Boötes
Daten des Sternbildes Bärenhüter
Deutsche Namen Bärenhüter,
Rinderhirte
Lateinischer Name Boötes
Lateinischer Genitiv Boötis
Lateinische Abkürzung Boo
Lage Nördlicher
Fixsternhimmel
Rektaszension 13h 35m bis 15h 50m
Deklination +8° bis +55°
Fläche 907 Quadratgrad
Rang 13
Sichtbar auf Breitengraden 90° Nord bis 50° Süd
Beobachtungszeitraum
für Mitteleuropa
Frühjahr
Anzahl der Sterne mit
Größe < 3m
3
Hellster Stern,
Größe
Arktur,
Arcturus (α Boötis),
-0,04m
Meteorströme Quadrantiden,
Alpha-Bootiden,
Juni-Bootiden
Nachbarsternbilder
(von Norden im
Uhrzeigersinn)
Drache
Großer Bär
Jagdhunde
Haar der Berenike
Jungfrau
Schlange
Nördliche Krone
Herkules
Sternbild Bärenhüter (Karte)
Sternbild Bärenhüter (Stich)

Der Bärenhüter (lateinisch Bootes [boˈoːteːs], manchmal auch als "Rinderhirte" bezeichnet) ist ein Sternbild nördlich des Himmelsäquators.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Bärenhüter ist ein auffälliges Sternbild des Frühjahrshimmels. Seine Figur erinnert an einen Kinderdrachen oder eine große Eistüte.

Er steht zwischen dem Herkules und der Jungfrau. Um ihn aufzufinden, kann man sich am Großen Wagen (Großer Bär) orientieren. Wenn man den Bogen der Deichselsterne verlängert, gelangt man zu dem auffällig rötlichen Arktur, dem hellsten Stern des Bärenhüters.

Der nördliche Zipfel ist in den mittleren Breiten zirkumpolar.

Geschichte

Der Bärenhüter gehört zu den 48 Sternbildern der antiken griechischen Astronomie, die bereits von Ptolemäus beschrieben wurden.

Der Name Boötes leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet eigentlich Ochsentreiber oder Stiertreiber.

Ein veralteter Name des Sternbilds ist Arktophylax, griechisch für »Bärenhüter«. Er rührt daher, dass der Hauptstern Arktur am Himmel dem »Schwanz« des Großen Bären zu folgen scheint.

Bei der Einführung der offiziellen Grenzen moderner Sternbilder durch die IAU wurden zwei alte Sternbilder zu Gunsten des Bärenhüters aufgelöst. Im Nordteil des Sternbildes an der Grenze zum Drachen befand sich das Sternbild Mauerquadrant, nach dem auch der Meteorstrom der Quadrantiden benannt ist, im Süden an der Grenze zur Jungfrau befand sich das Sternbild Berg Mänalus.

Meteorströme

Im Bärenhüter liegt der Radiant der Quadrantiden, eines Meteorstroms, der am 3. Januar eines jeden Jahres sein Maximum hat. Dann können 40 bis 200 Meteore pro Stunde beobachtet werden.

Mythologie

Zum mythologischen Ursprung des Sternbildes gibt es mehrere Versionen.

So soll der Bärenhüter Arkas, den Sohn des Zeus und der Kallisto, darstellen.

Einer anderen Überlieferung nach ist der Bärenhüter Philomelos, der Sohn des Iasion und der Demeter, der den Wagen und den Ackerpflug erfand.

Eine andere Version sieht im Bärenhüter Ikarios, den der Weingott Dionysus in die Kunst des Weinanbaus einweihte. Ikarios zog eines Tages los, um den Rebensaft zu verkaufen. Er traf auf eine Gruppe von Hirten, denen er das bisher unbekannte Getränk einschenkte. Die Hirten glaubten allerdings, Ikarios wolle sie vergiften und erschlugen ihn. Erigone, die Tochter des Ikarios, erhängte sich darauf hin vor lauter Trauer.
Dionysus verewigte Ikarios und seine Tochter am Himmel, die als Sternbild Jungfrau in der Nähe ihres Vaters zu sehen ist.

Himmelsobjekte

Sterne

B F Namen o. andere Bezeichnungen m M Lj Spektralklasse
α 16 Arktur, Arcturus, Haris el sema -0,04 -0,31 36,7 K2 III
ε 36 Izar, Mirak, Pulcherrima 2,35 -1,69 210 K0 II + A2 V
η 8 Muphrid 2,68 2,41 37 G0 IV
γ 27 Ceginus, Seginus, Haris 3,03 0,96 85 A7 III
δ 49 3,46 0,69 117 G8 III
β 42 Nekkar, Nakkar, Meres 3,49 -0,64 148 G8 III
ρ 25 3,57 0,27 149 K3 III
ζ 30 3,78
θ 23 Asellus Primus 4,04 47 F7 V
υ 4 4,05
λ 19 4,18 97 A0p
μ 51 Alkalurops, Inkalunis, Clava, Venabulum 4,31 120
σ 28 4,47
π1 29 4,49
τ 49 4,50 3,53 50,8 F6 IV
ψ 43 4,52
κ 17 Asellus Tertius 4,54 155 A8 IV + A5
ξ 37 4,54
ο 35 4,60
ι 21 Asellus Secundus 4,75 97 A9 V + A2
ω 41 4,80
A 4,80
d 12 4,82
i 44 4,83
e 6 4,92
c 45 4,93
ν2 53 4,98
ν1 53 5,04
φ 54 Ceginus 5,25
38 Merga, Marrha, Falx Italica 5,79 153 F7 IV

Arktur (α Bootis) ist der hellste Stern des Nordhimmels und der dritthellste Stern, den man am Himmel sehen kann. Er ist ein Roter Riese Spektralklasse K2 in 36 Lichtjahren Entfernung mit dem 30fachen Durchmesser unserer Sonne. Mit einer Entfernung von 36,7 Lichtjahren ist er der nächstgelegene Riesenstern. Seine hohe Eigenbewegung von 2,28 Bogensekunden pro Jahr wurde von Edmond Halley entdeckt.
Der Name Arktur leitet sich aus dem Arabischen ab und bedeutet so viel wie „Jäger der die Bärin im Auge behält“. Der arabische Name Haris el sema bedeutet „Herrscher des Himmels“.

Die Sterne θ ι und κ Bootis tragen die lateinischen Namen Asellus Primus, Secundus und Tertius, was erster, zweiter und dritter Esel heißt.

λ Bootis (Lambda Bootis, HR 5351) ist der Prototyp einer Klasse von Sternen mit einer speziellen chemischen Zusammensetzung ihrer Oberfläche und wurde bereits 1943 von William W. Morgan, Philip C. Keenan und Edith Kellman in ihrem »Atlas of Stellar Spectra« beschrieben. Diese ist sehr arm an manchen Metallen und weist die gleiche Elementhäufigkeit auf wie das sie umgebende interstellare Gas. Als Grund dafür wird angesehen, dass der Stern den interstellaren Staub beim durchqueren von staubreichen Gebieten durch seinen Strahlungsdruck vor sich herschiebt und das interstellare Gas aufsammelt.[1]

Doppelsterne

System m Abstand
ε 2,5 / 4,9 2,8"
δ 3,5 / 7,8 105"
η 4,3 / 7,1 / 7,8 108"
ζ 4,5 / 4,6 0,7"
κ2 4,5 / 6,7 13,6"
τ 4,5 / 11,0 14,4"
ξ 4,7 / 7,0 6,0"
ι 4,8 / 7,7 38,5"
π 4,9 / 5,8 5,5"
ξ 4,8 / 6,9 6,6"
ν 4,98 / 5,04 14’
44 5,1 / 7,0 2,2"
39 6,2 / 6,8 2,8"

Im Bärenhüter findet man eine ganze Reihe von Mehrfachsternen.

ε Bootis ist ein Doppelstern in 150 Lichtjahren Entfernung. Im Teleskop sieht man einen tiefgelben, hellen Stern, der von einem bläulichen Stern begleitet wird. Dieses Doppelsternsystem wird oft als eines der schönsten bezeichnet.
Der arabische Name Izar bedeutet „Gürtel“, der lateinische Name Pulcherrima die „Wunderschöne“.

η Bootis ist ein Dreifachsystem in 55 Lichtjahren Entfernung. Zwei der Sterne kann man bereits mit einem Prismenfernglas trennen. Im Teleskop erkennt man bei der lichtschwächeren Komponente noch einen weiteren Begleiter.
Die Herkunft des Namens Muphrid ist nicht geklärt.

ι Bootis ist ein Dreifachsystem in einer Entfernung von 100 Lichtjahren. Die beiden hellsten Sterne können ebenfalls mit einem Fernglas in Einzelsterne aufgelöst werden. Der lichtschwächere Begleiter ist zudem noch ein veränderlicher Stern (s.u.)

Die Sterne ν1 und ν2 Bootis stehen mit 14 Bogenminuten soweit auseinander, dass sie bereits mit bloßem Auge getrennt werden können.

Veränderliche Sterne

Objekt m Periode Typ
W 4,7 bis 5,4 30 bis 450 Tage halbregelmäßig
ι 6,5 bis 7,1 0,2678 Tage Bedeckungsveränderlicher

W Bootis ist ein halbregelmäßig veränderlicher Stern in 400 Lichtjahren Entfernung. Seine Helligkeit schwankt in einem Zeitraum von 30 bis 450 Tagen zwischen 4,7 und 5,4m.

ι Bootis ist ein bedeckungsveränderlicher Stern vom Typ Beta-Lyrae. Dies sind enge Doppelsternsysteme in einer Frühphase ihrer Entwicklung, bei dem das Gas eines aufgeblähten Hauptsterns auf die Akkretionsscheibe eines Begleitsterns strömt und diesen periodisch verdunkelt.

Messier- und NGC-Objekte

Messier (M) NGC sonstige m Typ Name
5466 8,0 Kugelsternhaufen
5966 12,2 Galaxie

Obwohl der Bärenhüter sehr ausgedehnt ist enthält er nur wenige auffällige Sternhaufen, Gasnebel oder Galaxien.

NGC 5466 ist ein Kugelsternhaufen in 50.000 Lichtjahre Entfernung. Zu seiner Beobachtung benötigt man ein lichtstarkes Fernglas oder Teleskop.

Planetensysteme

Bislang wurden in diesem Sternbild 4 Planetensysteme identifiziert:

  • BD+36°2593 mit dem Planeten HAT-P-4b (Umlaufperiode 3,06 d)
  • Tau Boötis mit dem Planeten Tau Boötis A b (Umlaufperiode 3,31 d)
  • HD 128311 mit 2 Planeten (459 bzw. 928 d)
  • HD 132406 mit dem Planeten HD 132406 b (Umlaufperiode 974 d)

unbekannte Objekte

Am 21. Februar 2006 leuchtete im Sternbild Bootes in Richtung des Galaxienhaufens Cl1432.5+3332.8 für rund 200 Tage ein neues Objekt auf. Astronomen von der University of California in Berkeley suchten in dieser Gegend gerade mit dem Hubble-Weltraumteleskop nach Supernovae als sie auf das Objekt aufmerksam wurden. Allerdings stimmten weder das aufgenommen Spektrum noch die Lichtkurve (also die Änderung der Helligkeit mit der Zeit) mit bisher bekannten Supernovatypen, Gravitationslinsen-Effekten oder anderen bekannten Objekten überein. Auch die Entfernung konnte nur sehr unzureichend anhand der nicht feststellbaren Bewegung des Objektes und des Spektrums auf zwischen 130 Lichtjahre und 11 Milliarden Lichtjahre eingegrenzt werden.[2]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Sterne und Weltraum, April 2006 : Lambda-Bootis-Sterne - Staubsauger des interstellaren Mediums
  2. Wissenschaft Aktuell: Das Bootes-Rätsel

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