Brachert

Hermann Brachert (* 11. Dezember 1890 in Stuttgart; † 2. Juni 1972 in Schlaitdorf) war ein Bildhauer, der Naturstein, Metall (vor allem Bronze) und Bernstein plastisch formte. Brachert war ein vielseitiger Bildhauer, der sich verschiedenster Materialien bediente, um seine Formensprache zu entwickeln und darzustellen. Das Jahr 1933 setzte mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten seinen künstlerischen Arbeiten ein Ende. Er erhielt ein Berufsverbot. Wichtige seiner Arbeiten im öffentlichen Raum wurden entfernt oder zerstört. Da die Staatliche Bernsteinmanufaktur in Königsberg in Preußen auf seine künstlerische Mithilfe angewiesen war, wurde sein Leben nicht in Gänze zerstört und er konnte in gewissem Rahmen weiter künstlerisch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs arbeiten. In der Nachkriegszeit setzte er seine ganze Kraft für den Wiederaufbau der in Trümmer liegenden Akademie der bildenden Künste Stuttgarts ein. Seine letzte Arbeit war eine vorwärtsdrängende Frauengestalt. Sie sollte „Erinnerung an das Schicksal Ostpreußens und seiner Menschen sein, sie soll aber zugleich als Mahnung für die Zukunft dienen: Nie wieder Krieg“.[1]

Inhaltsverzeichnis

Leben

Hermann Brachert wurde als Sohn des Geschäftsführers Alfred Brachert und seiner Ehefrau geb. Renz geboren. Er besuchte von 1897 bis 1905 die achtklassige Stuttgarter Schlossrealschule und ab 1905 nahm er gestalterischen Privatunterricht bei Prof. Paul Christaller. Nach einer 4jährigen Lehrzeit als Ziseleur und Stahlstempelschneider schloss er 1912 mit der Gesellenprüfung ab. Er besuchte von 1913 bis 1916 die Kunstgewerbeschule auf dem Weißenhof in Stuttgart und war Schüler von Prof. h. c. Robert Knorr. Von 1917 bis 1818 arbeitete er als freischaffender Künstler und studierte bei Prof. Paul Bonatz an der Technischen Hochschule Architektur. Bereits im Alter von 29 Jahren erhielt er 1919 einen Ruf als Professor und leitete bis 1926 die Abteilung für Stein- und Holzplastik an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Königsberg/Preußen. Neben der Bildhauerklasse leitete er eine Klasse für Goldschmiedekunst, da er eine Ausbildung als Ziseleur abgeschlossen hatte. 1924 wurde er mit der Bronzenen Königsberger Stadtmedaille ausgezeichnet. In der Zeit von 1926 bis 1930 war er für Staatsaufträge zur Anfertigung von Stein- und Bronzeplastiken für die Universität Königsberg freigestellt; von 1930 bis 1933 beriet er die Staatlichen Bernsteinmanufaktur in Königsberg und die Staatliche Kunstgießerei Gliwice (Gleiwitz) künstlerisch. Er führte bis 1933 zwanzig große Architekturplastien aus. Ferner entstanden eine große Anzahl von Medaillen aus Bronze sowie Kupferstiche. Für seine ausdruckvollen plastischen Arbeiten, die keineswegs den Vorstellungen der Nationalsozialisten entsprachen, erhielt er ein Ausstellungsverbot, Kunstwerke von ihm im öffentlichen Raum wurden entfernt und er lebte bis 1936 als freischaffender Künstler. Von 1936-1944 verdingte er sich als künstlerischer Berater der Bernsteinmanufaktur.

Bis zur Räumung Ostpreußens und nach seiner Rückkehr nach Stuttgart war er freischaffend tätig. Seine Ernennung zum Professor an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart erfolgte am 15. März 1946 und die Übernahme der Bildhauerklasse war verbunden mit der Neuorganisation der Akademie. Er wurde zum Rektor bzw. zum Stellvertretender Rektor der Akademie ernannt, bis er Ende 1955 in Ruhestand trat.

Er nahm danach weiterhin eine Lehrtätigkeit an der Akademie wahr, beriet die Schwäbischen Hüttenwerk Wasseralfingen künstlerisch und wurde 1960 zum Ehrenmitglied der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart ernannt. Am 15. April 1961 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen. Er verstarb am 2. Juni 1972 im Schlaitdorf.

Werke im öffentlichen Raum

Arbeiten in Stein

  • Hausmarke am Haus der Technik in Königsberg als Halbrelief (1925): Kalkstein
  • Lehrender, Plastik vor der Universität Königsberg (1928): 3,20 Kalkstein (verschollen)
  • Chronos auf drei Pferden am Hauptbahnhof in Königsberg (1929): Travertin ca. 2,0 m, nach dem Krieg entfernt
  • Wasserträgerin, überlebensgroße Brunnenfigur in Rauschen (1940): Marmor
  • Fischer mit Nixe, Relief in Rauschen: Kalkstein (1,20×1,40 m)
  • Büste des Bundespräsidenten Theodor Heuß in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Bonn, überlebensgroß (1949): Untersberger Marmor
  • Genius, Plastik vor der Oberlandesgericht Stuttgart, überlebensgroß (1956): Kalkstein
  • Relief im Oberlandesgericht nach einem Entwurf von Brachert
  • Relief an einer der Marmorsäule der Robert Bosch AG, Stuttgart (1955): Marmor
  • Mahnmal für die Gefallenen in Stuttgart-Untertürkheim (1960): Kalkstein 3,20 m

Bronzearbeiten

  • Tanzende Mädchen, lebensgroß (1927): von den Nationalsozialisten 1933 entfernt
  • Reichspräsident von Paul von Hindenburg im Schlossmuseum Königsberg, Büste überlebensgroß (1928)
  • Reichspräsident Friedrich Ebert, Büste überlebensgroß (1929): von den Nationalsozialisten 1933 entfernt
  • Otto Braun, Ministerpräsident von Preußen, genannt der rote Zar von Preußens, SPD-Vorsitzender Preußen, Büste (1929), Ehrenbürger Berlin und der Freien Universität Berlin: Staatsbibliothek Berlin
  • Schreitendes Mädchen (1929): (1,90 m) von den Nationalsozialisten 1933 entfernt
  • Stadtschulrat Prof. Dr. Stettiner, etwa lebensgroß (1930): von den Nationalsozialisten 1933 entfernt
  • Corinth-Ehrung, überlebensgroßer offener Bronzeguß (1931): von den Nationalsozialisten 1933 entfernt
  • Nixenreigen, Relief (1937): (50 cm)
  • Nymphe, Plastik überlebensgroß (1938)
  • Prof. Dr. Reinhold Trautmann, Büste lebensgroß (1941)
  • Hölderlin, kleiner Portraitkopf in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Bonn(1955): 17 cm
  • Erinnerung an Ostpreußen, überlebensgroß vor dem Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg (1970): 1,70 m

Bernsteinarbeiten

  • Die Schwebende (1938): 21 cm
  • Windsbraukasen mit Silbertreibarbeit (1940): 35×35×9 cm
  • Altarkreuz (1936): 61 cm
  • Kelch (1936): 23 cm

Brachert-Museum

Im ehemaligen Georgenswalde (heute Otradnoje) befindet sich ein Brachert-Museum, in dem Arbeiten von Hermann Brachert ausgestellt sind.

Literatur

  • Ausstellungskatalog: Der Bildhauer Prof. Hermann Brachert 1890-1972. Ausstellung zum 100. Geburtstag. Plastiken, Bernsteinarbeiten, Zeichnungen. Hrsg. vom Innenministerium Baden-Württemberg et al. (1972)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ausstellungskatalog: Der Bildhauer: S. 8., siehe Lit.

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