Bouvines
Schlacht bei Bouvines
Darstellung aus der Grandes Chroniques de France, 14. Jhd.
Darstellung aus der Grandes Chroniques de France, 14. Jhd.
Datum 27. Juli 1214
Ort bei Bouvines in Flandern
Ausgang Französischer Sieg
Konfliktparteien
Frankreich englisch-welfisches Bündnis
Befehlshaber
Philipp II. August Otto IV.
Truppenstärke
4.000 Ritter und berittene Knechte
11.000 Fußvolk
3.500 Ritter und berittene Knechte
21.000 Fußvolk
Verluste
weniger als 1.000 Tote mehr als 1.000 Tote, mehr als 9.000 Gefangene

In der Schlacht bei Bouvines, 27. Juli 1214, standen sich auf einer Seite das Heer des französischen Königs Philipps II. August und auf der anderen Seite die verbündeten Heere des englischen Königs Johanns I. und des deutschen Königs Ottos IV. gegenüber (Johann war nicht selbst anwesend). Es handelt sich dabei um eine der wenigen großen Schlachten des Mittelalters. Andere, weit größere Auseinandersetzungen, waren die Schlacht bei Tannenberg (1410), und die Schlachten von Hattin (1187), Azincourt (1415) und Kalka (1223).

Bouvines ist ein Dorf im damaligen Flandern (heute Frankreich), zwischen Lille und Tournai.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

Die Ursachen der Auseinandersetzung waren einerseits Philipps Streit mit Johann um die englischen Lehen in Frankreich (angevinisches Reich) und andererseits die Feindschaft zwischen Philipp und Otto (Neffe Johanns) wegen Philipps Parteinahme im deutschen Thronstreit für den Staufer Friedrich II.. Auf Seiten Ottos kämpften auch der Graf von Flandern und der Graf von Boulogne; beides eigentlich Franzosen, die mit Philipp im Streit lagen und sich nach dem Motto "Der Feind meines Feindes..." Otto angeschlossen hatten.

Vorgeschichte

Der ursprüngliche Plan von Johann und Otto sieht zunächst eine Invasion Johanns in West-Frankreich von Aquitanien aus vor. Dadurch soll Philipp von Paris weg nach Südwesten gelockt werden, um einen Einmarsch Ottos über den Nordosten (Flandern) und die Eroberung von Paris zu ermöglichen. Der Plan scheint zunächst zu gelingen, denn Philipp eilt Johanns Invasion im Februar 1214 entgegen. Ottos Heer (englische, deutsche, flandrische und boulognische Kontingente) steht jedoch nicht rechtzeitig bereit; Philipp erfährt von Ottos drohender Invasion, belässt sein Heer in der Obhut seines Sohnes Ludwig und kehrt nach Paris zurück.

Als im Juli Ottos Heer endlich bereitsteht, kommt ihm Philipp zuvor und marschiert mit einem eilig aufgestellten Heer plündernd in Flandern ein. Am 25. Juli erreicht er Tournai, an der Ostgrenze Flanderns, wo er erfährt, dass Ottos Heer nun im Süden Flanderns, in Valenciennes steht. Um nicht vom französischen Kernland abgeschnitten zu werden, wendet sich Philipp wieder nach Westen, in Richtung Lille. Otto, über Philipps Bewegung unterrichtet, marschiert am 26. Juli nach Nordwesten, in der Hoffnung, Philipps unvorbereitetes Heer abzufangen.

Am Vormittag des 27. Julis erreichen Vorausabteilungen von Ottos Reiterei die Nachhut Philipps, als dessen langgezogene Marschkolonne gerade die Brücke über die Marcq bei Bouvines überquert. Diese Brücke ist kilometerweit die einzige Möglichkeit, ein breites, sumpfiges Flusstal zu überqueren, das zwei Hochebenen voneinander trennt. Philipps Fußvolk ist bereits jenseits der Brücke, die Reiterei noch nicht; eine prekäre Lage für Philipp.

Als ihn die Meldung vom Herannahen von Ottos in Schlachtordnung befindlichem Heer erreicht, befiehlt er die schleunige Umkehr seines Fußvolks und die Aufstellung des Heeres zur Schlacht, während die berittene Nachhut Hinhaltegefechte führt, um dem übrigen Heer Zeit zu verschaffen. Da aus dem Überraschungsangriff nichts geworden ist, bringt auch Otto sein Heer in ordentliche Schlachtordnung und am frühen Nachmittag stehen sich die Heere auf einer 1,5 km breiten Front gegenüber.

Die Schlacht

Das französisch-staufische Heer ist in den üblichen drei Schlachthaufen formiert: in der Mitte das Fußvolk, Reiterei rechts und links. Philipp befindet sich mit der Reserve-Reiterei hinter dem Fußvolk; umgeben von den Rittern seiner Leibgarde, die Oriflamme an seiner Seite. Das Heer der Verbündeten ist ebenso formiert: links flandrische und deutsche Ritter (unter dem Grafen von Flandern), Otto mit sächsischen Rittern, von denen jedoch einige zu den Staufern übergelaufen waren, im Zentrum hinter den Fußknechten, rechts Reiterei (geführt von den Grafen von Boulogne und von Salisbury).

Die Schlacht beginnt mit einer "Unsportlichkeit" der Franzosen auf dem rechten Flügel, als sie 150 berittene Knechte gegen die flandrischen Ritter vorschicken, um diese zu beunruhigen und zu verwirren, denn Ritter sind es gewohnt, gegen ihresgleichen zu kämpfen. Es entbrennt ein ausgedehntes Scharmützel.

Im Zentrum schickt Otto seine Fußknechte vor, die den französischen sowohl an Zahl als auch Erfahrung überlegen sind. Sein Ziel ist es, Philipp zu töten oder zu fangen. Tatsächlich wird das französische Fußvolk überwältigt, was Philipp mit der Reiter-Reserve zum Eingreifen zwingt. Deutschen Fußknechten gelingt es, Philipp vom Pferd zu ziehen, doch er wird von seiner Leibgarde gerettet; die französischen und staufischen Ritter überwältigen das welfisch-deutsche Fußvolk und gehen ihrerseits zum Angriff auf das Zentrum der deutschen Front vor, wo Otto sich aufhält.

Unterdessen erringen die Franzosen auf beiden Flügeln Vorteile, die Staufer können die englischen Kernkräfte einkesseln, der Graf von Salisbury, und der Graf von Flandern werden gefangengenommen, die deutschen Flügel brechen zusammen.

Im Zentrum treffen die Ritter Philipps auf die Ottos; jetzt ist es Otto, der in Bedrängnis gerät; sein Pferd wird getötet. Schließlich ergreift Otto die Flucht, der deutsche Reichsadler gerät in die Hände der Franzosen.

Lediglich auf dem rechten Flügel der Deutschen kämpft noch der Graf von Boulogne, der sich mit einem Kreis von 700 Fußknechten umgeben hat, aus dessen Deckung heraus er immer wieder Ausfälle unternimmt; nachdem die Fußknechte jedoch getötet werden, muss auch er sich ergeben. Die Schlacht hat drei Stunden gedauert.

Folgen

Die Auswirkungen dieser Schlacht betrafen alle beteiligten Parteien. Die Niederlage der englisch - welfischen Verbündeten in der Schlacht von Bouvines besiegelte die endgültige Niederlage Ottos IV. in der Auseinandersetzung mit dem Gegenkönig Friedrich II. Die Wahl Friedrichs II. zum König (1215) beendete eine 17 Jahre währende Zeit des Bürgerkriegs und Doppelkönigtums im Reich. Die von Friedrich II. und seinen Nachfolgern gemachten Zugeständnisse an die geistlichen (confoederatio cum principibus ecclesiasticis, 1220) und die weltlichen Fürsten (statutum in favorem principum, 1232) festigten die Fürstenmacht auf Kosten der Königsmacht und der Städte. Der Weg zu einem, von Fürsten beherrschten, Territorialstaat war frei.

Ganz im Gegensatz zu Frankreich. Mit dem Sieg von Bouvines gelang es dem französischen König Philipp II. August in seinem Kronland die Zentralmacht zu stärken und die Macht der Thronvasallen zurückzudrängen (Rückfall freier Lehen an den König). Das Gebiet nördlich der Loire blieb französisches Kronland.

In England musste der geschlagene König Johann I. Adligen und Bürgern weitgehende Rechte und Freiheiten zugestehen (Magna Charta, 1215), u. a. die Kontrolle der Krone durch einen Rat gewählter Barone und der Bindung an die Gesetze. Die Entwicklung der englischen Monarchie zu einem Verfassungsstaat nahm ihren Anfang.

Literatur

  • Georges Duby: Der Sonntag von Bouvines. Der Tag, an dem Frankreich entstand. Wagenbach, Berlin 2002, ISBN 3-8031-3608-3

Siehe auch: Liste von Schlachten


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