Bos funk
Bosch FuG8b mit FMS-fähigem Hörer
Funkmast mit 2-m- und 4-m-Rundstrahler

Der BOS-Funk ist ein nichtöffentlicher mobiler UKW-Landfunkdienst (nömL) in Deutschland, der von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) verwendet wird. Er ist durch die BOS-Funkrichtlinie reglementiert, deren Neufassung am 2. Mai 2006 durch das Bundesministerium des Innern erlassen wurde.

Inhaltsverzeichnis

BOS-Funkrichtlinie

Ziel der Reglementierung ist es, einen sicheren und störungsfreien Funkbetrieb aller Bedarfsträger der BOS zu gewährleisten. Hierzu werden den Bedarfsträgern

sog. „Frequenzzuweisungen“ für deren internen Sprechfunkbetrieb erteilt. Die Besonderheit des BOS-Funks besteht darin, dass diese Frequenzzuweisungen jeweils die Genehmigung enthalten, neben den zugewiesenen Frequenzen zum Zwecke der Zusammenarbeit mit anderen BOS auch deren Frequenzen zu nutzen.

Analoger BOS-Funk

Standard Elektrik Lorenz FuG 7b (4 m)

Vom BOS-Funk werden hauptsächlich das 4-m- (Frequenz von 74–87 MHz; Kanalraster 20 kHz, meist Fahrzeugfunkgeräte) und das 2-Meter-Band (Frequenz von 167–174 MHz; Kanalraster 20 kHz, meist Handfunkgeräte) verwendet, es stehen aber auch das 8-m-Band (wird abgeschafft) und das 70-cm-Band (Frequenz 443–450 MHz; Kanalraster 12,5vkHz, Richtfunkstrecken) zur Verfügung. Die Längenangaben bezeichnen dabei die Wellenlänge. In allen Bändern wird Frequenzmodulation (FM) eingesetzt.

Jeder Kanal besitzt ein Unterband (UB) und ein Oberband (OB) und kann in den Betriebsarten Wechselverkehr (Simplex, in der Regel im 2-m-Band) oder Gegenverkehr (Duplex) betrieben werden sowie im bedingten Gegenverkehr (Semi-Duplex); bei Wechselverkehr wird dabei nur ein Band des Kanals belegt, bei Gegensprechen das Kanalpaar. Beim Gegensprechen wird eine Relaisstation eingesetzt (in der Regel im 4m-Band, polizeiliche BOS auch im 2m-Band). Hierbei senden Fahrzeuge und Feststationen im Unterband und empfangen im Oberband. Die Relaisstation (zur Reichweitenerhöhung zentral und erhöht stehend) empfängt die Gespräche im Unterband und sendet diese dann zeitgleich im Oberband wieder aus.

Man unterscheidet vier Arten von Relaisstellen.

Rs1 Th (früher Rs1; das sog. „Kleine Relais“ wie es auf den Geräten FuG 7b und 8c direkt schaltbar ist): Unmittelbar bei Empfang eines Trägersignals auf dem Unterband (Sprechtaste wird gedrückt) wird der Sender im Oberband in Betrieb genommen. Bei Ausbleiben des Trägersignals wird der Sender abgeschaltet. Diese einfachste Art der Relaisstelle hat den Vorteil, dass sie mit wenig Aufwand schnell eingerichtet werden kann, aber den Nachteil, dass bei kurzer Trägersignalschwäche das Gespräch abgehackt übertragen wird.

Rs1 Ez (früher Rs3): Für diese Schaltung verwendet man ein Funkgerät mit einem Relaisstellenzusatzgerät. An diesem kann eingestellt werden, was das Relais beim Betätigen des Tonrufes I oder II (jeweils kurz, < 1 Sek., oder lang, > 1 Sek.) machen soll. Die Schaltung Rs1 Ez schaltet erst nach dem Betätigen des Tonrufes I den Sender für eine vorbestimmte Zeit ein. Nach Ablauf dieser Zeit wird der Sendebetrieb eingestellt, egal ob das Gespräch beendet ist.

Rs1 Enz (früher Rs4): Für diese Schaltung wird zum Funkgerät ein Relaisstellenzusatzgerät mit Sprachauswerter gebraucht. Der Sender geht in Betrieb, wenn ein Tonruf empfangen wird. Der Sprachauswerter beendet den Sendebetrieb, wenn er über eine vorbestimmte Zeit hinaus (i. d. R. 5 bis 10 Sek.) kein Gespräch mehr feststellt.

Rs2: Für diese Art werden zwei Funkgeräte und ein Relaisstellenzusatzgerät benötigt. Die Schaltung dient dazu, zwei Sprechfunkverkehrskreise zu koppeln (meist 4 m/2 m), was fast ausschließlich bei den polizeilichen BOS eingesetzt wird. Die beiden gekoppelten Sprechfunkverkehrskreise sind voll gegenverkehrsfähig.

Darüber hinaus gibt es als derzeit beste Form der Relaisstellentechnik das Gleichwellennetz, welches mit mehreren Relaisstellen im zu versorgenden Gebiet arbeitet. Diese sind untereinander synchronisiert. Das beste empfangene Signal wird schließlich von allen Stellen laufzeitkorrigiert wieder abgestrahlt. Mit dieser Technik können auch schwierige Geländeformen bestmöglich versorgt werden.

Der allgemeine Notrufkanal im BOS-Funk ist 444 Gegensprechen/Unterband (G/UB) auf (76,155/85,955 MHz). In Abhängigkeit von der örtlichen Leitstelle erfolgt die Aktivierung durch das Tasten von „Tonruf-1” bzw. „-2”. Bei Unkenntnis des örtlichen Kanals kann über diesen Kanal ein Notruf abgesetzt werden. In der Regel läuft er dann auf einer Polizeidienststelle auf, die direkt dem Innenministerium unterstellt ist.

Neben diesen analogen Übertragungskanälen gibt es etwa seit Ende der 1990er Jahre Bemühungen, für die BOS in Deutschland ein kostenaufwändiges digitales Bündelfunksystem mit der Bezeichnung TETRA einzuführen.

Digitaler BOS-Funk

Behördenfunk wurde bis Ende der 1980er Jahre weltweit mit analogen Funknetzen mit Wellenlängen im 2-m- und 4-m-Bereich (BOS-Funk) betrieben. Die fehlenden oder zu schwachen Verschlüsselungsmöglichkeiten für den Analogfunk führten zur Entwicklung digitaler Systeme. Der Mitte der 1990er Jahre entwickelte TETRA-Standard wird in mehreren europäischen und außereuropäischen Ländern genutzt – in Form landesweiter BOS-Netze oder in lokaler Abdeckung von verschiedenen Anwendern. TETRA stellte ursprünglich eine Initiative von Betreibern als Antwort auf die Wettbewerbsbedrohung von GSM gegen deren analogen Netze dar. Daneben besteht als zweiter Digitalfunkstandard Tetrapol von EADS, der ursprünglich für die französischen BOS entwickelt wurde und heute im gleichen Spektrum wie TETRA im Einsatz ist. Anbieter von TETRA sind EADS (zusätzlich auch Tetrapol und P25), Motorola sowie Rohde & Schwarz BICK. Eine Schnittstelle zwischen Tetrapol und Tetra ist prinzipiell möglich, wurde bisher jedoch nicht realisiert. Ein weiterer Standard ist BOS-GSM von Vodafone.

Internationale Einführung

Zu den ersten Nutzern von Tetrapol gehörte die französische Gendarmerie, die das System bereits seit 1988 erfolgreich einsetze. Inzwischen existieren laut Hersteller EADS 80 Tetrapol-Netzwerke in 34 Ländern, darunter 10 landesweite BOS-Netze. Auch TETRA ist inzwischen weltweit vertreten. Allein der frühere Nokia-Bereich Professional Mobile Radio (PMR), heute ebenfalls EADS, soll bis heute 60 TETRA-Netze in 30 Länder weltweit geliefert haben. TETRA wird im deutschsprachigen Raum in weiten Teilen der Schweiz und Österreich im nichtmilitärischen Bereich verwendet. Deutschland bildet ein Schlusslicht bei der Einführung des Digitalen Behördenfunks. Die deutschen BOS sollen flächendeckend bis 2012 mit digitalem Funk auf Basis von TETRA ausgestattet sein. In der Stadt und im Landkreis Aachen arbeitet man heute bereits im Wirkbetrieb, nachdem ein System einen grenzüberschreitenden Probebetrieb durchlaufen hat. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurde die Technik in drei Austragungsorten getestet.

Für den Aufbau, Betrieb und die Sicherstellung der Funktionsfähigkeit eines digitalen Sprech- und Datenfunksystems wurde in Deutschland die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) geschaffen.

Funkrufnamen

Die Kennwörter der Funkrufnamen einiger (nicht-polizeilicher) Einheiten:

Organisation 4-m-Band 2-m-Band
Feuerwehr Florian Florentine / Florian je nach Bundesland
Johanniter-Unfall-Hilfe Akkon Jonas / Akkon je nach Bundesland
Malteser Hilfsdienst Johannes Malta
Deutsches Rotes Kreuz Rotkreuz Äskulap
Arbeiter-Samariter-Bund Sama Samuel
Technisches Hilfswerk Heros Heros (alt: Hermine)
Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) Pelikan Pelikan (Betriebsfunk: Adler)
Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) Triton
Rettungshubschrauber Christoph
Wasserwacht Wasserwacht Wasserwacht / Neptun (je nach Bundesland)
Bergwacht Bergwacht Bergwacht
Katastrophenschutzbehörden und -einheiten, Deichverbände KatS oder Kater Katherina
Leopold Leopoldine
Hydra Hydra
Private Rettungsdienste Rettung Rettung

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft verfügt über drei Betriebsfunk-Frequenzen im 2-m-Band, auf denen nach BOS-Regeln mit dem Funkrufnamen „Adler”, gefolgt von der regionalen Kennung bzw. dem jeweiligen Städtenamen, gefunkt wird. Eine vorgesehene DLRG-Anbindung an die Frequenzen des Binnenschifffahrts-Funks ist bisher noch nicht realisiert. Je nach Bundesland ist die DLRG auch als BOS anerkannt und funkt dort auf den jeweiligen Frequenzen des Rettungsdienstes.

Wasserfahrzeuge des THW verwenden im Binnen- und Seefunkverkehr dieselben Funkrufnamen wie im BOS-Funk.

Zusätzlich zu den organisationskennzeichnenden o. g. Rufnamen werden Codes verwendet, um die Art, Herkunft und andere Merkmale der jeweiligen Einheiten erkennen zu können.

Funk im KFZ

Das Betreiben einer Sendeempfangsanlage (Betriebsfunk, BOS-Funk, Amateurfunk, Jedermannfunk, Mobilfunk/Autotelefon) in Kraftfahrzeugen (ab Baujahr 1995) ist nur gestattet, wenn eine nach den Herstellerrichtlinien montierte Außenantenne mit E-Prüfzeichen vorhanden ist, ansonsten kann durch Beeinflussung der KFZ-Elektronik die allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) erlöschen.[1]

Das sogenannte Handyverbot gilt nur für Mobiltelefone, die Verwendung von Funkgeräten ist vom Verbot nicht betroffen. Damit sind von dem Verbot weder der CB-Funk noch der Betriebsfunk (z. B. Müllentsorgung, Stromversorgung, usw.), BOS-Funk (z. B. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, usw.) und auch nicht der Amateurfunkdienst betroffen.

Funkspiele

Mit den BOS-Funk beschäftigen sich auch viele Projekte die sich „Funkspiele“ nennen[2]. Diese Ermöglichen in der Funkausbildung Funkübungen mit mehren dutzend Teilnehmer und dem Wechsel zwischen Kanälen. Die Funkkanäle werden durch Gruppen z. B. in Teamspeak ersetzt. Durch IRC-Tools ist auch der Einsatz von FMS möglich. Basierend auf Webanwendungen oder ähnlichem werden auch vermehrt eigene FMS Programme entwickelt und eingesetzt.

Bücher

  • Michael Marten: BOS-Funk 1; Vth; Auflage: 5., veränd. Neuaufl. 2005, ISBN 3881806164
  • Michael Marten: BOS-Funk 2; Vth; Auflage: 11., veränd. Neuaufl. 2005, ISBN 3881806474
  • Linde, Christof: Aufbau und Technik des digitalen BOS-Funks, Franzis Verlag, 2008 ISBN 3-7723-4216-7

Siehe auch

Quellen

  1. EMV-G
  2. http://www.4meter.de

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • BOS-Funk — Bosch FuG 8b mit FMS fähigem Hörer Fun …   Deutsch Wikipedia

  • BOS-GSM — (je nach Anbieter auch BOS@GSM, GSM BOS) ist eine Technik zur digitalen Funkkommunikation von Anwendern mit besonderen Sicherheitsanforderungen wie Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS: Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste).… …   Deutsch Wikipedia

  • Bos — Die Abkürzung BOS steht für: den IATA Code des Logan International Airport, den Flughafen der Stadt Boston (USA), Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, BOS Funk, Funksystem der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben,… …   Deutsch Wikipedia

  • BOS — Die Abkürzung BOS steht für: Back Office System den IATA Code des Logan International Airport, den Flughafen der Stadt Boston (USA) Basic oxygen steelmaking ein Verfahren der Rohstahlerzeugung, siehe Linz Donawitz Verfahren Behörden und… …   Deutsch Wikipedia

  • Funkmeldesystem der BOS — FMS Bedieneinheit AEG Teledux 9 Das Funkmeldesystem (Abkürzung: FMS) ist ein tonfrequentes Übertragungssystem im Funkbetrieb bei den deutschen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Es dient der Übermittlung des Status von… …   Deutsch Wikipedia

  • Funkmeldesystem der BOS in Deutschland — FMS Bedieneinheit AEG Teledux 9 Das Funkmeldesystem (Abkürzung: FMS) ist ein tonfrequentes Übertragungssystem im Funkbetrieb bei den deutschen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Es dient der Übermittlung des Status von… …   Deutsch Wikipedia

  • 2-Meter-Funk — Als 2 Meter Band bezeichnet man den Frequenzbereich von 144 bis 174 MHz. Dieser Frequenzbereich wird von Betriebs , BOS Funk sowie dem Amateurfunkdienst benutzt. Hier werden oft Handfunkgeräte eingesetzt. Inhaltsverzeichnis 1… …   Deutsch Wikipedia

  • 4-Meter-Funk — Als 4 Meter Band (80 MHz Bereich) bezeichnet man den Frequenzbereich von 68 87,5 MHz, der von Betriebs und BOS Funk benutzt wird. Der Frequenzbereich wird vornehmlich für Frequenzmodulation (FM) genutzt. Weitere Anwendungsgebiete sind im Zugfunk …   Deutsch Wikipedia

  • Kanal (Funk) — Mit Kanalraster wird in der Funktechnik die Differenz der Mittenfrequenzen zweier benachbarter Übertragungskanäle in einem Frequenzband bezeichnet. Die benötigte Bandbreite eines dieser Übertragungskanäle kann kleiner, gleich oder größer dem… …   Deutsch Wikipedia

  • Funksystem der BOS in Österreich — Das Funksystem der BOS in Österreich basierte bis zum Jahr 2006 größten Teils noch auf analoger Technologie. Ein digitales Bündelfunksystem zur Funkkommunikation für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) unter der Bezeichnung… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”