Bozner Lauben
Bozner Lauben (Nordseite von Westen gesehen)
Ehemaliges Geschäft vom k.u.k. Hoflieferanten Josef Ringler’s Söhne (2011)

Die Bozner Lauben sind eine Sehenswürdigkeit von Bozen, der Landeshauptstadt Südtirols. Sie gelten als Keimzelle der mittelalterlichen Stadtanlage und sind bis heute die wichtigste Straße der Altstadt, die diese von Osten nach Westen durchschneidet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Lauben wurden im ausgehenden 12. Jahrhundert – in der Spätzeit der Herrschaft Kaiser Friedrichs I. Barbarossa – von den Bischöfen von Trient als zeittypische Straßenmarktanlage mit zentralem Getreidemarkt (dem Kornplatz) und (abgegangener) Stadtburg errichtet.[1] Die Bischöfe suchten damit einen von ihnen kontrollierten Handelsplatz im Bozner Talkessel zu schaffen, dessen Kontrolle sie allerdings rasch mit den Grafen von Tirol teilen mussten. Zu Messezeiten vermieteten die Bozner Kaufleute ihre Gewölbe an die Händler aus dem Norden und dem Süden. Die nördlichen Lauben waren bevorzugt den Kaufleuten aus dem Süden vorbehalten, die südlichen denen aus dem Norden. Einige Kaufmannsfamilien, wie die Fugger, unterhielten in Bozen eigene Gewölbe.

Ein bekanntes Unternehmen war der k.u.k. Hoflieferant Josef Ringler’s Söhne Unter den Lauben 7.[2]

Aussehen und Beschaffenheit

Die Laubenhäusern zeichnen sich durch eine charakteristische Architektur aus:[3]

  • Im Erdgeschoss finden sich die Laubengänge, auf denen sich das merkantile Leben abspielte, und dahinter die sog. „Gewölbe“, in denen die Waren gelagert wurden.
  • In den Stockwerken darüber befinden sich die Wohnungen, rund um einen Innenhof angelegt, den sog. Lichthof, der auch den innen liegenden Fenstern Tageslicht bringen sollte. Meistens haben die Treppen in diesem Lichthof schmiedeeiserne Geländer.

Die Laubenwohnungen weisen eine sogenannte „schöne“ Seite, die auf die Laubengasse geht, auf, während die hinteren Räume dem Personal des Stadtpatriziats vorbehalten waren.[4] Interessanter noch als die Stockwerke sind die Keller der Laubenhäuser, die zum Teil bis in die spätromanische Gründerzeit zurückgehen und vielfach der Einlagerung des in der Bozner Gegend gebauten Weines dienten. Sie sind mit Gewölben ausgestattet und reichen oft drei oder vier Stockwerke in die Erde, was der knapp bemessenen Breite der Grundstücke von gerade einmal 3,6 Meter geschuldet ist.[5] Die Mauern, die gleichzeitig die Fundamente sind und die Häuser seit etlichen Jahrhunderten tragen, sind zweischalig: Lüftungsgänge ermöglichen die Zufuhr von Frischluft und halten die Keller schimmelfrei. Das Stadtbauamt hat bei der Neupflasterung der Laubengasse auf die Lüftungsschlitze in den Stufen wenig Bedacht genommen und diese teilweise zubetoniert, so dass in der Folge nicht wenige Keller feucht und schimmelig wurden.

Durch die Laubengasse fließt noch heute eine jetzt unterirdische Wasserrinne (in Bozen Ritsch genannt), die früher die Laubenhäuser mit Nutzwasser versorgt hat (sie ist durch die Pflasterung der Straße erkennbar).

Auskunft über die Geschichte der Lauben gibt unter anderem das Merkantilmuseum.

Einzelnachweise

  1. Vgl. Hannes Obermair: [1] Kirche und Stadtentstehung. In: Der Schlern, Bozen 1995, bes. S. 459ff.
  2. Verein Österreichischer Chemiker (Hrsg.): Österreichische Chemiker-Zeitung. 5-6, Wien 1891 (Bozener Früchte und Conserven. in der Google Buchsuche-USA).
  3. Vgl. Ders./Helmut Stampfer: [2] Urbane Wohnkultur im spätmittelalterlichen Bozen. In: Schloß Runkelstein. Die Bilderburg, hg. von der Stadt Bozen unter Mitwirkung des Südtiroler Kulturinstitutes (Kat.), Bozen 2000, S. 397–409.
  4. Vgl. Rainer Loose: Wohnen und Wirtschaften in der Laubengasse - Versuch einer Sozialtopographie der Altstadt Bozen um 1350, in: Bozen von den Grafen von Tirol bis zu den Habsburgern, Bozen 1999, S. 105–126.
  5. http://www.suedtirolssueden.net/entdecken-geniessen/kulturschaetze/bozner-lauben.asp

Weblinks

46.49962811.354418

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