Bowdenzug
Bowdenzug: Mantel und Stahlseele

Der Bowdenzug (nach DIN 71986 „Seilzug“) ist ein bewegliches Maschinenelement zur Übertragung einer mechanischen Bewegung bzw. einer (Zug)kraft mittels einer flexibel verlegbaren Kombination aus einem Drahtseil und einer in Verlaufsrichtung stabilen Hülle.

Benannt ist der Bowdenzug nach seinem Erfinder, dem Briten Ernest Monnington Bowden (1860–1904).[1][2][3][4][5]

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Schaltbowdenzugseele für Fahrrad mit Birnen- und Tonnennippel (das nicht benötigte Ende wird abgeschnitten).
Moderner Bowdenzugmantel: Stahldrähte, fixiert durch äußere Kunststoffumhüllung, darin eingebettet ein Teflonschlauch als Führung für die Bowdenzugseele.

Der Bowdenzug besteht aus einem Stahldraht oder Drahtseil (Bowdenzugseele), das in einer flexiblen, aber in Zugrichtung druckfesten Hülle verlegt wird. Die Hülle wirkt als mechanische Führung des Zugs und als Gegenlager für die übertragenen Zugkräfte, so dass der Bowdenzug Kräfte auch über Biegungen übertragen kann. Die Hülle ist in der Regel als dicht gewickelte, druckfeste Wendel ausgeführt. Anstelle einer Übertragung von Zugkraft durch das Bowdenzugseil kann man gleichwertig von einer durch die Hülle ausgeübten Druckkraft sprechen. Die Hülle muss dabei einer Längenveränderung (Verkürzung) widerstehen können.

Die Verbindung des Drahtseils mit dem zu bewegenden Maschinenteil geschieht entweder durch kraftschlüssige Klemmung oder durch Einhängen eines Nippels in eine passend geformte Öse. Wichtig ist dabei, dass Biegemomente an der Bowdenzugseele vermieden und reine Zugkräfte übertragen werden, um frühzeitigen Bruch zu verhindern. Die Nippel können an der Bowdenzugseele durch Pressen, Löten oder Anschrauben befestigt werden.

Die Ummantelung schützt den Zug vor äußeren Beschädigungen, verhindert das Eindringen von Staubpartikeln oder Feuchtigkeit und sorgt so dafür, dass die Funktion des Zugs durch mechanische Reibung oder Rost nicht beeinträchtigt wird. Abschnittsweise (auf geradlinig verlaufenden Teilstücken) kann die Hülle auch unterbrochen sein, so wird z. B. bei Fahrrad-Bowdenzügen zur Minderung der Reibungskräfte und Gewichtseinsparung eine Hülle oft nur für den flexiblen Übergang vom Lenker zum Rahmen, dortselbst zur Führung um gekrümmte Abschnitte herum sowie für die direkte Zuführung zu Bremse oder Schaltwerk verwendet; die Teilstücke der Hülle werden dabei am Rahmen in entsprechende Aufnahmeösen eingehängt, die die auftretenden Druck- und Zugkräfte aufnehmen können müssen.

Einsatzgebiete

Seilzug in der Automobiltechnik

Eingesetzt werden Bowdenzüge unter anderem für die Betätigung von Bremsen und Gangschaltung bei Fahrrädern, als Gas- und Kupplungszug bei Motorrädern und für die Feststellbremse bei Kraftfahrzeugen, als Verbindung des entfernten Öffners für Kofferraum und Tankdeckel und als Übertragungselement für die Bedienung von Pkw-Schaltgetrieben. In der Feinwerktechnik werden Bowdenzüge vielfältig eingesetzt, zum Beispiel als Auslösemechanismen („Drahtauslöser“) in der Fotografie. Im Bereich der Luftfahrt werden Seilzüge für Flugzeugsteuerungen eingesetzt: Ein Beispiel ist das frühe Experimentalflugzeug bzw. Hubschrauber von Engelbert Zaschka aus dem Jahr 1928.[6]

Eine Weiterentwicklung des Bowdenzugs ist die flexible Antriebswelle.

Normen

  • DIN 71984-1 : 1982-10 Seilzüge; Rundlitzenseil 7x7 (Cables for controls; Round strand 7x7)
  • DIN 71984-2 : 1982-10 Seilzüge; Rundlitze 1x19 (Cables for controls; Round strand 1x19)
  • DIN 71984-3 : 1982-10 Seilzüge; Seilhüllen (Cables for controls; Sheatings)
  • DIN 71984-4 : 1982-10 Seilzüge; Hülsen (Cables for controls; Sockets)
  • DIN 71985-1 : 1982-08 Nippel für Seilzüge; Aufnahmenippel (Nipples for cables for controls; Receiver nipple)
  • DIN 71985-2 : 1982-10 Nippel für Seilzüge; Lötnippel (Nipples for cables for controls; Nipples for soldering)
  • DIN 71985-3 : 1982-08 Nippel für Seilzüge; Klemmnippel (Nipples for cables for controls; Clamping nipples)
  • DIN 71985-4 : 1982-08 Nippel für Seilzüge; Preßnippel [Pressnippel] (Nipples for cables for controls; Nipples for swaging)
  • DIN 71986 : 1985-02 Seilzüge; Übersicht, Anwendungsbeispiele (Control cables; Summary, application examples)
  • DIN 71989 : 1982-10 Stellschrauben für Seilzüge (Adjusting screws for cables for controls)
  • DIN 71990 : 1982-10 Seilzüge; Innenrohre für Seilhüllen (Pipes for sheatings of cables for controls)
  • DIN 71991 : 1982-08 Endstücke mit Gewinde für Seilzüge (Threaded end-fittings for cables for controls)
  • DIN 71992 : 1982-10 Ösen für Seilzüge (Eye-fittings for cable for controls)
  • DIN EN 2348 : 1989-11 Luft- und Raumfahrt; Seilzüge für Flugzeugsteuerungen; Technische Lieferbedingungen (Aerospace series; Control cable assemblies; Technical specifications)
  • LN 29503 : 1964-11 Technische Lieferbedingungen für Seilzüge für die Luftfahrt (Technical delivery conditions for cable assemblies for aircraft)
  • LN 9361 : 1991-12 Seilzüge; Nicht für Neukonstruktionen (Cable assemblies; Not for new design)

Literatur

  • Fritz Winkler, Siegfried Rauch: Fahrradtechnik Instandsetzung, Konstruktion, Fertigung. 10. Auflage, BVA Bielefelder Verlagsanstalt GmbH & Co. KG, Bielefeld, 1999, ISBN 3-87073-131-1
  • Richard Hallet: Fahrrad-Wartung-Pflege-Reparatur. 1.Auflage, BVA Bielefelder Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld, 2003, ISBN 3-87073-308-X
  • Rob van der Plas: Fahrradreparatur leicht gemacht. 1.Auflage, BVA Bielefelder Verlaganstalt, Bielefeld, 1996, ISBN 3-87073-185-0
  • Max Bohner, Richard Fischer, Rolf Gscheidle: Fachkunde Kraftfahrzeugtechnik. 27.Auflage, Verlag Europa-Lehrmittel, Haan-Gruiten, 2001, ISBN 3-8085-2067-1

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Bowdenzug – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Patent GB189625325: New or Improved Mechanism for Transmission of Power. Veröffentlicht am 25. September 1897, Erfinder: Ernest Monnington Bowden.
  2. Patent GB189714402: Improvements in and relating to Brakes for Velocipedes and other Road Vehicles. Veröffentlicht am 14. Mai 1898, Erfinder: Ernest Monnington Bowden.
  3. Patent US609570: Mechanism for Transmitting Motion or Power. Veröffentlicht am 23. August 1898, Erfinder: Ernest Monnington Bowden.
  4. Patent GB189801196: Improvements in and relating to Brakes for Velocipedes. Veröffentlicht am 19. November 1898, Erfinder: Ernest Monnington Bowden.
  5. Patent CH27570: Neuartiger Strang zur Übertragung von Zugkräften. Veröffentlicht am 31. Januar 1904, Erfinder: Ernest Monnington Bowden.
  6. Vgl. Bundesarchiv Bild 102-10105, Berlin-Tempelhof, Modell eines Kreisel-Flugzeuges
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  • Bowdenzug — Bow|den|zug auch: Bow|den Zug 〈[baʊdən ] m. 1u〉 in Rohren, Spiralen od. Schläuchen geführter Draht (auch Drahtkabel) zum Übertragen von Zugkräften [nach dem engl. Erfinder Sir Harald Bowden, 1880 1960] * * * Bow|den|zug [ ba̮udn̩… ], der; [e]s,… …   Universal-Lexikon

  • Bowdenzug — Bow|den|zug auch: Bow|den Zug 〈[baʊdən ] m.; Gen.: s, Pl.: zü|ge; Technik〉 in biegsamen Hohlkörpern (Rohren, Spiralen od. Schläuchen) geführter Draht (auch Drahtkabel) zum Übertragen von Zugkräften [Etym.: nach dem engl. Erfinder Sir Bowden, 1880 …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Bowdenzug — Bow|den|zug [ baudn̩...] der; s, ...züge <nach dem engl. Erfinder Sir H. Bowden (1880 1960)> Drahtkabel zur Übertragung von Zugkräften, bes. an Kraftfahrzeugen …   Das große Fremdwörterbuch

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