Borgholz
Borgholz
Koordinaten: 51° 37′ N, 9° 15′ O51.6166666666679.25202Koordinaten: 51° 37′ 0″ N, 9° 15′ 0″ O
Höhe: 202–244 m ü. NHN
Fläche: 14,06 km²
Einwohner: 1.129
Eingemeindung: 1. Jan. 1975
Postleitzahl: 34434
Vorwahl: 05645
Karte

Lage von Borgholz in Borgentreich

Borgholz gehört zur Stadt Borgentreich im Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Borgholz aus südwestlicher Richtung.

Borgholz liegt in Ostwestfalen in der Nähe der Bundesstraße 241 sowie der ehemaligen Bahn-Strecke Holzminden-Scherfede und ist etwa 8 Kilometer westlich der Weser und 15 Kilometer östlich des Eggegebirges gelegen.

Geschichte

Wappen von Borgholz
Hauptstädte und Städte des Fürstbistums Paderborn bis 1802/03 (Stand 1789):
Paderborn, Warburg, Brakel, Borgentreich | Beverungen, Borgholz, Bredenborn, Büren, Driburg, Dringenberg, Gehrden, Calenberg, Kleinenberg, Lichtenau, Lippspringe, Lügde, Nieheim, Peckelsheim, Salzkotten, Steinheim, Vörden, Willebadessen, Wünnenberg
Landadelssitze im Fürstbistum Paderborn um 1665:

Boke, Bökendorf, Borgentreich, Borgholz, Borlinghausen, Breitenhaupt, Brenken, Bühne, Dalheim, Daseburg, Dedinghausen, Desenberg, Dinkelburg, Eichholz, Eissen, Engar, Erpentrup, Essentho, Fürstenberg, Grevenburg, Hainholz, Helmern, Herbram, Herstelle, Himmighausen, Hinnenburg, Husen, Lichtenau, Liebenau, Lippspringe, Löwendorf, Lügde, Menne, Merlsheim, Natzungen, Niesen, Nordborchen, Peckelsheim, Pömbsen, Rheder, Riepen, Ringelstein, Salzkotten, Schweckhausen, Steinheim, Sudheim, Thienhausen, Thüle, Verne, Vinsebeck, Volbrexen, Wandschicht, Welda, Wehrden, Westheim, Wewer, Wintrup, Würgassen.

An einem nach drei Seiten hin abfallenden Ausläufer eines noch im 14. Jahrhundert gerodeten Höhenrückens nord-östlich von Borgentreich liegt die ehemalige Stadt Borgholz. Sie wird erstmals 1291 genannt – gleich zwei urkundliche Nachrichten belegen, dass es Borcholte zu dieser Zeit bereits gab. Sie verdankt ihre Entstehung, wie auch die Stadt Borgentreich, den Auseinandersetzungen über das Recht der Landeshoheit zwischen den Erzbischöfen von Köln und den Bischöfen von Paderborn im 13. Jahrhundert. Die Erzbischöfe von Köln versuchten, durch einen Ring von Städten und Burgen das westliche Hoheitsgebiet des Bischofs von Paderborn einzugrenzen.

Den Befehl zur Anlage des befestigten Ortes hoch über dem Tal des Jordan hatte Bischof Otto von Paderborn 1290 erteilt. Er übertrug dem Bertold Schuwen einen Burgmannsitz, den ersten Burgmannsitz in der bischöflichen Burg[1]. Die Gründungsurkunde oder eine Urkunde über die Stadtrechtsverleihung wurden bisher nicht gefunden. In einer Urkunde von 1295 wird Borgholz bereits als Stadt bezeichnet. Nach ihrer Gründung lebten in der Stadt nach vorsichtiger Schätzung etwa 500 Einwohner. Aus einem Katasterplan von 1831 kann entnommen werden, dass die gesamte Stadt einschließlich der Burg von einer Mauer umgeben war, die eine Fläche von 6,22 Hektar umschloss. Die Gesamtanlage lässt darauf schließen, dass Borgholz bis zu diesem Zeitpunkt über seine ursprünglichen Mauern nicht erweitert worden ist. Innerhalb der Mauern war aber noch viel freies Gelände für zukünftige Bauten in Reserve gehalten worden.

Am 1. Januar 1975 wurde Borgholz in die Stadt Borgentreich eingegliedert.[2]

Kirche

Die Katholische Pfarrkirche Mariae Verkündigung ist als Pfarre 1295 erwähnt. Der Ort Borgholz gehörte seit der Gründung zum Bistum Paderborn und seit 1297 zum Archidiakonat des Paderborner Domkämmerers (Iburg, später Brakel). Ab 1650 wurden Kirchenbücher geführt. Seit 1954 wurde die Pfarre dem Dekanat Borgentreich zugeordnet. Ab 1650 gab es eine Kaplanei. Die Liboriuskapelle ist 1740 erbaut worden. Heute steht ein von einem Pfarrer bewohntes Pfarrhaus und ein Pfarrheim. Im Jahre 1946 waren 88 % der Bevölkerung katholisch.

Im Jahre 1809 ereignete sich in Borgholz der sogenannte Singekrieg: die Bevölkerung weigerte sich, das neu eingeführte Gesangbuch des Bistums Paderborn in Hochdeutsch zu singen. [3]. Dieses historische Ereignis wurde 2010 in einem Theaterstück Der Singerkrieg von Borgholz, in drei Akten, von Laienschauspielern nach dem Drehbuch von H. Multhaupt, aufgeführt.[4]

Jüdische Gemeinde

Ab 1652 sind zwei jüdische Familien in Borgholz belegt. Um 1807 gab es 13 jüdische Familien in Borgholz und 1871 betrug die Zahl der jüdischen Bürger 65. Die Zahl der Bürger mit jüdischem Bekenntnis fiel bis 1930 auf 8 ab. Die Synagoge in Borgholz ist im Jahre 1838 von der jüdischen Gemeinde an der Kleinen Strasse, nahe dem Marktplatz, errichtet worden. Im Jahre 1938 wurde die Synagoge während der Reichskristallnacht 9. November 1938 teilweise zerstört. Danach wurde es als Garage bzw. Abstellraum genutzt. Das Gebäude sollte Mitte der 1990er Jahre in das Freilichtmuseum in Detmold transloziert werden. Daraus ergab sich eine öffentliche Diskussion vor Ort. Im Jahre 1995 hat die Stadt Borgentreich das Gebäude erworben und nach der Renovierung[5] dient es heute als sozio-kulturelles Begegnungsstätte.

ehemalige Synagoge von Borgholz

Ein jüdischer Friedhof lag außerhalb des Orts, zeitweise gab es eine jüdische Schule.

Bahnhofsmuseum Borgholz

Auf der seit 1984 stillgelegten Bahnstrecke Scherfede - Holzminden für Personenverkehr befindet sich das Bahnhofsmuseum Borgholz. Die Strecke wurde im Jahre 1876 eingeweiht, das heute denkmalgeschütztes Bahnhofsgebäude wurde 1884 eröffnet. Im Inventar des Museums befindet sich eine DEMAG-Werklok und ein Uerdinger Schienenbus. Das Museum wurde im Juni 2009 geschlossen.[6]

Bekannte Söhne und Töchter

  • Pantaleon Bruns, Weihbischof zu Paderborn und Abt zu Abdinghof, (1670 in Borgholz, + 1727)

Einzelnachweise

  1. Burg Borgholz
  2. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  3. Hagemann, J.: Der Singekrieg in Borgholz 1809: in Die Warte, Nr. 63, Herbst 1987, S. 31 f. bzw. H. Multhaupt: Witwe Wollust probte den Aufstand. Ein Singekrieg in der Kirche von Borgholz lähmte vor 200 Jahren einen ganzen Ort. Die Warte, Nr. 145. 2010
  4. http://www.nw-news.de/lokale_news/warburg/warburg/3847714_Die_Unbeugsamen.html
  5. http://www.rheinische-landeskunde.lvr.de/projekte/projekte_abgeschlossen/synagoge_roedingen/literatur_seifen_2008.pdf Bericht über die Synagoge S.320ff.
  6. http://www.museumsbahnhof.de/kontakt.html

Literatur

  • Horst-D. Krus: 700 Jahre Borgholz (1291–1991). Geschichte einer Landschaft im Hochstift. Stadt Borgentreich/Festausschuss 700 Jahre Borgholz, 1991, ISBN 3-9801168-5-9.
  • Heinrich Schoppmeyer (Autor), Heinz Stoob (Herausgeber): "Westfälischer Städteatlas. Borgholz (Borgentreich)" Eine Veröffentlichung der Historischen Kommission für Westfalen. Geschichtsort - Stadt / Stadtmappe Borgholz: X (Landkarte)- ISBN 978-3-89115-202-7

Weblinks

 Commons: Borgholz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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