AT-3 Sagger
AT-3 Flugkörper.

AT-3 Sagger ist die NATO-Bezeichnung für die russische 9M14 „Maljutka“ (dt. Kleines) Panzerabwehrlenkwaffe.

Sie wurde ab 1961 in der UdSSR entwickelt, bis etwa 1970 wurden dort jährlich 25.000 Stück produziert, in weiteren fünf Ländern wurden Lizenzversionen hergestellt. Damit war die AT-3 die am meisten produzierte Lenkwaffe aller Zeiten. Als Infanterierakete kann sie von einer Person getragen und eingesetzt werden.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Die Entwicklung begann im Juli 1961, nachdem zwei Entwicklungsteams mit dem Projekt betreut wurden, Tula und Kolomna. Das Pflichtenheft nannte folgende Anforderungen:

  • Von einer Person tragbar und auf Fahrzeugen montierbar.
  • Reichweite 3.000 Meter.
  • Panzerbrechend gegen 200 mm Stahl bei 60° Einschlagwinkel.
  • Gewicht maximal 10 kg.

Vorbild waren europäische Lenkwaffen der 1950er wie die französische Entac. Ausgewählt wurde schließlich der Entwurf des Kolomna-Teams, das bereits die AT-1 Snapper, einen konzeptionell ähnlichen, aber einfacher aufgebauten Vorgänger entwickelt hatte. Erste Tests waren im Dezember 1962 abgeschlossen und die Rakete wurde im September 1963 für den Einsatz im Truppendienst freigegeben.

Einsatz

Die tragbare Version dieser Rakete wurde bei der Sowjetarmee von den Panzergrenadieren eingesetzt, wobei jede Abteilung zwei „Maljutka“-Gruppen mit je zwei Einheiten hatte, von denen jede wiederum zwei Abschusslafetten bediente. Jede Einheit hatte weiterhin einen RPG-7 Schützen, um den Entfernungsbereich bis 500 m abzudecken, der von der AT-3 nicht erreicht werden konnte.

Die Fahrzeugversion fand auf gepanzerten Kettenfahrzeugen der Typen BMP-1, BMD-1, BRDM-1 und BRDM-2 Verwendung.

Die AT-3 wurde im Vietnamkrieg ab 1972 mit einigem Erfolg von Vietcong-Kämpfern gegen die südvietnamesische Armee eingesetzt.

Wirkungsvoll war vor allem ihr Einsatz im Jom-Kippur-Krieg von 1973, bei dem Syrien und Ägypten einen Überraschungsangriff gegen Israel führten. Jede Division setzte dabei rund 2.000 Geschosse ein; sowjetische Quellen nannten eine Zahl von 800 israelischen Panzern, die durch AT-3 außer Gefecht gesetzt wurden.

Die AT-3 wurde ab 1973 von der AT-4 Spigot abgelöst, die eine effektive Kampfentfernung von 70 bis 2.000 m sowie eine Fluggeschwindigkeit von 186 m/s aufwies. Diese Rakete ist inzwischen auch veraltet und wird seit 1994 von der AT-14 Spriggan ersetzt, die über eine Laser-Steuerung, eine deutlich höhere Durchschlagskraft von 1.200 mm und eine Reichweite von 5.500 m verfügt.

Technik

9S415 Steuereinheit der AT-3 mit aufgesetztem 9Sh16 Periskop.

Die Rakete wurde aus einem tragbaren Transportkoffer mit Abschussgestell (9P111), von Fahrzeugen wie dem BMP-1 oder BRDM-2 und von Hubschraubern (Mil Mi-2, Mil Mi-8, Mil Mi-24) gestartet. Die Startbereitschaft konnte innerhalb von etwa fünf Minuten nach der Entnahme aus dem Transportkoffer hergestellt werden.

Die Steuerung erfolgte durch einen kleinen Steuerhebel ("Joystick"), der Teil der Steuereinheit 9S415 war. Die Signale wurden durch einen dünnen dreiadrigen Draht zur Rakete übertragen, den diese hinter sich herzog. Direkt nach dem Start stieg sie steil auf, um mögliche Hindernisse zu überfliegen. Um den Flug zu stabilisieren, wurde sie durch die Leitwerksflügel und den Antrieb in der Längsachse in eine Rotation von 8,5 U/s versetzt. Ein kleines Gyroskop trug zur Stabilisierung der Flugbahn bei. Im Ergebnis verzögerte sich die Bahnstabilisierung um einige Sekunden, woraus sich die minimale Zieldistanz von 500 bis 800 m ergab.

Ziele bis zur Entfernung von 1.000 m wurden direkt angesteuert, für weiter entfernte Ziele kam der 9Sh16 Periskopsucher zum Einsatz, der eine 8-fache Vergrößerung bei einem Sichtfeld von 22,5° bot. In diesem Sektor liegende und von der Abschussrichtung abweichende Ziele konnten noch angesteuert werden, dabei verringerte sich die Treffergenauigkeit gegenüber Zielen in der Schussachse jedoch um etwa 50%.

Erste Schätzungen nannten eine Trefferwahrscheinlichkeit von 60 bis 90 Prozent, in der Praxis ergaben sich aber nur 2 bis 25 Prozent, je nach Situation und Fähigkeit des Schützen.

Es zeigte sich, dass die Joystick-Steuerung viel Übung und Geschicklichkeit vom Schützen verlangte; so wurde eine Zahl von 2.300 simulierten Flügen genannt, die der Schütze bis zur Beherrschung der Steuerung benötigte. Bei späteren Versionen wurde daher das SACLOS Steuerverfahren eingesetzt, bei dem in einem Videosucher nur noch ein Steuerkreuz über dem Ziel gehalten werden musste.

Ein weiteres Problem ergab sich aus der Zeit von 30 Sekunden, die bis zum Erreichen der maximalen Reichweite von 3 km verstrich und in der ein angegriffener Panzer Deckung nehmen, sich einnebeln oder auch zurückschiessen konnte. Bei späteren Versionen wurde daher die Fluggeschwindigkeit erhöht.

Varianten

  • AT-3 Sagger
    • AT-3A Sagger A 9M14 Malyutka MCLOS in 1963.
    • AT-3B Sagger B 9M14M Malyutka-M MCLOS in 1973, erhöhte Geschwindigkeit, Gewicht 11 kg.
    • AT-3C Sagger C 9M14P Malyutka-P SACLOS Steuerung.
      • 9M14P Verstärkter Gefechtskopf 460 mm Durchschlagskraft, 1969
      • 9M14P1 Gefechtskopf 520 mm mit Verbesserungen gegen Reaktivpanzerung.

Technische Daten

  • Länge: 860 mm
  • Spannweite: 393 mm
  • Durchmesser: 125 mm
  • Abfluggewicht: 10.9 kg
  • Geschwindigkeit: 115 m/s (durchschnittlich), 200 m/s (maximal)
  • Reichweite: 500 m bis 3 km
  • Flugzeit max.: 30 s
  • Steuerung: drahtgelenkt (Mod. A: MCLOS)
  • Gefechtskopf: 2.5 kg HEAT 400 mm RHA

Anwender

Afghanistan, Algerien, Angola, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, VR China, Kroatien, Kuba, Ägypten, Äthiopien, Hisbollah, Ungarn, Iran, Irak, Indien, Nordkorea, Libyen, Mosambik, Polen, Rumänien, Slowenien, Syrien, Taiwan, Uganda, Vietnam, Zambia.

Literatur

Weblinks


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