Botanischer Garten Augsburg
Botanischer Garten Augsburg:
Teilansicht des Japangartens

Der Botanische Garten Augsburg entstand an der heutigen Stelle im Jahr 1936 auf einem damals 1,7 Hektar großen Gelände, das inzwischen auf rund 10 Hektar angewachsen ist. Sieht man einmal von den über eine Million Lauchgewächsen ab, sind mehr als 3.100 Pflanzenarten und -sorten im Botanischen Garten der Fuggerstadt beheimatet.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Wegweiser im Botanischen Garten

Der Botanische Garten befindet sich östlich des Siebentischparks am Siebentischwald, der „grünen Lunge“ Augsburgs. Der Dr.-Ziegenspeck-Weg trennt den Botanischen Garten vom benachbarten Zoo Augsburg. Beide Einrichtungen sind im öffentlichen Personennahverkehr mit der Buslinie 32 erreichbar und verfügen über Parkplätze für Besucher.

Der Botanische Garten ist ganzjährig geöffnet. Seine Fläche umfasst rund 10 Hektar (ha).

Geschichte

Der Augsburger Stadtrat wollte 1935 die bestehende Stadtgärtnerei im Stadtgarten an der Imhofstraße aufgeben. Er entschied sich, beim Siebentischpark eine neue Stadtgärtnerei mit einem Lehr- und Schulgarten für das Publikum zu errichten. Am 19. November 1935 erfolgte der erste Spatenstich, im September 1936 wurde der Lehr- und Schulgarten auf einem 1,7 ha großen Areal eröffnet. Vor allem die exotischen Pflanzen im Palmenhaus und im Victoria-regia-Haus lockten die Besucher an.

Wasserlauf im Japangarten

Die Zerstörungen durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg – Augsburg war eine Stadt mit Rüstungsindustrie – verschonten den Botanischen Garten nicht. Wie bereits während des Zweiten Weltkrieges, zwangen auch die Notzeiten danach, Zieranlagen und Gewächshäuser als Gemüsefelder zu nutzen. Der Lehr- und Schulgarten wurde erst Ende der 1940er Jahre wieder hergestellt und am 8. Juli 1950 für das Publikum wieder eröffnet. Die Gartenflächen wurden peu à peu erweitert und in Freizeit- und Bildungskonzepte einbezogen.

Einen kräftigen Aufschwung nahm die Einrichtung, als feststand, dass Augsburg die bayerische Landesgartenschau 1985 erhalten würde. Der Freistaat Bayern wollte hier zum 2000-jährigen Stadtjubiläum einen wichtigen und dauerhaften Beitrag leisten. Die damals bereits auf 5 Hektar angewachsene Fläche wurde durch das Einbeziehen angrenzenden Geländes verdoppelt. Auf 4.200 m² entstand ein Japanischer Garten. Inzwischen wird dieses Objekt von der Stadt Augsburg als eine der bedeutendsten japanischen Gartenschöpfungen in Europa bezeichnet.[1] Das Projekt wurde von den Partnerstädten Amagasaki und Nagahama, die mit ihrem Geschenk das 25-jährige Bestehen der Städtefreundschaft würdigten, tatkräftig fachlich unterstützt und mit Hilfe des Sponsors Stadtsparkasse Augsburg finanziell realisiert.

Die Stadt stellte danach trotz angespannter Finanzsituation ihrem Botanischen Garten laufend begrenzte Mittel für den Betrieb bereit, die auch zum Bau eines neuen Schaugewächshauses verwendet wurden. Im November 2003 war díe "Pflanzenwelt unter Glas" nach zweijähriger Bauzeit erstmals dem Publikum zugänglich.

Gliederung der Anlagen

Freigelände

Das Freigelände verfügt über den größten Anteil der etwa 1.200 Arten und Sorten von Stauden, Wildkräutern, Gräsern und Farnen sowie ungefähr 450 Arten und Sorten von Gehölzen, die der Botanische Garten sein Eigen nennt. Hinzu kommen die über die Millionengrenze hinausreichenden Zwiebelpflanzen, beispielsweise Tulpen.

Eingangsbereich

Allee
Bank im Bauerngarten

Im Eingangsbereich empfängt den Besucher eine Allee von Kugelrobinien, gesäumt von Schmuckbeeten. Rechts liegen acht Themengärten, die anlässlich der Landesgartenschau 1985, die unter dem Motto „Grün im Lebensraum Stadt“ stand, geschaffen wurden. So erhält man fachkundig gestaltete Beispiele etwa unter dem Aspekt „Steine und Stauden“, „Wohn- und Dachgarten“, „Sitzplatz unter Pergola“ oder ein „Paradiesgärtlein“ als Anregungen für den eigenen Hausgarten dargeboten.

Am Eingangsbereich findet ein vom Land kommender Besucher Vertrautes: einen Bauerngarten, dessen Beete herkömmlich durch Buchsbaum begrenzt sind. Der römischen Vergangenheit Augsburgs wird vis-à-vis durch Pflanzen, die schon die Römer kannten oder verbreiteten, Reverenz erwiesen.

Senkgarten

Blütenpracht im Senkgarten
Vor dem Gartenpavillon „parken“ zuweilen Gartengeräte

Im niedriger angelegten Teil des Botanischen Gartens, dem so genannten „Senkgarten“, dominieren Sommergewächse. Besonders zur Tulpenblüte entfaltet sich dort eine wahre Farbenpracht. Dieser Geländeteil entstand 1965. Die verlegten Steinplatten speichern am Tage die Wärme der Sonnenstrahlen und geben sie am Abend an ihre Umgebung ab. Die schachbrettartig aufgereihten Pflanzeninseln werden im Wechsel bepflanzt. In Kübeln werden im Senkgarten ferner mediterrane Pflanzen präsentiert, die in der kalten Jahreszeit in einem Überwinterungshaus vor unverträglichen Temperaturen geschützt werden.

In Trögen gedeihende tropische und subtropische Pflanzen, beispielsweise Ziertabak oder Geranien, verleihen dem Ort mit seinen Ruhebänken einen exotischen Touch.

Vor dem Verwaltungsgebäude hat ein geretteter Gartenpavillon im Stil der Neorenaissance Platz gefunden. Er entstand nach Plänen des Augsburger Architekten Karl Albert Gollwitzer im 19. Jahrhundert und diente ursprünglich Direktoren der damaligen Augsburger Kammgarn-Spinnerei als Freizeitaufenthalt im Garten ihrer Firmenvilla.

Etwas weiter harren vielerlei Salbeiarten kombiniert mit Schafgarben, Malven oder Katzenminzen ihrer Entdeckung durch Schaulustige.

Steingarten

Ein Blick auf das Alpinum

Roter Sandstein und Kalkstein bieten im Steingarten alpinen Pflanzen, Zwerggehölzen und kleineren Stauden ein verträgliches Umfeld für ihren Lebensraum. Enziane, Steinkräuter und Schleifenblumen sind dort neben anderen Gewächsen heimisch.

Der Gesteinslehrpfad ist mit in Bayern vorkommenden Gesteinsarten bestückt. Dazu gehören hauptsächlich Sandstein, Kalkstein, Dolomit und Granit sowie Findlinge.

An der Westseite durchströmt Wasser das Gelände. Im Flachwasser haben sich Sumpfpflanzen ihr Revier erobert. Ein großer Weiher lädt zum Verweilen ein, auch um den Vögeln oder Insekten zuzusehen, die sich in diesem naturnahen Bereich wohlfühlen.

Rosengarten

Beim Rosenpavillon
Dahlien und Kletterpflanzen

Ein mächtiger Pavillon bietet im Rosengarten die Möglichkeit für Musikdarbietungen. Über 2.000 Polyantha- und Floribundarosen sowie deren Hybriden sind in den umliegenden Beeten angepflanzt. Sechzig angepflanzte Sorten verbinden musikalischen und Naturgenuss und vervollkommnen das Erlebnis insbesondere dann, wenn der Rosenduft die menschlichen Sinne anregt. Insgesamt sind im Botanischen Garten 280 Arten und Sorten von Rosen anzutreffen.

In einer großen Vielfalt werden in allen Teilen der Gartenanlagen Stauden gezeigt. In der Nähe des Siebentischparks lässt sich deren Gedeihen auch im Schattenbereich von Laubbäumen nachvollziehen. An Bäumen und Sträuchern haben sich Gehölzränder entwickelt, die unterschiedliche Lichtverhältnisse vertragen.

An einem kleineren Pavillon hangeln sich Kletterpflanzen hoch. Den Boden dort bedecken farbenfrohe Dahlienarten. Hinter den Dahlienbeeten ist ein kleiner Salbeigarten angelegt. Er ist nur zur Südseite hin offen und bietet den Pflanzen somit günstige Wachstumsbedingungen. Die Salbeisammlung erstreckt sich auf Arten aus Osteuropa und dem Mittelmeergebiet.

Naturgarten

Ökologischer Anbau wird verdeutlicht
Bunte Farben im Naturgarten

Der Ökogarten im rückwärtigen Teil ist so konzipiert, dass ein Gartenbesitzer Anregungen für die Gestaltung seiner eigenen Flächen und Beete erhält. Der ökologische Gemüseanbau wird hier am praktischen Beispiel demonstriert. Die Kompostierung von Bioabfällen erzeugt guten Dünger. Woraus man früher die Farben für Textilien oder Kosmetika gewonnen hat, wird durch eine Ecke mit angebauten Färbepflanzen verdeutlicht. Eine Wildblumenwiese gewährt einen Eindruck, wie eine Fläche ohne eintöniges Rasengrün aussehen wird. Gegenüber ist ein Garten mit Obstbäumen entstanden, wo Besucher über dieses Teilgebiet mit Tafeln fachkundig informiert werden.

An weiteren vier Pavillons neben dem Obstgarten rankt sich Wilder Wein hoch, der im Herbst eine prächtige Kulisse abgibt. Daneben stößt man auf ein kleines Areal, das dem schottischen Hochland und seinen Heidepflanzen gilt. Es ist ein Geschenk der Augsburger Partnerstadt Inverness zur Landesgartenschau 1985.

Apothekergarten

Für fachlich Interessierte werden regelmäßig Führungen durch den Apothekergarten mit medizinischen Nutzpflanzen veranstaltet. Auf 250 m² gibt es heimische und heimisch gewordene Heil- und Gewürzpflanzen jedoch auch unabhängig davon zu bestaunen. Die Anlage entstand in Abstimmung mit Augsburger Apothekern und der Bayerischen Landesapothekerkammer.

Auf Schautafeln wird Wissen vermittelt. Bei den jeweiligen Pflanzen wird auch der Bereich mit der Heilwirkung angegeben. Extrakte aus Beifuß oder Löwenzahn können beispielsweise positiv auf die Verdauung einwirken. Die jeweilige Pflanze selbst erfolgreich im Garten zu finden macht nicht nur Kindern Vergnügen.

Japangarten

Am Teich
Im Pavillon

Die japanische Gartenkunst schlägt sich in einer Anlage nieder, die europäischen Rang hat. Der Architekt Yoshikuni Araki orientierte sich an Vorbildern aus Japans Kaiserstadt Kyōto. Da Augsburg mit dem Rudolf-Diesel-Gedächtnishain bereits über einen japanischen Steingarten verfügte, wurde für den Botanischen Garten der Gartentyp „Teichgarten“ ausgewählt. Steinlaternen vermitteln fernöstliches Flair. Ein für Europäer ungewohnter Blickfang ist die Anordnung der Steine. 400 Tonnen Granit aus dem Fichtelgebirge wurden hierzu verwendet. Ein kunstvoll gestalteter Wasserlauf über Steine und Stufen hinweg sowie der Teichgarten erfreut im Japangarten Augen und Seele. Ruhe und Harmonie sendet dieser Ort aus und man kann an besucherarmen Tagen durchaus ins Meditieren geraten.

Pflanzenschauhaus

Alter Wassergarten

Der ehedem durch Pflanzenwuchs stark schattig gewordene alte Wassergarten vor dem Glasgebäude ist wieder den Ideen in seiner Anfangszeit angepasst worden. Über eine Eibenhecke und den Rasen hinweg fällt der Blick auf die mit Teichrosen bestückte Wasserfläche.

Über 1.200 verschiedene Pflanzenarten und -sorten sind in einer „Pflanzenwelt unter Glas“ untergebracht. Der Eingangsbereich ist der Vegetationszone Savanne gewidmet. Hier erwarten den Besucher Kakteen, Wolfsmilchgewächse, Sukkulenten, Liliengewächse oder auch Zwiebelblumen.

Tropische Pflanzen

Kern des Pflanzenschauhauses ist eine Darstellung der Vegetationszone Tropen. Es wird versucht, dieses komplexe Ökosystem in seinem Zusammenwirken plastisch zu verdeutlichen. Ein kleiner Wasserlauf und ein Aquarium mit afrikanischem Fischbesatz bieten zur Fülle der in hoher Luftfeuchtigkeit gedeihenden Pflanzen Abwechslung. Gummi- und Feigenbaumarten, Epiphyten, viele Orchideen, verschiedene Bromeliengewächse, Tillandsien, Strauchbegonien und eine Menge Bodendeckerpflanzen erfreuen das Auge. Ferner sind in natura Nutzpflanzen zu betrachten wie beispielsweise Bananenstauden, Kaffeestrauch, Kakaobaum, Kardamom, Vanille und Echter Zimtbaum. In einer Vitrine werden fleischfressende Pflanzen gezeigt.

Das ehemalige Victoria-regia-Haus ist in das Konzept „Pflanzenwelt unter Glas“ als „Pavillon der Schmetterlinge“ eingebunden, welcher für Programme, Konzerte und in der Weihnachtszeit als exotische Krippe genutzt wird. Dort gedeihen im großen Wasserbecken bunte Seerosen wie die großblütige tropische Victoria amazonica sowie Wasser- und tropische Nutzpflanzen. Zeitweise flattern im Jahresverlauf in diesem Haus tropische Schmetterlinge umher.

Lechheide

Ein besonderes Augenmerk richtet die Führung des Botanischen Gartens auf ein Refugium für die Pflanzen der Lechtalheiden, deren Flächen in den vergangenen Jahrzehnten durch Bebauung oder landwirtschaftliche Nutzung kleiner geworden sind. Die Lechtalheiden sind natürliche Landschaften im Großraum Augsburg und zählen zu den artenreichsten Naturräumen in Europa. Beim Bau der Lechstaustufe 22 wurden 2.000 m² Grassoden für den Botanischen Garten gesichert und es entstand dort ein „Naturlehrpfad Lechheide“. Nach einigen Jahren stellte sich heraus, dass ein Teil der Pflanzen den Standortwechsel weg von der räumlichen Nähe zum Lech nicht vertragen hatte. Im Jahr 2003 wurde die Fläche im Botanischen Garten daher renaturiert. Die weitere Entwicklung wird beobachtet.

Kulturerlebnisse

Der Botanische Garten bietet einen Rahmen für verschiedene Musikveranstaltungen (Konzerte, Jazz, Serenaden). Die als „Gärtnerhalle“ bezeichnete Gebäude bietet Raum für künstlerische oder fotografische Ausstellungen.

Literatur

  • Roswitha Mitulla, Bernd Wißner, Norbert Liesz: Botanischer Garten Augsburg. Wißner, Augsburg 2006, ISBN 978-3-89639-538-2, (Augsburg weltberühmt 3).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stadt Augsburg: Der Japanische Garten, abgefragt am 28. Juli 2010
48.3499510.914781

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