Bouterse
Dési Bouterse, Aufnahme 1985

Desiré Delano Bouterse [ˈdeːziː ˈbʌʊ̯təɾsə] (* 13. Oktober 1945 in Domburg, Suriname) war Sportlehrer beim Militär, Putschführer, Oberbefehlshaber der Armee und ist Gründer und Vorsitzender der National Demokratischen Partei (Nationale Democratische Partij, NDP) in Suriname. Er gilt als eine der umstrittensten Persönlichkeiten in der jüngeren Geschichte Surinames.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bouterse wuchs in der damaligen niederländischen Kolonie auf und besuchte die Handelsschule in Paramaribo. Von 1968 bis 1975 lebte seine Familie in den Niederlanden, wo er 1970 Ingrid Figueira heiratete. Aus der inzwischen geschiedenen Verbindung gingen zwei Kinder hervor, Tochter Peggy und Sohn Dino. Er absolvierte verschiedene militärische Ausbildungen in der niederländischen Armee. Als Soldat (Feldwebel) war er im letzten Jahr vor seiner Rückkehr nach Suriname auch in der NATO-Kaserne im niedersächsischen Seedorf stationiert.

Zurück im gerade unabhängig werdenden Suriname (25. November 1975), war Bouterse am Aufbau eines neuen Heeres beteiligt. Am 25. Februar 1980 verübten Dési Bouterse und Roy Horb (1953-1983) sowie vierzehn weitere Unteroffiziere einen Militärputsch (Sergeantencoup) und setzten die Regierung unter Premierminister Henck A. E. Arron ab. Dieser Militärputsch wurde von einem Großteil der Bevölkerung anfänglich begrüßt, da sie sich einen Rückgang der Korruption und eine Steigerung des Lebensstandards versprach.

Als neuer Regierungschef wurde nach dem Putsch Hendrick Chin A Sen ernannt. Nach vermeintlichen Plänen zu einem Gegencoup, setzte Bouterse die Verfassung außer Kraft, löste das Parlament auf. Der seit 1975 im Amt befindliche Präsident Johan Ferrier trat auf Dési Bourteses Druck hin zurück.

Politik

Militärregime und Kriminalität

Bouterses Name ist eng mit dem des Militärregimes verknüpft, das Suriname von 1980 an beherrschte. Die negativen Höhepunkte waren die „Dezember-Morde“ von 1982, der Bürgerkrieg von 1986 bis 1992 und das Massaker in dem Ndyuka-Dorf 1986 („Moiwana-Morde“). Daneben wurde er mehrfach der Verwicklung in illegale Drogengeschäfte bezichtigt.[1] Im Juli 1999 wurde er in den Niederlanden in Abwesenheit zu elf Jahren Gefängnis wegen Kokainhandels verurteilt. Die Niederlande haben einen Internationalen Haftbefehl gegen Bouterse erwirkt, wodurch ein Verlassen seines Heimatlandes für ihn praktisch unmöglich geworden ist. Auf der anderen Seite darf er, als surinamischer Staatsbürger, auch nicht von Suriname an die Niederlande ausgeliefert werden.

Sein Sohn Dino wurde im August 2005 in Paramaribo wegen aktiver Mitwirkung an internationalem Drogenhandel und Waffenschmuggel zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.[2]

Parlament

Nach der Rückkehr demokratischer Verhältnisse unter den Präsidenten Ronald Venetiaan und Jules Wijdenbosch (der wiederum von Venetiaan abgelöst wurde) hat Bouterse mehrmals erfolglos versucht, bei Wahlen erneut an die Macht zu kommen. Bei den Wahlen vom 25. Mai 2005 wurde die von ihm gegründete Nationale Democratische Partij (NDP) zur zweitstärksten Partei in der Nationalversammlung von Suriname.

Bouterse ist jedoch kein Mitglied des Parlaments mehr. Nachdem er nach dreizehn-monatiger Abwesenheit am 27. Januar 2009 wieder an einer Parlamentssitzung teilnehmen wollte, leitete Parlamentsvorsitzender Paul Somohardjo sofort das Ausschlussverfahren ein. Per Gerichtsvollzieher und Brief wurde Bouterse noch am selben Tag mitgeteilt, dass seine Mitgliedschaft im Parlament, De Nationale Assemblée (DNA) beendet sei. Begründet wurde der Ausschluss mit Artikel 68, Nr. 1, f des Grundgesetzes. Hiernach endet die Mitgliedschaft in der DNA nach einer Abwesenheit im Parlament von einer zusammenhängenden Periode von fünf Monaten.

Seine monatelange Abwesenheit in der DNA versteht Bouterse vor allem als Protest gegen die Weigerung der Regierung, ihn nicht, seit Beginn der Legislaturperiode 2005, u.a. im Verteidigungsausschuss mitwirken zu lassen. Die Rechtmäßigkeit des Ausschlusses aus dem Parlament will er gerichtlich klären lassen.

Prozess

Am 30. November 2007, 25 Jahre nach den Dezember-Morden im Fort Zeelandia begann der Prozess vor dem surinamischen Krijgsraad, dem Militärgericht in Boxel, südlich von Paramaribo. Einer der Hauptangeklagten ist Dési Bouterse als damaliger Oberbefehlshaber der Armee. Er selbst bestreitet seine Anwesenheit im Fort Zeelandia, als hier am 8. Dezember 1982 fünfzehn prominente Oppositionelle (darunter mehrere Anwälte und Journalisten) erschossen wurden.[3] Die Verantwortung für die Morde lag nach seinen Worten beim Kommandeur des ausführenden Militärbataillons, Paul Bhagwandas, der ihm jedoch unterstellt war. Er starb 1996.

Nach einer halbjährigen Unterbrechung wurde der Prozess am 23. Januar 2009 fortgesetzt.

Literatur

  • Harmen Boerboom; Joost Oranje: De 8-december-moorden. Slagschaduw over Suriname. BZZToH, 's-Gravenhage 1992, ISBN 90-6291-762-3
  • Wim Hoogbergen; Dirk Kruijt: De oorlog van de sergeanten. Surinaamse militairen in de politiek. Bert Bakker, Amsterdam 2005, ISBN 90-351-2998-9

Weblinks

  1. Der Spiegel: Verfilzte Clique. Nr.35/1991
  2. BBC: Surinam ex-leader's son is jailed. 12 August 2005 (engl.)
  3. Dossier zu den Dezember-Morden (ndl.)



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