Bordfluganlage
Die Le Foudre, erstes mit einer Bordfluganlage im Form eines Katapults auf dem Oberdeck ausgerüstetes Schiff (Frankreich 1911)
Eine Hawker Sea Hurricane mit der Kennung W9182 auf dem Katapult eines CAM Ship
Bordfluganlage der USS Missouri (BB-63) mit Vought OS2U Kingfisher am Kran (um 1945)
Moderne Bordfluganlage auf dem Vorschiff des US-Flugzeugträgers USS Nimitz (CVN 68)

Die Bordfluganlage war eine vor allem auf Kriegsschiffen aber zum Teil auch auf Handelsschiffen im Zweiten Weltkrieg verbreitete Einrichtung, um mit Hilfe eines mit Pressluft, Dampf, Raketenantrieb oder über Hydraulik betriebenen Katapults Propellerflugzeuge bzw. Wasserflugzeuge auf die nötige Geschwindigkeit zum Abheben zu beschleunigen, so dass diese auf offener See von Bord des Schiffes aus starten konnten. Auch die Systeme zur Startunterstützung auf vielen modernen Flugzeugträgern können zu den Bordfluganlagen gezählt werden, da konventionell startende Düsenflugzeuge ohne diese nicht in der Lage wären, von alleine die minimale Fluggeschwindigkeit zu erreichen, um sicher vom Träger abheben zu können.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Anfänge

Das erste mit einer Bordfluganlage im Sinne eines Flugzeugkatapults ausgestattete Schiff war das französische Flugzeugmutterschiff Le Foudre aus dem Jahr 1911, die nur ein Jahr nach dem ersten Flug eines Wasserflugzeugs mit Henri Fabre an Bord, von der französischen Marine in Dienst gestellt wurde. Dieses weltweit erste Schiff ihrer Art verfügte bereits über einen Hangar an Deck unmittelbar hinter dem Katapult, in dem die Flugzeuge gegen Witterungseinflüsse geschützt untergebracht werden konnten.

Erster Weltkrieg

Während des Ersten Weltkriegs wurden die Flugzeugmutterschiffe zumeist für Aufklärungseinsätze verwendet. Gemeinsame Einsätze dieser Einheiten mit einer schnellfahrenden Flotte erwiesen sich aufgrund der zeitintensiven Flugoperationen, bei denen die Wasserflugzeuge nach ihrer Wasserung in der Nähe des Schiffes über einen Kran wieder an Bord geholt wurden, als nur schwer durchführbar. Außerdem bestand während des Flugbetriebs die Gefahr von U-Boot-Angriffen. Die frühen Bordfluganlagen dieser Schiffe, die meistens mit Pressluft betrieben wurden, funktionierten bereits recht zuverlässig, konnten aber nur relativ leichte Flugzeuge in die Luft bringen.

Auf deutscher Seite kamen entsprechende Bordflugzeuge sogar auf Hilfskreuzern zum Einsatz. Beispielsweise führte die SMS Wolf ein Aufklärungsflugzeug, genannt „Wölfchen“, vom Typ Friedrichshafen FF 33E zum Aufspüren feindlicher Handelsschiffe mit an Bord. Dieses wurde bei Bedarf gestartet, wobei der Hilfskreuzer die dann über Funk gemeldeten Schiffe angriff und versenkte.

Zwischenkriegszeit

In der Zwischenkriegszeit wurden die entsprechenden Anlagen weiterentwickelt. Es entstanden vor allem auf deutscher Seite sogenannte Katapultschiffe für den transatlantischen Luftpostverkehr der Lufthansa. Dabei wurden die, von hydraulisch betriebenen Katapulten gestarteten, Flugzeuge immer größer, bis zur leichten viermotorigen Blohm & Voß Ha 139. In etwa zur gleichen Zeit wurden auch die ersten großen Schlachtschiffe und Schweren Kreuzer (später auch Leichte Kreuzer) mit Bordfluganlagen ausgestattet, mit denen sie im Bedarfsfalle Aufklärungsflugzeuge sowie in seltenen Fällen auch Jagdflugzeuge (z.B. bei der italienischen Littorio) gestartet werden konnten. Auf manchen Schiffen wurden Bordfluganlagen aus Platzmangel zum Teil auch über den schweren Geschütztürmen installiert. Eine besonders charakteristische Bordfluganlage besaßen die deutschen Schlachtschiffe der Bismarck-Klasse sowie die britische King George V-Klasse, welche etwa mittschiffs über die Breite angeordnet war.

Zweiter Weltkrieg

Ab dem Zweiten Weltkrieg wurden die Flugzeugmutterschiffe zumeist nur noch als reine Transporter verwendet, die von Basen an den Küsten aus operierten und Wasserflugzeuge starteten, da die entsprechenden Flugoperationen aufgrund der im Gegensatz zu früher gesteigerten Geschwindigkeit der Schiffe in einem geschlossenen Flottenverband mit den Erfordernissen der schnell wechselnden Bedrohungslagen im modernen Seekrieg endgültig nicht mehr vereinbar waren. Die Bordfluganlagen auf Schlachtschiffen und Schweren Kreuzern erwiesen sich vor allem für Aufklärungszwecke als um so wichtiger. Allerdings waren schon vor dem Krieg die ersten wirklich brauchbaren Flugzeugträger mit einem Flugdeck entstanden, bei denen die Flugzeuge mit Radfahrwerk (Landflugzeuge) auch wieder an Bord landen konnten. Diese Schiffe besaßen zum Teil ein oder zwei mit Dampf betriebene Katapulte auf dem Flugdeck, die zwecks stärkerer Beschleunigung der Flugzeuge jedoch deutlich länger waren als die der bisher verwendeten Bauarten. Eine Besonderheit waren die britischen CAM Ships, mit Katapulten ausgestattete Handelsschiffe, die so zu ihrer Verteidigung aus der Luft Hawker Sea Hurricane-Jagdflugzeuge an Bord mitführten (ihre recht kurzen Katapulte besaßen einen Raketenantrieb da die Beschleunigung sonst nicht ausgereicht hätte). Die umfangreichsten Bordfluganlagen besaßen die Schlachtschiffe (vor allem die Yamato-Klasse bzw. nach Umbau zu Hybridflugzeugträgern 1944 die beiden Einheiten der Ise-Klasse) und Schweren Kreuzer (Mogami nach Umbau 1943) der Kaiserlich Japanischen Marine, mit mehreren Katapulten am Heck und einem Schienensystem, mit dem die Flugzeuge an Deck bewegt werden konnten. Die Katapultschiffe verschwanden in diesem Konflikt dennoch nicht ganz, das Deutsche Reich setzte sie mangels eigener Flugzeugträger in begrenzter Zahl weiter ein und in der späteren Kriegsphase hatten diese für die japanischen Kamikaze-Einheiten noch einmal große Bedeutung.

Nachkriegszeit bis heute

Mit der Einführung von Hubschraubern bei den Marinen in den frühen 1950er Jahren wurden die mit konventionellen Bordfluganlagen ausgestatteten Flugzeugmutterschiffe bzw. Flugzeugtender überflüssig und ausgemustert. Auch bei den Kreuzern verschwanden diese Anlagen, wobei die Bordhubschrauber nach und nach auch auf kleineren Einheiten wie Zerstörer und Fregatten Einzug hielten.

Auch die meisten modernen Flugzeugträger besitzen gewissermaßen Bordfluganlagen, mit denen sie ihre Düsenflugzeuge mit Hilfe eines langen Dampf-Katapults in die Luft bringen, da diese nicht mehr konventionell (d.h. ohne Unterstützung) von Flugzeugdecks abheben können, weil die Rollgeschwindigkeit und der Fahrtüberschuss des Trägers nicht mehr ausreicht, um die minimale Fluggeschwindigkeit zu erreichen, die die immer schwerer werdenden modernen Flugzeuge zum Auftrieb benötigten.

Arten von Bordfluganlagen

Allgemein

Ältere Systeme

Neuere Systeme

Siehe auch

Weblinks


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