Boxe Française

Das Savate-Boxe Française ist eine Variante des „Fechtens mit Füßen und Fäusten“, die im 18. Jahrhundert in Frankreich entstanden ist.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Beim Savate-Boxe Francaise wird mit den Fäusten und mit Fußtritten gekämpft. Savate-Boxe francaise unterscheidet sich von anderen schlaglastigen Kampfstilen wie z.B. dem Kickboxen oder dem Karate durch die Ausführung der Techniken. Savate-Boxe Francaise wird wie das Boxen in einem Ring durchgeführt. Für Savate-Boxe Francaise werden Boxhandschuhe, Schuhe und der typische Tenue-Integral-Anzug als Bekleidung vorgeschrieben. Es gibt (nach steigenden Fertigkeiten geordnet) folgende Technik-Gradierungen (Gants = Handschuhe): Blau und Grün (Anfänger), Rot und Weiß (Fortgeschritten), Gelb (Meisterschaft, analog Schwarzgurt/1.Dan in fernöstlichen Kampfsportarten), Silber (GAT1, GAT2 und GAT3), die in Form eines Aufnähers der entsprechenden Farbe auf dem Tenue Integral getragen werden. Anhand des Aufnähers ist der technische Grad eines Sportlers zu erkennen. Savate-Boxe francaise ausübende Sportler(innen) werden als „Boxer“ (franz.: Tireuse oder Tireur) bezeichnet. Wettkämpfe für Savate-Boxe Francaise werden in drei unterschiedlichen Kategorien ausgetragen:

  • Assault: (deutsch: Angriff, 3. Serie) Es besteht Leichtkontakt zwischen den Kämpfenden. Die Bewertung des Kampfes erfolgt nach der Qualität der gezeigten Techniken, der Trefferzahl und dem taktischen Verhalten im Kampf. Zu harter Kontakt und k.o. sind verboten.
  • Precombat: (deutsch: Vor-Kampf, 2. Serie) Diese Form ist die „Vorstufe“ zum Vollkontakt-Kampf, in der ein k. o. des Gegners erlaubt ist, aber noch mit erweiterter Schutzausrüstung (Kopfschutz, Schienbeinschutz) gekämpft wird.
  • Combat: (deutsch: Kampf, 1. Serie) Diese Form ist der Vollkontakt-Kampf, in dem das Ziel darin besteht, möglichst viele Wirkungstreffer oder das k.o. des Gegners zu erreichen. Gekämpft wird mit minimaler Schutzausrüstung (Schuhe, Handschuhe + Bandagen, Zahnschutz, Brust/Tiefschutz).

Techniken

Die Grundstellung beim Savate-Boxe Francaise entspricht der im englischen Boxen. Aus dieser Stellung können gleichberechtigt alle zur Verfügung stehenden "Waffen" (vordere und hintere Hand, vorderes und hinteres Bein) eingesetzt werden. Legitime Trefferflächen im Wettkampf sind: Mit den Händen analog zum englischen Boxen Kopf vorne und seitlich, Rumpf vorne und seitlich. Mit den Beinen darf der gesamte Körper (Kopf, Rumpf incl. Rücken, Beine) des Gegners getroffen werden mit Ausnahme des Genicks, des Kehlkopfes (vorderer Halsbereich) und des Genitalbereichs (bei Frauen darf nicht auf die Brust getreten oder geschlagen werden). Getroffen werden darf nur mit der Vorderseite des Boxhandschuhs und dem Fuß (Savateschuh).

  • Trefferebenen sind:
    • Bas - Unten (Beine bis Hüfte)
    • Mediane - Mitte (Hüfte bis Kopf)
    • Figure - Kopfhöhe


Folgende Techniken können beim Savate-Boxe Francaise ausgeführt werden:

  • Fußtechniken
    Alle diese Tritte sind gesprungen und gedreht und in jeder Trefferebene (2 Ausnahmen: "Revers frontal" normalerweise nur Figure, "Coup de pied bas" nur bis Kniehöhe) möglich.
    • Chassé Frontal und Chassé Lateral avant/arriere: Gerader und seitlicher Fußstoß, vorderes und hinteres Bein
    • Fouetté avant/arriére: Halbkreisfußtritte vorderes/hinteres Bein
    • Revers lateral - Halbkreisfußtritt "rückwärts" entweder "gruppé / armé " oder "jambe tendue" (Hook -Kick mit in der Ausholphase angewinkeltem oder gestreckten Bein)
    • Revers frontal - (Crescent-Kick, Queixada)
    • Coup de pied bas (de deséquilibre) - Pendeltritt zum Schienbein oder Fußfeger (nur Linie BAS)
  • Faustschläge (analog zum Boxen)
    • Uppercut: Aufwärtshaken
    • Direct avant/arriére: Gerade Fauststösse nach vorne (Jab, Punch)
    • Crochet: Haken

Geschichte

Savate ist ein französischer Begriff mit der Bedeutung für Straßenkampf oder „Street Fighting“ und heißt genau übersetzt 'abgetragener Schuh'. Damit sind die Ursprünge dieser Kampfsportart hinreichend erklärt, die hauptsächlich französischen Seeleuten aus Marseille zugeschrieben werden. Die französischen Soldaten zur Zeit der Revolutionskriege wurden ebenfalls im Savate ausgebildet.

Für die Umwandlung des Savate in die heute praktizierte, regelbasierte Sportart sind zwei Personen verantwortlich. Die erste ist Michel Casseux (1794-1869). Casseux (auch bekannt als „le Pisseux“) eröffnete 1825 das erste Trainingszentrum für Savate. Er stellte dabei auch die ersten Regeln auf, indem Techniken wie zum Beispiel Kopfstöße verboten wurden. Dennoch konnte der Sport durch Casseux nicht von dem Ruf des Schlägertums befreit werden, da Schläge noch mit der offenen Hand ausgeführt wurden.

Seinem Schüler Charles Lecour wurde um 1830 die englische Art des Boxens beigebracht. Er fühlte, dass er im Nachteil war, wenn er nur seine Hände benutzen konnte, um seinen Gegner zu schlagen. Er kombinierte Boxen und Savate zu der heute üblichen Form.

Daraufhin wurde Savate zu einer beliebten Sportart, die sogar an Schulen unterrichtet wurde. Zwischen 1914 und 1945 verringerte sich die Anzahl der Savate praktizierenden Sportler stark, obwohl Savate als Demonstrationssportart bei den Olympischen Spielen in Paris 1924 einer breiten internationalen Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Nach 1945 erholte sich die Savate-Gemeinde jedoch soweit, das sich 1985 der B.F.-Savate Verband gründete, dem auch die französischen Stockkampf-Varianten Baton und Canne (Canne de Combat) untergeordnet sind.

Am 1. März 2008 wurde das Boxe Française Savate von der International University Sports Federation (FISU) anerkannt. Die erste Universitäts-Weltmeisterschaft findet im Juni 2010 in Nantes, Frankreich statt.

WebLinks

Siehe auch


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