Bouldern
Boulderer mit Crashpad in Saint Just im Département Cantal, Frankreich
Kletterer während des Boulder Worldcups Wien 2010
Ziel des Wettkampf-Boulderns: Das Erreichen des als Top gekennzeichneten Griffes mit möglichst wenigen Versuchen (Jain Kim, Wien 2010)

Bouldern (engl. boulder „Felsblock“) ist das Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken, Felswänden oder an künstlichen Kletterwänden in Absprunghöhe. Seit den 1970er Jahren ist das Bouldern eine eigene Disziplin des Sportkletterns und hat vor allem seit den 1990er Jahren eine rasante Entwicklung erlebt.

Inhaltsverzeichnis

Ursprung

Bereits um 1900 bestiegen in Frankreich bei den Felsen um Fontainebleau die so genannten „Bleausards“ die dort im Wald liegenden Sandsteinfelsen.

Der Bouldersport wurde durch John Gill (USA) und Wolfgang Fietz (Deutschland) maßgeblich geprägt. Gill entwickelte bereits in den 1950er und 1960er Jahren neue Klettertechniken und setzte dabei Elemente aus dem Geräteturnen ein. Er verwarf die Drei-Punkt-Regel, nach der beim Klettern von den vier Haltepunkten stets drei mit dem Fels in Kontakt sein sollen, und praktizierte stattdessen einen dynamischen Bewegungsstil. Hierdurch konnte er den Schwung der letzten Bewegung für den nächsten Zug nutzen, so dass eine fließende Gesamtbewegung (sogenannter „flow“) entstand.

Gill hat zudem die Verwendung von Magnesia in den Klettersport eingeführt. Mit diesem Pulver wird die Griffigkeit der Hände erhöht und der auftretende Handschweiß getrocknet. Zum Schutz vor Sturzverletzungen dienen Bouldermatten.

Schwierigkeitsgrade

Outdoor

Bewertungssysteme beim Bouldern

Zur Bewertung der Schwierigkeit eines Boulders existieren unterschiedliche Bewertungssysteme.  

John Gill führte erstmals ein Bewertungssystem für die Schwierigkeit einzelner Boulderprobleme ein. Diese „John Gill B-Scale“ nahm in ihrer ursprünglichen Form eine Einteilung von B1 bis B3 vor. Die Bewertung B1 steht dabei für einen Schwierigkeitsgrad, bei dem das Boulderproblem schwerer als eine äußerst schwere Kletterroute im Toprope-Stil ist. B2 soll deutlich schwerer sein als B1. B3 wird vergeben, wenn ein Boulder ein einziges Mal von einem Kletterer bewältigt wurde. Dieses geschlossene Bewertungssystem konnte nicht lange aufrechterhalten werden, was zu einer Öffnung der Skala und der Einführung neuer Schwierigkeitsgrade führte. Dieser Prozess wurde auch durch die von John Sherman („Vermin“) in den USA entwickelte, offene, V-Skala beschleunigt. Diese ist vom Schwierigkeitsgrad an die B-Skala angelehnt.  

Die weiteste Verbreitung hat beim Bouldern die Fb.-Skala (Fontainebleau-Skala) gefunden. Diese differenziert zudem ein Boulderproblem danach, ob es sich um ein reines Boulderproblem (Fb.-Bloc) oder um ein Traversenproblem (Fb.-Trav) handelt.  

Die Bewertungssysteme sind nicht fixiert. Da immer schwierigere Routen bewältigt werden, kommt es regelmäßig zu Abwertungen und Erweiterungen der Bewertungsskalen. Davon unberührt bleibt der individuell empfundene Schwierigkeitsgrad.

Indoor

In Boulderhallen erfolgt die Bewertung einer Route zumeist durch Grifffarben oder an den Griffen angebrachte Farbkärtchen. Hierbei lässt sich meistens das Prinzip anwenden: Je dunkler die Farbe, desto schwieriger ist die Route. Normalerweise ist jeder Boulder durch seine Startgriffe definiert: R (rechts), L (links) und T (Top).

Ausrüstung

Wesentliche Ausrüstungsteile beim Bouldern sind Kletterschuhe, Chalkbag, Bouldermatten (mit dem so genannten Crashpad werden Stürze abgefangen), Bürsten (Griffreinigung) und ein Fußabstreifer zum Putzen der Schuhe.

Begriffe beim Bouldern

Spotten

Um einen kontrollierten Sturz mit den Füßen voraus nach unten zu ermöglichen, kann der Boulderer von einer anderen Person gespottet werden, d. h. ein Kletterpartner hält sich bereit, um Oberkörper und Kopf des fallenden Kletterers abzufangen, wenn sein Fall, beziehungsweise die Landung selbst, ungünstig verläuft.

Flashen

Flashen bedeutet, einen Boulder (bzw. Route) im ersten Versuch zu klettern, ohne diese Route vorher bereits probiert zu haben.

Bekannte Bouldergebiete

Gilt als ältestes Bouldergebiet der Welt. In dem aus Sandstein bestehenden Gebiet wurde im Jahr 1947 auch der Boulderparcours erfunden. Diese Aneinanderreihung einzelner Boulderprobleme weist eine recht homogene Schwierigkeit auf. Der Parcours ist durchnummeriert, farblich gekennzeichnet und wird hintereinanderweg durchgeklettert. Manche Parcours sind so gestaltet, dass bei ihrer Begehung der Boden nicht betreten werden muss, vielmehr ist es möglich, durch Abklettern, Queren und Hinüberspringen durchgängig in Felskontakt zu bleiben.
  • Frankenjura in Bayern, Deutschland
  • Kochel in Bayern, Deutschland
  • Hueco Tanks in Texas, USA
  • Rocklands in Südafrika
  • Hampi in Karnataka, Indien

Berühmte Boulderprobleme

Das vielleicht weltweit bekannteste einzelne Boulderproblem befindet sich im Yosemite-Nationalpark (USA) und trägt den Namen Midnight Lightning. Es wurde 1978 erstmals durch den amerikanischen Kletterer und Boulderer Ron Kauk bezwungen.

  • Tonino ’78: Das schwierigste Boulderproblem (8c+) bislang. Meschia, Italien, mit 2 Begehungen (1. Mauro Calibani 2. Julien Nadiras).
  • Dreamtime (8b+ bzw 8c), Cresciano, Schweiz
  • Unendliche Geschichte (8b+), Magic Wood, Averstal, Schweiz.
  • Bokassa's Fridge - Assassin, Monkey and Man (8c+), Kochel, Deutschland
  • The Game (8c+) Boulder Canyon, USA, gilt als einer der schwersten Boulderprobleme; erstbegangen von Daniel Woods

Literatur

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Bouldern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien



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