Borescop

Ein Endoskop (griechisch ἔνδον éndon ‚innen‘; σκοπεῖν skopein ‚beobachten‘) ist ein Gerät, mit dem das Innere von lebenden Organismen, aber auch technischen Hohlräumen untersucht oder gar manipuliert werden kann. Ursprünglich für die humanmedizinische Diagnostik entwickelt, wird es heute auch für minimal-invasive operative Eingriffe an Mensch und Tier sowie in der Industrie zur Sichtprüfung schwer zugänglicher Hohlräume eingesetzt.

Der von Hermann von Helmholtz 1850/51 entwickelte Augenspiegel wird als das erste praktisch angewendete Gerät zur Einsicht in das Organinnere, also das erste Endoskop angesehen.[1] Sein Aufbau unterscheidet sich naturgemäß von dem anderer Endoskope.

Die bekanntesten Hersteller von Endoskopen kommen aus Frankreich, der Schweiz, den USA, Deutschland und Japan.

Inhaltsverzeichnis

Grundarten

Basiskomponenten

Endoskopische Grundausrüstung

Zu einem einfachen Endoskopset gehören:

  1. Lichtquelle
  2. Lichtleiter
  3. Endoskop

Einzelne Komponenten verschiedener Hersteller lassen sich in der Regel nicht ohne weiteres kombinieren. Ein Lichtleiter oder Endoskop des einen Herstellers kann beispielsweise nicht ohne weiteres an einer Lichtquelle eines anderen Herstellers betrieben werden. Namhafte Hersteller bieten hierfür auf Nachfrage passende Adapter an. Zur Erleichterung der praktischen Arbeit mit Endoskopen werden von der Industrie verschiedene Haltearmsysteme[2][3][4] angeboten.

Lichtquellen

Auch und insbesondere die Nutzung digitaler Bildübertragungstechniken (Videoendoskopie) mittels CCD-Chips machte den Einsatz teurer Xenon - Lampen notwendig.

Moderne Xenonlampe

Deren Lichtstärke ist zwar exzellent, ihre Standzeit wird jedoch stark von den jeweiligen Ein/Auschaltzyklen bestimmt. Es gilt: Je mehr Zyklen desto geringer die Standzeit.

Nicht nur die Xenon - Lampen entwickeln am Lichtaustritt der Lichtquelle bzw. des Lichtleiter oder Endoskopes, während des Betriebes, enorm viel Wärme. Moderne Lichtquellen sind daher in der Lichtstärke regelbar und durch einen Ventilator gekühlt. Des Weiteren wird die für die Wärme verantwortliche infrarote Strahlung durch dichroitische Hohlspiegel weitgehend aus dem Lichtspektum entfernt. Diese Systeme werden als Kaltlichtquellen bezeichnet. Eine weitere, und aufgrund des niedrigen Strom/Kühlungsbedarfs, von Vorteil geprägte Entwicklung sind Geräte mit Leuchtdioden (Light Emitting Diode, LED) als Lichtquelle. Die Lichtleistung von LEDs kann sich jedoch z. Zt. noch nicht mit der von Xenonlampen messen. Dennoch öffnet diese Technik neue Einsatzgebiete und bietet speziell für Lichtquellen im Akkubetrieb eine interessante Alternative.

Lichtleiter

Für endoskopische Lichtleiter werden hauptsächlich Glasfasern verwendet. Glasfaserlichtleiter können bei einem Faserdurchmesser von 7 bis 10 µm aus bis zu 42.000 Fasern aufgebaut sein. Dies ergibt eine Auflösung von 42.000 Bildpunkten (Pixel) (Pro Faser kann eine Helligkeits- und eine Farbinformation übertragen werden) und entspricht einer Auflösung unter 240 × 180 (siehe Bildauflösung ) Bildpunkten. Hinzu kommt der Moiré-Effekt, der die Qualität des Bildes weiter vermindert und durch die Überlagerung des fiberoptischen mit dem CCD Raster entsteht. Aus diesen Gründen werden vermehrt Videoskope verwendet, welche elektronisch mit eingebautem CCD Chip funktionieren. Es gibt aber auch Lichtleiter, die das Licht mittels eines Gels als Transportmedium leiten können.

Prinzip der Glasfaser

Gellichtleiter bieten eine stärkere Lichtausbeute was besonders für große Räume und die digitale Endoskopie im Allgemeinen von Vorteil ist. Gellichtleiter sind in der Verwendung etwas unhandlicher, nicht so biegsam, wie Glasfaserlichtleiter. Ohne angeschlossenen Lichtleiter sieht man zwar ein Bild durch das Endoskop, dieses ist jedoch zu dunkel um in geschlossenen Räumen verwertbare Ergebnisse zu erzielen.

Endoskope

Zu den Endoskopen zählen die starren oder flexiblen Endoskope und deren Unterarten. Gebräuchliche Arbeitsdurchmesser von starren Boreskopen sind 1,6 bis 19 mm. Halbstarre Boreskope sind ab 1,0 mm, flexible Endoskope von 0,3 bis 15 mm und Videoendoskope von 3,8 bis 12 mm erhältlich.

Starr

Starres Endoskop

Ein starres Endoskop (engl./techn. Rigid Borescope) leitet die Bildinformationen des zu Untersuchenden Objektes bzw. Raumes durch ein Linsensystem im Inneren des Endoskopschaftes an das Okular weiter. Stark verbreitet ist das von Harold H. Hopkins entwickelte Stablinsensystem. Hier wird das Licht durch Stablinsen aus Quarzglas geleitet und an Luftlinsen zwischen den Stäben gebrochen. Diese sehr lichtstarke Bauweise ermöglicht kleinere Linsendurchmesser. Die meisten aktuellen Endoskope bieten durch einen Fokussierungsring in der Nähe des Okulars die Möglichkeit das Bild auch für Brillenträger auf die optimale Schärfe einzustellen. Das für die Untersuchung/Inspektion notwendige Licht der Lichtquelle wird über den angeschlossenen Lichtleiter, ebenfalls im Inneren des Schaftes durch Glasfaserbündel an die Spitze des Endoskopes transportiert. Der Preis eines starren Endoskopes hängt von der Güte der verwendeten Linsen, den Blick/Sichtwinkeln des Objektivs und der Arbeitslänge bzw. dem Arbeitsdurchmesser ab. Im Mittel handelt es sich hier um einen eher niedrigen, vierstelligen Eurobetrag. Es gibt auch starre Endoskope mit verstellbaren Blickwinkeln sog. Schwenkprismenendoskope. Hier lässt sich der Blickwinkel um einen festgelegten Gradbereich variieren (hilfreich für größere Räume).

Flexibel

Bei einem flexiblen Endoskop bzw. Flexoskop (engl. Flexiscope/Flexoscope - Namensgebung z. T. Herstellerabhängig) werden Bild und Licht über Glasfaserbündel übertragen.

Flexibles Endoskop (Flexoskop)
Flexibles Endoskop schematisch (Flexoskop)

Ab einem praktikablen Durchmesser sind Flexoskope/Videoendoskope auch mit auswechselbaren statt festmontierten Objektiven (Vor/Seit - oder Rückwärts) sowie Arbeitskanälen zum Einführen von mikromechanischen Geräten (kleine Zangen oder Greifer) in den Untersuchungs/Inspektionsraum erhältlich.

Siehe auch: Medizinische Endoskopie und Mikromechanik.

Video

Die jüngste Unterart der Flexoskope bilden die sog. Videoendoskope (engl. Videoscope/Videoprobe; die Namensgebung ist herstellerabhängig). Videoendoskope eröffnen ein neues Kapitel in der modernen Endoskopie, da sie zur Bildübertragung/Erzeugung digitale Technologien nutzen. Ein am Objektiv des Videoendoskopes angebrachter CCD- bzw. CMOS -Chip (siehe auch Digitalkamera) erzeugt ein digitales Bild des Untersuchungsobjektes und leitet es an die folgenden Baugruppen des Videoendoskopes weiter. Meist bereitet dann ein Prozessor diese Daten auf, sendet sie zur Ausgabe an einen Monitor, oder legt sie auf einer Festplatte/CD/DVD ab. Videoendoskope ermöglichen je nach Ausstattungsvariante das Einfrieren und Speichern von Bildern sowie mehrstündige Videoaufzeichnungen für eine nachträgliche Aufbereitung/Optimierung oder auch das Vermessen eines Bildes bzw. Objektes.

Videoendoskop im Querschnitt

Generell kann zwischen zwei Leistungsgruppen unterschieden werden. In der Regel ist der CCD-Chip dem Flexiblen und dem CMOS Videoscope von der Optischen Bildqualität überlegen, aber das Flexible Endoskop und vor allem das CMOS-Videoscope sind sehr preiswert. Die Bildqualität ist nicht mit der Pixelanzahl des Videosensors gleichzusetzen. Die beste Bildqualität hängt immer von der Kombination von Videosensor, optischem Linsenssystem, Lichtmenge und Bildausgabe (=großer, kontrastreicher, farb- und detailgetreu auflösender Monitor) ab.

Messtechnik

Auf dem Gebiet der Messtechnik bieten verschiedene Hersteller Messverfahren an. Jede Messtechnik birgt für sich, für den jeweiligen Verwendungszweck, Vor- und Nachteile. Insbesondere in der technischen Endoskopie werden in vielen Anwendungsgebieten Messsysteme eingesetzt, die heute zum Teil erstaunlich genaue Ergebnisse liefern können. Anwendungsgebiete hierfür sind Flugzeugturbinen oder Kraftwerksbereiche. Es gibt derzeit vier verwendete berührungslos Messverfahren die in Videoendoskopen, teilweise auch in starre endokopen eingesetzt werden:

  • Schatten/Videobildmessung ("Shadow")
  • "2-Punkt-Laser-Messung" - Namensgebung z. T. Herstellerabhängig -

Wobei diese Messarten nur bei einer senkrechten Ausrichtung des Messendoskopes auf die zu messenden Oberfläche eine exakte Messung liefert. Viel genauer sind die Messverfahren

Wie bei jedem Messgerät hängt die Messgenauigkeit eines Endoskopmesssystems entscheidend von der Schulung und Erfahrung des Anwenders ab. Ein komplett ausgestattetes, messfähiges Videoendoskop kann einen hohen fünfstelligen Eurobetrag kosten.

Optik

Gesetzmäßigkeiten

Sichtwinkel und Wirkung

Im Zusammenhang mit dem Arbeitsdurchmesser eines Endoskopes gilt:

Je größer der Durchmesser, desto heller und weiter das Bild.

Gemäß den Gesetzen der Optik ergibt sich weiter folgender Zusammenhang zwischen Sichtwinkel und Vergrößerungsfaktor:

Großer Sichtwinkel = geringe Vergrößerung (Weitwinkel in der Fotografie)
Kleiner Sichtwinkel = starke Vergrößerung (Teleobjektiv in der Fotografie)

Im Zusammenhang zwischen der Vergrößerung und dem Abstand von Objektiv und dem zu untersuchenden Gegenstand gilt:

Der Vergrößerungsfaktor beschreibt die Objektgröße im Bild relativ zur realen Objektgröße
und weiter:
Der Vergrößerungsfaktor verhält sich invers proportional dem Abstand: Objektiv / Gegenstand (abhängig von weiteren Faktoren)

Objektive

Blick und Sichtwinkel
Sichtwinkel in Grad ° Blickrichtung / Bezeichnung
0 Geradeausblick (oblique or direct view)
30-80 Vorausblick (fore oblique or front view)
90 Seitblick (right angle or lateral)
110-120 Rückblick (retrograde or rear)

Kennzeichnung

Endoskope werden mit einem Schlüssel ihrer Merkmale gekennzeichnet, dieser findet sich in der Regel am Schaft oder dem Griffstück als Gravur wieder. Es gilt:

Arbeitsdurchmesser · Blickwinkel · Sichtwinkel

Ein Endoskop mit folgenden Angaben: 6-70-67 hätte demzufolge die Daten:
Arbeitsdurchmesser = 6,00 mm, Blickwinkel = 70°, Sichtwinkel = 67°.
Ein eher vergrößerndes Endoskop mit einem vorausblickendem Objektiv.

Zeittafel

  • 1806 - Philipp Bozzini (Arzt/Frankfurt) konstruiert erstmalig ein starres medizinisches Endoskop.[5]
    Das Bozzini Endoskop galt nach dem Zweiten Weltkrieg als verschollen, wurde jedoch kürzlich in den USA wiedergefunden und über die „Internationale Nitze-Leiter-Forschungsgesellschaft für Endoskopie“ an das Wiener „Institut für Geschichte der Medizin“ zurückgegeben. Über seine damalige Anwendung gibt es keinen Beleg.
  • 1850/51 - Hermann von Helmholtz entwickelt den Augenspiegel und nutzt ihn praktisch
  • 1855 - Weiterentwicklung des „Bozzini“ Endoskopes durch den französischen Arzt Antonin J. Desormeaux. (Er ersetzte die von Bozzini als Lichtquelle verwendete Kerze durch eine Gasbogenlampe.)
  • 1879 - Der Dresdner Arzt Maximilian Nitze stellt sein mit Hilfe des österreichischen Handwerkers Josef Leiter hergestelltes „Zystoskop“ vor, welches die Endoskopie mit einem wirklich brauchbaren starren Endoskop heutiger Bauart begründete.
  • 1958 - Entwicklung des ersten flexiblen Endoskopes (Flexoskop) durch B.I. Hirschowitz.
  • 1976 - Entwicklung des ersten Desinfektionsgerätes für flexible Endoskope durch Siegfried Ernst Miederer und Arbeitsgruppe[6] an der Universität Bonn.
  • 2000 - Einführung der Kapselendoskopie[7] in die Praxis

Anwendungsgebiete

Allgemein

Das Einsatzspektrum der Endoskopie ist wirklich breit gefächert. So ergeben sich sehr spezielle Einsatzzwecke vielleicht nicht gleich im ersten Ansatz:

Technisch

Die technischen Einsatzgebiete sind weitreichend, um nur einige zu nennen:

  • Bautenschutz - Überprüfung der Isolierung bei Altbauten / Sichtung auf Schädlingsbefall bei Holzbauten / Ursachenforschung bei Wasserschäden
  • Denkmalpflege - Große Denkmäler sind oftmals hohl und können mittels Endoskopie auf etwaige korrosive Vorgänge geprüft werden
  • Automobilindustrie - Hier wird das Endoskop hauptsächlich zur Prüfung von Hohlraumversiegelungen und Motoren (Verschleiß) eingesetzt
  • Schiffsindustrie (Motoren)
  • Industrieanlagen (Kraftwerke, Rohrschweissnähte)
  • Im Sanitärbereich zur Untersuchung defekter Leitungen.
  • Luftfahrt - siehe unten
    Endoskopischer Blick in ein Flugzeugtriebwerk

Besonders in der Luftfahrt wird die Endoskopie immer öfter für die Wartung zum Beispiel von Flugtriebwerken eingesetzt. Unter Zuhilfenahme des Arbeitskanals und von Mikrowerkzeugen können auch kleinere Reparaturen an Triebwerkschaufeln durchgeführt werden. So etablierte sich in diesem Bereich der Begriff Boroskopie (v. engl. Borescope; bore = Bohrloch/Bohrung). Das Flexoskop findet im Englischen seine Entsprechung als Flexiscope oder Flexoscope. Endoskopie (engl. Endoscopy) stellt den Oberbegriff für diese Technologie dar.

Medizinische Endoskopie

Medizinische Endoskope haben die Untersuchung des Magen-Darmtraktes, der Lunge und auch der Gebärmutter revolutioniert. Sogar die ableitenden Tränenwege können endoskopisch untersucht werden.
Die ältesten und einfachsten noch im Gebrauch befindlichen Endoskope bestehen aus einem starren Rohr, durch welches das notwendige Licht hineingespiegelt wird und wodurch man mit dem bloßen Auge sieht. Daher spricht man volkstümlich von „Spiegelung“. Die längeren Geräte waren zusätzlich mit Linsen in einem Schlauch am vorderen Ende ausgestattet und ermöglichten erstmals passiv geringe Bewegungen.
Eine erste Weiterentwicklung bestand darin, ortsfern erzeugtes Licht mit Glasfaserbündeln an die Rohrspitze zu bringen. Der nächste Entwicklungsschritt war, auch die Bildinformation über flexible, geordnete Glasfaserbündel, die Bildleiter, zum Auge des Untersuchers zu übertragen. Erst hiermit wurde das Endoskop wirklich flexibel. Die aktive Steuerung des Gerätes erfolgt seither über vier eingearbeitete Bowdenzüge.

Endoskopie eines menschlichen Magens

Eine medizinische Endoskopieeinheit umfasst über die unter Basis beschriebenen Komponenten hinaus:

  • zwingend
  1. Einen Luftinsufflator oder eine Gaspumpe zum dosierten Aufblasen von Hohlorganen oder Körperhöhlen (Bauchhöhle), bei denen sonst die Wände auf die Optik fallen oder Details in Falten verdeckt würden.
    Im einfachsten Fall ist dies ein Gummiballon mit Ventil (bei der Rektoskopie, siehe unten), der von Hand betätigt wird. Bei flexiblen Endoskopien (Gastroskopie beispielsweise) wird eine drucklimitierte Pumpe verwendet und das Einblasen der Luft vom Endoskopiker mittels Fingerventilen bewirkt. Bei der Bauchhöhlenspiegelung hingegen benutzt man mengen- und drucklimitiert geregelte Automaten und zur Vermeidung einer Luftembolie wird CO2-Gas anstelle von Luft eingeblasen.
  2. Einen Irrigator: Im einfachsten Falle eine mit Kochsalzlösung gefüllte Spritze oder Infusionsflasche.
  3. Eine Absaugpumpe für Schleim und andere unerwünschte flüssige Inhalte der Hohlorgane
  • bedarfsweise
  1. Einen Koagulator zur Blutstillung
  2. flexible Werkzeuge. Sie werden über Arbeitskanäle eingebracht.

Heutzutage wird, vor allem unter stationären Bedingungen, das Bild nicht mehr direkt mit dem Auge (weder am starren Rohrendoskop, noch am Okular des flexiblen Endoskops) betrachtet, sondern an einem oder mehreren modernen Monitoren, die die Farbinformation möglichst wenig verfälschen, und die die Arbeit und das Lehren (Kibitzen) ohne Qualitätsverlust bei Tageslicht ermöglichen. Dadurch eröffnet sich zusätzlich auch die Möglichkeit der Aufzeichnung auf Videoträger oder eine Übertragung in Hörsäle.

Eine interessante neuere Entwicklung ist die „Endoskoppille“ oder Kapselendoskopie: Eine Minikamera, die peroral in Form einer Pille eingenommen und durch die natürliche Peristaltik durch den Verdauungstrakt transportiert wird, nimmt in fortlaufender Serie Aufnahmen des Darms auf. Die Kapsel ist für den Einweggebrauch (once disposable) konzipiert. Diese Technik wie auch die Auswertung sind aufwendig, aber im Falle verborgener Blutungen oder kleiner Tumore im Dünndarm als „ultima ratio“ äußerst hilfreich. Ein zeitgleicher therapeutischer Eingriff wie bei den anderen endoskopischen Methoden ist derzeit nicht möglich.

Von großer Wichtigkeit ist die Desinfektion der flexiblen Geräte, die hitzeempfindlich und daher einfachen Methoden nicht zugänglich sind. Heute wird durch moderne Desinfektionsgeräte die Keimfreiheit der Endoskope garantiert. Das erste Desinfektionsgerät wurde 1976 von einer Arbeitsgruppe um S. E. Miederer[6]entwickelt.

Vorbereitung in der medizinischen Endoskopie

Bei den meisten endoskopischen Untersuchungen erfolgt für den Betroffenen zur Erleichterung eine Prämedikation, das heißt es wird ein Beruhigungsmittel, zum Beispiel Midazolam oder Propofol, gegeben.

Typisch medizinische endoskopische Untersuchungs- und Behandlungsmethoden

Anwendung eines Endoskops
  1. Spiegelung am Magen-Darm-Trakt
  2. Spiegelung des Atmungssystems
  3. Spiegelung des Mittelfells (Mediastinums)
  4. Spiegelung der Gelenke
  5. Spiegelung des Harnsystems
  6. Spiegelung des Auges und der Anhangsgebilde
    • Spiegelung der ableitenden Tränenwege über den natürlichen Zugang der Tränenpünktchen bis zur Mündung in der Nase
    • Spiegelung des Ziliarkörpers im Auge und gleichzeitige Verödung mit einem Laser (Zyklophotokoagulation) bei Glaukom
    • Spiegelung des Glaskörpers und der Netzhaut und Schaffung eines Arbeitskanals im Rahmen einer Vitrektomie
    • Augenhintergrundspiegelung (Ophthalmoskopie), obgleich hier kein Endoskop im heutigen Sinne zur Anwendung kommt
  7. Spiegelung anderer Organe
  8. Spiegelung von Körperhöhlen
    • Spiegelung des Brustkorbs (Thorakoskopie). Diese und die folgende Methode benutzt aber ebenso wie die Arthroskopie keinen natürlichen Zugang.
    • Die Bauchhöhlenspiegelung (Laparoskopie).
  9. Im weiteren Sinne zählen zur Endoskopie auch:
    • Ohrenspiegelung (Otoskopie) mit dem Ohrtrichter oder Otoskop
    • Nasenspiegelung (Rhinoskopie) mit dem Spekulum oder einem flexiblen oder starren Nasenendoskop
    • Spiegelung des Rachenraums (Pharyngoskopie) mit dem Spiegel, Laryngoskop oder dem flexiblen Rhinoskop

Besonderheiten im Umgang

Endoskope sind Präzisionsinstrumente und müssen sorgfältig behandelt werden. Jegliche Beschädigung des Schaftes und allzu harte Schläge können zum Lösen bzw. Verrutschen der Linsen im Inneren führen. Ein typisches Anzeichen hierfür ist die Eintrübung der Okularoptik, die bei weiteren Beschädigungen auch zum Komplettausfall des Endoskopes führen kann.

Das Schaftende mit dem Prisma ist besonders gegen zu hohe Temperaturen (z. B. in der technischen Anwendung) zu schützen. Jeder Hersteller gibt eigene Empfehlungen hierfür an, als Richtwert gilt eine Obergrenze von +65 bis +70 Grad Celsius. Einige Anbieter erreichen bis zu 150 bis 200 Grad Celsius und mit speziellen Kühlvorrichtungen bis zu 650 Grad Celsius.

Wird der Glasfaserlichtleiter eines Flexoskopes extrem stark gebogen oder gar beschädigt, können einzelne Glasfasern brechen, was sich durch kleine schwarze Punkte in der Optik des Flexoskopes bemerkbar machen wird.

Entwicklung

Aktuell wird in Zusammenarbeit von Forschungsgesellschaften und Herstellern an Endoskopen mit kleinsten Arbeitsdurchmessern gearbeitet. Durchmesser vergleichbar der Dicke eines menschlichen Haares sollen helfen, das Einsatzgebiet der Endoskopie in neue Bereiche auszudehnen, z. B.:

  • Untersuchungen bestimmter Hirnregionen
  • Betäubungslose Untersuchungen, für die aufgrund der großen Durchmesser der Geräte heute noch eine Betäubung notwendig ist

Eventuell werden bald auch CMOS (Complementary Metal Oxide Semiconductor) Bildsensoren in Videoendoskopen eingesetzt, diese versprechen kostengünstiger gefertigt werden zu können bzw. weitere Vorteile in der Bildbearbeitung.

LED's werden in ihrer Leistungsfähigkeit/Lichtausbeute immer besser, so dass es mittlerweile bereits Hersteller gibt, die sie in starren Videoendoskopen verbauen. Die Lichtausbeute der LEDs reicht an die 60 lm/Watt, und der Stromverbrauch (wichtig bei akkubetriebenen Lichtquellen) dürfte vergleichsweise günstiger ausfallen.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Armin Gärtner: Medizintechnik und Informationstechnologie - Bildmanagement. Band II, TÜV-Verlag, 2005, ISBN 3-8249-0941-3
  • Siegfried Ernst Miederer: Endoskopie, in: E. Thofern, K. Botzenhart: Hygiene und Infektionen im Krankenhaus, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, New York (1983), S. 465-472, ISBN 3-437-10815-8
  • Jörg Reling: Technical Endoscopy, verlag moderne industrie

Quellen

  1. Richard Toellner: Illustrierte Geschichte der Medizin. Andreas & Andreas, Salzburg 1990, Bd. 3, S. 1202.
  2. Beispiel für ein mit Druckluft betätigtes Haltearmsystem, hier online; zuletzt eingesehen am 1. Dez. 2008
  3. Beispiel für ein mechanisches Haltearmsystem, pdf; zuletzt eingesehen am 1. Dez. 2008
  4. Beispiel für ein elektrisch betätigtes Haltearmsystem pdf; zuletzt eingesehen am 1. Dez. 2008
  5. Offiz. Seite des Institut für Geschichte der Medizin, Wien , dem der Bozzini-Lichleiter zurückgegeben wurde.
  6. a b M.Tholon, E.Thofern, S.E. Miederer: Desinfection procedures of fiberscopes in endoscopy departments. Endoscopy, Bd.8, Nr.1, 1976, S.24-29.
  7. a b Video-Endoskopie: Mit einer Kapsel den Dünndarm inspizieren. Deutsches Ärzteblatt, Bd.99, H.28-29, 15.07.2002, Seite A-1950 / B-1646 / C-1539.

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