Boxdorf (Moritzburg)
Boxdorf
Gemeinde Moritzburg
Koordinaten: 51° 7′ N, 13° 42′ O51.11944444444413.700555555556168Koordinaten: 51° 7′ 10″ N, 13° 42′ 2″ O
Höhe: 168–234 m ü. NN
Eingemeindung: 1999
Postleitzahl: 01468
Vorwahl: 0351
Boxdorf und benachbarte Dörfer auf einer Karte aus dem 19. Jahrhundert
Boxdorfer Windmühle
Baumwiese

Boxdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Moritzburg im sächsischen Landkreis Meißen.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Verkehrsanbindung

Boxdorf liegt etwa zehn Kilometer nördlich vom Zentrum der Landeshauptstadt Dresden. Im Osten grenzt der Dresdner Stadtteil Wilschdorf an Boxdorf, im Westen Reichenberg und Wahnsdorf, im Norden Moritzburg und im Süden Dresden und Radebeul.

Die Höhe variiert stark: Der Bereich Baumwiese liegt etwa 168 Meter über NN, die Windmühle als höchster Punkt des Ortes 234 Meter über NN. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 2,2 Kilometer Luftlinie, die West-Ost-Ausdehnung etwa 1,2 Kilometer. Die Bodenarten wechseln zwischen Lößlehm und sandigem Lehm bzw. sandigem Lehm auf Syenit.

Durch Boxdorf führen wichtige Staatsstraßen, darunter die S 179 von Dresden nach Moritzburg und die S 81 von Dresden nach Großenhain. Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich der Flughafen Dresden-Klotzsche. Boxdorf ist angeschlossen an das Dresdner Stadtbusnetz. Die Linie 80 verbindet Omsewitz mit Klotzsche, die Linie 72 führt von Kaditz nach Klotzsche. Zudem bedienen Regionalverkehrsgesellschaften mehrere Haltestellen im Ort.

Geschichte

Historiker vermuten, dass Boxdorf Mitte des 12. Jahrhunderts gegründet wurde, als die Besiedlung der Elbtalweitung bis zur Moritzburger Hochfläche begann. Die ersten Siedler ließen sich um den heutigen Dorfplatz nieder. Erst später entwickelte sich der Ort zu einem Straßenangerdorf. Dort wo heute die 1898 gepflanzte Dorfeiche steht, befand sich früher der Dorfteich.

Zum ersten Mal wird der Ort 1242 in einer lateinischen Urkunde erwähnt, damals unter dem Namen Bokoisdorph. Das Schriftstück des Bischofs Conrad von Meißen beschreibt den Weg von Boxdorf nach Dresden. Bokoisdorph ist ein Mischname, der sich aus dem altsorbischen Personennamen Pokoj und dem deutschen Wort -dorf zusammensetzt. Chronisten vermuten, dass der Mann eine besondere Stellung im nach ihm benannten Ort einnahm, zum Beispiel jene des Dorfschulzen.

Die Ortsbezeichnung veränderte sich im Laufe des Jahrhunderts mehrmals: Sprach man 1279 noch von Bokendorf und 1411 von Pockersdorff, ähnelte die Aussprache im späten 15. Jahrhundert schon der heutigen. Das Gemeindesiegel von 1748 zeigt einen Ziegenbock, anlehnend an die ältere Schreibweise Bocksdorff. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts blieb die Schreibweise gleich.

Haupterwerbszweig auf der 258 Hektar großen Gewannflur (Stand: 1900) war bis Ende des 19. Jahrhunderts die Landwirtschaft. Eine Besonderheit dieser war die Bewirtschaftung der nährstoffarmen Böden, welche die Bauern mit dem Anbau von Buchweizen kompensierten. Angebaut wurden ebenfalls Roggen und Hafer. 1772 hielt der Kartoffelanbau Einzug in der Region. Der Straßenname "An der Triebe" weist auf den Viehtrieb jener Tage hinaus auf die Weideflächen hin. Das Ortsverzeichnis belegt außerdem die Existenz einer Rossmühle. Winzer betrieben zudem Weinbau in der Nähe der Baumwiese. 1953 schlossen sich drei Landwirtschaftsbetriebe zur LPG "Einheit" zusammen. Sieben Jahre später wurde die LPG "Haideberg" gegründet. Die staatlich organisierte Landwirtschaft wurde nach der Wiedervereinigung Ende 1991 aufgelöst.

Im Siebenjährigen Krieg nahmen Preußen und Österreicher Boxdorf abwechselnd in Besitz. Die Kämpfe zerstörten viele Felder. Auch die Napoleonischen Kriege gingen nicht spurlos vorüber: 1813 kämpften Franzosen gegen russische Infanterie und Kosaken. Das Skelett eines russischen Soldaten wurde 1928 an der Schulstraße ausgegraben, 1936 zwölf weitere Schädel und Knochen an der Baumwiese. 1828 wütete der größte Brand in der Dorfgeschichte und zerstörte viele Gebäude. 1913 wurde der erste Dresdner Flugplatz auf der Wiese zwischen Windmühle und Wetterberg eröffnet. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges musste der Betrieb eingestellt werden. Der Weltkrieg forderte 13 Opfer aus Boxdorf. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten anglo-amerikanische Fliegerstaffeln das Sanatorium "Lindenhof" an der Baumwiese - zehn Patienten und vier Angestellte starben. Im Krieg starben 98 Bürger Boxdorfs. Die Rote Armee marschierte am 7. Mai 1945 ein.

Seit dem 13. Jahrhundert war das Dorf im Besitz des Domherren zu Meißen. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts unterstand es dem Amt Dresden. Zwischenzeitlich gehörte Boxdorf auch zu Moritzburg. Die Zugehörigkeit zu Dresden endete 1996. Der Ort ist seitdem Teil des Landkreises Meißen. 1994 schloss sich Boxdorf mit Friedewald und Reichenberg zur Gemeinde Reichenberg zusammen. 1999 erfolgte die Eingemeindung zu Moritzburg.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1547 150
1764 235
1834 288
1871 369
1890 473
1910 759
1925 804
1939 1047
1946 1158
1950 1135
1964 1534
1991 1356
2000 siehe Moritzburg

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke und Ausflugsziele

  • Boxdorfer Windmühle
  • Zeltplatz "Oberer Waldteich" Boxdorf

Freiwillige Feuerwehr

  • Freiwillige Feuerwehr Boxdorf

Sportvereine

  • Boxdorfer VC e. V.
  • TSV Reichenberg-Boxdorf e. V.
  • KCÜ Boxdorf e. V.

Bildung

Kurfürst-Moritz-Schule
  • Kurfürst-Moritz-Schule (Mittelschule der Gemeinde Moritzburg)

Wirtschaft

Ansässige Unternehmen

  • Gewerbegebiet
  • Ausflugsgaststätte Baumwiese
  • Gasthof Boxdorf
  • Jugendclub „Die Hütte“ Boxdorf

Weblinks

 Commons: Boxdorf (Moritzburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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