen Meter. Die entstehenden Strömungen sorgen für Strudel und ein unruhiges Oberflächenwasser. Bisweilen kann sich auch eine regelrechte Welle dutzende Kilometer flussaufwärts bewegen: Dieses Phänomen wird in Bordeaux „mascaret“ (dt.: Springflut) genannt.

Geologie

Das linke Ufer der Garonne, auf dem sich der weitaus größte Teil des Stadtgebietes befindet, besteht aus weiten, sumpfigen Ebenen, aus denen niedrige Anhöhen („croupes“) ragen. Diese bestehen aus Geschiebesedimenten und weisen zum größten Teil Kies und Schotter als Untergrund auf. Die Böden sind mager, aufgrund der Wasserdurchlässigkeit und der Fähigkeit, Wärme zu speichern, für den Weinbau jedoch hervorragend geeignet. Die Stadt Bordeaux liegt zwischen dem flussabwärts gelegenen Médoc und dem sich flussaufwärts ziehenden Gebiet der Graves, die geomorphologisch sehr ähnlich sind. Berühmte Weingüter sind bis in das stark verstädterte Ballungsgebiet hinein keine Seltenheit.

Das rechte Ufer geht fast unmittelbar in ein bis zu 90 Meter hohes Kalkplateau über, so dass dort eine markante Steilstufe besteht. Das Plateau beheimatet in etwa 20 Kilometern Entfernung weltberühmte Weinbaugebiete wie Saint-Émilion, Pomerol und Fronsac, in denen einige der teuersten Weine der Welt kultiviert werden.

Klima

Klimadiagramm von Bordeaux

Bordeaux liegt am Südrand der gemäßigten Klimazone. Die sehr milden Winter und die langen, warmen Sommer lassen bereits subtropisch-mediterranen Einfluss spüren. Niederschlag ist zu allen Jahreszeiten häufig; mit einer Niederschlagsmenge von 891 mm/Jahr werden für französische Verhältnisse relativ hohe Mengen erreicht. Diese fallen hauptsächlich im Winterhalbjahr, im Sommer eher in Form von Wärmegewittern. Die höchste jemals in Frankreich gemessene Niederschlagsmenge innerhalb einer halben Stunde wurde im Juli 1883 aus Bordeaux gemeldet. Enorme Schäden verursachte auch ein „Doppelgewitter“ im Jahre 1982, als am 31. Mai innerhalb einer Stunde das komplette Monatssoll abregnete und drei Tage später in 50 Minuten nochmals ein halbes.

Die Jahresmitteltemperatur liegt bei etwa 12,8 °C mit einem durchschnittlichen Minimum von 5,9 °C im Januar und einem Maximum von 20,2 °C im Juli. Die nach hinten verschobenen Temperaturmaxima liegen im ozeanischen Klima begründet. Trotz des ausgeglichenen Temperaturgangs können bei entsprechenden Wetterlagen extreme Temperaturen auftreten: Während der Hitzewelle 2003 erreichten die Höchstwerte an zwölf aufeinander folgenden Tagen mindestens 35 °C, davon an einem Tag 41 °C.

Die Stadt hat eine hohe Sonneneinstrahlung vorzuweisen. Mit etwa 2.000 Sonnenstunden pro Jahr übertrifft Bordeaux die meisten französischen Regionen mit Ausnahme des Mittelmeerraumes und einzelner Küstengebiete am Atlantik.

Die Mikroklimate von Bordeaux und Umgebung sind mitentscheidend für die hervorragenden Weinbaubedingungen: Die Stadt und die umliegenden Anbaugebiete sind durch einen breiten Streifen Pinienwaldes (Forêt des Landes) vor den Seewinden geschützt. Zudem sorgt die Gironde für einen temperaturausgleichenden Effekt, da dieses Gewässer wie eine gigantische Batterie tagsüber gespeicherte Wärme nachts abgibt und außerdem breitflächig die Sonneneinstrahlung in das Umland reflektiert.

Stadtgeographie

Stadtviertel von Bordeaux.
Stadtstruktur von Bordeaux. Dunkelrot: Altstadt; Hellrot: Innerhalb des Boulevards; Orange: Äußere Stadtteile
Elegante Mietshäuser im Viertel Hôtel de Ville. Im Hintergrund das Nordportal der Kathedrale.
Der Pavé des Chartrons, ehemaliger Sitz vieler Weinhändler und großbürgerlich geprägtes Wohnquartier.
Das in den Siebziger Jahren neu errichtete Stadtviertel Mériadeck.
Die Communauté Urbaine de Bordeaux (CUB). Rot: Bordeaux; Orange: Mitgliedskommunen.

Bordeaux ist formal in acht städtische Arrondissements aufgeteilt. Die Arrondissements 1–6 liegen auf dem linken Garonne-Ufer und sind von Norden nach Süden durchnummeriert, das siebte bezeichnet das rechte Garonne-Ufer und das achte den eingemeindeten Stadtteil Caudéran. Da hierbei historisch Gewachsenes zumeist nicht berücksichtigt wurde, hat dies dazu geführt, dass sich die Bewohner nicht – wie zum Beispiel in Paris – mit ihren Arrondissements identifizieren. Statt dessen ist es üblich, den Wohnsitz nach Vierteln beziehungsweise Stadtteilen zu benennen. Üblicherweise geben diese auch einen gewissen Aufschluss über den Lebensstandard.

Vieux Bordeaux (Altstadt)

Der historische Kern von Bordeaux ist das Gebiet innerhalb der ehemaligen Stadtmauer. Seit 2007 steht Bordeaux, Port de la Lune unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes. Es wird durch die ringförmige Struktur der Cours und dem Garonne-Ufer begrenzt und von zwei Hauptachsen geteilt:

Von Norden nach Süden verläuft die fast eineinhalb Kilometer lange, heute vollständig zur Fußgängerzone gestaltete Rue Sainte-Catherine vom Place du Grand Théâtre bis zur Place de la Victoire, wo die alten Gebäude der Universität stehen. Hier und westlich davon liegt das Geschäftsviertel von Bordeaux mit Handels- und Dienstleistungsschwerpunkt, östlich bis zur Garonne überwiegt – teils sehr alte – Wohnbebauung.

Die Ost-West-Achse wird durch den Pont de Pierre gebildet, die einzige Brückenquerung innerhalb des historischen Zentrums. Ihre Fortführung bildet der Cours Victor Hugo. Nördlich überwiegen Wohn- und Geschäftslagen gehobenen bis sehr hohen Standards, südlich einfache Lagen.

Im Nordwestteil (Viertel: Quinconces, Hôtel de Ville) finden sich feine Restaurants und Cafés, repräsentative Niederlassungen von Banken und Finanzdienstleistern, Kinos und Einzelhandel für den gehobenen bzw. Luxusbedarf. Hier liegt das schon zu Zeiten der Intendanten so genannte Triangle d’or (Goldenes Dreieck), ein fast gleichseitiges Dreieck, das aus drei Alleen gebildet wird und als Schaufenster des feinen Bordeaux gilt. Im Nordostteil (Viertel: Saint-Pierre, Saint-Eloi) befinden sich Restaurants, Hotels und Kneipenviertel. Der ursprünglich alternative Charme weicht langsam einem gewissen Chic. Der Südwestteil (Viertel: Victoire) ist stark studentisch geprägt, aber auch bevorzugter Wohnort der Mittelschicht. Im Südosten (Viertel: Capucins, Saint-Michel, Sainte-Croix) überwiegen einkommensschwache Bevölkerungsschichten (Alte, Arbeiter, Arbeitslose, Immigranten).

Die ehemaligen Faubourgs (Vorstädte)

Der Wohngürtel zwischen Cours und Boulevard ist aus ehemaligen Vorstädten außerhalb der Stadtmauer entstanden und ist mit Ausnahmen ähnlich aufgebaut: Im Norden überwiegen bevorzugte, im Süden einfache Lagen.

Entlang der Garonne liegen im Norden die Viertel Chartrons und Grand Parc, ersteres der Sitz vieler Weinhändler und bürgerlich geprägt, letzteres eine Großsiedlung für einkommensschwache Schichten.

Der Nordwesten rund um das Palais Gallien beherbergt das Viertel Saint-Seurin, eine gehobene Wohnlage und Sitz vieler Konsulate.

Im Westen ragt das neue Einkaufs- und Verwaltungszentrum Mériadeck empor, das einzige innerstädtische Hochhausensemble. Für dessen Errichtung wurden großflächig einfache Viertel abgerissen, deren Zustand als marode und unhygienisch angesehen wurde. Obwohl zwischen den Handels- und Verwaltungsflächen hochwertige Wohnbebauung geplant war, ist es nicht zu einer verstärkten Ansiedlung der Oberschicht gekommen; die Bauten haben im Gegenteil bereits eine leichte Patina angesetzt. Die großzügige verkehrstechnische Erschließung führte aber zur Ansiedlung einiger Hotels höheren Standards. Rund um Mériadeck ist die ursprüngliche Bebauung für die untere bis mittlere Mittelschicht erhalten geblieben, die zumeist aus ein- bis zweigeschossigen Häuserzeilen mit kleinen Gärten besteht. Diese so genannten Echoppes sind bei der Bevölkerung heutzutage äußerst beliebt.

St. Genès im Südwesten ist großbürgerlich geprägt, während der Süden bis heute Wohngegend der Armen ist. Industrie und Gewerbe, Bahnlinien und wenig ansprechende Infrastruktur wie die zentralen Schlachthöfe prägen das Bild.

Das rechte Ufer ist nach Jahrzehnten der Vernachlässigung ins Blickfeld der Stadtplaner gerückt. Neben den traditionellen Vierteln Bastide und Benauge soll direkt gegenüber der Altstadtfassade ein vollständig neuer Wohnbezirk für die urbane Oberschicht gebaut werden.

Jenseits des Boulevards liegt im Norden das Viertel Lac ohne nennenswerte Wohnbebauung, sowie Bacalan, traditionelles Revier der Hafenarbeiter und heute stark von Arbeitslosigkeit geprägt. Im Westen befindet sich Caudéran, ein 1964 eingemeindeter Vorort mit lockerer Bebauung und einigen repräsentativen Villen. Hier ist der Parc Bordelais gelegen, die größte öffentliche Grünfläche der Stadt. Im Südwesten schließt sich Saint-Augustin an, ein Viertel der mittleren bis oberen Mittelschicht; hier sind das Stadion und das Zentralkrankenhaus untergebracht.

Agglomeration

Wie in fast allen französischen Ballungsräumen ist die Kernstadt Bordeaux von einem Gürtel eigenständiger Kommunen umgeben, die mit ihr untrennbar zusammen gewachsen, aber nicht eingemeindet worden sind. Während Bordeaux im 20. Jahrhundert insgesamt an Einwohnern eingebüßt hat, sind diese Vororte teilweise auf das zehnfache ihrer ursprünglichen Bevölkerung gewachsen. Die flächenmäßige Ausdehnung der Agglomeration ist insbesondere auf dem linken Garonne-Ufer bemerkenswert: Seit Jahrzehnten frisst sich die Stadt förmlich in den umgebenden Pinienwald hinein, immer wieder einen Gürtel aktuell bevorzugter Randwohnlagen vor sich herschiebend. Zum Flächenverbrauch trägt auch die fast durchweg niedrige Bebauung bei.

Der hochverdichtete Teil des Ballungsraumes liegt etwa innerhalb des Autobahnrings. Die Schnittpunkte zwischen dem ringförmigen Boulevard und den Ausfallstraßen sind die so genannten Barrières. Diese bilden keineswegs deutliche Grenzen zwischen Bordeaux und der Vorstadt, sondern sind im Gegenteil auf Grund ihrer Verkehrslage zu kleinen Nebenzentren der Innenstadt geworden, deren eine Hälfte in Bordeaux liegt, die andere teils schon in den Nachbarkommunen, die außerdem über jeweils eigene Stadtzentren verfügen. Diese Orte weisen Bevölkerungsstärken zwischen 10.000 und 70.000 Einwohnern auf.

Außerhalb dieser Städte bzw. jenseits des Autobahnrings wird die Bebauung locker, die Einwohnerdichte geringer und das Durchschnittseinkommen höher. Einige Großeinrichtungen (Flughafen, Industrieansiedlungen) unterbrechen das gleichförmige Bild. Die in diesem äußeren Gürtel gelegenen Kommunen verzeichnen zwischen 5.000 und 25.000 Einwohner. Auf der gegenüber liegenden Seite der Garonne ist auf Grund des geringeren Platzangebotes der Übergang unvermittelt: Während nahe der Stadtgrenze in Lormont und Cenon Hochhausbebauung im größeren Stil herrscht, beginnt unmittelbar östlich davon bereits der ländliche Raum.

Flora und Fauna

Das Stadtgebiet ist auf fast 90% der Fläche derart verdichtet, dass kein Platz für natürliche Lebensräume bleibt. Hier beschränkt sich die Vegetation auf Parks, Grünstreifen und leeren Baugrund. Auch die Tierwelt existiert nur insoweit, wie sie sich an fast geschlossen überbaute Flächen anpassen kann. Bordeaux hat insbesondere ein massives Problem mit seiner Rattenpopulation, das die Stadtverwaltung seit Jahren durch eine verbesserte Müllentsorgung und stärkere Kontrolle der gastronomischen Einrichtungen bekämpft.

Naturnaher Raum findet sich im äußersten Norden des Stadtgebiets und vereinzelt an den Ufergestaden der Garonne gegenüber der Altstadt. Insbesondere im Norden, der als Naherholungsgebiet ausgewiesen wurde, sind einige Flächen bewusst nicht bewirtschaftet worden, so dass hier noch eine Flora und Fauna existiert, wie sie entlang der Gironde typisch ist: Eine Reihe von Zugvögeln hat hier ihre Rastplätze, in den Gehölzen finden sich einige Arten von Niederwild und an sumpfigen Stellen sind auch Bewohner von Feuchtgebieten (Amphibien etc.) zu finden.

Ein eigenes Biotop bilden die Rebflächen, die im Stadtgebiet von Bordeaux allerdings verschwunden sind. In einigen angrenzenden Städten wie Pessac oder Villenave-d’Ornon dagegen wird Wein kultiviert. Hier haben Rebhühner und Kaninchen sowie deren Fressfeinde (Greifvögel etc.) ihre Lebensräume. Relativ ungestört ist der aquatische Lebensraum. In der Garonne existiert eine Vielzahl von Organismen, die sich an die Verhältnisse in Brackwasserreservoiren angepasst haben (siehe hierzu Gironde). In den künstlich geschaffenen Seen leben vornehmlich Zier- bzw. Angelfische.

Geschichte

Siehe hierzu auch den Hauptartikel Geschichte der Stadt Bordeaux.

Die Geschichte von Bordeaux erstreckt sich über einen Zeitraum von annähernd 2300 Jahren. Sie ist von Kelten, Römern, Franken und dem englisch-französischen Gegensatz geprägt, seit Mitte des 15. Jahrhunderts gehört Bordeaux ununterbrochen zu Frankreich. Im Laufe der Jahrhunderte erreichte die Stadt drei ökonomische Blütezeiten, die vor allem auf die strategische Lage, die Handels- und Verkehrsverbindungen zurückzuführen sind.

Antike

Die Stadt geht auf eine keltische Siedlung aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. zurück, die unter den Römern Burdigala getauft und zur Hauptstadt der Provinz Aquitania erhoben wurde. In dieser Zeit erlebte Bordeaux seine erste Blüte, die mehrere hundert Jahre andauerte; sowohl der schon damals praktizierte Weinbau als auch die günstige Lage als Seehafen waren Ursache dafür. Da das unmittelbare Umland sumpfig (aquitanisch burd "Sumpf") und von Malaria verseucht war und daher für eine Besiedlung eher ungeeignet erschien, ist Bordeaux ein Musterbeispiel für eine Stadtgründung aus rein strategischen Erwägungen. Die Via Aquitania verband Bordeaux über Toulouse mit Narbonne, die ältere Via Agrippa verband mit die Stadt mit Lyon und dort mit den Zentren Augusta Treverorum, Colonia Claudia Ara Agrippinensium und Massilia.

Das Stadtbild des antiken Burdigala muss beeindruckend gewesen sein; Reiseberichte römischer Schriftsteller beschrieben es als eine reiche, prächtige Stadt. Noch während des Niedergangs von Westrom konnte die Stadt einen gewissen Lebensstandard innerhalb ihrer Befestigungen wahren, bevor eine Reihe von Plünderungen und Verwüstungen im Gefolge der Völkerwanderung dem Wohlstand ein Ende setzten.

Mittelalter

Im 5. Jahrhundert wurde Bordeaux durch die Westgoten, kurz darauf durch die Franken eingenommen. 732 verwüstete Abd ar-Rahman während seines Feldzugs die Stadt. Nach der Niederlage der Araber bei Poitiers wurden diese hinter die Pyrenäen zurückgedrängt, jedoch fielen im 9. Jahrhundert die Normannen ein und plünderten die Stadt erneut. Erst danach begann sich Bordeaux zu erholen. Ein Wendepunkt trat ein, als Eleonore von Aquitanien durch die Heirat mit Henri Plantagenêt den französischen Südwesten zu englischem Lehen machte. Vom 12. bis zum 15. Jahrhundert blieb Bordeaux unter der Herrschaft der Könige von England und erlebte eine zweite wirtschaftliche Blüte. Die Stadt wurde mit einer neuen Stadtmauer versehen und die romanische Kirche durch einen gotischen Bau, die Kathedrale Saint-André, ersetzt. Bordeaux war Sitz eines Erzbischofs und Hauptstadt des Fürstentums Guyenne (englische Adaptation des französischen Namens Aquitaine).

Im Vergleich zu anderen französischen Provinzen war der Lebensstandard in Bordeaux und Umgebung hoch: Die Lebensmittelversorgung war ausreichend und die Stadt profitierte von einem Handelsnetz, über das der heimische Wein exportiert und englische Fertigwaren importiert werden konnten. Während des Hundertjährigen Krieges konnten sich die Engländer in Bordeaux halten, erst nach der Schlacht von Castillon mussten sie die Guyenne endgültig räumen. Die Rückkehr nach Frankreich wurde von den Bürgern, viele von ihnen mächtige und reiche Kaufleute, keineswegs begrüßt, da hierdurch die alten Absatzmärkte in England wegfielen. Auch der König sicherte sich ab, indem er zwei große Festungen bauen ließ: Im Norden das Château de la Trompette, im Westen das Château du Hâ. Diese waren vor allem Verteidigungsbauten, aber die Geschütze konnten im Falle von Aufständen auch gegen die Bevölkerung gerichtet werden. Im Jahre 1441 wurde die Universität Bordeaux gegründet. Erst 1494 wurde ein Parlament eingerichtet, das dem Bürgertum eine beschränkte Selbstverwaltung ermöglichte und ein Zugeständnis des französischen Königshauses an die Bordelais darstellte.

Neuzeit

Vom Absolutismus bis zum 20. Jahrhundert

Die Stadt nach einem Plan von 1840 mit Blick nach Westen. Die Bebauung hat sich bereits weit über die mittelalterlichen Grenzen (rot markiert) ausgedehnt: Bevorzugte Wohngegend ist das Viertel um den neu angelegten Jardin Public.
Stadtansicht von Bordeaux nach einem kolorierten Stich um 1850. Vorne rechts sind die Terrassen der Place des Quinconces erkennbar.

Nach einem zwischenzeitlichen Niedergang erlebte Bordeaux seine dritte Blütezeit im 18. Jahrhundert durch den florierenden atlantischen Seehandel, insbesondere mit den Antillen. Zu dieser Zeit wurden einige fähige Intendanten in die Stadt entsandt, die ihr ein völlig neues Gesicht verliehen: Die alten Stadtmauern wurden abgerissen und durch breite Prachtstraßen ersetzt, die sogenannten Cours. Entlang dieser Cours entstanden einige der beeindruckendsten Privathäuser, die noch heute teilweise wie Paläste erscheinen. Die prächtigen Gebäude am Rande der Hafenquais stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Das im klassizistischen Stil errichtete Grand Théâtre empfing die begehrtesten Ensembles von ganz Frankreich. Ein Meisterwerk merkantiler Baukunst ist das Palais de la Bourse, der Sitz der Börse. Diese Umgestaltung von Bordeaux im Sinne des aufgeklärten Absolutismus beeindruckte den jungen Georges-Eugène Haussmann und dürfte zum Teil vorbildhaft für die Umgestaltung von Paris unter Napoléon III. geworden sein.

Zur Zeit der Französischen Revolution wurde Bordeaux Hauptstadt des Départements Gironde. In der Nationalversammlung stellten die Abgeordneten, die Girondins genannt wurden, eine bedeutende Gruppe, die zunächst erheblichen Einfluss hatte und maßgeblich an der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte und der neuen Verfassung mitwirkte. Diese Girondisten waren politisch den Liberalen zuzuordnen. Sie verloren mit der Terrorherrschaft der Jakobiner um Robespierre 1793/94 allerdings ihren Einfluss und wurden verfolgt. Auch die wirtschaftliche Situation in Bordeaux verschlechterte sich wieder.

Während der napoleonischen Kriege wurden gewaltige Kontingente in Richtung Spanien verlegt, die unter anderem Bordeaux passierten. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass 1811 die erste feste Brücke über die Garonne gebaut wurde, der Pont de Pierre (wörtlich: Steinbrücke; einige Jahre zuvor war bereits ein Vorgängerbau aus Holz errichtet worden). Die Bedenken der lokalen Würdenträger, die technischen Herausforderung angesichts der starken Strömung und der unberechenbaren Fluten zu meistern, soll Napoleon zu dem Satz Impossible n’est pas français! (wörtlich: unmöglich ist nicht französisch) veranlasst haben.

In dieser Zeit wuchs die Bevölkerung trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten erheblich: Es entstanden zwischen den Cours und der neuen Stadtgrenze (dem heutigen Boulevard, der teils bis heute Stadtgrenze geblieben ist) neue Vorstädte, die sich auf dem linken Garonneufer ringförmig um den mittelalterlichen Kern ausbreiteten. Im Nordwesten und Südwesten lagen die Viertel des gehobenen Bürgertums, dazwischen die einfachen Wohngegenden für Arbeiter und Kleinbürgertum. Das rechte Ufer der Garonne entwickelte sich im Vergleich nur langsam. Während der aufkommenden Industrialisierung siedelten sich hier und in der Hafengegend die meisten Großbetriebe an. Bordeaux begann mit seinen Nachbarstädten zusammenzuwachsen.

Seit dem 20. Jahrhundert

1870/71 sowie im Ersten und Zweiten Weltkrieg zog sich die französische Regierung vor den heranrückenden deutschen Truppen aus Paris nach Bordeaux zurück. Zwischen dem 1. Juli 1940 und dem 27. August 1944 war Bordeaux von Truppen der deutschen Wehrmacht besetzt, die hier einen wichtigen U-Boothafen errichteten. Trotz dieser Tatsache und der exponierten Lage nahe der Atlantikküste, die von den Deutschen zum „Atlantikwall“ ausgebaut und in ihrer ganzen Länge mit Bunkern befestigt wurde, blieb Bordeaux nahezu unbeschädigt. Während dieser Zeit war die Stadt wie der ganze französische Südwesten eine Hochburg der Résistance, die Maurice Papon, der mit den Nationalsozialisten kollaborierende Sekretär des Präfekten der Gironde, Sabatier, mit grausamen Mitteln zu unterdrücken versuchte. Für seine Willkürherrschaft und seine Mitverantwortung am Holocaust – er war für die Deportation der Bordelaiser Juden verantwortlich – wurde ihm erst 1997 als einem der letzten Vertreter der Kollaboration der Prozess in Bordeaux gemacht. Jacques Chaban-Delmas, eine der wichtigsten Figuren des Widerstandes gegen die deutsche Besatzung, wurde nach dem Krieg zum Bürgermeister gewählt und behielt das Amt fast fünfzig Jahre lang.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts machte Bordeaux einen tief greifenden Strukturwandel durch. Der Seehafen, bis dahin direkt in der Stadt gelegen, wurde aufgegeben und durch einen Terminal nahe Le Verdon an der Girondemündung ersetzt, das die nötige Wassertiefe und Kapazität besitzt, Containerschiffe abzufertigen. Die Öltanker bedienen eine neu errichtete Großraffinerie in Pauillac, etwa 50 km entfernt. Nach den Mai-Unruhen 1968 wurde die Universität Bordeaux in einen neuen Campus im Vorort Talence ausgelagert, um die Studenten auf räumlicher Distanz zu halten. Im Norden entstanden auf bisher brach liegendem Gelände ein Messegelände, Hotels und Einkaufszentren. Eine Verwaltungsstadt wurde in der Nähe des Stadtzentrums errichtet, für die ein ganzes Viertel dem Erdboden gleich gemacht wurde. Zudem wurde ein Autobahnring gebaut, um der zunehmenden Verkehrsprobleme Herr zu werden. In den siebziger Jahren siedelten sich unter anderem Ford, IBM, Siemens und Aérospatiale in neu ausgewiesenen Gebieten am Stadtrand und in den Nachbargemeinden an.

Nicht jede dieser brachialen Maßnahmen wurde dem Aufwand gerecht, aber der Niedergang der Wirtschaft konnte gestoppt werden. Möglich wurde dies auch durch den Zusammenschluss von Bordeaux und seinen Nachbargemeinden zur Communauté Urbaine de Bordeaux (CUB), einem kommunalen Verbund, der interkommunale Aufgaben wie Strukturpolitik, Nahverkehr, Ver- und Entsorgung regelt.

Während der neunziger Jahre wurde sich Bordeaux seines historischen Erbes vollends bewusst. Die Altstadt, die fast vollständig das historische Erscheinungsbild behalten hat, wurde zunehmend verkehrsberuhigt und die Wohnlagen aufgewertet. Historische Gebäude wurden saniert, die Front zur Garonne restauriert und Neubauten wie die Cité Mondiale du Vin behutsam ins Stadtbild eingefügt. 1994 wurde ein groß angelegtes Projekt zur Stadtsanierung vorgestellt, das zum Hauptziel hat, die Stadt wieder mit der Garonne zu vereinigen: Alte Lagerhallen wurden abgerissen, Radwege und Promenaden gebaut und die Industriebrachen der rechten Garonneseite mit neuer, hochwertiger Bebauung versehen. Im Jahr 2004 wurde die Straßenbahn, die seit den sechziger Jahre durch Busse ersetzt worden war, wieder mit drei neuen Linien eingeweiht.

Bevölkerung

Selbstverständnis

Das Selbstbild der Bordelais ist ausgesprochen regional geprägt: Als traditionsreiche Stadt mit langer geistig und politisch eigenständiger Tradition ist man hier stolz auf seine Herkunft und die besondere Lebensqualität. Durch die enorme Ausstrahlungskraft der Stadt in ihr großflächiges, relativ dünn besiedeltes Umland ist die regionale Bedeutung nie bestritten worden. In Bordeaux finden sich daher viele Anhänger einer betont föderalen Einstellung, die der Hauptstadt Paris und deren Einwohnern mit einer gewissen Skepsis gegenüberstehen. Eine Rivalität besteht zudem mit Marseille, der anderen großen südfranzösischen Hafenstadt, die sich aber heutzutage zumeist nur bei Fußballderbys bemerkbar macht. Traditionell freundschaftliche Beziehungen pflegt Bordeaux mit Toulouse und Lyon.

Sprache

Unmittelbar in der Nähe von Bordeaux verläuft die Sprachgrenze zwischen der Langue d’oïl und der Langue d’oc, die hier eine weite Ausbuchtung nach Süden erfährt. Die Langue d’oil ist im Laufe des Mittelalters bis nach Blaye vorgedrungen, das nur 30 Kilometer von Bordeaux entfernt liegt. Zugleich teilt sich das okzitanische Gebiet ab der Gironde fächerartig in verschiedene Dialekte auf: Ursprünglich wurde in Bordeaux im Alltag ein okzitanischer Dialekt gascognischer Prägung gesprochen, während die rechte Seite der Garonne bereits unter Einfluss der auvergnatischen, ab Libourne dann der limousinischen Variante stand. Mit der Durchsetzung des Standardfranzösischen als Alltagssprache ab dem 19. Jahrhundert, spätestens seit dem Ersten Weltkrieg, wurden diese Dialekte, die so genannten Patois, zurückgedrängt. In Bordeaux verschwand das Patois besonders früh: Dies liegt an der urbanen Struktur begründet, wurde aber sicherlich durch den Umstand verstärkt, dass selbst innerhalb des Stadtgebiets verschiedene, untereinander schwer verständliche Patois gesprochen wurden. Bereits vor 1970 war das Okzitanische endgültig aus dem Alltag verschwunden. Zurück bleibt in heutiger Zeit ein typischer, „südwestlicher“ Akzent. Dieser verzichtet auf die Nasalaussprache oder deutet sie nur an. Zudem werden die Vokale oft heller und kürzer als im Standardfranzösischen ausgesprochen, wodurch sich das Sprachtempo beträchtlich erhöhen kann.

Bevölkerungsentwicklung und -dichte

Nach einer Meldung vom 24. Januar 2005 hat das französische Institut für Statistik INSEE die Einwohnerzahl von Bordeaux auf ca. 230.000 geschätzt. Dies Meldung bedeutet, dass sich seit der letzten Zählung ein Bevölkerungsgewinn von über 14.000 Einwohnern ergeben hat – ein Wachstum, das den französischen Durchschnitt um mehr als das Doppelte übertrifft. Dies ist eine spektakuläre Trendumkehr, denn seit 1900 ist die Bevölkerung im Stadtgebiet fast hundert Jahre lang stetig gesunken. Waren es Anfang des 20. Jahrhunderts noch über 260.000 Einwohner, drohte selbst nach der Eingemeindung von Caudéran in den sechziger Jahren zwischenzeitlich – um 1980 – der Fall unter die 200.000-Einwohner-Grenze. Ungebrochen ist das Wachstum innerhalb der Agglomeration, deren Bevölkerung bereits bei der letzten Volkszählung 1999 754.000 Einwohner betrug. Allein die CUB erwartet bis 2010 einen Bevölkerungsanstieg um über 100.000 Einwohner.

Jahr 1876 1896 1921 1936 1954 1968* 1982 1990 1999 2004
Einwohner 215 100 256 900 267 400 256 400 257 946 270 996 208 159 210 336 215 363 229 500
*nach Eingemeindung von Caudéran im Jahr 1964. Die Angaben für 2004 basieren nicht mehr auf Volkszählungen, sondern sind eine Fortführung der INSEE: Seit 2000 gelten vereinfachte Zensusregelungen, die auf Teilerhebungen beruhen.

Da Eingemeindungen in Frankreich eher zurückhaltend betrieben werden, hat das Stadtgebiet von Bordeaux eine gewisse Bevölkerungsobergrenze. Die Bevölkerungsdichte ist außerordentlich hoch und liegt mit weit über 4.000 Einwohnern je km² oberhalb derjenigen vergleichbarer Städte im deutschsprachigen Raum – im innenstadtnahen Wohngürtel teils noch beträchtlich darüber. Dagegen weist die CUB 1.200, die Agglomeration sogar nur 713 Einwohner je km² aus und hält noch beträchtliche Reserven zur Verdichtung des Wohnraumes vor.

Bevölkerungsstruktur

Bordeaux hat eine insgesamt günstige Bevölkerungsstruktur. Der Großraum ist seit jeher für Zuwanderer attraktiv gewesen, da Klima, Lebensumstände und Entfaltungsmöglichkeiten gegeben waren. Insbesondere die Bildungseinrichtungen, in geringerem Maße auch die neu angesiedelten Wirtschaftszweige haben bewirkt, dass die Einwohner verglichen mit nationalen Vergleichszahlen unterdurchschnittlich alt und überdurchschnittlich gebildet sind.

Die ethnische Zusammensetzung hat mit der Zeit einige Besonderheiten erfahren: Bordeaux galt über Jahrhunderte als Anlaufstelle portugiesischer und spanischer Exilanten, insbesondere politischer Flüchtlinge und in ihrer Heimat unter Repressalien leidender Juden. Darin liegt auch begründet, dass sich später überdurchschnittlich viele portugiesische Gastarbeiter in Bordeaux niederließen, die hier eine florierende Gemeinde aufgebaut haben. Migranten aus Nordafrika, heute überwiegend im Besitz der französischen Staatsbürgerschaft, spielen ebenfalls eine Rolle, jedoch bei weitem keine so große wie in den Ballungszentren von Paris, Lyon oder Marseille.

Religionen

An manchen Häuserfassaden lässt sich der jüdische Glaube ihres Errichters erkennen.

Bordeaux war traditionell ein Ort religiöser Toleranz. Während der Religionskriege, die in unmittelbarer Nähe katastrophale Folgen hatten, nahm die Stadt bereitwillig Flüchtlinge auf. Dies geschah nicht völlig uneigennützig, denn die Hugenotten trugen viel zur Wirtschaftsleistung bei. Auch gibt es seit langem eine große jüdische Gemeinde. Im Unterschied zu den meisten nord- und ostfranzösischen Städten tragen ausländische Bürger dazu bei, den katholischen Bevölkerungsanteil zu stabilisieren, denn diese stammen in Bordeaux vor allem aus Südeuropa.

Da in Frankreich keine offiziellen Statistiken über die Religionszugehörigkeit geführt werden, ist es auch für Bordeaux nicht möglich, exakte Zahlen anzugeben. Legt man den französischen Bevölkerungsschnitt von etwa 82 % Katholiken zu 18 % Sonstigen (Muslime, Protestanten, Juden, andere Gemeinschaften, Konfessionslose) zugrunde, weicht Bordeaux von diesen Zahlen leicht ab. Spezielle Faktoren wie beispielsweise die in Städten allgemein überdurchschnittliche Anzahl an Muslimen (auch französischer Nationalität), die in Südfrankreich überdurchschnittliche Anzahl an Protestanten und die in Bordeaux überdurchschnittlich vertretenen Vertreter jüdischen Glaubens legen nahe, dass der katholische Bevölkerungsteil unter 80 % liegt.

Persönlichkeiten

Charles de Secondat, Baron de Montesquieu (1689-1755), Staatsphilosoph der Aufklärung und Propagandist der Gewaltenteilung

Im 4. Jahrhundert lebten der Dichter Decimius Magnus Ausonius, Verfasser des berühmten in Latein geschriebenen Mosella, und der spätere Bischof Paulinus von Nola in Bordeaux und Umgebung. Papst Klemens V. war, bevor er 1305 zum Papst gewählt wurde, Erzbischof der Stadt. Von 1557-1570 war der Philosoph Michel Eyquem de Montaigne Bürgermeister von Bordeaux. Charles de Secondat, Baron de Montesquieu (†1755), in der Nähe geboren, hatte hier seinen Lebensmittelpunkt. Auch verbrachte der Maler Francisco de Goya in Bordeaux seine letzten Lebensjahre (†1828).

Söhne und Töchter der Stadt

Siehe auch: Pierre Étienne Louis Eyt

Politik

Politische Traditionen

Bordeaux ist traditionell eine Hochburg des Liberalismus französischer Prägung. Die Erfahrungen durch den bereits im Mittelalter hier weit entwickelten Freihandel haben bewirkt, dass die schon früh sehr selbstbewussten Bürger ihre Interessen formulierten und sogar unter feudalen oder absolutistischen Systemen auch durchsetzten. Galt diese Einstellung vor der französischen Revolution noch als fortschrittlich, wurde sie bald darauf in Misskredit gebracht, denn mit der freiheitlichen Einstellung bourgeoiser Art war auch das bedingungslose Eintreten für Privateigentum und das Streben nach individuellem Wohlstand verbunden.

Trotz mancher Wandlungen in der politischen Landschaft ist Bordeaux in seiner Mehrheit dieser Tradition treu geblieben: Während Aquitanien und hier besonders das Département Gironde eine Hochburg der Sozialisten geblieben ist, hat sich Bordeaux selbst seit Mitte des 20. Jahrhunderts für bürgerliche Ratsmehrheiten entschieden und seine Bürgermeister immer aus den Parteien der Konservativen oder Wirtschaftsliberalen gewählt.

Bürgermeister

Michel de Montaigne, Bürgermeister von Bordeaux im 16. Jahrhundert.

Folgende Bürgermeister standen der Stadt seit dem 20. Jahrhundert vor:

1904–1908 Alfred Daney
1908–1912 Jean Bouche
1912–1919 Charles Gruet
1919–1925 Fernand Philippart
1925–1944 Adrien Marquet
1944–1947 Fernand Audeguil
1947–1995 Jacques Chaban-Delmas (RPR)
1995–2004 Alain Juppé (RPR, später UMP).
2004-2006 Hugues Martin UMP-UDF
ab 2006 Alain Juppé

Für eine Liste aller Bürgermeister seit 1200 siehe hier. Der berühmteste Bürgermeister von Bordeaux war Michel de Montaigne, Schriftsteller und wegweisender Philosoph des Humanismus im 16. Jahrhundert.

Städtepartnerschaften

Die Stadt Bordeaux unterhält folgende Städtepartnerschaften:

Über die Städtepartnerschaften hinaus bestehen Kooperationsabkommen mit Sankt Petersburg (Russland) und Krakau (Polen).

Wappen

Die drei Mondsicheln als Fassadenschmuck über einem Hauseingang.

Das Wappen ist auf die Zeit unmittelbar nach dem Ende des Hundertjährigen Krieges zurückzuführen. Die Lilien auf blauem Grund im Schildhaupt stehen für das königliche Frankreich, der goldene Leopard auf rotem Grund symbolisiert das Herzogtum Guyenne und die Burg das Rathaus von Bordeaux, das damals in dem heute nicht mehr existierenden Stadtschloss untergebracht war (heute existiert nur noch der Turm mit der Grosse Cloche). Die Mondsichel in den Flusswellen weist auf den Namen Port de la Lune hin und unterstreicht dergestalt die Rolle der Stadt für den Seehandel. Diese Anordnung der Symbole unterstreicht den französischen Anspruch auf Stadt und Landschaft und findet sich im Wahlspruch der Stadt wieder. Im Vollwappen ist der Spruch in einem Spruchband unterhalb des Schildes zu finden; über dem Schild befindet sich eine Mauerkrone mit sieben Zinnen - zuweilen durch eine gräfliche Krone ersetzt - und zur Linken und zur Rechten wird er von zwei Antilopen gehalten.

Als Symbol für Bordeaux hat die Mondsichel über die Zeit eine besondere Bedeutung erhalten. Seit einigen hundert Jahren hat sich eine grafische Form entwickelt, die drei ineinander verkreuzte Sicheln darstellt und als verkürzte Form des Wappens verwendet wird. Die Stadtverwaltung nutzt dieses Zeichen als Plakette zur Kennzeichnung städtischen Eigentums oder städtischer Aktivität, auch als imageförderndes Markenzeichen, ähnlich wie ein Logo. Auch unter der Bevölkerung ist es sehr beliebt: Die trois croissants schmücken Häuserfassaden, Kleidungsstücke, sind als Aufkleber etc. erhältlich.

Wirtschaft

Die Cité Mondiale du Vin, Kongress- und Veranstaltungszentrum rund um den Wein.
Die Allées de Tourny mit der Maison Internationale du Vin - Zentrum des Einzelhandels für Luxusbedarf.

Seit jeher ist die Wirtschaft von Bordeaux untrennbar mit dem Wein und dem Hafen verbunden. Auch heute spielen Handel, Verkehr und Dienstleistungen die entscheidende Rolle in der lokalen Wirtschaft. Dagegen ist Bordeaux erst spät zu einem industriellen Standort geworden und schon kurze Zeit später in eine Strukturkrise geraten. Nach deren Bewältigung sind dort überwiegend Zukunftstechnologien angesiedelt worden. Trotzdem ist die Arbeitslosenquote mit 11,2 % im ANPE-(Arbeitsamts-)Bezirk und Besorgnis erregenden 19,7 % im Stadtgebiet die höchste der Region.

Dienstleistungssektor

Wein und Seehandel sind noch heute wichtige Wirtschaftsfaktoren: Zwar nimmt der Hafen nur noch die sechste Stelle in Frankreich ein, aber die unangefochtene Stellung ihres Weines in der Welt hat sich bis heute erhalten. Über Bordeaux werden jährlich 6 Millionen Hektoliter von 14.000 Herstellern über 400 Händler abgewickelt, was einem Jahresumsatz von 14,5 Milliarden € entspricht.

Auch außerhalb des Weingeschäfts liegt das Schwergewicht der Bordelaiser Wirtschaftsleistung im tertiären Sektor, der fast 90 % zur Wirtschaftsleistung beisteuert: Groß- und Einzelhandel sind stark vertreten und teilweise auf den Vertrieb regionaler oder spezialisierter Produkte ausgerichtet. Aufgrund der verkehrsgünstigen Lage betreiben Land- und Seespeditionen von hier aus vielfältige Aktivitäten, wobei der Güterumschlag über die Straße mit 90 Millionen Tonnen pro Jahr das zehnfache der über See abgewickelten Menge erreicht. Als Verwaltungszentrum der Region und des Départements verfügt die Stadt über eine starke administrative Stellung. Hinzu kommen die Universität und Institute wie das Institut für Önologie. Messen und Kongresse sind die Ursache für die hohe Anzahl geschäftlicher Übernachtungen; private Übernachtungen sind der gewachsenen Rolle des Tourismus geschuldet. Das Bild wird abgerundet durch fast 3.200 verschiedene Dienstleistungsunternehmen.

Seit den siebziger Jahren hat sich Bordeaux als Messestandort positioniert. Größte Publikumsmesse ist die jährlich im Mai statt findende Buchmesse (Salon du Livre); Fachmessen wie die Vinexpo oder die Vinitech richten sich vornehmlich an gewerbliche Besucher.

Industrie

Die Agglomeration zählt 88 Gewerbegebiete, die durch sechs so genannte „Technologiepole“ ergänzt werden. Bordeaux hat fünf industrielle Schwerpunkte zu strategischen Standortfaktoren erklärt: Luft- und Raumfahrt (20.000 direkte Arbeitsplätze an 30 Standorten), Elektronik, Chemie und Pharmaindustrie, Automobilbau (beispielsweise der Automobilhersteller Ford, der hier die weltweite Getriebeproduktion errichtet hat) und Baumaterial.

Kultur

Die Santé Navale auf einer Postkartendarstellung von 1900.

Bildung

In Bordeaux besteht ein großes und differenziertes Bildungsangebot. Allein 70.000 Studenten verteilen sich auf die vier Universitäten, die gemeinsam als Universität Bordeaux auftreten, aber formal unabhängig voneinander sind. Neben der Universität zählt die Stadt acht Ingenieurshochschulen, vier Wirtschaftshochschulen, das Institut d’études politiques de Bordeaux und fünf sonstige Hochschulen, darunter die berühmte Santé Navale, die für das Gesundheitswesen der Marine ausbildet. In Bordeaux befindet sich die École nationale de la magistrature (ENM), die französische Ausbildungsstätte für Richter und Staatsanwälte.

Medien

Bordeaux ist Standort der Sud-Ouest-Mediengruppe, die neben der regionalen Tageszeitung Sud Ouest und ihrer Sonntagsausgabe auch eine Reihe von Ratgebern, Magazinen und Bildbänden herausgibt. Das Verbreitungsgebiet der Tageszeitung reicht bis in die Charente, das Limousin und die Pyrenäen; die Auflage gehört zu den höchsten in ganz Frankreich. Traditionsreich sind in Bordeaux Buchverlage, weswegen die Stadt auch Standort einer Buchmesse ist. Zudem unterhalten die Fernseh- und Radioanstalten (z. B. France 3) Regionalbüros in Bordeaux, der lokale Fernsehsender TV 7 Bordeaux hat hier ebenfalls seinen Sitz. Auch einige freie Radiosender sind dort angesiedelt.

Sehenswürdigkeiten

Der Turm Pey-Berland der Kathedrale Saint-André
Die Kirche Saint-Pierre
Die Kirche Saint-Louis bei Nacht
Porte Cailhau

Bordeaux ist eine Stadt, die nicht durch herausragende Einzelbauten, sondern durch die grandiose, fast vollständig erhaltene Anlage der Stadt besticht, die ihr historisches Bild bis heute erhalten hat. Darin ist sie Städten wie Amsterdam oder Lissabon ähnlich. Insbesondere im historischen Zentrum, aber auch darüber hinaus bietet sie immer wieder überraschende Eindrücke, sei es durch die spätbarocke Anordnung der Straßen und Plätze oder durch die beeindruckende Harmonie ihrer Häuserzeilen, durch Parks und Gärten. Die „Fassade“ zur Garonne ist weltberühmt: Auf mehreren Kilometern ziehen sich hohe, schmale Bürgerhäuser das Ufer entlang, unterbrochen durch einzelne Repräsentationsbauten. Dahinter ragen die Dächer von Kirchen und alten Stadttoren empor. Das historische Ensemble gilt als das größte, geschlossenste und schönste von ganz Frankreich und wird als Kulisse für unzählige Film- und Fernsehproduktionen genutzt.

Sakralbauten

  • Die Kathedrale Saint-André ist ein einschiffiger angevinisch romanischer Bau mit gotischen Erweiterungsbauten, mit 127 Metern Länge eine der größten Kathedralbauten Frankreichs. Der freistehende Turm Pey-Berland wurde im flamboyanten Stil zwischen 1440 und 1450 hinzugefügt.
  • Auch die gotisch-flamboyante Basilika Saint-Michel verfügt über einen freistehenden Turm, der mit 114 Metern Höhe den Pey-Berland noch überragt und seit seiner Errichtung im 16. Jahrhundert lange Zeit das höchste Bauwerk von Bordeaux war. Hervorzuheben ist dort die Buntverglasung aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Koordinaten: 44° 50′ 4″ N, 0° 33′ 55″ W44.834436111111-0.565366666666687).
  • Die gotische Pfarrkirche Saint-Pierre besticht durch ein figurenreiches Portal (Koordinaten: 44° 50′ 23″ N, 0° 34′ 13″ W44.839777777778-0.570258333333337).
  • Die romanische Kirche Sainte-Croix wurde auf frühchristlichen Vorgängerbauten im 12. Jahrhundert als Abteikirche errichtet und im 19. Jahrhundert von Paul Abadie so vollständig renoviert, dass man fast von einem Neubau sprechen kann. Das Portal der Kirche ist jedoch überwiegend noch aus dem 12. Jahrhundert und stellt mit seinem Figurenschmuck eines der Höhepunkte der angevinischen Romanik dar (Koordinaten: 44° 49′ 52″ N, 0° 33′ 39″ W44.831055555556-0.560947222222217).
  • Die gothische Kirche Saint-Louis (Saint Louis-de-Chartrons) ist mit ihren zwei Türmen eine der höchsten Kirchen in Bordeaux. Berühmt ist auch die Orgel von G. Wenner aus dem Jahre 1881. Nachts sind die Türme innen blau beleuchtet (Koordinaten: 44° 51′ 6″ N, 0° 34′ 20″ W44.851563888889-0.572180555555557).
  • Die barocke Kirche Notre-Dame wurde Ende des 17. Jahrhunderts errichtet (Koordinaten: 44° 50′ 33″ N, 0° 34′ 35″ W44.842625-0.576488888888897).
  • Die Kirche Sainte-Marie (Sainte Marie de la Bastide) liegt auf der östlichen Flussseite. Sie gehört zu den höchsten Bauwerken des Ortsteiles La Bastide. Die Kuppel des Turmes sieht denen der Basilique du Sacré-Cœur in Paris sehr ähnlich (Koordinaten: 44° 50′ 35″ N, 0° 33′ 24″ W44.843097222222-0.55671111111117).
  • Die gotische Kirche Saint-Seurin weist in ihrer Krypta sowie in der Turmhalle Elemente galloromanischer Architektur auf (Koordinaten: 44° 50′ 36″ N, 0° 35′ 8″ W44.843238888889-0.585683333333327).
  • Die Synagoge von Bordeaux wurde von der damals außergewöhnlich großen jüdischen Gemeinde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und gehört zu den größten und schönsten ihrer Art.
  • Die Kirche Sacré Coeur de Bordeaux gehört mit ihren zwei Türmen ebenfalls zu den höchsten Kirchen in Bordeaux. Sie liegt am südlichen Rand der Altstadt in der Nähe des Hauptbahnhofes (Koordinaten: 44° 49′ 21″ N, 0° 33′ 48″ W44.822619444444-0.563411111111127).

Profanbauten

  • Das Grand Théâtre wurde von 1773 bis 1780 von Victor Louis im Stil des Klassizismus italienischer Prägung errichtet. Es ist eines der Wahrzeichen von Bordeaux und galt nach seiner Fertigstellung als größtes und schönstes von ganz Frankreich, in dem die bekanntesten Ensembles ihre Vorstellungen gaben. Seit 1991 ist im Inneren die originale Einrichtung in blau, gold und Marmor wiederhergestellt (Koordinaten: 44° 50′ 33″ N, 0° 34′ 25″ W44.842622222222-0.57358611111117).
  • Das Palais Rohan ist der ehemalige Sitz des Erzbischofs. Zwischen 1771 und 1784 für den Erzbischof Mériadec de Rohan erbaut, wurde es 1835 zum Rathaus umgewidmet. Die Inneneinrichtung ist zum größten Teil erhalten. Auf der Rückseite beherbergen zwei Flügel das Kunstmuseum (Koordinaten: 44° 50′ 16″ N, 0° 34′ 47″ W44.837902777778-0.57961388888897).
  • Die Grosse Cloche oder Porte Saint-Eloi ist der ehemalige Rathausturm, der nach Niederlegung des Hauptgebäudes als Stadttor fungierte. Namensgeber ist die riesige, fast acht Tonnen schwere Glocke, die in ihrem zentralen Teil aufgehängt ist. Flankiert wird sie von zwei 41 Meter hohen Türmen. Die Uhr wurde 1759, die Glocke 1775 angebracht. Die Grosse Cloche ist ein weiteres Wahrzeichen von Bordeaux, das sich auch im Stadtwappen wiederfindet (Koordinaten: 44° 50′ 7,5″ N, 0° 34′ 17,08″ W44.835416666667-0.57141111111117).
  • Die Porte Cailhau, ebenfalls früheres Stadttor, ist mit der Grosse Cloche eines der wenigen Zeugnisse aus mittelalterlicher Zeit. Sie wurde ab 1495 zu Ehren von Karl VIII. errichtet.
  • Die Porte de Bourgogne oder Porte des Salinières ist ein weiteres ehemaliges Stadttor gegenüber der Brücke Pont de Pierre, das Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet wurde (Koordinaten: 44° 50′ 10,79″ N, 0° 33′ 58,4″ W44.836330555556-0.566222222222227). Es gibt noch drei weitere ehemalige Stadttore ähnlicher Bauart: Porte Dijeaux (Koordinaten: 44° 50′ 26,4″ N, 0° 34′ 47,3″ W44.840666666667-0.579805555555577), Porte d'Aquitaine (44° 49′ 52,1″ N, 0° 34′ 22,06″ W44.831138888889-0.572794444444447) und Porte de la Monnaie (44° 49′ 59,28″ N, 0° 33′ 42,46″ W44.833133333333-0.561794444444447).
  • Das Palais Gallien bezeichnet keinen Palast, sondern die Überreste eines römischen Amphitheaters aus dem 3. Jahrhundert, das ein Fassungsvermögen von 15.000 Zuschauern hatte (Koordinaten: 44° 50′ 52,14″ N, 0° 34′ 58,37″ W44.847816666667-0.582880555555567).

Straßen, Plätze, Brücken

Der Pont de Pierre, zentrale Flussquerung aus napoleonischer Zeit
  • Die Place des Quinconces ist mit einer Fläche von 126.000 m² einer der größten unbebauten Plätze Europas. Der Platz wurde 1820 nach der Schleifung der Festungsanlagen an der Stelle des ehemaligen Château de la Trompette eingerichtet. Zur Garonne hin wurde er 1829 mit zwei 21 Meter hohen Säulen und einer Freitreppe geschmückt. Zur Stadtseite hin wird der Platz durch das Denkmal der Girondisten (Monument aux Girondins) abgeschlossen, eine von 1894 bis 1902 errichtete Säule mit zwei Springbrunnen und vielen weiteren Figuren, die zum Gedenken an die dem republikanischen Terror zum Opfer gefallenen Abgeordneten der Gironde errichtet wurde.
  • Die Place du Parlement ist ein rechteckiger Platz mit geschlossener klassizistischer Bebauung aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurde als Marktplatz genutzt. Heute ist er Teil der Fußgängerzone und beherbergt zahlreiche Restaurants und Cafés.
  • Die Place de la Bourse ist der herausragendste Teil der kilometerlangen Schaufront zur Garonne. Das großartige architektonische Ensemble wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet. Im Palais de la Bourse, der alten Hafenbörse ist heute ein Zollmuseum untergebracht.
  • Die Place de la Victoire ist ein kreisrunder Platz, in dessen Mitte die Porte d’Aquitaine, ein beeindruckender Triumphbogen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, errichtet wurde.
  • Der Pont de Pierre, erste Brücke der Stadt, wurde unter Napoleon erbaut. Die Legende will, dass die 17 Brückenbögen für die 17 Buchstaben des Namens „Napoléon Bonaparte“ stehen sollten.
  • Der Pont d’Aquitaine, Autobahnbrücke aus dem Jahr 1967, ist so konzipiert, dass Hochseeschiffe passieren können.
  • Die Allées de Tourny, zwischen 1743 und 1757 errichtet, sind das Prunkstück des von den Intendanten erbauten Straßensystems. Ursprünglich war die Nordseite nur eingeschossig, um das Schussfeld der Festung nicht zu behindern. Am Ende der Allee steht das Hôtel Meyer, erbaut 1796 für den Hamburger Konsul Meyer. Hier weilte Friedrich Hölderlin als Hauslehrer.
  • Das Stadtviertel Mériadeck, großflächiges Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum, ist eher etwas für Liebhaber der neueren Stadtplanung.

Museen

Das CAPC im Entrepôt Lainé.

Die kulturelle Infrastruktur von Bordeaux wird durch eine Reihe sehr bekannter Museen bereichert. Das größte von ihnen ist das Musée d’Aquitaine, eines der größten Regionalmuseen von Frankreich. Die reiche Sammlung zur regionalen Geschichte wird durch das Centre Jean Moulin ergänzt, das eine umfangreiche Ausstellung über die Geschichte der Résistance bietet. Auch die Wirtschaftsgeschichte findet ihren Platz: Der Südflügel des Palais de la Bourse ist für das Zollmuseum reserviert. Hier wird vor allem die wechselvolle Geschichte des Seehandels in Bordeaux ausgestellt.

Die Kunst nimmt in den Museen von Bordeaux einen herausragenden Platz ein. Eine große Kunstsammlung vor allem klassischer Gemälde befindet sich in der Galerie des Beaux-Arts und im Musée des Beaux-Arts, das in den rückwärtigen Seitenflügeln des Rathauses eingerichtet wurde. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Musée des Arts Décoratifs. Hier ist in einem Stadtpalast des 18. Jahrhunderts eine große und berühmte Sammlung zur Kunst der Einrichtung und Innenarchitektur untergebracht.

Moderne Kunst findet sich im CAPC, einer Kunststiftung, die in den alten Zollgebäuden des Stadthafens residiert. Im Entrepôt Lainé, einer alten Warenlagerhalle, werden vor allem Wanderausstellungen gezeigt.

Gastronomie

Bordeaux ist berühmt für seine abwechslungsreiche, exquisite Küche. Die Nähe zum Meer, die umgebenden Weinberge und das von Polykulturen geprägte Hinterland bieten eine Vielzahl unterschiedlicher lokaler Spezialitäten. Es fallen viele Gerichte à la Bordelaise auf: Diese werden mit – in der Regel rotem – Bordeauxwein, oft auch mit Schalotten angerichtet, deren Verwendung in der Küche des französischen Südwestens Zwiebeln oder Knoblauch weitgehend verdrängt hat.

Fisch, Austern und Meeresfrüchte beziehen die Märkte insbesondere vom nahe gelegenen Arcachon, einem Zentrum der Austernzucht, und aus der Gironde. Üblicherweise wird zu Austern Weißbrot und Butter gereicht, aber auch gegrilltes Schweinehack, das einen geschmacklichen Kontrapunkt setzt. Das Frühjahr ist die Hauptsaison für Alsen, grätenreichen aber wohlschmeckenden Fischen mit weißem Fleisch, die hauptsächlich in der Gironde gefangen werden. Besonders begehrt (und entsprechend teuer) ist Lamproie à la Bordelaise, nämlich Neunauge, ein schlangenförmiger Fisch, dessen rotes Blut zusammen mit Rotwein zu einer aufwändigen Sauce verarbeitet wird. Die Verbundenheit mit Portugal hat dazu geführt, dass auch Stockfisch in Bordeaux sehr beliebt ist. Die Brandade de Morue ist ein kalt oder lauwarm servierter Salat aus gekochten Kartoffeln und Stockfischwürfeln, mit einer Vinaigrette angemacht und manchmal mit Gurke oder Schalotte verfeinert.

In Bordeaux wird dem „roten Fleisch“, insbesondere dem Rindfleisch, der Vorzug vor allen anderen Fleischsorten gegeben. Auch hier existieren viele Varianten mit Rotweinsaucen, besonders bekannt ist Entrecôte à la Bordelaise, das Zwischenrippenstück, mit reichlich Schalotten bedeckt. Wie im Périgord ist auch Confit, eingelegte Stücke von Gans oder Ente, ein Grundbestandteil der Küche. Stopfleber oder Pastete wird außer aus dem Périgord auch aus den Landes bezogen. Bemerkenswert ist, dass das Bordelais als nahezu einzige Region Frankreichs nie einen eigenen Käse hervorgebracht hat. Neben den Erzeugnissen benachbarter Regionen bevorzugen die Bordelais traditionell Holländer Käse, der bereits vor Hunderten Jahren in die Stadt eingeführt wurde.

Canelés in der Auslage eines Spezialgeschäfts.

Eine echte Bordelaiser Spezialität sind die Canelés. Dies sind kleine Kuchen, die in einer charakteristischen, gugelhupfartigen Form gebacken werden und nicht höher als 10 cm sind. Ein gelungener Canelé trägt eine karamellisierte Kruste, die je nach Backzeit von goldgelb bis dunkelbraun reichen kann. Das Innere ist dagegen weich, luftig und cremig-klebrig. Rum und Vanille sorgen für den unverwechselbaren Geschmack. Canelés müssen tagesfrisch gegessen werden, weswegen sie nicht nur teuer sind, sondern auch nicht exportiert werden können. Es existieren nur sehr wenige renommierte Anbieter. Canelés sollen ohne Eiweiß ausschließlich aus Eigelb gebacken werden, da das Eiweiß im Weinkeller für den Rotwein benötigt wird: es wird zum Klären des Rotweines schaumig geschlagen, auf die Oberfläche des Weines gegeben und sinkt als Vorhang im Wein herab, wobei das Eiweiß auf seinem Weg herab alle Trübstoffe des Weines bindet. Das Eigelb hingegen bleibt beim Aufschlagen der Eier überzählig und wird zum Backen von Canelés verwendet. Somit sind Canelés eigentlich eine Verlegenheitslösung, um nicht zu viel Eigelb dem Abfall zu überantworten, bzw. eine Art der Resteverwertung.

Sport

Sportliches Aushängeschild sind die Girondins de Bordeaux, die bereits fünf Mal französischer Fußballmeister waren, aber auch über eine Handballmannschaft verfügen. Im französischen Südwesten ist neben Fußball Rugby Union weit verbreitet und äußerst populär. Die lokalen Vereine sind Stade Bordelais und CA Bordeaux-Bègles Gironde; sie stellen eine gemeinsame Profimannschaft namens Union Bordeaux Bègles.

Ein besonders inniges Verhältnis pflegt die Stadt zum Radsport: Bordeaux ist regelmäßig Etappenstadt der Tour de France und gilt neben der Ankunft auf der Pariser Champs-Elysées als prestigeträchtigste Ankunft für Sprinter. Lange Zeit existierte außerdem das Eintagesrennen Bordeaux-Paris, in dem die ca. 600 Straßenkilometer zwischen den beiden Städten innerhalb eines Tages bezwungen werden mussten. Es galt daher als das härteste Radrennen der Welt. Dies war auch ein Grund dafür, dass es Ende des 20. Jahrhunderts eingestellt wurde.

Bordeaux ist ebenfalls geprägt durch die an der Atlantikküste regelmäßig ausgerichteten Surfturniere: Die Wellen an der Côte d’Argent gelten als weltweit eines der idealen Ziele für Wellenreiter; im nahen Lacanau finden jährlich Wettbewerbe unter großer Beachtung der Öffentlichkeit statt. Auch nutzen Surfer den Mascaret in der Gironde, der sich unter günstigen Bedingungen bis in die Stadt fortsetzt. Insbesondere um die Tag-und-Nacht-Gleiche schieben sich aufgrund der speziellen Flutverhältnisse bis zu drei Meter hohe Wellen in den Mündungstrichter, die ausgiebig von Wellenreitern genutzt werden.

Verkehr

Bordeaux ist seit jeher eine sehr verkehrsgünstig gelegene Stadt. Bereits zur Römerzeit kreuzten sich hier die Reichsstraßen und der Hafen gehörte zu den größeren seiner Epoche. Im Mittelalter verlief eine der Hauptrouten des Jakobswegs durch Bordeaux. Auch das napoleonische Straßensystem hatte in der Stadt einen seiner Knotenpunkte.

Straßenverkehr

Der Straßenverkehr spielt in Bordeaux eine bedeutende Rolle: Der internationale Warenverkehr von Portugal und fast ganz Spanien wird über die Stadt geleitet. Im Sommer kommen mehrere Reisewellen von Individualurlaubern hinzu. Privater und gewerblicher Verkehr haben dazu geführt, dass Bordeaux bereits sehr früh ins französische Autobahnnetz eingebunden wurde. Hier kreuzen sich heute die A 10 (Paris-Bordeaux), die südlich als N 10 nach Spanien weiterführt, die A 62 (Bordeaux-Toulouse-Narbonne), die A 63 (Bordeaux-Arcachon) zum Meer und die 2007 fertig gestellte A 89 (Bordeaux-Lyon).

Schon in der frühen Nachkriegszeit wurden die Verkehrsprobleme derart offensichtlich, dass ein durchgehender Autobahnring erforderlich war. Die A 10 wird seit 1967 über den Pont d’Aquitaine, eine gewagte Hängebrückenkonstruktion, geführt. Im Verlauf der siebziger und achtziger Jahre konnte der Ring geschlossen werden. Im Süden überquert diese so genannte Rocade, die Garonne über den Pont François Mitterrand ein zweites Mal. Bis dahin wurde der Straßenverkehr ausschließlich über die beiden innerstädtischen Brücken (Pont de Pierre und Pont St. Jean) geführt.

Schienenverkehr

Die Eisenbahnbrücke Pont Saint-Jean auf einer Postkartendarstellung um 1900

Bordeaux ist ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt: Der Hauptbahnhof Gare Saint-Jean, 1898 erbaut, zeugt von der Bedeutung, die die Stadt bereits im vorvergangenen Jahrhundert hatte. Dieser war zunächst Kopfbahnhof und nordwestlicher Knoten der Compagnie des Chemins de Fer du Midi, deren Streckennetz fast ganz Südfrankreich abdeckte. Auf der anderen Seite der Garonne befand sich sein – kleineres – Gegenstück, der Gare d’Orléans, der südwestlicher Endpunkt der Compagnie des Chemins de Fer Paris-Orléans war.

Schon früh wurde der Pont Saint-Jean als erste Eisenbahnbrücke über die Garonne geschlagen. Nach der Fusion der beiden Eisenbahngesellschaften 1934 konnte der Hauptbahnhof zum Durchgangsbahnhof ausgebaut werden und der Gare d’Orléans verlor seine Bedeutung. Nach dessen Aufgabe war er zwischenzeitlich vom Abriss bedroht – heute ist in dem kernsanierten Gebäude ein Multiplexkino untergebracht.

Über Bordeaux verläuft heute die wichtige Achse Paris-Irun, die in ihrer ganzen Länge vom TGV bedient wird. Zwischen Paris und Bordeaux ist sie fast durchgängig als Schnellstrecke ausgebaut; 15 Verbindungen verkehren täglich zwischen beiden Städten. Der geplante Ausbau der fast 600 Kilometer langen Gesamtstrecke wird die Fahrzeit zwischen den beiden Städten bis 2010 auf zwei Stunden verringern. Außerdem befindet sich eine TGV-Verbindung über Toulouse in den Mittelmeerraum in Planung.

Luftverkehr

Flugverbindungen gewinnen in Bordeaux zunehmend an Bedeutung. Der Flughafen Bordeaux befindet sich in Mérignac im Westen des Ballungsraums und kann mit einem Zubringerbus erreicht werden. In den neunziger Jahren hat der Flughafen seine Kapazitäten bedeutend erweitert, indem ein neues Terminal errichtet wurde. Über Mérignac werden auch Güter abgefertigt.

Seeverkehr

Der ehemalige Stadthafen von Bordeaux an der Garonne. Im Vordergrund das Kriegsschiff Colbert.
Tram der Linie B in der Nähe der Kathedrale

Die Schifffahrt spielte in Bordeaux immer eine herausragende Rolle. Zeitweise der größte Hafen Frankreichs, ist die Stadtmitte heute nur noch Anlaufziel von Kreuzfahrtschiffen und Ausflugsbooten. Mit 16 Kreuzfahrtschiffen und 13.000 Passagieren alleine im Jahr 2004 belegt Bordeaux in dieser Hinsicht allerdings Platz zwei der französischen Häfen. Die industriellen Hafenanlagen befinden sich heute außerhalb des Stadtgebiets in einem Streifen von Bassens an der Bordelaiser Stadtgrenze bis Le Verdon, über 100 km entfernt.

Im Rahmen der Neugestaltung des Ufergeländes der Garonne wurde auch der Kreuzer Golbert abgezogen.

Die Garonne aufwärts liegt der Flusshafen, der für die Binnenschifffahrt und die Touristik eine gewisse Bedeutung hat. Für Diskussionen hat der Bau des Airbus A 380 gesorgt, der teilweise in Toulouse gefertigt wird: Für den Transport der Bauteile auf der Garonne wurde erwogen, den historischen Pont de Pierre baulich anzupassen, d. h. die Brückenbögen teilweise zu verbreitern, was Konservatoren, die sich die Veränderungen in der Brücke deutlich vorstellen konnten, auf den Plan rief.

Um die großen Airbus-Teile, wie Rumpf und Cockpit unter der Pont Pierre transportieren zu können, werden diese Teile in Pauillac auf kleinere Barken verladen, die diese Teile bis Langon transportieren. Dennoch ist die Durchfahrt nur bei niedrigem Wasserstand der Garonne, also bei Ebbe möglich.

Personennahverkehr

Der ÖPNV hat sich seit einiger Zeit gemausert: Durch die TBC werden zahlreiche Bus- und seit 2004 wieder Straßenbahnlinien (Linie A, B, C) betrieben. Die Straßenbahnen verfügen dabei über ein neu entwickeltes System, durch welches in der Innenstadt die Oberleitungen aus ästhetischen Gründen in den Boden verlegt werden konnten. Die Entscheidung fiel, als die Buslinien im Dauerstau nicht mehr vorwärts kamen und der Bau einer U-Bahn aufgrund der Nähe zum Meer und der tiefen Lage der Stadt nicht möglich war. Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten, welche die Bevölkerung der Stadt oft gegen das neue Straßenbahnsystem aufgebracht hatten, funktioniert die Straßenbahn nun einigermaßen zufriedenstellend, wobei hin und wieder noch Ausfälle vorkommen. Aufgrund der fortdauernden Bauarbeiten an den Schienenverläufen kann es vor allem an den Ausfallstraßen zu erheblichen Staus kommen.

Literatur

  • Graneri-Clavé, Mario (Hrsg.): Le Dictionnaire de Bordeaux. Nouvelles Editions Loubatières, Portet-sur-Garonne 2006, ISBN 2-86266-478-2
  • Robert Coustet, Marc Saboya: Bordeaux - La conquête de la modernité. Editions Mollat, Bordeaux 2005, ISBN 2-909351-85-8
  • Don Kladstrup, Petie Kladstrup: Wein & Krieg. Deutscher Taschenbuchverlag, München 2004, ISBN 3-423-34152-1
  • Michel Figeac, Pierre Guillaume (Hrsg.): Histoire des Bordelais. Editions Mollat, Bordeaux 2003, ISBN 2-909351-75-0
  • Robert Joseph: Bordeaux und seine Weine. Hallwag, München 2003, ISBN 3-7742-0978-2
  • Gérard Nahon, Juifs et judaïsme à Bordeaux, Paris 2003
  • Manfred Görgens: Bordeaux & Atlantikküste. DuMont Reiseverlag, Köln 2002, ISBN 3-7701-5851-2
  • René Terrisse: Bordeaux 1940-1944. Editions Perrin, Paris 1993, ISBN 2-262-00991-0
  • Paul Butel: Les négociants bordelais, l’Europe et les îles au XVIIème siècle. Aubier Montaigne, Paris 1992, ISBN 2-7007-1975-1

Weblinks


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