Bowling Green (Wiesbaden)
Das Bowling Green und das Kurhaus mit den alten Platanen...
...und 2007 nach dem Bau der Tiefgarage.

Das Bowling Green ist eine Grünanlage in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden.

Inhaltsverzeichnis

Gestaltung und umgebende Bauwerke

Das Bowling Green besteht aus einem lang gestreckten Rasenrechteck mit zwei Wasserbecken, in deren Mitte jeweils ein dreischaliger Kaskaden-Brunnen steht.

An der Kopfseite im Osten schließt sich der Kurhausplatz (früher J.-F.-Kennedy-Platz) vor dem Wiesbadener Kurhaus an. Hinter dem Kurhaus mit seiner Spielbank, beginnt der Kurpark. An der Westseite des Bowling Greens verläuft die Wilhelmstraße. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt der Kaiser-Friedrich-Platz mit dem Denkmal Kaiser Friedrichs III, flankiert vom Hotel Nassauer Hof und dem Appartementhaus Vier Jahreszeiten.

Betrachtet man das Bowling Green von der Wilhelmstraße in Richtung Kurhaus, erstrecken sich rechter Hand (im Süden) die Theaterkolonnaden mit dem Hessischen Staatstheater und ihm gegenüber - linker Hand (im Norden) - die Kurhauskolonnaden oder auch Brunnenkolonnaden. Diese sind mit 129 m Länge die längste Säulenhalle Europas. In ihnen ist das Kleine Spiel (Automatenspiel) der Spielbank untergebracht.

Geschichte

Das Bowling Green und das alte Kurhaus um das Jahr 1900

Die Wiesenbrunnenallee

Vor der Errichtung des ersten „Cursaals“ 1808–1810, an Stelle des heutigen Kurhauses von 1907, befand sich im Bereich des Bowling Greens eine Allee, die bereits zum Ende des 18. Jahrhunderts zum Flanieren der Kurgäste angelegt worden war.[1] Sie führte zum Wiesenbrunnen hinaus, der seit 1477 belegt ist. Er war einer der wenigen Trinkwasserquellen der Stadt, weshalb er auch „Süßer Brunnen“ genannt wurde. Die ca. 250 m lange Pappelallee verlief aus dem Stadtinneren kommend, vom „Sonnenberger Tor“ in östlicher Richtung auf den sehr beliebten Brunnen zu, der inmitten von Feldern und Wiesen, von einem Kranz von Bäumen umstanden war. Stadtbaumeister Christian Zais (1770–1820), der neben der Wilhelmstraße weitere wesentliche stadtplanerische Projekte in Wiesbaden verwirklichte, ließ den neuen Cursaal jenseits des Wiesenbrunnens errichten. Er sah ganz bewusst eine Distanz zum Ortsinneren vor, um eine Abschirmung zur bürgerlichen Stadt zu erreichen. Wegen der Neugestaltung des Geländes vor dem Neubau, wurde der Wiesenbrunnen um fast 100 m nach Süden verlegt.[Anmerkung 1]

Das Fontänenprojekt

Auf dem Areal vor dem „Gesellschaftshaus“ wollte Zais eine Wasserfontäne errichten.[2] Das Wasser sollte über eine Druckleitung von der Kisselbornquelle nahe der Taunus-Anhöhe Platte herbeigeschafft werden. Da die Stadt gleichzeitig eine moderne Wasserversorgung benötigte, wollte er beide Projekte miteinander verbinden. Die Ausführung der Wasserleitung begann 1813 mit der Fassung der Quellen, wurde aber wegen des Feldzugs gegen Napoleon (1815) erst ab 1817 weitergeführt und 1821 vollendet. Nach erneuten Berechnungen stellte sich nun aber heraus, dass der Wasserdruck für eine imposante Fontäne nicht ausreichen würde. Man verschob das Fontänenprojekt und realisierte es erst nach Zais' Tod mit der Umgestaltung des hinter dem Kurhaus beginnenden Kurparks zu einem englischen Landschaftsgarten. Die Fontäne wurde 1855 im neu angelegten Kurhausweiher eingerichtet. Das Wasser kam aus einem Reservoir von der Anhöhe Schöne Aussicht das zur Versorgung des heute zerstörten Paulinenschlösschens gebaut worden war. Die Wassermenge reichte aus, um auch die beiden 1856 errichteten dreischaligen Kaskadenbrunnen zu versorgen.

Die Alleen

Zwischen Wilhelmstraße und dem Cursaal wurden nach dessen Vollendung 1810 vier parallel verlaufende Alleen angelegt.[3] Sie flankierten das Areal beidseitig mit insgesamt sechs Baumreihen. Die äußeren waren wechselweise[4] mit Pappeln und Linden bepflanzt und für Fuhrwerke und Reiter vorgesehen. Die inneren bestanden aus Akazien und waren Fußgängern vorbehalten. Sie verliefen im Gegensatz zu den äußeren völlig eben und trafen an ihrem Ende, am Übergang zum Kurhausplatz, auf eine quer laufende Treppenanlage mit sechs Stufen. Die beiden Fahrwege stiegen dagegen geringfügig an, wodurch sich durch die Böschungen eine Vertiefung des inneren Terrains ergab, die für ein Bowling Green typisch ist. 1817 ersetzte man die Bäume der inneren Alleen durch Platanen.[5] Nördlich des Bowling Greens wurde im Jahre 1826/27 die „Alte Kolonnade“ errichtet (ab 1937 „Brunnenkolonnade“; heute „Kurhauskolonnade“ genannt) und 1839, als südliches Gegenstück, die „Theaterkolonnade“.

Der „Blumengarten“

Seit der Anlage der beiden Wasserbassins mit den Kaskadenbrunnen 1856 bepflanzte man die gesamte Fläche mit Blumenrabatten und Broderien und legte dazwischen Spazierwege an. Um das Geländeniveau auszugleichen wurde 1905 im Zuge des Kurhaus-Neubaus das Bowling Green bis zu 2,40 m aufgeschüttet. Anschließend gestaltete man die Fläche dem Zeitgeschmack entsprechend üppig aus. Diese Erscheinungsform wurde bis zum Ende der 1920er-Jahre beibehalten. Die Gartenanlage wurde daher auch „Blumengarten“ oder „Blumenwiese“ genannt. Heute erscheint die Fläche vergleichsweise reduziert und erinnert damit wieder eher an die Zeit des unbepflanzten „Bowling Greens“.

Bowling Green bei Nacht mit Kurhaus-Kolonnaden (links), Kurhaus und Theater-Kolonnaden (rechts). In der Mitte die beiden Kaskadenbrunnen.
Bowling Green bei Nacht mit Kurhaus-Kolonnaden (links), Kurhaus und Theater-Kolonnaden (rechts). In der Mitte die beiden Kaskadenbrunnen.

Heutige Situation

Unter dem Bowling Green entstand 2005–2006 (Fertigstellung Mai 2006) eine Tiefgarage mit 450 Stellplätzen auf zwei Ebenen. Die Baumaßnahme war jedoch äußerst umstritten, da sie von vielen als eigentlicher Grund für die Beseitigung des historischen Baumbestands der 180 Jahre alten Platanen im Februar 2005 betrachtet wurde. Seitens der Stadt wurde als Grund jedoch der schlechte Gesundheitszustand eines Großteils der Bäume mit der Gefahr von Astbruch und die dadurch bedingte Gefährdung von Passanten genannt, sowie der Wunsch, die Einheitlichkeit der Alleen wieder herzustellen, nachdem einige Jahre zuvor schon ein Drittel der Bäume ersetzt worden war. Für den Bau der Tiefgarage sei die Beseitigung der Bäume nicht erforderlich, da die Tiefgarage sich nur unter den Mittelstreifen der Anlage erstrecke, nicht aber im Bereich der beiden Alleen.

Seit den 1960er Jahren war bekannt, dass sich, als Folge der Aufschüttung des Geländes im Zusammenhang mit dem Neubau des Kurhauses ab 1905, direkt unter der Oberfläche neue Wurzeln gebildet hatten. Die tiefer liegenden Wurzeln waren dagegen abgefault, was die Standfestigkeit der Bäume schädigte.[6] Die Frage, ob der Zustand der Bäume tatsächlich so schlecht war, dass eine Fällung unumgänglich war, oder ob die Bäume doch noch hätten saniert werden können, war unter verschiedenen Baumsachverständigen umstritten. Sicher ist, dass mit dem Bau der Tiefgarage ein Eingriff in den Wurzelbereich der Bäume erfolgt wäre, der zu einer weiteren Schwächung der Platanen geführt hätte. Eine Klage gegen die Stadt, mit der festgestellt werden sollte, dass diese als Untere Naturschutzbehörde nach dem hessischen Naturschutzgestz in der Pflicht sei, die Platanen als Naturdenkmale auszuweisen und eine Fällung daher also nicht statthaft war, blieb erfolglos.

Die Neugestaltung des Bowling Greens und des Kurhausplatzes orientierte sich am Zustand der Anlage nach der Vollendung des Kurhauses ab 1907. Im Februar 2006 wurden zunächst eine Doppelreihe Platanen der südlichen Allee vor der Theaterkolonnade neu angepflanzt, die nördliche Doppelreihe vor der Kurhauskolonnade folgte im Oktober. Im Juli 2006 wurden die Brunnen und Wasserbecken in historischer Form wieder hergestellt und im November in Betrieb genommen. Der Kurhausplatz und die Christian-Zais-Straße wurden mit einem Basaltpflaster versehen. Drei der vier gläsernen Pavillons, die jeweils an den Enden der Platanenalleen gebaut wurden, dienen als Tiefgaragenzugänge, das vierte Oval an nordwestlicher Ecke des Bowling Greens übernimmt die Funktion der Entlüftung der Tiefgarage. Für den Entwurf sowie die Baubegleitung zeichnet das Büro Planquadrat "Elfer-Geskes-Krämer" aus Darmstadt verantwortlich.

Veranstaltungen

Das Bowling Green wird wegen seiner beeindruckenden Kulisse oft für Open-Air-Veranstaltungen genutzt. So fanden hier beispielsweise schon des Öfteren Konzerte statt (unter anderem von Leonard Cohen, R.E.M., Sting, Nelly Furtado, Bryan Adams, Plácido Domingo, Lionel Richie, Eric Clapton, Elton John und Herbert Grönemeyer).

Außerdem gilt das Bowling Green als Treffpunkt bei besonderen Ereignissen. Beim jährlich im Juni stattfindenden Wilhelmstraßenfest (Theatrium) ist es Mittelpunkt und Schauplatz des zugehörigen Feuerwerks - ebenso bei der größten Silvesterparty Wiesbadens.

Verwandte Themen

Literatur

  • Walter Czysz: Vom Römerbad zur Weltkurstadt. Geschichte der Wiesbadener heißen Quellen und Bäder, Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden - Kulturamt, Wiesbaden 2000, ISBN 3-9802906-7-0
  • Hans-Dieter Wehlmann: Das Kureck - ein Begriff, In Von Biebrich nach Wiesbaden - Zwei Städte wachsen zusammen, Hrsg.: Kur- und Verkehrsverein Wiesbaden, 1998, ISBN 3-00-003125-1

Anmerkungen

  1. Heute läge der Wiesenbrunnen mittig vor dem Portikus des Kurhauses. Beim Bau der Tiefgarage 2005 stieß man auf den Stollen, der von der ursprünglichen Quellfassung zum späteren Auslauf führte.

Einzelnachweise

  1. Historischer Atlas der Stadt Wiesbaden. Christian Spielmann, Julius Krake. Zwölf digitalisierte Stadtkarten von Wiesbaden 1799-1910, Verlag: Stadt Wiesbaden, ISBN 3980290689
  2. Walter Czysz: Vom Römerbad zur Weltkurstadt. Geschichte der Wiesbadener heißen Quellen und Bäder, Seite 164 u. 283
  3. Walter Czysz: Vom Römerbad zur Weltkurstadt. Geschichte der Wiesbadener heißen Quellen und Bäder, Seite 165
  4. Johann Friedrich Morgenstern (1777-1844): Ansicht des alten Kurhauses, 1810/11, Kolorierter Stich
  5. Sigrid Russ, Hrsg: Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Kulturdenkmäler in Hessen, Band I.1 – Historische Fünfeck, Seite 35
  6. Wiesbadener Kurier vom 1. März 2005: "Platanen waren massiv geschädigt"

Weblinks

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